BLKÖ:Széchenyi, Béla Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 224. (Quelle)
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Széchenyi, Béla Graf (Forschungsreisender, geb. am 3. Februar 1837). Der ältere Sohn des unter dem Namen der „große Ungar“ verewigten Grafen Stephan Széchenyi [s. S. 251] aus dessen Ehe mit Crescentia geborenen Gräfin Seilern, verwitweten Karl Graf Zichy. In seiner Jugend wurde ihm die sorgfältigste Erziehung zutheil. Auf öffentlichem Gebiete begegnen wir dem Grafen, von welchem Blätter im Jahre 1858 meldeten, daß er den Stock Nelson’s dem Pesther National-Museum zum Geschenke gemacht habe, zum ersten Male in dem denkwürdigen ungarischen Landtage von 1861, dem ersten seit der Katastrophe der Jahre 1848 und 1849, auf welchem er als Deputirter von Nyék im Oedenburger Comitate erschien. In der Sitzung vom 23. Mai spricht er gleich im Beginn seiner kurzen, würdigen Rede [vergleiche zum Verständniß der Sachlage die Biographie des Abgeordneten Paul Jámbor Bd. X, S. 60] den Wunsch aus, daß die Antwort an den König in Form einer Adresse erfolge, dann aber, auf die Gleichberechtigung der verschiedenen Religionsbekenntnisse übergehend, fordert er geradezu die Judenemancipation. „Nur der Druck erzeugt Gegendruck“, ruft er aus, „man stelle die Juden Ungarns auf den Boden der Rechtsgleichheit, und sie werden ungarische Juden sein und den Fortschritt Ungarns ebenso sehr am Herzen tragen, wie die Sprossen dieses Landes von reinem scythischen Blute“. „Beseitigen wir“, meint der Graf weiter, „Vorurtheile, Antipathie und mit unserer christlichen Religion unvereinbare Gesinnungen und thun wir, was zwischen Menschen nur recht und billig ist. Indem ich die Aufmerksamkeit des Hauses somit im Voraus auf die Judenemancipation lenke, verlange ich keine Gnade, sondern Gerechtigkeit“. Diese Rede mit jener Wilhelm Tóth’s erschien bei Lauffer und Stolp 1861 in Pesth im Sonderabdrucke. Damals aber zeichnete ein Publicist folgende Silhouette des Landtagsabgeordneten Béla Grafen Széchenyi: „Graf Béla ist ein Adonis, der jedoch weiß, daß nicht die Larve die Schönheit des Mannes ausmacht; er ist der Erbe eines großen Namens, der aber für ihn nicht eine Befriedigung der Eitelkeit ist, sondern ihm das Gefühl einer großen Verpflichtung einflößt; jung an Jahren, ist er alt an Verstand, denn der Geist seines Vaters hat ihn frühzeitig gereift; eine glänzende Phrase und er ist der populärste Mann des Landes; er sucht aber die – Inpopularität. So viel Kaltblütigkeit, so viel Selbstverleugnung, wenn dies noch nicht Größe, so ist es doch wenigstens die Anlage dazu. Ob er wohl die riesigen Dimensionen seines Vaters erreichen wird? ... So kann nur die Unbilligkeit fragen – einen Stephan Széchenyi bringt nicht jedes Jahrhundert zur Welt“. Die nächstfolgenden Lebensjahre des Grafen gingen ohne bemerkenswerthere Momente vorüber, bis er 1863 eine Reise nach Amerika unternahm und das Ergebniß derselben in dem Werke: „Amerikai utam“, d. i. Meine Reise durch Amerika (Pesth 1863, [225] Kilian, 8°.) veröffentlicht. Der nun geweckten Reiselust, mit welcher sich ein reger Forschungstrieb verband, nachgebend, trat er mit Beginn des Jahres 1865 eine Reise in den Orient an, und nach einigen Monaten, im April, verkündeten die Pesther Blätter, daß sich Graf Béla Széchenyi in Algier befinde, wo er mit glücklichem Erfolge dem Löwensport huldigend, persönlich einen Löwen erlegt habe. Nach mehrjähriger Pause aber vernahm man im Spätherbste 1877, daß Graf Béla sich zu einer Forschungsreise nach Asien rüste, welche er auch am 4. December g. J. antrat. In seiner Begleitung befand sich G. Balinth, ein junger Gelehrter, der sich bereits durch Reisen und Sprachforschungen einen Namen gemacht hatte, der Geolog L. Loczy und der Oberlieutenant Kreuter[WS 1], welcher astronomische Beobachtungen machen sollte. Wiederholt gelangten Nachrichten über diese centralasiatische Expedition und die mancherlei Schwierigkeiten, welche sich besonders von Seite der tibetanischen Regierung dem Unternehmen des Grafen entgegenstellten, durch englische Blätter und aus diesen durch die „Allgemeine Zeitung“ in das Publicum. Die letztere berichtet in der Nummer 330 vom 26. November 1879 eingehend, wie der Argwohn und Eigensinn chinesischer Mandarine dem Grafen und seinen Gefährten überall Hindernisse in den Weg legen. In einer späteren Nummer, vom 15. Jänner 1880, meldet dasselbe Blatt von den weiteren Fortschritten der Expedition des Grafen, welcher sich am 24. September 1879 in Sining Fu befand, von wo er am 8. October nach Batany, dem Grenzorte Tibets aufbrechen wollte. Die letzten Nachrichten brachte das genannte Blatt in der Nummer 30, vom 30. Jänner 1880, worin es die Vergeblichkeit aller Bemühungen des Grafen, ins tibetanische Gebiet einzudringen, ausführlich schildert: Das Mißtrauen der Tibetaner, das auch allem chinesischen Einfluß gegenüber ungeschwächt fortbesteht, vereitelt jeden Versuch. Anfangs November 1879 befand sich Graf Széchenyi noch in Peking, vergeblich wie früher mit den chinesischen Behörden wegen seines Ueberganges nach Tibet unterhandelnd. Weitere Nachrichten über seine Expedition fehlen noch. Ob es ihm also gelingen wird, seine Reise bis zum Kuen-Lun- (Kuekun-) Gebirge, welches westlich vom Himalaya sich abneigend, die Grenze zwischen Tibet und der kleinen Bucharei bildet, auszudehnen, steht bei den geschilderten Verhältnissen dahin. Der Graf trägt sich mit der Absicht, auch die Resultate dieser Expedition, welche bei ihrer Richtung in noch wenig gekannte Ländergebiete ebenso wichtig als interessant ist, in einem wissenschaftlichen Werke darzulegen. Von seinen großen Reisen kehrte er nach Europa zurück, um am 23. Mai 1880 der feierlichen Enthüllung des Denkmales, welches seinem Vater Stephan in Pesth gesetzt worden ist, zugleich mit seinem Bruder Edmund beizuwohnen. In der Sitzung, welche die ungarische Akademie der Wissenschaften dieser Feier vorangehen ließ, wurde unter den Namen der neugewählten Akademiker auch jener des Grafen Béla verlesen. Graf Béla, erblicher Burggraf der Burg Pölöske und Herr der Majoratsherrschaften Pölöske im Szalader und Zinkendorf im Oedenburger Comitat, vermälte sich am 22. Juni 1870 mit Johanna Gobertina geborenen Gräfin Erdödy (geb. 10. April 1846), verlor aber die Gattin, die ihm nur eine [226] Tochter Alice (geb. 20. September 1871),gebar, nach kaum dritthalbjähriger Ehe am 18. October 1872 durch den Tod.

Transylvania (Hermannstädter Zeitung, gr. 4°.) 1858, Nr. 37, unter den „Miscellen“. – Temesvárer Zeitung, 1868, Nr. 149, im Feuilleton. – Der ungarische Reichstag, 1861 (Pesth 1861, Osterlamm, 8°.) Bd. I, S. 357. – Pesther Lloyd, 1865, Nr. 90, unter den „Tagesneuigkeiten“. – Pesth-Ofner Zeitung, 1861, Nr. 148, im Feuilleton: „Landtags-Silhouetten. VI.“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1879, S. 4862; 1880, S. 213 bis 214 und 438. – Nürnberger Correspondent, 1879, S. 1273–1275.
Porträt. Unterschrift: „Gróf Széchenyi Béla“ (Lithographie von Marastoni?). Im illustrirten ungarischen Blatte „Az ország tükre“, d. i. Der Reichsspiegel, 1862, S. 88.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gustav Kreitner (Wikipedia).