BLKÖ:Tóth von Ungvár-Németh, Ladislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tóth, Lorenz
Band: 46 (1882), ab Seite: 238. (Quelle)
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László Ungvárnémeti Tóth in der Wikipedia
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Tóth von Ungvár-Németh, Ladislaus (ungarischer Dichter und Schriftsteller, geb. zu Kis-Tokaj nächst Miskolcz am 17. Februar 1788, gest. zu Wien am 31. August, nach Anderen am 2. September 1820). Der Sohn eines ungarischen reformirten Predigers, begann er seine Studien in Miskolcz. Bald verlegte er sich mit besonderer Vorliebe auf die lateinische Sprache und die römische Literatur und machte in beiden so ungewöhnliche Fortschritte, daß er die Bewunderung seiner Lehrer erregte. Nach Abschluß der philosophischen Jahrgänge hörte er zu Sáros-Patak Theologie und begab sich dann 1810 zur Erlernung der deutschen Sprache mit zwei Zöglingen nach Eperies. Daselbst von dem Professor Carlovsky zum Studium der griechischen Sprache angeeifert, begann er dasselbe mit Begeisterung; auch lernte er dort den Dichter Franz Kazinczy [Bd. XI, S. 97] kennen, mit dem er sich bald befreundete und auf dessen Aufforderung er einige seiner ungarischen Gedichte in griechische Metra umformte. Bis dahin hatte er in seinen Dichtungen sich des Alexandriners bedient; nun vernichtete er Alles, was er in diesem Versmaße geschrieben, außer einer Tragödie: „Narczissz“, die er ganz in Jamben umarbeitete. Im Jahre 1814 bezog er die Universität in Pesth, um daselbst das Studium der Theologie mit jenem der Medicin zu vertauschen. Seine freie Zeit widmete er den Musen, und nun bereitete er einen Band seiner Gedichte zur Herausgabe vor. Derselbe erschien auch unter dem Titel: „Ungvár németi Tóth László Versei“, d. i. Gedichte des Ladislaus Tóth von Ungvár-Németh (Pesth 1816) und enthielt seine Oden, Lieder, Romanzen, Fabeln, Episteln, Epigramme und das Trauerspiel: „Narciß“. Diesem ersten Werke ließ er bald eine Trauerode folgen auf die Erzherzogin Hermine geborene Prinzessin von Anhalt-Bernburg, zweite Gemalin des Erzherzogs Palatin Joseph, welche, nachdem sie dem Erzherzog Stephan das Leben gegeben, am 14. September 1817 gestorben. Dieses Gedicht erschien unter dem Titel: „Gyásztiszielet Hermine cs. főhercegnének... halálára“ (Pesth 1817). Das nächste Werk, welches er nun veröffentlichte, waren die Görög versei“, d. i. Griechische Verse, mit gegenüberstehender ungarischer Uebersetzung (Pesth 1818, 8°.), eine Sammlung von Oden, Liedern und Epigrammen, die eine ungemein günstige Aufnahme fanden. Ein darin enthaltenes an den berühmten Naturforscher Oken gerichtetes Epigramm ließ dieser in seiner Zeitschrift „Isis“ abdrucken. In den Anmerkungen zu den „Griechischen Versen“ finden [239] sich Ausfälle gegen den Verfasser einer im Drucke erschienenen Satyre („Tükröcske“, Patak 1816, 8°.) auf Tóth’s Dichtungen. Diese Anmerkungen riefen nun eine neue Gegenschrift: „Újra amalgamázott üvegtáblácska“, d. i. Ungarische und hebräische Epigramme (Patak 1819, 8°.) hervor, welche aber Tóth ganz unbeachtet ließ. Im Jahre 1818 ging unser Dichter, der bereits am 16. October 1816 zur katholischen Religion übergetreten war, nach Wien, um daselbst seine medicinischen Studien zu beenden. Kaum hatte er 1820 das erste Rigorosum zur Erlangung der medicinischen Doctorwürde abgelegt, als ihn eine Krankheit befiel, von welcher er schon nach wenigen Tagen dahingerafft wurde. Man behauptete: er habe sich vergiftet. Thatsache ist, daß er in der äußersten Dürftigkeit lebte, und daß man nach seinem Tode in seinem Zimmer verschiedene chemische Apparate vorfand. Da es aber aus Mittheilungen seiner Bekannten und Freunde erwiesen ist, daß er sich viel mit chemischen Experimenten beschäftigte, so bleibt noch immer die Frage offen und der Zweifel berechtigt, ob er sich auch wirklich vergiftet habe? Man findet die Angabe: Tóth sei an der Cholera gestorben, nun aber ist derselbe schon 1820 gestorben, während die Cholera erst in der Nacht zum 14. September 1830, also zehn Jahre später, in Wien plötzlich und sehr heftig in der inneren Stadt auftrat; hiemit wäre jene Angabe, wenn unter der angeführten Todesursache nicht etwa der gewöhnliche Brechdurchfall, der eben auch Cholera heißt, zu verstehen ist, nicht richtig. Was mit des Dichters literarischem Nachlaß geschehen, ist nicht bekannt. Von seinen sonstigen Arbeiten können wir nur noch verzeichnen: ein Sonett in altgriechischer Sprache, welches der bekannte Polyhistor Dr. Rumy in Seebode’s[WS 1] „Bibliothek für das Schulen- und Unterrichtswesen“, 1822, Bd. VII, veröffentlichte; – in „Tudományos gyüjtemény“, d. i. Wissenschaftliche Sammlung, 1818, Bd. VI, die Abhandlung: „A költőnek remekpéldájiről különösen Pirndáiról’s Pindarnak versmértékiről“ und in den „Hasznos mulatságok“ noch viele Aufsätze, meist ästhetischen Inhalts, theils ohne seinen Namen, theils mit demselben bezeichnet, in welchen sich der Autor als ein ganz tüchtiger Aesthetiker bekundet. Tóth gebührt[WS 2] das Verdienst, der Erste die [Pindar|Pindar’sche]] Ode in die ungarische Dichtung verpflanzt zu haben. Daß er sonst noch in mannigfacher Weise literarisch thätig gewesen, wurde durch Mittheilungen seiner Freunde bekannt, welche sich erinnerten, daß er eine Anthropologie in magyarischer Sprache geschrieben, daß er sich mit dem Gedanken trug: den Hippokrates ins Ungarische zu übersetzen, und in seiner Inaugural-Dissertation spricht er die Absicht aus, eine medicinisch-wissenschaftliche Sammlung („Orvosi tudományos gyüjtemény“) zu begründen. Es war ein großer Verlust für die Dichtung und für die Wissenschaft, daß Ladislaus Tóth so früh aus dem Leben schied.

Ungarns Männer der Zeit. Biographien und Charakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Kertbeny) (Prag 1862, A. G. Steinhausen, 12°.) S. 268. – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) 1819, in der „Chronik“, Nr. 62. – Hunfalvy (Paul). Literarische Berichte aus Ungarn (Budapesth, Knoll, gr. 8°.) Bd. II (1878), S. 261, im Artikel: „Die classische Philologie in Ungarn“. Von Dr. Eug. Abel. – Toldy (Ferencz). A magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legujabb időig, d. i. Handbuch der ungarischen [240] Dichtung von der Schlacht bei Mohács bis auf unsere Tage (Pesth 1857, Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 155 u. f. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) Bd. I, S. 594. – Philosophiai Pályamunkák, d. i. Philosophische Preisschriften (Pesth) Bd. I (1835), S. 140. – Tudományos gyüjtemény, d. i. Wissenschaftliche Sammlung, 1821, Bd. II, S. 110: „Nekrolog“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Svoboda’s.
  2. Vorlage: gebürt.