BLKÖ:Szarvassy, Joseph von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szaster, Anton
Band: 41 (1880), ab Seite: 182. (Quelle)
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Szarvassy, Joseph von (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. im Jahre 1746, gest. zu Wien 29. November 1810). Er entstammt einer siebenbürgischen Familie, welche schon in seinem Großvater, der gleichfalls Joseph mit Vornamen hieß, um die Mitte des 17. Jahrhunderts geadelt wurde. Joseph trat 1762, 16 Jahre alt, als Cadet in das Infanterie-Regiment Nr. 2. Von der Pike auf dienend, brachte er es im Jahre 1770 zum Officier und Adjutanten im 9. Huszaren-Regiment. Zur Zeit des bayrischen Erbfolgekrieges (1778–1779) war er Oberlieutenant, im Türkenkriege (1787 bis 1789) Rittmeister. Als solcher erhielt er Befehl, mit dem Lieutenant Baron Molke und 60 Huszaren den im April 1788 aus Jassy entflohenen, durch den Rittmeister Szörény aber wieder eingebrachten Moldauer Fürsten Ypsilanti[WS 1] über Suczawa nach Czernowitz zu escortiren. Schon im Gefechte bei Belwestie (31. August) zeichnete er sich durch seine Tapferkeit besonders aus, doch in dem Treffen bei Negotin am 6. Jänner 1790 erkämpfte er sich durch eine Waffenthat, die zu den ruhmreichsten der kaiserlichen Armee zählt, das höchste militärische Ehrenzeichen. Um der von den Kaiserlichen blockirten Festung Neu-Orsowa jede Unterstützung abzuschneiden, sollte Negotin, wo die Türken ein Lager von siebenthalbtausend Mann aufgeschlagen hatten, genommen werden. Drei Bataillone Infanterie, eilf Züge Huszaren und acht Geschütze waren unter Commando des Oberstlieutenants Lipthay [Band XV, S. 235] zur Ausführung dieser Unternehmung bestimmt. Am 6. Jänner, Morgens acht Uhr, stieß das Commando eine Stunde vor Negotin auf eine etwa Tausend Spahis zählende feindliche Truppe. Szarvassy führte eilf Züge Huszaren als Vorhut. Das Terrain war mit hochgewachsenem Gestrüpp überdeckt; diesen Umstand benützten die Türken, um mit ihrer Uebermacht die Flanken der Kaiserlichen zu umgehen; aber Szarvassy mit seinen Huszaren führte einen so kühnen und erfolgreichen Angriff auf den Feind aus, daß dieser den Rückzug, antreten mußte. Jedoch durch neue Abtheilungen Spahis und Janitscharen unterstützt, drang derselbe von Neuem gegen die Unseren vor. Um die Türken, über seine Schwäche zu täuschen, bildete Szarvassy aus seinen eilf Zügen deren achtzehn, dann warf er sich so ungestüm auf den eines solchen Ansturmes nicht gewärtigen Gegner, daß er denselben völlig in die Flucht trieb, wobei der Corporal Nagy eine türkische Fahne erbeutete. Die flüchtigen Türken machten endlich im Dorfe Bukovice Halt, sammelten sich daselbst aufs neue und unternahmen einen dritten Angriff. Aber auch jetzt wurden sie wieder völlig zurückgeworfen. Diesmal verfolgte sie Szarvassy mit seinen Huszaren bis an den Timok, und auf der Flucht vor den hinter ihnen reitenden Verfolgern hatten sie es so eilig, daß viele von der Brücke stürzten und vergeblich Rettung suchend, ihren Tod im Wasser fanden. Durch sein umsichtiges Gebaren und seine Tapferkeit wurde das Vorhaben der Türken vereitelt und den Unseren die Einnahme Negotins ermöglicht. Am 23. Jänner 1790, kaum einen Monat vor seinem[183] Tode, verlieh Kaiser Joseph II. außer Capitel Szarvassy den Maria Theresien-Orden. Am 8. Juli d. J. focht unser Held wieder bei Servoskas, wo er das Unglück hatte, im Scharmützel vom Pferde zu stürzen und in Gefangenschaft zu gerathen. Erst nach Jahresfrist erfolgte seine Ranzionirung. Seiner vielen Wunden wegen mußte er aus dem activen Felddienste treten, wurde aber durch die Ernennung zum Premier-Wachtmeister in der ungarischen adeligen Leibgarde ausgezeichnet. In derselben rückte er 1796 zum Seconde-Lieutenant, im Armeestande aber zum Oberstlieutenant, bald darauf zum Obersten und 1802 zum General-Major vor. Als Premierlieutenant der Garde starb er im Alter von 64 Jahren. Er hinterließ zwei Söhne: Paul (geb. 1796) und Franz (geb. 1800), welch Letzterer gleichfalls in der Armee diente und einen Sohn Alexander Johann hatte. Weitere Nachrichten über die Familie Szarvassy fehlen.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 279 und 1733. – Thürheim (Andreas Graf), Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Teschen 1879 u. 1880, Prohaska, Lex. 8°.) Bd. II, S. 214.
Wappen. Senkrecht getheilter Schild. Im vorderen rothen Felde auf grünem Rasen ein Ungar in ganzer Gestalt, die Mütze auf dem Kopfe, die Rechte in die Hüfte gestemmt, in der Linken einen Säbel haltend, auf dessen Spitze ein Türkenkopf steckt; im rückwärtigen schwarzen Felde gleichfalls auf grünem Rasen ein aufspringender, nach innen gekehrter goldener Hirsch, dessen Hals mit einem Pfeil belegt ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Alexander Ypsilantis (Wikipedia).