BLKÖ:Stratimirovic, Stephan von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 309. (Quelle)
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Stratimirovic, Stephan von (Metropolit zu Carlowitz, geb. zu Kulpin 27. December 1757, gest. 4. October 1836). Von dem väterlichen Gute Kulpin, auf welchem er geboren, nennt er sich auch Stratimirovich von Kulpin. Er entstammt einem edlen serbischen Geschlecht der Herzegowina, welches nach seiner Auswanderung einige Zeit im croatischen Littorale lebte, dann aber im Bacser Comitate Ungarns sich niederließ und in den ungarischen Adelstand erhoben wurde. Stephan lag den Studien an der Ofener Hochschule ob, hörte anfangs Philosophie und die Rechte, wendete sich aber 1783 dem geistlichen Stande zu und beendete in rascher Folge die theologischen Studien, machte eben so schnell die canonischen Stufen durch, wurde 1786 – erst 29 Jahre alt – Archimandrit, d. i. Abt, des Klosters Brussedol und unmittelbar darauf Bischof von Ofen. Am 14. November 1790, auf dem National-Congreß zu Temesvár, erfolgte seine Wahl zum Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs und Metropoliten Moyses Putnik [Bd. XXIV, S. 111, in den Quellen] und 1791 die Bestätigung in seiner Würde. Als Metropolit bekleidete er die höchste geistliche und zugleich einflußreichste Würde über alle griechisch-orientalischen Bekenner in Oesterreich. Schon im folgenden Jahre wurde er vom Kaiser durch den Titel eines wirklichen geheimen Rathes und 1809, wo er in der Beilegung der in Syrmien ausgebrochenen Bauernunruhen ebenso thätige als wirksame Hilfe geleistet, durch das Großkreuz des Leopoldordens ausgezeichnet. Um seine Kirchengenossen hat er sich nach allen Richtungen seines Wirkens unvergeßliche Verdienste erworben. Selbst gründlich und vielseitig gebildet, ließ er es sich ernstlich angelegen sein, durch Schulen und andere zweckmäßige Anstalten die nationale Bildung seines Volkes, das einer solchen dringend bedurfte, zu heben. Als er seine hohe geistliche Würde übernahm, fand er in Carlowitz die lateinische Schule durch jahrzehntelange Vernachlässigung in ganz verkommenem Zustande vor. Seinen Bemühungen gelang es, einen Fond zusammenzubringen, welcher das Gedeihen der Lehranstalt ermöglichte, die dann auch in erfreulichster Weise blühte. Im Jahre 1794 gründete er daselbst auch eine besondere Clericalschule, die unter seiner unmittelbaren Aufsicht auf das beste gedieh. Die kirchlichen Geschäfte der ausgedehnten und weit verbreiteten Gemeinde nahmen die Zeit des Prälaten so sehr in Anspruch, daß es ihm trotz seines reichen und vielseitigen Wissens und seiner gründlichen Gelehrsamkeit namentlich im Gebiete des canonischen Rechtes der griechischen Kirche nicht gegönnt war, durch wissenschaftliche Arbeiten zum Nutzen seines Volkes thätig zu sein. Nur einige kleinere Aufsätze von ihm erschienen in Zeitschriften. Eine kleine grammatikalische Arbeit, aus einem größeren Werke ein Bruchstück, das von den slavischen Buchstaben handelt und mit der historisch-etymologischen Ableitung der zwei Wörter КНЯЗБ und КНИГа sich beschäftigt, kam von Stephan im Jahre 1805 heraus; ein Gedicht aber, moralisch-didaktischen Inhaltes, in zehnsilbigen reimlosen Versen, worin eine Mutter ihrer Tochter und ein Alter Namens Božidar seinem Sohne, Radovan Rathschläge gibt, war lange nur [310] handschriftlich verbreitet, bis es der Temesvárer Bischof Joseph Putnik von Simand [Bd. XXIV, S. 111] zum Besten seiner Nation im Jahre 1800 drucken ließ. Einige von S.’s zerstreuten und handschriftlich hinterlassenen Arbeiten hat der serbische Verein gesammelt und in seinem Organ, dem „Glasnik“ im 2. Hefte des Jahres 1849 veröffentlicht. Ein hochbetagter, nahezu 80jähriger Greis, erlag Stratimirovic plötzlich einem Schlagflusse, der ihn in der Nacht befiel, und hinterließ das Andenken eines Kirchenfürsten, der an der civilisatorischen Entwicklung seines Volkes als eigentlicher Begründer derselben den wesentlichsten Antheil hat. Der Serbenführer in den Jahren 1848 und 1849 und nachmalige General-Major Georg Stratimirovich ist sein Neffe.

Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladisl. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.), Bd. VIII, S. 1051. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur, herausgeg. von Jos. Riedler und Karl Veith (Wien, 4°.) Jahrg. 1833, Nr. 77.