BLKÖ:Strakosch, Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Strakosch, Moriz
Band: 39 (1879), ab Seite: 227. (Quelle)
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Strakosch, Alexander (Schauspieler und Vortragsmeister des von Laube dirigirten Stadt-Theaters in Wien, geb. zu Eperies in Ungarn, von jüdischen Eltern, Geburtsjahr unbekannt (wohl um 1845). Ueber seinen Bildungs- und Lebensgang in der Zeit vor dem Betreten der Bühne sind die Nachrichten ebenso spärlich, als seiner späteren rühmlichen Thätigkeit als dramatischer Vortragsmeister nicht Erwähnung genug geschieht. Strakosch widmete sich in jungen Jahren der Bühne und war ein Schüler Sonnenthal’s [Band XXXV, S. 345]. Wo er die ersten Proben seines Mimentalentes ablegte, ist nicht bekannt, in der ersten Hälfte der Sechziger-Jahre war er Mitglied des deutschen Theaters in Pesth, wo sich in der kleinen, fast unscheinbaren Gestalt bald ein nicht gewöhnliches dramatisches Talent bekundete. Da seinem Fortschrittsdrange auch bald das Theater in Pesth nicht mehr genügte, ging er im Jahre 1866 nach Paris. Wie es ihm dort gelungen, alle für Die, so ohne Namen die Seinestadt betreten, sich aufthürmenden Hindernisse zu besiegen und ein Concert zu veranstalten, ist nicht bekannt. Genug, das Concert fand im Salon Scribe statt. Strakosch declamirte den größten Theil der „Glocke“ von Schiller und eine größere Scene aus Shakespeare’sHamlet“ und feierte einen entschiedenen Erfolg. „Wenn es einem Tragiker gelingt“, schrieb damals ein großes Pariser Blatt, „in einem schlecht gebauten und unansehnlichen Saale, auf einer nackten Estrade von vier Fuß Breite Interesse zu erwecken und zu rühren, muß er ein wahrhaftes Verdienst in Vortrag und Haltung, sowie eine tiefe Empfindung der dramatischen Poesie besitzen, und in dieser Beziehung verdient A. Strakosch neben den besten Künstlern Deutschlands genannt zu werden. Sein bewunderungswürdiger Vortrag ermöglichte es uns, trotzdem wir seine Sprache nicht verstehen, mitten durch die Wogen seiner bald schwachen, bald gewaltigen, bald sanften, bald kräftigen Declamation dem Ideengange zu folgen“. Nach dieser Vorstellung hieß es, Strakosch stehe im Begriffe, die Schule des Pariser Conservatoriums zu besuchen, arbeite fleißig mit Herrn Martel, bereite sich vor, in die Classe Regenier’s einzutreten, und hege die Absicht, sich der französischen Bühne zu widmen, für welche er nur die Aussprache zu erlernen nöthig habe, was ihm bei seinen Mitteln nicht schwer fallen werde. Welchen der bezeichneten Wege oder ob er keinen derselben eingeschlagen, ist nicht bekannt. Mehrere Jahre war nun der Name Strakosch verschollen – wir suchen ihn auch um diese Zeit in den Bühnen-Almanachen von Entsch und Roeder vergebens – als im Jahre 1872 Laube mit einem aus allen Gauen [228] Deutschlands zusammengewürfelten Personal, in welchem nicht ein einziger Name von Klang hervorragte, das Wiener Stadt-Theater eröffnete. Da gingen Vorstellungen, wie „Des Meeres und der Liebe Wellen“, „Maria Stuart“, „Wilhelm Tell“, „Uriel Acosta“ u. a. lauter Stücke, in welchen die Darstellung, soll sie nicht die gewaltige Dichtung wirkungslos machen, mit dieser auf gleicher Höhe stehen muß, in so abgerundetem vollendeten Charakter, in einer bisher kaum an der Hofbühne durchgeführten Einheitlichkeit und Präcision über die Bretter, daß das an Gutes gewöhnte Wiener Theater-Publicum darüber in nicht gelindes Erstaunen gerieth, welches sich mit der Fortsetzung der Darstellungen nur noch steigerte, bis endlich dem eigentlichen Urheber derselben, dem Vortragsmeister Strakosch sein Recht, und sein Name als solcher allgemein genannt und gepriesen ward. Seit dieser Zeit wurde er sozusagen eine populäre Persönlichkeit Wiens, der Messias aller künftigen Heroinen, Naiven, Anstandsdamen irgend einer Hofbühne, der letzte Hoffnungsanker aller relegirten Studenten und fallirten[WS 1] Handlungscommis, die auf der Bühne ihre Zufluchtsstätte suchten. Bald klang sein Name in aller künftigen ersten Heldinen und Bonvivants Munde, man konnte kein Wiener Blatt aufschlagen, ohne auf den Namen Strakosch zu stoßen, vom Salon Laube bis zur stillen Ecke eines abgelegenen Bierhauses hörte man den Namen Strakosch, und zuletzt bemächtigten sich auch die Witzblätter der Residenz seiner Persönlichkeit, um sie dem großen Publicum in den mannigfachsten möglichen und unmöglichen Chargen vorzuführen. Aus den abgerissenen hie und da zerstreuten Mittheilungen erfährt man – nun, die Wahrheit ist auch nicht zu verbürgen – daß seine linke Hand theilweise gelähmt und dies die Hauptursache sei, welche ihn nöthige, statt auf der Bühne als Künstler, hinter der Bühne als Vortragsmeister thätig zu sein. In der That sind bereits manche herrlichem Kräfte aus seiner Hand hervorgegangen, manches schauspielerische Talent, auf sichtlichen Abwegen begriffen, hat er auf den rechten Pfad zurückgeführt und in mancher Persönlichkeit den ungeahnten Genius geweckt. An den dramaturgischen Erfolgen des Wiener Stadt-Theaters hat neben Laube sein Vortragsmeister den Löwenantheil. Strakosch war mit Antonie Fürst (geb. 1851) vermält und verlor dieselbe am 1. October 1873 durch den Tod. In zweiter Ehe soll er sich 1874 mit Fräulein Schratt[WS 2] verheiratet haben.

Illustrirtes Wiener Extrablatt, 2. Jänner 1873, Nr. 2. – Conimor. Ein Ritt durch Wien auf dramatischem Felde. Gedichtet von –. Illustrirt von Laci von F(recsay) (Leipzig 1876, 8°.), S. 56. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.), 1866, Nr. 230. – Illustrirte Plaudereien. Von F. Schlesinger (Wien, 4°.), 1873, Nr. 30: „Der Vortragsmeister des Wiener Stadt-Theaters“.
Porträte und Chargen. 1) Holzschnitt. X. A. v. R. Hempel in Schlesinger’s „Illustrirten Plaudereien“, 1873, Nr. 50. – 2) Charge von Domby, im „Kaktus“ (Wiener Spottblatt). 1874, Nr. 4. – 3) Zeichnung von Weix, ebenda 1875, Nr. 2. – 4) Charge in ganzer Figur ohne Angabe des Zeichners im „Kikeriki“. 1874, Nr. 94. – 5) Holzschnitt von M. Bichler nach Zeichnung von Weix im „Illustrirten Wiener Extrablatt“, 1873, Nr. 2. – 6) Charge von Klič. Strakosch auf seinem Steckenpferd „Laube reitend“ im Witzblatt „Der Floh“, 29. September 1872, Nr. 39. – 7) Charge von Laci von [229] F(recsay), in der „Bombe“ vom 2. September 1875, Nr. 35: Ballet im Stadt-Theater (getanzt von Strakosch und Bukovics). – 8) Charge von Laci von F(recsay), in Conimors „Ein Ritt durch Wien u. s. w.“. – 9) Charge von Rehbock in der „Bombe“ vom 18. Mai 1879: „Der Vortragsmeister des Stadttheaters hat die Leistungen seiner Schüler am Schnürl“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: falliten.
  2. Vergleiche dazu Alfred Dove in ADB:Freytag, Gustav, wonach die zweite Ehefrau Anna, geb. Götzel, hieß. (1891 verehelichte diese, 1890 von Strakosch geschieden, sich mit Gustav Freytag), vergleiche dazu auch Gustav Freytag (Wikipedia).