BLKÖ:Szábel, Balthasar Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szabad, Emerich
Band: 41 (1880), ab Seite: 103. (Quelle)
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Szábel, Balthasar Ritter von (Großindustrieller und Reichstagsabgeordneter, geb. zu Klausenburg in Siebenbürgen am 23. Februar 1814, gest. zu Meran am 13. Jänner 1869). Seiner Abstammung nach ist Szábel ein Ungar. Zum Kaufmann herangebildet, betrieb er in Klausenburg mit seinem Vater ein Geschäft unter der Firma Szábel und Sohn. Im Jahre 1836 heiratete er die Tochter des Kaufmannes Kloger in Wien und übersiedelte 1839 nach Olmütz, wo er 1840 die Handlung W. C. Hirsch käuflich erwarb. Gleichzeitig gründete er unter dieser Firma eine Garnniedertage in Freudenthal. Im denkwürdigen Jahre 1848 wurde er in den mährischen Landtag und dann in den constituirenden Reichstag gewählt, in welchem er sich durch seine freisinnigen Reden in den confessionellen Fragen bemerkbar machte. Ueber seine damalige Thätigkeit schreibt der Verfasser der „Reichstags-Galerie“: „Szábel, der hinter Löhner saß, ein geborener Ungar, ist gewiß einer der aufrichtigsten Oesterreicher. Es ward ihm vorgeworfen daß er zu specifisch und exclusiv Olmützer sei. Er war einer der tüchtigsten Finanzmänner der Kammer und lange Zeit Berichterstatter des Finanzausschusses. Seine Interpellation ans Ministerium wegen der Suspension der „Ostdeutschen Post’ ist eine der wenigen, welche praktischen Erfolg hatten, denn sie führte zur Concessionirung der Zeitung“. Auch in das deutsche Reichsparlament wurde Szábel gewählt. In der mehrjährigen Reactionsperiode nach 1848 widmete er sich wieder ganz seinen industriellen Unternehmungen, darunter der Leitung der Flachsspinnerei zu Schönberg und Friedland, von deren Führung er aber 1860 zurücktrat, indem er eine eigene Spinnerei zu Chotzen in Böhmen gründete, welche er bald zu einem der ansehnlichsten [104] industriellen Geschäfte in Oesterreich hob. Vom Jahre 1850 ab bis zu seinem Ableben fungirte er als Mitglied, vier Jahre lang auch als Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Olmütz, immer mit Erfolg die Interessen des Handels und der Gewerbe in Mähren vertretend. 1861 sowie 1867 wurde er von der Stadt Sternberg in den mährischen Landtag und von diesem beide Male in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes gewählt. In diesem wirkte er vermöge seiner praktisch erworbenen Kenntnisse und seiner reichen Erfahrung in ersprießlichster Weise in allen finanziellen und volkswirthschaftlichen Fragen, vornehmlich während der Berathungen über die Bankacte in den Jahren 1861 und 1862. Für seine verdienstliche Thätigkeit auf den erwähnten Gebieten wurde ihm mit kaiserlichem Cabinetschreiben ddo. 1. Februar 1863 der Orden der eisernen Krone dritter Classe verliehen, welchem schon wenige Wochen danach, mit Diplom ddo. 11. April 1863, die Erhebung in den erbländischen Ritterstand folgte. In den letzten Monaten seines Lebens sah er sich in Folge eines anfangs unscheinbaren, allmälig aber immer mehr sich verschlimmernden Leidens den größten Theil der Session hindurch den parlamentarischen Arbeiten entzogen. Nichts desto weniger konnte er sich lange nicht entschließen, nach Meran zu geben, wie der Arzt ihm angerathen, denn eine Tochter, die er vor etlichen Jahren nach diesem Curorte begleitet hatte, war ihm daselbst gestorben. Als er sich aber endlich dem allgemeinen Drängen fügte, war es bereits zu spät. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft in Meran starb er im Alter von 55 Jahren. In einem ihm gewidmeten Nachrufe heißt es unter Anderem: „Durch seinen Tod verliert namentlich Olmütz sehr viel. Er unterstützte alle gemeinnützigen und wohlthätigen Anstalten der Stadt, er linderte die Noth und das Elend durch reichliche Gaben, er war ein Freund und Wohlthäter der Leidenden“. Im politischen Leben zählte er zu den treuesten und entschiedensten Anhängern des Schmerling’schen Centralismus.

Ritterstands-Diplom ddo. 11. April 1863. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine Wien, 4°.) 1869, Nr. 14. – Neues Wiener Tagblatt, I. Jahrg. (1867), Nr. 131: „Die Religionsfrage im Reichstage zu Kremsier“. – Reichstags-Galerie. Geschriebene Porträts der hervorragendsten Deputirten des ersten österreichischen Reichstages (Wien 1848, Jasper, Hügel und Manz, 8°.) 3. und 4. Heft, S. 111. – Aquarellen aus den beiden Reichsstuben. Von J. J. K.(raßnigg) (Wien 1868, R. v. Waldheim, 12°.). Erste Abtheilung, S. 38, 39, 40, 46 und 48. Zweite Abtheilung, S. 4. – Die Presse, 30. April 1862, Nr. 118. erster Leitartikel: „Balthasar Szábel’s Bankacte“.
Porträt. Ein solches scheint wohl nicht vorhanden zu sein; doch brachte der Wiener „Figaro“ 1865, Nr. 14 und 15 eine harmlose Charge Szábel’s, welcher, da er bei der Wahl in den Finanzausschuß durchgefallen, als in der Wahlurne Steckengebliebener dargestellt ist.
Wappen der Ritter von Szábel. Ein von Roth über Gold quer getheilter Schild. Oben ein Schwert, am goldenen Griffe mit einer Gartenlilie am blättrigen Stängel verschränkt, und unten ein rother Zinnenthurm mit schwarzer, von zwei Schießscharten beseiteter Thoröffnung. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme. Die Helmkrone zur Rechten trägt einen offenen, rechts von Roth über Gold und links abgewechselt quer getheilten Adlerflug; aus jener zur Linken erschwingen sich drei Straußfedern, und zwar eine goldene zwischen rothen. Die Helmdecken sind durchgängig roth mit Gold unterlegt.