BLKÖ:Stratimirovich, Georg Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 303. (Quelle)
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Stratimirovich, Georg Edler von (k. k. General-Major, geb. zu Neusatz im Bacser Comitate am 7. Februar 1822). Ein Neffe des Folgenden [S. 309]. Sein Vater Basilius S., Gutsbesitzer, ließ ihn am 18. April 1839 in die k. k. Ingenieur-Akademie als Kostgeher eintreten, wie jene Zöglinge genannt wurden, welche keine Stiftsplätze besaßen, sondern aus Eigenem den Unterhalt in der Anstalt bestritten. Am 18. October 1841 kam S. als Unterlieutenant in das Huszaren-Regiment Fürst Reuß Nr. 7, wurde am 3. April 1843 in den supernumerären Stand übersetzt und quittirte in dieser Eigenschaft ohne Beibehalt des Charakters am 30. November 1844. Hiermit endet die erste Lebensperiode des einige Jahre später vielgenannten Parteigängers. In seine Heimat zurückgekehrt, führte er, wie es in den über ihn erschienenen Lebensskizzen fast übereinstimmend heißt, nach einem höchst abenteuerlichen Liebesleben und nach ebenso glücklicher als romantischer Besiegung vieler entgegenstehenden Hindernisse das Weib seines Herzens, eine der reizendsten Blumen Ungarns, heim. Er lebte auf seiner Besitzung in bescheidener Zurückgezogenheit, trieb in der ihm reichlich zu Gebote stehenden Muße politische Studien und bereitete mit dem als erster Presbyter in der Bacska angestellten Erzpriester Paul Stamatovich [Bd. XXXVII, S. 106], gemeinschaftlich die spätere großartige Erhebung des serbischen Volksstammes in Ungarn und den mit diesem verbundenen Provinzen vor. Seine eigentliche politische Laufbahn beginnt aber erst zu Anfang des Bewegungsjahres 1848, wo er als Abgeordneter in den ungarischen Reichstag ging. Daselbst gestaltete sich das schon früher nichts weniger denn freundschaftliche Verhältniß zwischen den Serben und Magyaren immer feindseliger. Als Stratimirovich, der Führer seiner Partei in diesen ursprünglich nur parlamentarischen Kämpfen, eines Tages aus der passiven Haltung, die er bis dahin anzunehmen gezwungen war, heraustrat und, die Rolle des Bittstellers verlassend, drohend zu werden begann, rief ihm Kossuth die verhängnißvollen Worte zu: „Nun wohlan, wenn Sie so trotzen und drohen, wird das Schwert zwischen uns und den Serben entscheiden müssen!“ Und als nun das ungarische Ministerium im April 1848 über die von Serben bewohnten Gegenden den Belagerungszustand aussprach, war auch das Losungswort zum Beginne jener blutigen Gräuel gegeben, womit die Revolution in Ungarn in den unteren Donaugegenden ihren Anfang nahm. Stratimirovich setzte die Verwahrung der Stadt Neusatz gegen diese Maßregel durch. Von dort aus betrieb er auf das energischeste alle Vorbereitungen, den Gewaltmaßregeln der Magyaren mit Entschiedenheit entgegenzutreten. Von dort aus forderte er die Serben zu gemeinschaftlichem Handeln auf und berief auf den 1. Mai den Congreß derselben [304] nach Carlowitz. Dieser 1. Mai nimmt denn auch in der Geschichte der Südslaven eine epochemachende Stelle ein. Auf dem Congresse erschien Stratimirovich als Abgeordneter der Stadt Neusatz, sprach für die Interessen seines Volkes und bewirkte hauptsächlich die Annahme der denkwürdigen Beschlüsse. Am 5. Mai fand die Aufstellung eines Centralregierungs-Ausschusses statt, zu dessen Präsidenten Stratimirovich einstimmig gewählt wurde. Am 7. Mai rief er diesen Ausschuß als einzige oberste Verwaltungsbehörde der serbischen Wojwodschaft aus und suspendirte zugleich alle vom ungarischen Ministerium abhängigen Aemter. Der Fehdehandschuh war den Magyaren hingeworfen und auf halbem Wege stehen zu bleiben, daran konnte nach solchen Schritten nicht mehr gedacht werden. Von da ab erfolgte eine längere, wichtige Agitation der serbischen Fortschrittsmänner, welche es ihm schon am 24. Mai möglich machte, das Volk zu den Waffen zu rufen, um die engere Heimat, der Väter Sitten, Sprache und mit Strömen ihres Blutes erkaufte Rechte zu vertheidigen. Am 27. Mai – nach dem alten Styl gerechnet – befand er sich an der Spitze von zehn- bis zwölftausend Bewaffneten, die ihn sogleich zum provisorischen Oberbefehlshaber aller serbischen Truppen im Gebiete der Wojwodina ernannten. Aber auch die Ungarn waren nicht unthätig geblieben. Bereits rückte der von der ungarischen Revolutionsregierung mit dem Oberbefehle des Heeres betraute General Hrabowsky [Bd. IX, S. 350] auf Carlowitz vor, um den Odbor zu sprengen. Aber S. leitete die Vertheidigung, bemächtigte sich rasch des Arsenals von Titel, so daß er seine improvisirte Armee mit vierzig Kanonen ausrüsten konnte. Nun begannen auch die blutigen Gräuel, m welchen Nationalhaß, Barbarei und Fanatismus an Grausamkeit sich überboten. Wir nennen im Folgenden nur die Hauptmomente des Kampfes, jene, an denen S. persönlich theilnahm, seine Truppen begeisternd. Er schlug zunächst – am 14. und 15. Juli – die Magyaren bei Szent Tamas und Földvár. Es waren dies Siege mit seiner kleinen undisciplinirten Schaar über die an Zahl weit überlegenen ungarischen Linientruppen. Er operirte immer mit ungemein großer Vorsicht und wendete alle Arten von Scheinangriffen an, um jeden Plan seiner Gegner zu vereiteln. Am 23. Juli bemächtigte er sich Pancsovas, von wo er am folgenden Tage ein Manifest an die verschiedenen Volksstämme des Banats erließ. Bald darauf kehrte der Patriarch Rajacsich [Bd. XXIV, S. 290][WS 1] vom kaiserlichen Hoflager zurück, überblickte den Stand der Dinge und übernahm, wie es schien, aus Besorgniß vor Ueberschreitungen S.’s, sofort die Zügel der Regierung, denselben auf den Oberbefehl über die Nationalarmee beschränkend. Am 18. August schlug dieser die Magyaren neuerdings bei Szent Tamas und drängte, im ungestümen Vorrücken alle Hindernisse, die sich ihm entgegenthürmten, bewältigend, nach blutigen Kämpfen die magyarischen Besatzungen aus Sireg, Temerin und Jerek, wendete sich gegen den Canal und die Theiß und machte die ganze Linie frei. Nach Sprengung des serbischen Lagers in Perlas durch die Magyaren rückte er sofort, überall auf dem Marsche die zerstreuten Flüchtlinge sammelnd, an die bedrohte Stelle, vereinigte sich mit Knicanin [Bd. XII, S. 151] und deckte Pancsova und Titel. Als Anfangs September die Serben bei Perlas von Kiss [Bd. XI, S. 331]] hart [305] bedroht wurden, eilte er seinen Landsleuten zu Hilfe, belebte durch seine Gegenwart ihren bereits gesunkenen Muth, ordnete sie zu einer festen Stellung und schlug die Ungarn so entschieden, daß sie die Flucht ergriffen. Unterdeß hatte Kiss um Becskerek, als den festesten Stützpunkt, alle Verstärkungen gesammelt und stand daselbst mit vielem Geschütze in großer Uebermacht kampfbereit. Am 11. September unternahm S. den Angriff auf diese Stellung der Magyaren. Aber hier mußte er der Uebermacht weichen. Man schob die Ursache des Mißlingens auf Knicanin, der nicht zur bestimmten Zeit eingetroffen war. Was aber die Ursache mochte gewesen sein, die Niederlage war nicht zu läugnen, und S. trat den Rückzug an. Des jungen Parteigängers ebenso energisches als selbständiges Auftreten hatte längst in den Gemüthern der übrigen Führer seines Volkes Besorgnisse, erweckt, und die eben erlittene Niederlage bot den geeigneten Anlaß, ihm Zügel anzulegen. Der Patriarch, welcher sich in seiner Führerschaft bedroht sah, nahm das Regiment in die Hand, S. wurde in Anklagestand versetzt, seines Commandos enthoben und nach Carlowitz gewiesen. Von hier entfernte er sich und ging zunächst in das Lager Knicanin’s, aber auch da mit mißtrauischen Blicken angesehen, suchte er im Tschaikistischen Districte eine Zufluchtsstätte. Wohl söhnte er sich dann mit dem Patriarchen wieder aus, aber mit dem Oberbefehl wurde er nicht wieder betraut – derselbe war dem neuerwählten Wojwoden Supplikac bereits übertragen worden – dagegen zum Vice-Präsidenten der Nationalversammlung ernannt und in dieser Eigenschaft im November 1848 zur Wiederaufnahme von Verhandlungen an den kaiserlichen Hof gesendet, der zu jener Zeit in Olmütz sich befand. Schreiber dieses sah damals den jungen Serbenhelden, der ziemlich mißvergnügten Sinnes der Regelung der Angelegenheiten entgegenblickte, welche lange nicht in den rechten Fluß kommen wollten. Doch gelang es dem von den Bedürfnissen seines Volkes genau unterrichteten Stratimirovich, für dasselbe ein zufriedenstellendes Resultat aus den Verhandlungen zu erzielen. Von Olmütz begab sich derselbe nach Wien, wo ihn die Kunde ereilte, daß der am 1. Mai 1848 zum Wojwoden ausgerufene Supplikac am 15. December 1848, dem Tage der kaiserlichen Bestätigung seiner Wahl, zu Pancsova einem Schlaganfalle erlegen sei. Er wurde sofort in seine Heimat zurückberufen, und er leistete Folge. An dieser Stelle sei nur erwähnt, daß um jene Zeit laut Gerüchte über die Unlauterkeit der Absichten des jungen Serbenhelden sich erhoben. Die stets zuverlässige „Allgemeine Zeitung“ fügte einer Mittheilung, in welcher sie aussprach, daß „Stratimirovich den Serben das war, was Jelačić den Croaten“, die folgenden Bemerkungen hinzu: „S. war kein reiner Charakter, die Nationalität war blos sein Schild, er focht aus Ehrgeiz; unmuthig darüber, sich nicht zum Wojwoden der Serben gewählt zu sehen, trat er zu den Magyaren über“. [1849, Nr. 40]. – Der „Slovník naučný“ gibt die Quellen dieser Gerüchte an, die er als unlauter verwirft. Stratimirovich fand bei seiner Rückkehr in die Heimat die Sachen der Serben schlimm bestellt. Im Banat drängte Bem [Band I, S. 254] und in der Bacska schritt Perczel [Band XXI, S. 461] von Sieg zu Sieg. In dieser Noth richteten sich denn wieder [306] Aller Augen auf S., und nun verlang der Patriarch selbst, daß derselbe Oberbefehl über die Raizen, welche in der Bacska sich erhoben hatten, übernehme. In stürmischer Nacht die Theiß überschreitend, kam er in Titel, der letzten bedeutenderen Stadt, welche noch von den Serben gehalten wurde, grade zu rechter Zeit an, da sich bereits mehrere Abtheilungen Tschaikisten mit acht Geschützen zum Abzuge rüsteten. Auf das freudigste begrüßt, begab er sich mit ihnen zunächst nach Mošorin. Inzwischen hatte sich die Nachricht von seiner Ankunft bald rings im Lande verbreitet. Nun strömten die Schaaren vor allen Seiten herbei: Major Milivoż Petrovic kam mit 1200 Serben aus dem benachbarten Fürstenthum; aus dem Banat, aus der Bacska zogen auf Umwegen die Freiwilligen heran, und in wenigen Tagen hatte er eine Truppenmacht von über 4000 Streitern unter seinem Befehle, welche schwuren, mit ihm zu siegen oder zu sterben. Mit dieser Schaar schritt er zur siegreichen Offensive, schlug die an Zahl weit überlegenen Magyaren in den Gefechten bei Mošorin, Vilova und Katsch und hielt nun die von jenen geräumten Gegenden bis zur Ankunft der kaiserlichen Truppen. Stratimirovich, der bisher unter dem Titel eines Generals aufgetreten war, mußte um einige Grade von seiner Charge herabsteigen, indem er in Würdigung seiner eben erwähnten Verdienste im Jahre 1849 zum Oberstlieutenant in dem ehemaligen Banderial-Huszaren-Regiment Nr. 13 ernannt wurde. Im Vorstehenden finden die kriegerischen Leistungen des Serbenhelden ihren Abschluß. 1851 kam Oberstlieutenant Stratimirovich in gleicher Eigenschaft zum 5. Uhlanen-Regiment Wallmoden-Gimborn; 1854 wurde er zweiter Oberst bei den Uhlanen Nr. 4 Kaiser Franz Joseph, 1855 supernumärer und 1859 General-Major; als solcher trat er später in den Ruhestand und da er in den jüngsten Militär-Schematismen nicht mehr aufgeführt erscheint, wohl ganz aus den Reihen der kaiserlichen Armee. Später wendete er sich dem politischen Leben zu. 1860 in den ungarischen Landtag gewählt, trat er in demselben in Angelegenheit seines Volksstammes wiederholt in den Vordergrund. Vornehmlich geschah dies, als er zu Anfang des Jahres 1861 ein Schreiben an Franz Deák richtete, worin er sich beklagte, „daß Ungarn bereits auf den Landtagen 1792 und 1848, und nun zum dritten Male den gefährlichen Weg eingeschlagen habe, über das Schicksal der Serben durch Vernichtung ihrer historischen Rechte und der Nationalität zu entscheiden. Die Vereinigung der Woiwodschaft mit der ungarischen Krone sehe er selbst als nothwendig für die gedeihliche Zukunft beider Volksstämme an, aber die Art und Weise, wie diese Vereinigung geschehe, sei weder politisch noch gerecht. Für sich selbst strebe Ungarn mit so unerschütterlicher Festigkeit die nationale Berechtigung an; den Serben aber verweigere es dieselbe. Die Magyaren sollen das Magyarisiren aufgeben, hingegen die historischen Rechte der Serben achten und den Bestand dieses Volkes garantiren. Auf einer Nationalversammlung der Serben sollen gemeinschaftlich mit dem ungarischen Landtag die Grundzüge festgestellt werden, auf welchen die Vereinigung der Wojwodina mit Ungarn zu beruhen habe“. Im Jahre 1863 verlautete es mit einem Male, General Stratimirovich [307] beabsichtige, aus der kaiserlichen Armee in fürstlich serbische Dienste überzutreten, wo er den durch den Austritt des französischen Majors Mondain vacant gewordenen Posten eines Kriegsministers übernehmen werde, jedoch verwirklichte sich diese Combination nicht; hingegen war der General nach Italien gereist, wo er längere Zeit verweilte und wie es hieß, in der päpstlichen Armee Dienste genommen haben soll. Anfangs November 1865 kehrte er heim, um wegen seiner Wahl in den Pesther Landtag im Kulpinsker Bezirke zu candidiren; auch wurde er bald darauf in Becskerek von den Serben mit 1170 Stimmen gegen 570 magyarische in den ungarischen Landtag gewählt. Während seiner Thätigkeit daselbst im Jahre 1868 verbreitete sich die Nachricht, daß General S. in das ungarische Kriegsministerium eintreten solle, welcher Plan jedoch nicht zur Ausführung kam. Dagegen machte im Sommer 1870 seine Affaire mit Doctor Svetozor Militics großes Aufsehen. Dieser hatte in der öffentlichen Sitzung des serbischen Congresses vom 10. (22.) Mai 1870 über Stratimirovich Aeußerungen gethan, welche die Ehre desselben in ganz entschiedener Weise bloßstellten. Als nun der Letztere dafür Genugthuung verlangte, weigerte sich der Erstere, dieselbe in entsprechender Weise zu geben, und erklärte, für Alles, was er gesprochen oder geschrieben – selbst wenn dies im Zorne geschehen wäre – nur vor den öffentlichen Civil- und Preßgerichten einstehen, nichts widerrufen, keineswegs aber dem General eine anderweitige Genugthuung geben zu wollen. Dieses Verhalten des Dr. Militics entsprang aus dem Umstande, weil Stratimirovich anfänglich im ungarischen Landtage wie auch auf dem serbischen Kirchencongreß zu Carlowitz den Tendenzen seines Beleidigers entgegengetreten und mit vieler Ostentation den Congreß und die Omladina-Partei angegriffen. Später aber machte er solche Schwenkungen in seinen politischen Ansichten, daß er eben dahin gelangte, wo sein Gegner Doctor Militics stand. Damit aber verlor er auch in den Augen seiner eigenen Nation alles Vertrauen, denn als im August 1872 in Groß-Becskerek wieder die Wahl der Abgeordneten für den ungarischen Landtag stattfand, entfielen bei dem ersten Wahlgang auf Stratimirovich wohl noch 269 Stimmen, während der Grundbesitzer Alexander Trifunacz, für den die echten Serben stimmten, 509 und Friedrich Balasz, dem die Partei der Deutschen und Ungarn sich zuneigte, 357 Stimmen erhielt. Da aus dieser Wahl keiner der Candidaten mit absoluter Mehrheit hervorging, so mußte zur zweiten Wahl geschritten werden, bei welcher Stratimirovich gar nicht mehr berücksichtigt wurde. Jahre hindurch war sein Name nicht mehr genannt worden, als der „Glaubenskrieg“, den Rußland gegen die Türkei wider alles Völkerrecht heraufbeschwor, auch den Namen des einstigen Serbenhelden wieder auf die Oberfläche trieb. Dieser war nämlich in die Armee des Fürsten von Serbien eingetreten und fand in derselben an dem berüchtigten Tschernajev einen Collegen. Daß zwischen zwei Charakteren wie Stratimirovich und Tschernajev der Friede nicht lange vorhalten konnte, war voraus zu sehen, und in der That kam der Zwist auch nur zu bald zum Ausbruch. Einige Zeit hieß es, S. werde den Oberbefehl über die bulgarischen Rebellen erhalten, was [308] sich jedoch nicht bestätigte. Später begab er sich unmittelbar nach Belgrad, um Tschernajev als Verräther und als eines höheren Commandos unfähigen General anzuklagen; da aber die Strömung der öffentlichen Meinung und jener des Ministeriums in Serbien stark nach der russischen Seite hinfluthete, so war von diesem Schritte, den er unternahm, wenig zu erwarten. Allmälig verlor sich auch sein Name in der steigenden, durch die Gräuel des Krieges schließlich auf dem Höhepuncte angekommenen Verwirrung, und S. wird nach bald darauf geendigtem Kriege wohl friedlichen Beschäftigungen nachgegangen sein. Nur noch zwei Momente, jedes an sich bedeutsam, um erwähnt zu werden, mögen hier eine Stelle finden. Als im Frühling 1870 die Gattin des Generals von einem Knaben genesen, wendete sich der Vater an den Fürsten von Serbien mit der Bitte, bei seinem Sohne Pathenstelle anzunehmen. Der Fürst Milan Obrenovits gewährte diese Bitte, da aber die Umstände es ihm nicht gestatteten, dem Taufacte in Person anzuwohnen, so wurde General von Türr als Stellvertreter des Fürsten von Serbien nach Pesth gesendet und dem Neugebornen in der Taufe der Name Milan gegeben. – Das zweite Moment aber ist, daß Georg von S., wenn er auch nicht gerade eine Stelle im deutschen Parnaß einnimmt, doch die vollkommene Eignung besitzt, eine solche einzunehmen. Castelli’s Almanach „Huldigung der Frauen“ enthält im Jahrgang 1843 auf S. 327 und 328 ein Gedicht, betitelt „Süß“, unterzeichnet Georg Edler von Stratimirovich, das keinen Neuling der Muse, vielmehr einen Poeten verräth, welcher die Sprache und den Reim mit Sicherheit handhabt und sich in der Poesie nicht zum ersten Mal versucht, sondern aus vorhandenen zahlreichen Arbeiten nur eben diese eine Probe veröffentlicht hat.

Didaskalia (Frankfurter Unterhaltungsblatt. 4°.), 1848, Nr. 338. – Lloyd (Wiener politisches Blatt), 1849, Nr. 73, Abendblatt. – Ostdeutsche Post (Wiener politisches Blatt), 1849, Nr. 22. – Preßburger Zeitung, 1849, Nr. 49: „Correspondenz aus Mitrowicz, in welcher gegen das Gebaren des Serbenführers Stratimirovich Protest erhoben wird“. – Allgemeine Wiener Theater-Zeitung. Herausgegeben von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.), 1849, S. 31: „Biographische Notiz“. Von M. K. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1849, S. 215. – Militär-Zeitung. Herausgegeben von Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) 1861, Nr. 14: „Ueber das Schreiben Stratimirovich’s an Franz Deak“. – Presse (Wiener politisches Blatt), 1863, Nr. 103: in den „Wiener Nachrichten“. – Dieselbe, 1872, Nr. 225: „Des Generals Glück und Ende“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 308. – Dasselbe, 1870, Nr. 127 und 162. – Neue freie Presse, 1865, Nr. 461: „Ein serbischer Deputirter“. – Dieselbe, 1868, Nr. 1481: in der „Kleinen Chronik“. – Světozor (Prager illustrirtes Blatt) 1869, S. 407, 415 und 423: „Jiří Stratimirovič“ (ausführliche biographische Skizze). – Der Osten (Wiener politisches Blatt, 4°.), 1870, im Beiblatt, Sonntagsblatt Nr. 20 u. 27: „Stratimirovits gegen Militics“. – Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung. (Wien, 4°.), 1870, Nr. 68: „Erklärung“. – Allgemeine Volks-Zeitung (Wien), 1871 Nr. 19. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.), 1876, Beilage Nr. 205: im „Bericht aus Varna“.
Porträte. 1) Unterschrift: „Georg v. Stratomirovich | k. k. Oberst-Lieutenant bei Banderial-Husaren“ Eduard Kaiser, 1849 (lith.). Gedruckt bei J. Rauh (Wien bei L. T. Neumann, Fol.). – 2) Unterschrift: „Jiří Stratimirović“ (Kreslil B. Kriehuber), Slapnička r., d. i. Georg Stratimirovich. Gezeichnet von Friedrich [309] Kriehuber (dem Sohn), in Holz geschnitten von Slapnička[WS 2] [im „Světozor“, 1869, Nr. 50].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XXIV, S. 299].
  2. Vorlage: Stapnicka.