BLKÖ:Stuart von Dranmore, Henry

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Stuart, Bernhard
Band: 40 (1880), ab Seite: 114. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Henry Windsor Villiers Stuart in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1074958845, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stuart von Dranmore, Henry|40|114|}}

Noch einmal gewinnt der Name Stuart für Oesterreich näheres Interesse. Es erhob nämlich im Jahre 1876 Henry Stuart von Dranmore, Grafschaft Waterford in Irland, Anspruch auf den Titel eines Lords Stuart de Decies, und im Juli g. J. hatte das Oberhaus in London, dem einzig die Zuständigkeit in dergleichen Fragen zukommt, die Rechtmäßigkeit dieser Ansprüche zu prüfen. Henry Stuart ist nämlich der älteste Sohn des bereits verstorbenen Lords Stuart de Decies[WS 1]. Seine ebenfalls schon dahingeschiedene Mutter wurde bei ihren Lebzeiten von den Verwandten des Hauses als rechtmäßige Gemalin Lord Stuart’s anerkannt und hatte als solche in den höchsten Gesellschaftskreisen auf dem Continent wie in England und Irland Zutritt, obschon sie niemals bei Hof vorgestellt worden. Nun möchte man meinen, daß unter solchen Umständen über die Ansprüche Henry’s Stuart auf die Pairie kein Zweifel obwalten könne. Und doch, denn es fehlt bis jetzt der unumstößliche Beweis, daß Lord Stuart in giltiger Ehe gelebt. Seine Gattin, nämlich die Mutter des Prätendenten, lernte er im Jahre 1825 in Wien als verwitwete von Ott kennen, welche aus ihrer ersten Ehe einen Sohn und eine Tochter hatte. Da dieselbe katholisch war, soll er seine Ehe mit ihr zweimal, erstlich zu London in der katholischen Kirche auf Spanish Place, sodann von einem protestantischen Geistlichen in Dublin haben einsegnen lassen. Ferner lebte er mit seiner Frau in Schottland unter Verhältnissen, die nach den englischen Gesetzen eine giltige Ehe constituiren. Endlich gab er kurz vor seinem Ableben vor Gericht in feierlicher Weise die Erklärung ab, er sei rechtmäßig verheiratet gewesen und seine Kinder seien legitim, obwohl aus Familienrücksichten seine Ehe anfänglich geheim gehalten werden mußte. Unter den Zeugen, welche der mit der Prüfung dieser Angelegenheit betraute Privilegienausschuß des englischen Oberhauses einvernommen hat, befanden sich eine Tochter Stuart’s, die an einen irischen Baronet verheiratet ist, und der k. k. Feldmarschall-Lieutenant in der Armee, Ottokar Freiherr Prochazka, welcher die Tochter der verwitweten von Ott aus erster Ehe (Leopoldine von Ott) zur Frau hat. [115] Deren Bruder Emil von Ott ist in Amerika gestorben. Eine Schwester der Lady Stuart (verw. Ott) lebte 1876 noch in Wien in hohem Alter und sehr dürftigen Verhältnissen. Eine nach Wien zu ihrer Vernehmung entsendete Commission wollte sie gar nicht empfangen und verweigerte ihr hartnäckig jedes Zeugniß. Freiherr von Prohazka gelangte erst durch diese Angelegenheit zur Kenntniß dieser Tante, seiner Frau, und ihm gegenüber sprach sie sich aus, im Besitze ihrer Schwester, der Lady Stuart, ein Kästchen und darin jene Documente gesehen zu haben, durch welche die Rechte der Kinder derselben unzweifelhaft festgestellt würden. Thatsächlich citirt auch der englische Adels-Almanach „The Peerage of the british Empire as at present existing. By Edmund Lodge Esq. Twefth Edition“ (London 1843, Saunders and otley, gr. 8°.) Seite 506 als Gattin des Henry Baron Stuart de Decies eine Madame de Olt (Olt statt Ott ist ein offenbarer Druckfehler). Was schließlich die Familie Ott anbelangt, so ist nicht festzustellen, welcher von den vier Familien, die den Namen Ott führen, die Mutter des Barons Henry Stuart angehört. Es gibt eine am 15. Mai 1788 im Landrichter zu Lauingen Joseph Franz Reingold Ott geadelte bayerische Familie; dann eine, welche mit dem siebenbürgischen Hofagenten Johann Nep. Ott seit 1767 in den Ritterstand erhoben wurde; ferner eine Freiherrenfamilie Ott von Bátorkez, welcher der Commandeur des Maria Theresien-Ordens Peter Karl Freiherr Ott von Bátorkez (Bd. XXI, S. 125] entstammt; endlich eine zweite Freiherrenfamilie, in welcher Franz Georg für seine Tapferkeit in den Türkenkriegen von Kaiser Sigismund[WS 2] am 21. März 1563[WS 3] den Adel, sein Urenkel Johann im Jahre 1792[WS 4] von Kaiser Ferdinand III.[WS 5] den Freiherrenstand erhielt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Henry Villiers-Stuart, 1. Baron Stuart de Decies (Wikipedia).
  2. Sigismund lebte von 1368–1437.
  3. 1563 war Ferdinand I. Kaiser.
  4. 1792 regierte Leopold II., nach seinem Tod aber Franz II..
  5. Ferdinand III. lebte von 1608–1657.