BLKÖ:Susan, Friederike

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Susan, Thaddäus
Band: 40 (1880), ab Seite: 346. (Quelle)
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Susan, Friederike (Dichterin, geb. im Markte Seekirchen, nächst Salzburg am 14. November 1784). Friederikens Vater lebte als Hof- und Gerichtsadvocat in Salzburg. Frühzeitig entwickelte sich in ihr eine große Liebe zur Natur, welche, gepaart mit einem lieblichen Talente zu poetischer Gestaltung, ihr bei dem nicht eben freundlichen Loos ihrer Jugend doch einigermaßen Ersatz bot für Manches, was ihr versagt blieb, oder was ihr bei den traurigen und wechselvollen Schicksalen der Heimat das Herz zu schwer bedrückte. Zu Beginn des laufenden Jahrhunderts mußte sie Salzburg verlassen, und über ein Jahrzehnt verlebte sie theils im österreichischen Tyrol, theils an den Grenzen Italiens, bis es ihr 1810 gegönnt war, in die geliebte Heimat zurückzukehren. Auf einem Ausfluge, den sie eines Tages nach dem nur wenige Stunden von Salzburg nächst Berchtesgaden befindlichen Königssee unternahm, lernte sie den damaligen k. k. Criminaladjuncten zu Ried im Innkreise Thaddäus Susan (s .d. Folgenden) kennen, dessen Frau sie am 4. Mai 1812 wurde. Neben ihrem Berufe als Gattin und Mutter widmete sie die Weihestunden ihrer Muße der Poesie, in welcher sie schon in früheren Jahren jenen zauberischen Genuß gefunden, von dem der Begnadete, der ihn einmal gekostet, nicht so leicht wieder läßt. Friederikens Dichtungen spiegeln den ganzen Kreis des weiblichen Lebens und Schaffens wieder und bewegen sich rhythmisch in verschiedenen, aber immer der Stimmung, welche sie in wohlgefügten Strophen austönen lassen, entsprechenden Versmaßen. Die große Zahl ihrer Dichtungen gibt C. W. O. Aug. v. Schindel, welcher der Erste der Dichterin einige Aufmerksamkeit widmet, auf 600 an. Eine Sammlung derselben ist nicht erschienen und wäre doch im Hinblick auf Form und Gefühlstiefe, sowie auf den ausgedehnten Kreis des weiblichen Innenlebens, den sie umfassen, seinerzeit ebenso erwünscht als gerechtfertigt gewesen. Zerstreut erschienen ihre Schöpfungen in den besten deutschen und österreichischen Almanachen und [347] schöngeistigen Blättern der vormärzlichen Zeit, wir nennen davon die „Aglaja“ (1817), Castelli’s „Huldigung der Frauen“ (1823, 1824), „Oesterreichs Tibur“, von Dr. Franz Sartori (1819), die „Wiener allgemeine Theaterzeitung“, herausgegeben von Adolph Bäuerle (1818–1821, 1824), Witthauer’s „Zeitschrift für Kunst, Literatur u. s. w.“ (1818–1821), die von Kind, nachmals von Theodor Hell herausgegebene „Abend-Zeitung“ (1818 bis 1823). Schindel verzeichnet von vielen Gedichten Friederikens genau die Blätter, in welchen sie abgedruckt stehen, nach Jahr und Nummer, jedoch nur bis 1825. Auch Ludwig Scheyrer nahm die Dichterin in seine Anthologie „Die Schriftsteller Oesterreichs in Reim und Prosa“ (Wien 1858, 8°.) auf, jedoch das von ihm mitgetheilte Gedicht ist wohl der schwächeren eines und charakterisirt nur unzulänglich den Geist ihrer Poesien.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien, 8°.) Bd. V, S. 237. – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) 1817, Intelligenzblatt, Nr. 63. – Kehrein (Joseph), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhunderte (Zürich, Stuttgart und Würzburg 1871, Leo Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 196. – Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1813, Gerh. Fleischer der Jüngere, 8°.) Bd. XX, S. 707 [nennt ihren Geburtsort irrig Markt Sonnkirchen, statt Seekirchen]. – Schindel (Karl Wilhelm Otto August v.), Die deutschen Schriftstellerinen des neunzehnten Jahrhunderts (Leipzig 1825, Brockhaus, gr. 12°.) Bd. II, S. 348.