BLKÖ:Stelzig, Ignaz Alphons

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stelzig, Ignaz
Band: 38 (1879), ab Seite: 197. (Quelle)
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Stelzig, Ignaz Alphons (Redemptorist, Schriftsteller und Missionär, geb. zu Prag im Jahre 1823, gest. zu Wien 21. Februar 1865). Sein Vater war Doctor der Medicin und Gerichtsarzt zu Prag. Der Sohn beendete die Gymnasialclassen und philosophischen Studien daselbst und wendete sich alsdann den theologischen Studien zu. Anfänglich besuchte er als sogenannter Externist die theologischen Vorlesungen des Benedictinerstiftes Emaus in Prag, darauf begab er sich nach Wien und trat dort in die Congregation der Redemptoristen ein. Nachdem er im Jahre 1846 die Priesterweihe erlangt hatte, ging er als Missionär nach Amerika. Dort wurde ihm bei einem Indianerstamme seine Wirksamkeit angewiesen. Seine kleine Gemeinde bestand aus einigen Hunderten von Rothhäuten und im vollen Frieden waltete S. erfolgreich seines segensvollen Berufes. Da lagerte sich mit einem Male eine andere mächtige räuberische Indianerhorde in unmittelbarer Nähe derjenigen, in welcher Stelzig seinem Missionsberufe oblag. Bald kam es zu Streit und Hader, und endlich sollte ein blutiger Kampf entscheiden, welcher Stamm von beiden weichen müsse. Missionär Stelzig hatte alle Versöhnungsversuche erschöpft, und als es zum Kampfe ging, konnte er nicht zurückbleiben und mit dem Kreuze in der Hand schritt der junge Priester seinem Stamme voran in den Wald, wo nach Indianerart von Baum zu Baum gekämpft wurde. Das Feuer wurde immer heftiger, die Kämpfenden rückten sich immer näher an den Leib. Da mit einem Male stürzt mit wildem Geheul und hoch erhobenem Tomahawk ein entsetzlicher Wilder auf den Priester, und ist eben bereit, den Todesstreich auf ihn zu führen, als der Indianer, wie durch ein Wunder gelähmt, vor dem Missionär in die Knie sank, den Tomahawk sinken ließ, die furchtbare dräuende Miene des Wilden sich in ein unbeschreiblich freudiges Grinsen verwandelte und im reinsten Čechisch dem Missionär die Worte ins Ohr klangen: „Ježiš Maria Jozefe! Pane Stelzig kde pak se ru berou?“ (Jesus Maria und Joseph, Herr Stelzig wie kommen Sie denn daher?) [198] „Wer seid Ihr?“, fragte in čechische Sprache der nicht minder verwundert Missionär. „Ach!“, erwiederte in čechischer Sprache der Pseudo-Indianer, „erkennen Sie mich denn nicht, Herr Stelzig? Ich bin Wenzel Przihoda aus Chrudim; ich war ihr Wichsier in Prag.“ – Der Missionär, über diese Entdeckung nicht wenig erstaunt, fragte nun den Wilden, „was er hier treibe“. „Nun“, entgegnete dieser genug naiv: „Was ich hier treibe? Sie sehen es ja, geistliche Herr, ich bin ein Indianer, ich bin ein Wilder geworden und“, fügte er in einer Weile hinzu, „ich bin verheirathet und habe schon zwei Kinder.“ – Der Missionär reichte darauf dem alten Stiefelputzer die Hand und bat und beschwor ihn, allen seinen Einfluß aufzubieten um dem entsetzlichen Morden und Kämpfen Einhalt zu thun. Indessen waren auch die Kämpfenden herangekommen und von der vor ihnen sich abspielenden Scene nicht wenig erstaunt stehen geblieben, den fremden Lauten des Pseudo-Indianers und des Missionärs horchend. Als dann Stelzig und der falsche Indianer jeder zu seinen Kriegsgefährten wieder zurückkehrte, war es ihren Vorstellungen auch wirklich gelungen, den Kampf einzustellen. Nun wurden die üblichen Friedenszeichen gegenseitig kundgegeben, die Häuptlinge traten vor und es begannen die Unterhandlungen. Missionär Stelzig wendete alle Ueberredungskunst an, um eine Verständigung zu erzielen, und wurde darin von seinem ehemaligen Wichsier erfolgreich unterstützt. Die Rothhäute gaben den Vorstellungen Gehör, machten Frieden und ehe noch die Sonne untergegangen war, saßen Stelzig und sein ehemaliger Wichsier inmitten des Kreises beider Indianerstämme, mit ihnen die Friedenspfeife rauchend. Nur einige Jahre verblieb Stelzig in Amerika, dann kehrte er nach Europa zurück und nahm dann für längere Zeit seinen Aufenthalt in Prag, wo der Abbé – denn so wurde er allgemein genannt – seines leutseligen Benehmens und seines milden Wesens wegen bald allgemein gekannt und beliebt war. Nach einiger Zeit ging er als Caplan nach Klinghart, später nach Wildstein bei Eger. Er war sehr fleißig als geistlicher und Jugendschriftsteller thätig, arbeitete viel für den in Wien erscheinenden „Oesterreichischen Volksfreund“, dessen Redaction er in der Folge ganz übernahm und deßhalb auch nach Wien übersiedelte. Wir lassen hier eine Uebersicht seiner schriftstellerischen Thätigkeit folgen, deren Zusammenstellung um so schwieriger war, als das Kayser’sche „Bücher-Lexikon“ im Puncte der Stelzig’schen Schriften sehr lückenhaft ist. Die Titel der von Stelzig herausgegebenen Werke sind: „Der Trunkenbold. Ein Bild aus dem Leben, für das liebe Volk in Rahmen gefasst“ (Regensburg 1853; dritte verbesserte Aufl. 1865, mit Titelk.); – „Bilder vom Leben und Sterben, aus verschiedenen Sprachen“ (Dritte Auflage, Regensburg 1853); – „Der Student, ein Zeitgemälde“ (dritte Aufl., Regensburg 1855, 8°.); – „Die barmherzigen Schwestern. Nach dem Englischen“ (zweite Aufl., Regensburg 1855); – „Der Grenzbauer und der Kohlentoni in Amerika. Ein Bild aus dem Leben der Auswanderer für Solche, welche noch daheim sind“ (Regensburg 1855; zweite verb. Aufl., ebd. 1867, Manz, mit 1 Stahlst., 8°.); – „Das Leben des heil. Petrus von Alcantara“ (Regensburg 1857); – „Führungen zur Menschheit. Erlebnisse auf dem Wege der Belehrung“ (dritte Aufl., Regensburg 1857, 8°.); – „Aus der Fremde in die Heimat. Jugendgeschichte [199] einer amerikanischen Waise“ (dritte Aufl., Regensburg 1857, 8°.); – „Stadt- und Dorfgeschichten“ (Regensburg 1857, zweite Ausg., ebd. 1860); – „Eduard Price’s Versehgänge, aus dem Tagebuche eines Missionärs übersetzt“ (Regensburg 18538, 8°.); – „Bild und Wort. Erzählungen zur Belehrung und Unterhaltung“ (Regensburg 1859, 8°.); – „Der Zeiselmatz von Oberndorf, oder: So kommt man von Stroh auf Federn. Eine Geschichte für das liebe Landvolk“ (ebd. 1859, 8°.); – „Geschichten aus dem christlichen Leben und für dasselbe. Frei nach dem Englischen“ (ebd. 1860), bildet auch Nr. 3 der bei Manz in Regensburg verlegten periodischen Schrift „Der Lesekranz“, welche treffliche Volksschrift theils Originalien, theils Uebersetzungen aus dem Englischen, Französischen und Vlämischen enthält; – „Vergißmeinnicht. Ein Blumensträuschen von der Mission zur beständigen Geisteserneuerung“ (ebd. 1859, 8°., mit 1 Titelb.); – „Missionsbüchlein oder neue Beherzigungen für christliche Jungfrauen. Ein Angebinde zur Mission“ (zweite Aufl., ebd. 1862; sechste Aufl. 1874, 18°.); – „Missionsbüchlein oder neue Beherzigungen für christkatholische Jünglinge. Ein Angebinde zur Mission“ (zweite Aufl. ebd. 1862, mit Titelk., 18°.); – „Missionsbüchlein oder neue Beherzigungen für christliche Hausväter“ (zweite Aufl. ebd. 1869, mit Titelk., 32°.); – „Missionsbüchlein oder neue Beherzigungen für christliche Hausfrauen“ (achte Aufl., ebd. 1877, mit Titelb., 32°.). Diese vier letztgenannten Schriften sind, wie noch ein paar andere seiner Feder, auch in čechischer, Uebersetzung von F. Srdinko und Alois Dreml erschienen. Stelzig besorgte seit etwa 1860 bis an sein im schönsten Mannesalter von erst 42 Jahren erfolgtes Lebensende die Redaction des „Oesterreichischen Volksfreund“, der unter ihm einen großen Aufschwung genommen, aber auch in seiner anständigen Haltung sich wesentlich gebessert hatte. Stelzig führte eine gewandte Feder; er war Pädagog vom Haus aus, besaß dabei gründliche, vielseitige Kenntnisse und als Missionär, der viele Länder und Menschen gesehen, eine vielgeprüfte Erfahrung. Ein Priester des Herrn in des Wortes schönster Bedeutung, war er ein geborener Missionär, der nur durch Milde, Liebe und eine unbeschreibliche Güte die Herzen gewann. Er war ein Jugendschriftsteller nicht von der Art, wo hundert auf ein Loth gehen, die von der Jugend und ihren Bedürfnissen, vom Schreiben und seiner Kunst so viel verstehen, wie der Bauer vom Gurkensalat, sondern ein Jugendschriftsteller von Beruf, der jedes Wort, das er niederschrieb, wog, ob es auch für die Jugend passe, und im kindlichen Gemüthe nicht Vorstellungen erwecke, die ihm so lange fremd bleiben sollen als nur möglich; ein Jugendschriftsteller, wie es einst Christoph Schmid, wie es der unvergängliche Verfasser des „Robinson Crusoe“, Campe , war, wie es Hoffman, Gustav Nieritz sind, nur vielleicht noch keuscher, noch vorsichtiger, noch kindlicher; in den Schriften aber, welche er für das Volk schrieb, durch und durch wahr und volksthümlich. Sein Andenken wird sich erhalten, so lange echter Priestersinn und reine Menschenliebe noch eine Bedeutung haben.

Bohemia (Prager Unterhaltungs- und polit. Blatt, 4°.) 1865, Nr. 45, in der Rubrik „Sterbefälle“. – Wiener Zeitung 1865, Nr. 44, S. 579. –