BLKÖ:Tapolcsányi, Gregorius a S. Ladislao

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tanzlinger, Johann
Band: 43 (1881), ab Seite: 62. (Quelle)
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Tapolcsányi, Gregorius a S. Ladislao (gelehrter Piarist, geb. zu Tavarnok in der Trencsiner Gespanschaft 18. Februar 1713, gest. zu Debreczin 8. October 1773). Wohl erwähnt Nagy in seinem Werke über Ungarns Adelsfamilien (Magyarország családai, Band XI, S. 34) einer Familie Tapolcsányi, welche bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Ungarn vorkommt, ob aber der in Rede stehende Gregorius ihr angehört, ist aus seinen Nachweisen nicht ersichtlich. Mit 15 Jahren trat Gregorius in den Orden der frommen Schulen, in welchem er nach Beendigung seiner Studien zu Veszprim und Privida in den Gymnasialclassen, zu Pesth in den Humanitätsclassen, zu Kecskemét Philosophie, zu Neutra und Debreczin durch zwölf Jahre theologische Disciplinen lehrte. Hierauf ging er zum Predigtamte über und erwarb als Homilet einen Ruhm, der weit über die Grenzen seiner unmittelbaren Thätigkeit hinausreichte, ja als er in der Eigenschaft eines Rectors das Collegium seines Ordens in Debreczin leitete, da zeigte sich am glänzendsten die Macht seiner Rede, denn in dieser Stadt, in welcher der Protestantismus seine festesten Wurzeln geschlagen und die gleichsam als der feste Hort der Evangelischen angesehen wurde, gelang es der gottbegeisterten Beredtsamkeit Tapolcsányi’s, viele Protestanten zur Mutterkirche zurückzuführen. In Folge seines geistlichen Ansehens ging er 1748 und 1754 als Suffragator seiner Ordensprovinz auf die zu Rom abgehaltenen Generalcapitel, wo er namentlich in den die Ehe betreffenden Fragen, in welchen im Laufe der Zeit durch die Gepflogenheiten der helvetischen Confession schwer zu entwirrende Verwickelungen eingetreten waren, in entscheidender Weise eingriff und wesentlich zur Lösung wichtiger Streitfragen und Zweifel beitrug. Nach seiner Rückkehr aus Rom wirkte er als Provinzialconsultor, als Rector des Collegiums und Curator der Stadt Szegedin durch sechs Jahre auf das erfolgreichste, erbaute dort die Schule, stattete sie reichlichst mit den erforderlichen Mitteln aus und hob sie in kürzester Zeit zu nicht geringer Bedeutung. In Würdigung seiner vielfachen Verdienste zum Provinzial seines Ordens in Ungarn gewählt, bekleidete er dieses Amt durch sechs Jahre, innerhalb welcher [63] kurzen Frist durch seine Fürsorge neue Collegien seines Ordens zu Tata, Kalocsa, Szencse und Kanizsa entstanden. Durch große Anstrengung vor der Zeit gealtert, legte er die Leitung des Ordens nieder und kehrte in seiner früheren Eigenschaft als Rector nach Szegedin zurück, wo er im Alter von 60 Jahren starb. In der Geschichte seines Ordens nimmt Tapolcsányi vermöge seiner umfassenden und folgenreichen Thätigkeit eine hervorragende Stelle ein, eines seiner Hauptverdienste ist es auch, daß er als Provinzial seines Ordens in dessen Schulen eine leichtere und zweckmäßigere Methode einführte, welche sich auch der vollen Billigung der Regierung erfreute. Er genoß im Lande so hohes Ansehen, daß Franz Graf Károlyi, der berühmte General der Cavallerie [Bd. XI, S. 10], keinen Anstand nahm, den wichtigen Ausspruch zu thun, daß er für den damals erledigten erzbischöflichen Stuhl zu Gran keinen würdigeren und geeigneteren Candidaten wüßte als Tapolcsányi, dem Niemand gleichkomme und der vielleicht den großen Cardinal Peter Pazman übertreffe. Außer einigen Leichen- und Gelegenheitsreden, so auf den Feldmarschall Alexander Károlyi im Jahre 1744, auf Emerich Grafen Eszterházy 1764, bei der Grundsteinlegung der Domkirche zu Großwardein durch Bischof Paul Forgács, gab Tapolcsányi heraus: „Szent Kalazantìus József Áhítatos Iskolától neveztetett Szerzetes Rend Fundatorának Sommás élete...“, d. i. Des durch seine Gründung der frommen Schulen heilig gesprochenen Joseph Kalasantius Summe des Lebens... (Kalocsa 1772, 4°.). Auch hinterließ er mehrere Schriften im Manuscript.

Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1776, A. Loewe, 8°.) Tomus III, p. 378. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich, 8°.). Zweiter (den ersten ergänzender) Theil, S. 336.– Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. V, S. 287. – Horányi (Alexius), Scriptores piarum Scholarum liberaliumque artium magistri, quorum ingenii monumenta exhibent – – (Budae 1809, 8°.) Tomus II, p. 731.