BLKÖ:Széchenyi, Dionys Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 235. (Quelle)
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Széchenyi, Dionys Graf (Abgeordneter des ungarischen Landtages von 1861, geb. 7. September 1828). Der jüngste Sohn des Grafen Ludwig (gest. 1855) aus dessen zweiter Ehe mit Francisca geborenen Gräfin Wurmbrand, [236] und ein Neffe des Grafen Stephan. Ueber seine Vergangenheit bis zu der Zeit des denkwürdigen 1861er Landtages, in welchem er als Abgeordneter von Eisenstadt erschien, liegen keine Nachrichten vor. Auf jenem Landtage aber sprach er in der Sitzung vom 27. Mai als erster Redner in eindringlicher Weise gleich seinem Vetter Bèla für die Adresse. Aus seiner Rede, die durch ihren ruhigen Ton gegen die von leidenschaftlichem Pathos getragene des Grafen Eduard Károlyi, der die Adresse verwerfend, entschieden für den Beschluß sich erklärte, in wohlthuender Weise abstach, sind ein paar Stellen bemerkenswerth, welche die ganze Politik des Grafen kennzeichnen. Die Frage von der praktischen Seite betrachtend, meint er treffend, daß Ungarn, wenn es die Zukunft mit der Vergangenheit verbinden wolle, oder auf den gesetzlichen Pfad zu treten und das Verfassungsleben wieder aufzunehmen wünsche, dies ohne einen gekrönten König nicht erreichen werde. „Daß wir aber früher oder später wahrscheinlicher das Ziel erreichen, wenn wir mit dem Regenten nicht in Beziehung treten, verstehe ich mit meiner bescheidenen Dorflogik so wenig, als wenn Jemand seinen gebrochenen Arm geheilt wünschte, aber nicht zuließe, daß der Arzt die beiden Enden des Beines näher zu einander bringe“. Und nach dieser unabweislichen Logik kommt nun der Graf zu dem Schlusse: Se. Majestät Franz Joseph wird entweder gekrönter ungarischer König oder nicht. Wird er es, werden wir es nie bereuen, mit der geziemenden Ehrfurcht gegen ihn uns betragen zu haben; wird er es nicht, dann werden wir nicht bedauern, Alles gethan zu haben, was möglich war, und die Welt wird überall eher die Ursache des schlechten Erfolges finden, als bei uns“. Anläßlich dieser Rede des Grafen fand sich ein Publicist zu folgenden Bemerkungen veranlaßt: „Des Grafen Dionys Kaltblütigkeit verräth Széchenyi’sches Diplomatenblut. In der Politik sucht er positive Grundlagen; nicht Principien, sondern Thatsachen sind es, worauf er Gewicht legt. Und nicht mit Unrecht; denn nur dem Geschichtsforscher, und auch da sicherlich nur dem einer viel späteren Zeitepoche angehörigen, ist es gegeben, das bewegende Princip, die Theorie der geschehenen Dinge zu ergründen, die bewegenden Hebel der Gegenwart sind thatsächliche Verhältnisse. Nach seiner mit Leichtigkeit und eleganter Einfachheit gehaltenen Rede zu urtheilen, ist der Graf ein nüchterner Mann, der sich allenfalls in eine verführerische Schönheit verlieben kann, sie aber gewiß nicht zum Weibe nimmt. Er hält große Stücke auf die Franzosen, will aber nicht, daß wir in ihre Fußstapfen treten; denn nicht jede Nation ist so groß und in einer so glücklichen Lage, um von so gewaltigen Krisen sich so leicht zu erholen, wie die französische. Sagt doch schon ein grober Poet des Alterthums: quod licet Jovi... Aber er ist nicht nur von nüchterner Besonnenheit, sondern scheint auch gründliche Kenntnisse zu besitzen, und eben deshalb möchten wir ihm eine kleine Dosis Ambition wünschen, denn ob es auch wahr, daß der Ehrgeiz manche leichte Waare auf die Oberfläche treibt und unbedeutende Menschen eine Rolle spielen läßt, so ist es doch ebenso wahr, daß, wo dies Ingrediens fehlt, selbst das schönste Talent brach liegen bleibt. Mit dieser Bemerkung wollen wir nicht anzüglich sein, sondern aufmuntern, denn der edle Graf ist noch in dem glücklichen Alter, [237] wo er mehr vor, als hinter sich hat.“ – Im Uebrigen scheint der Graf dem Reitsport mit großer Sachkenntniß zu huldigen, denn man verdankt seiner Feder nachstehende deutsche Schrift: „Beitrag zum Reitunterrichte“ (Budapesth [Wien, Sintenis] 1872, 106 S., hoch 4°.). Graf Dionys hat sich am 22. April 1857 zu Wien mit Marie geborenen Gräfin Hoyos, Gräfin von Gutenstein, Freiin von Stichsenstein (geb. 3. Februar 1838) vermält, aus welcher Ehe zwei Söhne Emerich (geb. 31. März 1858) und Géza (geb. 13. April 1859) stammen. Gräfin Marie, Sternkreuz-Ordensdame ist gleich ihrer Schwägerin Gräfin Alexandra, der Gemalin des gegenwärtigen österreichischen Gesandten am Berliner Hofe, Grafen Emerich Széchenyi, wegen ihres Wohlthätigkeitssinnes im Lande ungemein beliebt.

Der ungarische Reichstag 1861 (Pesth 1861, Osterlamm, 8°.) Bd. I, S. 458 u. f. – Pesth-Ofener Zeitung, 1861, Nr. 148, im Feuilleton „Landtags-Silhouetten. VI.“.
Porträt. Unterschrift: „Gróf Széchenyi Dénes“[WS 1]. Marastoni 1862 (lith.). Im illustrirten ungarischen Journal „Az ország tükre“, d. i. Der Reichsspiegel, Jahrg. 1862.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: „Gróf Széchenyi Ödön“.