BLKÖ:Vacano, Emil Mario

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vacano, Anton von
Band: 49 (1884), ab Seite: 164. (Quelle)
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Vacano, Emil Mario (Schriftsteller, geb. zu Schönberg in Mähren 16. November 1840, nach Anderen 1842, auch 1843). Unser Lexikon muß wohl eine Biographie des in Rede Stehenden bringen, aber wir gestehen offen, sie ist leicht gefordert und – schwer geschrieben. Jedermann weiß die genauesten Daten über ihn, und alle diese Daten widersprechen sich. Wenn man Alles gelesen, was über ihn geschrieben wurde – und das ist nicht wenig – so fragt man sich, wo hört da die Mythe auf, und wo fängt die Wahrheit an? Jeder will ihn kennen, und Jeder schildert ihn anders. Die Literaturgeschichten, welche in ihren Bereich die Gegenwart hineinziehen, wie jene von Edmund Höfer und von Franz Hirsch, müssen sich begnügen, von seinen Werken zu reden, wissen aber über [165] seine Lebensschicksale nichts zu berichten. Während Vacano noch lebt, wird er bereits als Novellenfigur verarbeitet, so von Sacher-Masoch in dessen „Miß Ella“ u. v. A. Ich kannte genau des Dichters Vater, einen schlichten, ernsten, wortkargen, aber nicht unzugänglichen Mann von mittlerer Größe und gedrungener Gestalt. Einen Sommer hindurch fuhr ich mit ihm sehr oft von Ober-St. Veit, wo wir Beide wohnten, im Omnibus nach Wien. Im Gespräche brachte ich da öfter die Rede auf den schon damals schriftstellernden und oft genannten Sohn, doch verhielt sich der Vater über diesen Fragepunkt wenn nicht geradezu abwehrend, so doch sehr zurückhaltend, so daß es fast schien, als walte zwischen Beiden eben kein volles Einvernehmen. Der Vater war Catastral-Oberinspector über Galizien und die Bukowina, und in diesen beiden Ländern verlebte der Sohn, dem sich die Liebe der Eltern in vollem Maße zuwandte, seine Jugend. Schon von den Knabenjahren an war sein innerster Drang auf das Kloster und eine gewisse innere Vertiefung, wie man sie bei frühreifen Kindern oftmals antrifft, gerichtet, und in einem Capucinerkloster erhielt er auch seine erste Bildung. Die Eindrücke, die er dort empfing, sind auch in seinen späteren Jahren nicht erloschen. Er schwärmte auch für das klösterliche Leben, und talentbegabt, wie er war, lernte er leicht und gut in den lateinischen Schulen, in denen er die lateinischen Kirchenväter zu lesen begann, welche Manches enthalten, was eine jugendliche Phantasie gar mächtig erregen kann. Mitten aus diesen klösterlichen Studien trieb ihn ein Zufall aus den galizischen Gegenden in die Moldau hinunter, wo ihn plötzlich ein lustiges Circusleben umgab. Er war kaum ein vollwüchsiger Knabe, aber dieses für das Auge verführerische Treiben hatte es ihm angethan, er ging unter die Seiltänzer, wirkte bei verschiedenen Truppen mit und fand endlich Engagement im Circus Guasso, mit welchem er die Moldau, die Walachei und Oberitalien durchwunderte. Er führte in dieser Truppe den Namen Milo Vanozza. Nun geschah etwas Besonderes. Er mochte im fünfzehnten oder sechzehnten Jahre stehen, als ihn ein gewisser Henri, welcher eine kleine Gesellschaft besaß, dem Publicum als Schulreiterin, und zwar unter dem Namen Sangumetta vorführte. Dieses Miß-Ellathum wurde aber bald entdeckt, und nun ging mit dem Jünglinge eine völlige Veränderung vor sich. Das Vagabundenleben der Circusreiter und Seiltänzer hatte er endlich genug, er gab es auf und trat wieder in ein Kloster, aber nicht um Ascetik zu treiben, sondern einstweilen nur als Kostgeher. Martin Perels, ein freilich nicht ganz zuverlässiger, aber in manchen Dingen wohl unterrichteter Gewährsmann, erzählt, Vacano sei im November 1859 Statist am Wiener Hofburgtheater gewesen, habe aber dasselbe nach einem unbedeutenden Rencontre mit Meister Fichtner bei Gelegenheit der Schillerfeier verlassen. Bald darauf betrat unser Dichter die Schriftstellerlaufbahn, und zwar zunächst mit kleinen Artikeln in Zeitungen, 1861 aber schon mit seinem ersten selbständigen Werke „Mysterien des Welt- und Bühnenlebens“, in welchem er mit ganz unverfrorenem Freimuthe die Personen bei ihrem wahren Namen nennt. Dergleichen Stoff findet immer sein Publicum und der Verleger dabei seine Rechnung, und so blieb Vacano, von Letzterem zu immer neuen Arbeiten aufgefordert, unter [166] den Schriftstellern und ist bei ihnen geblieben bis zur Stunde. So erschien denn sein Roman „Moderne Vagabunden“ bei Bloch in Berlin, und zwar der erste Band ohne Autornamen. Erst der zweite wurde mit demselben ausgegeben, da der Verleger meinte, daß das Publicum den Verfasser schon aus dem Style errathen habe. Um diese Zeit hielt sich Vacano bei einer Edelmannsfamilie in Polen auf. Dort traf er eines Tages mit einem Edelmann K. zusammen, der in ihm die ehemalige Schulreiterin Sangumetta aus dem Venetianischen wiedererkannte. Die polnische Erhebung befand sich um diese Zeit in vollem Zuge. K., eines der hervorragenderen Glieder der geheimen Nationalregierung, lud den Dichter auf sein Gut, und dieser begleitete seinen neuen Bekannten, ohne eine Ahnung von dessen Mission zu haben, auf verschiedenen kleinen Touren im Lande. Auf einer derselben wurde der Edelmann an der russischen Grenze als Waffenschmuggler aufgehoben. Vacano entging dieser Gefahr nur dadurch, daß er sich eben im Kloster des Ortes zu Gast befand und auf die Nachricht, daß sein Freund festgenommen worden sei, vom Prior als Klosterbruder zwischen den Mönchen verborgen gehalten wurde. Auf diese Episode hin melden einzelne Biographen Vacano’s, daß derselbe in der Insurrection für die Nationalregierung „diplomatische“ Sendungen übernommen habe. Der neuerliche Aufenthalt im Kloster nährte aber noch mehr in dem Dichter die nie erstorbene Neigung für das Klosterleben, deren Verwirklichung jedoch durch manche andere Erlebnisse immer wieder hinausgeschoben wurde. Während dieser ganzen Zeit war Vacano indeß ununterbrochen schriftstellerisch thätig, woraus sich denn die überraschende Menge von Schriften erklärt, welche er auf den Büchermarkt warf, wobei aber nach seinen eigenen Geständnissen Vieles auf seine Rechnung kam, was gar nicht aus seiner Feder stammt; allein der Umstand, daß er keinen bleibenden Aufenthalt hat und wo er sich befindet, sozusagen geheimnißvoll zurückgezogen lebt, macht es dem literarischen Piratenthum leicht, unter Vacano’s Flagge zu segeln. Anderseits wieder wird ihm selbst nicht der Vorwurf des Plagiats erspart, indem die „Blätter für literarische Unterhaltung“ ihm nachweisen, daß sein Roman „Moderne Vagabunden“, dem eben er seinen absonderlichen Ruf verdankt, in wichtigen Partien ein Plagiat ist, begangen an der Novelle des Amerikaners Edgar Poe: „The facts in the case of Mr. Valdemar. Wir sind außer Stande, den Lebenslauf unseres Schriftstellers weiter zu verfolgen, da uns eben alle authentischen Behelfe fehlen. Im Jahre 1872 befand er sich in Berlin. Er soll, einer dringenden Einladung einiger Freunde folgend, dahin gegangen sein, um Vorlesungen zu halten. Heiserkeit und eine plötzliche Ohnmacht verhinderten ihn, seine erste Vorlesung – von einer zweiten verlautete nichts – im Woltersdorff-Theater zu Ende zu führen. Bis um das Jahr 1866 wanderte er unstet umher, in der Bukowina, in Galizien, im Auslande; nach 1866 zog er sich nach Deutsch-Oesterreich zurück und lebte in Wien oder in dessen nächster Nähe, doch ganz abgeschlossen, selbst ohne literarischen Verkehr, nur einmal hieß es, daß er mit Emmerich Grafen Stadion [Band XXXVII, S. 26, Nr. 4] einen Roman, betitelt „Dornen“, gemeinschaftlich arbeite. 1874 verlautete es wieder, daß er ins Kloster getreten oder doch, daß er in [167] ein solches treten wolle. Indeß mag er von diesem Entschlusse zurückgekommen sein, denn Jos. Kürschner’s „Deutscher Literatur-Kalender“ für 1883, dem wir auch das an der Spitze unserer Skizze befindliche Geburtsdatum entnehmen, berichtet, daß Vacano zur Zeit in St. Pölten, und daselbst Domgasse Nr. 1 wohne. Verheiratet war Vacano einmal, und zwar mit der italienischen Sängerin Speranza, unter deren Namen er einige seiner ersten Schriften veröffentlichte. Ob nun seine Frau gestorben, oder sich von ihm geschieden hat, wissen wir nicht, nur ist es bekannt, daß er die Absicht hatte, ein zweites Mal zu heiraten, und zwar die bekannte Miß Adah Isaacs Menken. Doch blieb es nur bei der Verlobung. Die unten angeführten Quellen, welche Nachrichten über ihn enthalten, schmecken zu sehr nach Reclame, um sie, obgleich sie der Pikanterien eine Fülle enthalten, ernstlich benützen zu können. Die Mittheilungen von Martin Perels aber tragen im Gegensatze zu den anderen Quellen das Gepräge der Voreingenommenheit an sich und sind daher auch nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Aus Allem, was wir über Vacano bisher gelesen und erfahren haben, blickt das sichtbare Bestreben, ein an und für sich unstetes und wechselvolles Leben in einen mysteriösen Schleier zu hüllen, und es steht sehr dahin, ob man je hinter die volle Wahrheit kommen werde. Wir lassen nun eine Uebersicht seiner Werke folgen, die Herausgeber dieses Lexikons so vollständig als möglich zu geben versucht, wobei freilich die Uebersicht der zerstreut in Zeitschriften erschienenen Arbeiten wohl manche Lücke aufzuweisen haben dürfte.

Uebersicht der im Druck erschienenen Schriften von Emil Mario Vacano.Mysterien des Welt- und Bühnenlebens“, zwei Theile (Berlin 1861, Schlingmann, 8°., 406 S.) gilt als erstes selbständig erschienenes Werk Emil Vacano’s; denn ein anderes: „Fürst und Bürger. Zwei Erinnerungen aus Rheinlands Vorzeit“ betiteltes, das 1860 zu Berlin in Riegel’s Verlag erschien, nennt einen Otto Vacano als Verfasser. – „Moderne Vagabunden. Humbug-Reise eines Abenteuerers. Seitenstück zu C. von Holtei’s Vagabunden“, zwei Bände (Berlin 1865, Lassar, gr. 16°., mit lith. Titelb., 416 S.) über das diesem Werke vorgeworfene Plagiat vergleiche oben die Lebensskizze. – „Quitte ou double“. Ein historischer Miniaturroman (Berlin 1863, Lassar, gr. 16°, 2 Bl., 110 S. und 1 Lith.); wurde drei Monate nach seinem Erscheinen confiscirt, weil die Heldin desselben eine kaiserliche Prinzessin ist. – „Die Töchter der Schminke. Abenteuer-Roman. 1. Bd.: Mondschein-Cavaliere“ (ebd. 1863[WS 1], gr. 16°. 2 Bl., 217 S.); erfuhr gleichfalls das Schicksal der Confiscation und machte dieselbe seinerzeit in Berlin viel von sich reden. – „Blaues Blut. Handbuch der Noblesse. Moralische Vorlesungen“ (Berlin 1864, Lassar, gr. 16°., 3 Bl., 105 S.). – „Die Helden der Reclame. Humbug. Blauer Dunst. Vagabunden-Profile und Künstler-Grimassen“ (ebd. 1864, gr. 16°., 2 Bl.. 135 S.). – „Vom Baume der Erkenntniß. Zukunfts-Roman“ (Berlin 1865, Lassar, br. 8°., IV und 217 S.). – „Theater-Plaudereien“ (ebd. 1865, br. 8°., VI u. 274 S.) wird als „Neue Folge“ wahrscheinlich der „Mysterien des Bühnenlebens“ bezeichnet; darin bricht Vacano eine Lanze für die deutsche Dejazet: Grobecker. – „Der Magen und das Herz. Roman“ (ebd. 1866, br. 8°., V und 198 S.); behandelt die Ehe des Fürsten Sidzo Pawlović; diesem Roman ist als Titelbild Vacano’s Bildniß und Facsimile beigegeben. – „Die Virtuosen. Eine deutsche Geschichte“ (ebd 1867, 8°, VI und 230 S.). – „Frivolitäten“ (ebd. 1868, br. 8°. III und 107 S.). – „Von der Liebe Gnaden. Eine Geschichte“ (Berlin 1868, Lassar, 8°., 167 S.). – „Das Geheimniß der Frau von Nizza. Eine Geschichte aus den letzten Lebensjahren Ludwigs des Vierzehnten“ (Jena 1869, Costenoble, 8°., 304 S.). – „Dornen. Erinnerungen und Ahnungen. in drei Romanen. In Gemeinschaft mit Emmerich Grafen Stadion“, [168] zwei Bände (Pesth 1869, Heckenast. 8°., XII, 98 und 259 S.). – „Novellen-Bazar. Salon-Plaudereien“ (Berlin 1869, Lassar, gr. 8°., VII und 284 S.); enthält die Novellen: „Der arme Hans“, vorher abgedruckt in der „Oesterreichischen Gartenlaube“; – „Momentane Wahrheiten“, vordem in „Ueber Land und Meer“; – „Um seinetwillen“, vordem im „Bazar“; – „Das Testament des Doctor Irnerius“; – „Röschen im Walde“, vordem im „Bazar“. – „Historische Studien. Die Gottesmörder. Die Heiligen. Die Töchter Babels“ (Pesth 1870, Heckenast). – „Geheimnißvoll. Eine Criminalgeschichte“, zwei Bände (Jena 1872, Costenoble, III und 229 und III und 232 S.). – „Die Kirchenräuber. Roman“ (Stuttgart 1873, Simon, 8°., VIII und 205 S.). – „Bilderbuch für Hagestolze. Mit Federzeichnungen von K. Klič“, drei Bände (Wien 1874–1876, gr. 8°., III[WS 2] und 102 S.); der erste Band erlebte eine dritte Auflage. – „Gräfin Katinka und ihre Nachbarn. Eine Schloßidylle“; bildet Heft 2 des von F. W. Hackländer in Stuttgart bei Kröner 1874–1876 herausgegebenen Sammelwerkes „Reiselecture“ (30 S.). – „Die Favoritin. Eine Hofgeschichte“, Heft 4 der vorbenannten Sammlung (40 S.). – „Der Sperling der Montespan. Das Gespenst von Hallaburg. Zwei Erzählungen“. Heft 23 der vorbenannten Sammlung (44 S.). – „Das Brod der Engel. Erzählung“, Heft 44 der vorbenannten Sammlung (48 S.). – „Dorfbilder. Mit (eingedruckten) Federzeichnungen (im Holzschnitt) von K. Klič und Žadnik“ (Wien 1875, Teschen, Feitzinger, gr. 8°., 217 S.). – „Der Roman der Adelina Patti. Nach spanischen, englischen und mündlichen Quellen. Mit Federzeichnungen (in eingedruckten Holzschnitten, Holzschnitttafeln und einer Steintafel) von K. Klič“ (Wien 1875, Klič und Spitzer, 4°., 84 S.). – „Wiener Fresken“. zweite Auflage (Preßburg 1876, Heckenast, gr. 8°., 370 S.). Die sechs Hefte enthalten: „Der Sperl und das Spital“; – „Am Friedhofe“; – „Das Palais in der Herrengasse“; – „In der Hausmeisterwohnung“; – „Die Theaterdame“; – „Die Rollen des Elends“; – „Don Juan in Wien“; – „Die Künstlermansarde“; – „Der Theaterherr“; – „Das süße Löchel und der Eszterházy-Keller“; – „In der Kirche“; – „Wiener Lieblinge“; – „Der Hansjörgel“; – „Der Hausierer“; – „Im Prater“; die erste Auflage erschien 1873. – „Am Wege aufgelesen. Novelle“ (Leipzig 1876, E. J. Günther, 8°., 336 S.). – „Die Coulissenwelt ohne Lampenlicht. Theater-Plaudereien“. Bildet den zweiten Band der von Bartholomäus in Erfurt 1876 herausgegebenen, von E. Wallner redigirten „Reisebibliothek“ (148 S.). – „Bilder aus dem Harem. Mit Illustrationen (in eingedruckten Holzschnitten und in Holzschnitttafeln) von Karl Klič“ (Wien 1876, Leipzig, Glaser und Garte, 4°., 142 S.). – Ungleich größer ist die Menge der von Vacano in verschiedenen schöngeistigen Blättern veröffentlichten Novellen, culturgeschichtlichen und ethnographischen Skizzen. Ein sehr fleißiger Mitarbeiter ist er von 1868 an in Hallberger’s illustrirter Zeitschrift: „Ueber Land und Meer“. Darin veröffentlichte er Bd. XX (1868): „Entsagen. Eine Geschichte“ (S. 617); – Bd. XXI (1869): „Momentane Wahrheiten. Novelle“ (S. 49); – Bd. XXV (1871): „Das letzte Grab des Stammes“ (Nr. 17 u. f.); – Bd. XXIX (1872): „Lady Arabellas Launen“ (S. 142); – „Rumänische Volksgestalten aus Siebenbürgen“ (S. 214); – „Die Szekler in Siebenbürgen und in der Walachei“ (S. 510); – Bd. XXX (1873): „Die rumänischen Zigeuner“ (S. 722); – „Gräfin Pauline Baudissin und die Blumen“ (S. 811); – „Wiener Ausstellungstypen“. [„Der Aussteller“; „Der Tourniquetmann“; „Das Sesselfräulein“; „Der Sicherheitsmann“; „Der Cicerone der Verwandten“; „Die englische Chansonnettensängerin“; „Die Cabinetsverleiherin“; „Die Türken“; „Der Marokkaner“; „Der ägyptische Handwerker“; „Der Kameelstallknecht“; – „Der Betlehemite“; „Der Kaffeetürke“; „Die Kosthalle“; „Der Honvéd“] [Bd. XXX, S. 913 u. 933; Bd. XXXI, S. 17, 38, 57, 136, 177 u. 216); – „Die Zigeunerrast in den Ruinen“ (S. 891); – Bd. XXXI (1874): „Verlassen. Die Geschichte eines Schlosses“ (S. 401); – Bd. XXXII (1874): „Aus den Memoiren einer Sängerin“ [pikante und charakteristische Einzelheiten über die Colbran, über Rossini, Nozzari, die Familie Garcia, die Malibran, Viardot, Grisi, Speranza, Lola Montez, die Rahel, Brohan und Mme. Georges“ (S. 1016); – „Die Reitallee im Prater“ (S. 575); – „Vastag, der Maler“ (S. 619); – Band XXXIV (1875): „Im Loch“ (S. 552); – [169] Bd. XXXV (1876): „Die National-Costume der Gespenster“ [„Die weiße Frau“; „Klopfgeister“; „Der Vampyr“; „Nickedown und Comp.“; „Das zweite Gesicht“; „Der Klabautermann“; „Der Geist Arthurs“] (S. 14, 15, 38, 76, 137, 240 und 241); – Band XXXVI (1876): „Die Rosière, eine wahre Geschichte“ (S. 749 u. f.); – Bd. XXXVII (1877): „Der mich liebt und den ich liebe“ (S. 370); – „Ein kurzer Aufenthalt“ (S. 34) Bd. XXXIX (1877): „Die Liebe eines Todten“ (S. 258); – Bd. XL (1878): „Komödiantenleben. Skizze“ (S. 1080); – „Handel und Wandel in Polen“ (S. 630); – „Eine Kartenpartie“ (S. 1050); – Bd. XLII (1879): „Das Marionettenspiel“ (S. 1034); – Bd. XLIV (1880): „Jupiter Olympicus. Novelle“ (S. 949 u. f.); – Bd. XLV (1881): „Die Heimatlosen“ (S. 385); – Bd. XLVI (1881): „Verbotene Lecture. Novellette“ (S. 337); – „Unter vier Augen“ (S. 699); – „Zigeuner-Ueberfall“ (S. 650); – Bd. XLVII (1882): „Im Venusberg. Erzählung“ (S. 473 u. f.); – „Der Kaffee nach Tisch“ (S. 318); – „Tolla Grimaldi“ (S. 23); – Bd. XLVIII (1882): „Sub rosa“ (S. 1052); – Bd. XLIX (1883): „Die Königin der Saison. Theaterplauderei“ (S. 386); – „Trotzkopf. Skizze“ (S. 306) Bd. L (1883): „Junge Ketzer. Novelle“ (S. 653); – „Theatralia. Geschichten und Gedanken aus der Theaterwelt“ (I.: S. 818; II.: S. 863; III.: S. 915); – „Die Nixe. Gedicht. Illustrirt von Vogel“ (S. 900), – In Hallberger’s „Illustrirter Welt“. 31. Jahrg. (1883): „Die Diamanten der Dlle. Mars“ (S. 195 u. f.); – „Unkraut. Eine Lebensgeschichte“ (S. 294); – 32. Jahrg. (1884): „Die Ankunft des Taufpathen“ (S. 7). – Außer den bisher angeführten sind uns noch verschiedene novellistische und dramatische Arbeiten Vacano’s bekannt. Von letzteren: „Zwei vom Theater“, abgedruckt in Bloch’s „Dilettantenbühne“, „Montjoye“, in Bloch’s „Volkstheater“, dann ein dreiactiges Lustspiel: „Coeur-Aß“, welches zu Brünn im März 1865 beifällig aufgenommen wurde. Für das Münchener Actientheater schrieb er das Trauerspiel „Die Ketten“, worin Clara Ziegler ihre erste große tragische Rolle: Ida Zamainska spielte. Darstellerin und Rolle, beide waren wild, genial, unfertig, sprunghaft, aber fesselnd. Diese Ida Zamainska war, nach der Ziegler eigener Aeußerung, die Stammpartie, an welcher sich späterhin alle ihre übrigen tragischen Rollen üppig hinanrankten. Jedoch scheint Vacano das dramatische Gebiet, für welches er eine Zeit so große Neigung gezeigt, daß er zu Beginn der Sechziger-Jahre als Vicomte von Letorières im Wiener Josephstädter Theater aufzutreten beabsichtigte, später ganz verlassen zu haben, denn wir kennen keine weiteren dramatischen Schöpfungen seiner Feder, als die genannten. Dagegen finden sich von ihm in verschiedenen schöngeistigen Blättern Deutschlands noch mehrere novellistische Arbeiten, welche in keiner Sammlung seiner Schriften aufgenommen erscheinen, so in Keil’sGartenlaube“: „Sophie Dorothea. Eine Hofgeschichte“ (1862, Nr. 36–39), ohne Angabe seines Namens; – „Das Geheimniß des alten Körner“ (1871, Nr. 27 und 28) in Westermann’s „Illustrirten deutschen Monatsheften“: „Schwarze Melancholie“ [Bd. XVII, S. 225); – „Das Testament des Doctor Irnerius. Eine Erzählung“ [Bd. XXIII, S. 19); – „Eine Herbstnovelle“; – „Der letzte Fächer“; – „Weit in der Fremde“; – im illustrirten Frauenblatt „Bazar“: „Die gelbe Katze“; – „Hortense“; – „Die Flüchtlinge“; – „Wanda’s Grund“; – in der illustrirten Monatschrift „Omnibus“: „Die Gläubigen der Liebe“; – im Unterhaltungsblatt „Zu Hause“: „Dunkel“; – in Rodenberg’s „Salon“: „Lucy’s Freier“; – „Die Unverstandenen“; – im Unterhaltungsblatte „Das Haus“: „Die fremde Mama“; – und in Payne’s „Das neue Blatt“: „Der Herzbube“, eine Novelle, welche so lebhaften Anklang fand, daß sie sofort nach ihrem Erscheinen in sechs Sprachen übersetzt wurde, und daß einer der Leser, ein Dresdener, von dem Werke so begeistert war, daß er es versuchte, dem großen Lesepublicum die Gestalt des Barons Zeno Reißer (eben des Herzbuben) bildlich vor Augen zu führen, und seine Zeichnung der Redaction des „Neuen Blattes“ zusandte, welche dieselbe auch in einem gelungenen Holzschnitte (1875, S. 512) veröffentlichte. Ferner schrieb Vacano eine Zeit lang französische Feuilletons für den „Nouvellists“ von Karl Noël und veröffentlichte den Sensationsroman „Hostages to fortune“ der Mistreß Braddon in deutscher Bearbeitung. Aber nicht blos Schriftsteller ist Vacano, er trat auch wiederholt als Zeichner und als Componist auf. Aquarellskizzen und Caricaturen seiner Hand sollen in Warschau und Genf ausgestellt gewesen sein und darunter [170] eine Caricatur der Madame Ratazzi – die er freilich eben nur sprechend ähnlich zu zeichnen brauchte – viel Lärm gemacht haben. Auch liegt vor mir ein Blatt der Nummer 3 aus dem 43. Bande von „Ueber Land und Meer“ mit der Ueberschrift: „Vignetten zu deutschen Liedern und Compositionen. Von E. M. Vacano und Karl Stauber“, mit lieblichen Geniengestalten zu Stellen aus H. Heine, F. Mendelssohn-Bartholdy, Fr. Schubert und Richard Wagner. Welchen Antheil an dieser Compagniearbeit Vacano hat, ist nicht herauszufinden. Als Componist gab er einen Walzer: „La lune de miel, valse allemande“ heraus. Wie schon bei seinem „Herzbuben“ erwähnt wurde, ist derselbe in mehrere Sprachen übersetzt, aber auch einige andere Novellen Vacano’s gingen in fremde Idiome über, so sein „Sohn des Vampyrs“ ins Französische, „Ohne Ziel“ ins Italienische, „Doctor Irnerius“ ins Ungarische, „Eine Spätherbstnovelle“ ins Serbische u. s. w. Interessant dürfte es auch sein, zu erfahren, daß Vacano Mitglied einer wissenschaftlichen Akademie ist, nämlich im Jahre 1875 ernannte ihn die Akademie für Kunst, Wissenschaft und Humanität „El Chork“ in Constantinopel zu ihrem Ehrenmitgliede. In seinem persönlichen Verkehre wird er als ebenso einfach, wie, wenn er herausgefordert wird, rücksichtslos und schlagfertig bezeichnet. Als ihm Jemand bemerkte: „Paul Lindau hat über Sie geschimpft“, entgegnete er: „So, was meinen Sie, was für eine Gegenfreude könnte ich ihm dafür machen?“ – Ein ander Mal sagte eine reiche, aber durch ihre unmöglichen Abenteuer stark anrüchige Dame zu ihm in größerer Gesellschaft: „Sie schreiben nicht nur Romane. Sie selber sind ein Roman. Ich möchte Sie lesen!“ – „Das wäre für Sie sehr bedauerlich, denn Sie müßten mich dann behalten“. – „Wieso?“ – „Nun, wissen Sie denn nicht: beschmutzte Exemplare werden nicht zurückgenommen“.
Quellen. Allgemeine Theater-Chronik, 1868, Nr. 7, S 70. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.). Redigirt von Rudolph Gottschall, 1865, S. 74, über Vacano’s „Blaues Blut“; 1866, S. 398 über sein Stück „Ketten“; 1867, Nr. 31, S. 493 über seinen Roman „Die Virtuosen“; Nr. 32, S. 502 über sein „Der Magen und das Herz; 1869, Nr. 37, S. 585 über sein „Von der Liebe Gnaden“. – Bornmüller (Fr.). Biographisches Schriftsteller-Lexikon der Gegenwart. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiete der Nationalliteratur aller Völker mit Angabe ihrer Werke (Leipzig 1882, Verlag des bibliogr. Instituts, 8°.) [aus der Folge der Meyer’schen Fachlexika], S. 737. – Brümmer (Franz). Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über Dichter aller Zeiten. Mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart (Eichstätt und Stuttgart 1877, Krüll’sche Buchhandlung, kl. 4°.) Bd. II, S. 447 und Nachtrag S. 131. – Fata Morgana. Herausgegeben von Eny Czigler. Probenummer vom 3. Juli 1864, S. 201: „Emil Vacano und seine Schriften“. Skizze von Martin Perel’s. – Illustrirte Plaudereien (Wien, 4°.). Herausgegeben von F. Schlesinger, 1872, Nr. 37, S. 60: „Ein Heimatloser. Von F. Schlesinger.– Wiener Rothbuch. Kalender für das Schaltjahr 1872. Herausgegeben von Karl Linder und F.(erdinand) Groß (Wien 1872, Fromme) S. 204.
Porträte. 1) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen im Wiener Rothbuch. Kalender für 1872, S. 204. – 2) Unterschrift: „Emil Mario Vacano“. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in Payne’s „Das neue Blatt“ 1874, Nr. 35. – 3) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: „Emil Mario Vacano“. A. Palm (gez.), C. Angerer sc. auf S. 60 der „Illustrirten Plaudereien“ 1872. – 4) Charge in den „Neuen fliegenden Blättern“ von Klič, 1874, Nr. 7, S. 52: Vacano als Mönch, in der Rechten wie ein Jongleur auf einem Stabe einen Teller balancirend, in der Linken seinen Roman „Die Gottesmörder“ hoch empor haltend. Klič 1874 (del.) C. Angerer und G. ch. Unter der Charge stehen die Verse: „Du warst als Sausewind bekannt | Im Russen- und im Türkenland, | Dann ruhtest Du im stillen Haus | Beim Bücherschreiben die Beine aus | Jetzt trägst die Kutte Du ganz fromm | Und schmachtest nach dem heil’gen Rom; | Wenn Du noch lange lebst auf Erden. | Kannst Du noch gar ein Bischof werden“. – 5) Medaillonbild, gezeichnet von Th. Mayerhofer, in den „Namenlosen Blättern“, 1877, S. 68. – Ueberdies ist er von C. Helon lebensgroßen en bédouin und in kleinerem Format von Georg Vastag, beide Male in Oel, gemalt. – Zu dem [171] kleinen Bilde „San Sebastiane“ in der Kirche Santissima Annunziata zu Venedig soll er Modell gestanden sein.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1883.
  2. Vorlage: 111.