BLKÖ:Teuffenbach, Maria Polyxena

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Teuffenbach, Martin
Band: 44 (1882), ab Seite: 73. (Quelle)
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42. Maria Polyxena (geb. in Graz 24. April 1625, gest. 28. Juli 1696), eine Tochter Georg Sigismunds Freiherrn von Teuffenbach, von dem ersten (dem Andreas’schen) Hauptstamme. Sie war die dritte Frau Ferdinands Freiherrn von Geizkofler, eines Sohnes des berühmten protestantischen Edelmannes Zacharias von Geizkofler (geb. 1560, gest. zu Prag am 8. Mai 1617), welcher gegen die gewaltsame Ausrottung des Protestantismus in Innerösterreich voll Entrüstung schrieb und von Erzherzog Ferdinand von Steiermark „ein loser Mann“ genannt wurde. Er war aber nichts weniger als dies, sondern ein Humanist, der bereits Grundsätze aussprach, welche erst später Hugo Grotius, Locke und Sidney vertheidigten. Sein Sohn Ferdinand (geb. 19. Juni 1592, gest. 2. Februar 1653) war gleichfalls ein eifriger Protestant; auf gelehrten Schulen und auf Reisen ausgebildet, stand er in Kriegsdiensten unter Herzog Magnus von Württemberg; obwohl ein Vertrauensmann desselben in wichtigen Angelegenheiten, hielt er sich doch von allen politischen und religiösen Kämpfen seines Vaterlandes fern und ging, als die Verfolgung des Protestantismus in Deutschland begann, nach Italien. Nachdem er mit einem in Venedig geworbenen Regimente gegen die Türken gekämpft hatte, kehrte er im Jahre 1637 nach Deutschland zurück, wo er von Eberhard von Württemberg zum Statthalter im Herzogthum ernannt wurde, auf welches Amt er nach neun Jahren resignirte, um wieder nach Italien zu gehen. Von da erst nach dem Westphälischen Frieden auf seinen Wohnsitz in Deutschland zurückgekehrt, vertrat er noch im Jahre 1652 auf dem Reichstage in Nürnberg die Interessen der schwäbischen Reichsritterschaft. Vor seiner dritten Frau, der in Rede stehenden Maria Polyxena, die als eifrige Protestantin manches Ungemach im Leben erfuhr, war er mit deren im Jahre 1648 auf einer Reise in Italien verstorbenen Base Elisabeth von Teuffenbach, einer Tochter Johann Friedrichs von dem zweiten (dem erloschenen Georg’schen) Hauptstamme und Susannas Freiin von Rottal, vermält. Als Maria Polyxenas Eltern ihres protestantischen Glaubensbekenntnisses wegen auswandern mußten, verblieb die Tochter unter der Obhut ihrer in Preßburg wohnenden Großmutter. Als aber diese zur katholischen Kirche übertrat, nahm die Mutter ihr Kind mit Gewalt von der Großmutter weg, welche deshalb Tochter und Enkelin enterbte. Beim Tode ihres Vaters war Maria Polyxena 22 Jahre alt. Auch die Mutter starb ihr bald danach. Und so lebte die Verwaiste nun zunächst bei Verwandten, dann bei ihrer Stiefschwester in Wien. Als auch diese katholisch wurde, ging Maria treu ihrem elterlichen Glauben nach Nürnberg zu ihrem Oheim Johann Friedrich, welchem sie das Hauswesen führte. Daselbst lernte sie Ferdinand von Geizkofler kennen und obwohl schön im vorgerückteren Alter, vermälte er sich mit ihr am 20. October 1649. Nach vier Jahren entriß ihr der Tod den Gatten, und noch vor Ablauf des Trauerjahres vermälte sie sich zum zweiten Male, mit Freiherrn Septimus von Racknitz, dessen Eltern gleichfalls ihres Glaubens wegen die Heimat Steiermark verlassen und in Ulm sich angesiedelt hatten. Maria Polyxena gebar [74] ihrem ersten Gemal Ferdinand drei Töchter. Von den Kindern aus seiner ersten Ehe überlebte ihn nur eine Tochter Rosine, welche einen Vetter ihres Stiefvaters, den Freiherrn Erasmus von Racknitz heiratete, und so kamen Geizkofler’s Güter mit Ausnahme des schon 1622 verkauften Gailenbach an die Familie Racknitz, in deren Besitz sie bis 1825 verblieben, in welchem Jahre sie der Banquier Freiherr von Süßkind in Augsburg kaufte. [Adam Wolf, Lucas Geizkofler und seine Biographie 1550 bis 1620 (Wien 1873).] –