BLKÖ:Thoren, Otto von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Thonhauser, Gottlieb
Band: 44 (1882), ab Seite: 261. (Quelle)
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Thoren, Otto von (Maler, geb. in Wien, nach Anderen in Laibach, im Jahre 1828). Kasimir von Thoren, längere Zeit als Stabsofficier dem Hofkriegsrathe in Wien zugetheilt und als Oberst a. D. daselbst gestorben, widmete seinen Sohn Otto den kaiserlichen Waffen. Dieser trat in ein Dragoner-Regiment ein, in welchem er im Jahre 1846 Officier wurde, und machte als Oberlieutenant bei dem 1860 reducirten Dragoner-Regimente Großherzog von Toscana Nr. 4 die Feldzüge 1848 und 1849 in Italien mit, in denen er sich für sein ausgezeichnetes Verhalten das Militär-Verdienstkreuz erwarb. Zum Rittmeister befördert, brachte er als Adjutant des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Gorzkowski [Bd. V, S. 275] mehrere Jahre in Venedig zu. Da folgte er 1857 seiner Neigung zur Kunst, die er seit früher Jugend geübt, verließ den Dienst und ging nach Brüssel, wo er mehrere Jahre hindurch künstlerischen Studien – zunächst dem Thierstücke sich zuwendend – mit emsigem Eifer sich hingab. Indessen war er schon auf der December-Ausstellung 1856 des österreichischen Kunstvereins mit einem Historienbilde: „Gustav Adolphs Tod in der Schlacht bei Lützen 1632“. und in der Ausstellung desselben Jahres zu Venedig mit einem Bilde: „Der Morgen“, in die Oeffentlichkeit getreten und hatte mit beiden die Aufmerksamkeit der Kenner auf sich gelenkt. Noch mehr aber war dies der Fall, als er auf der Februar-Ausstellung 1857 des österreichischen Kunstvereines mit seinen ersten Thierstücken debutirte, denn neben seinem „Venetianischen Bettelknaben“ (200 fl.) brachte er damals sein „Pferd während des [262] Putzens“ (250 fl.) und als Seitenstück: „Pferd im Stalle“ (250 fl.). Seit dieser Zeit blieb er ein treuer Aussteller in den Räumen des Schönbrunnerhauses, in welchen bis November 1869 vorherrschend Thierstücke von ihm erschienen, wenn er auch nebenbei ein freilich meisterhaftes Bildniß oder eine lebendige Gefechtsscene ausstellte. Im Jahre 1865 kehrte der Künstler nach Wien zurück, wo ihm die ehrenvolle Aufgabe wurde, Seine Majestät den Kaiser zu Pferde zu malen. Das mit großer Virtuosität vollendete Gemälde erntete reichen Beifall auf der Pariser Ausstellung 1867 und ward dem Kaiser Napoleon III. zum Geschenke gemacht. Uebrigens war Thoren auf den Pariser Ausstellungen kein Neuling mehr, denn schon auf jener des Jahres 1865 erwarb er die Medaille, wie er denn auch auf den niederländischen Ausstellungen zu Antwerpen 1864 und zu Gent 1865 mit seinen Bildern Aufsehen erregte und, obgleich ein Deutscher, die günstigsten Beurtheilungen erfuhr. Thoren lebt seit Jahren in Paris, unternimmt aber von da auch Reisen, theils in verschiedene Theile Frankreichs, theils nach Italien, wo er namentlich in der an künstlerischen Motiven so reichen Campagna seine Mappe füllt, aus deren Studien dann manches lebensvolle Thierbild auf die Staffelei hingezaubert wird. Thoren ist einer der fleißigsten Maler der Gegenwart, und seine Bilder wandern rasch aus dem Atelier in den Besitz der Kunstfreunde, bei denen sein Genre, das Thierstück, sich besonderer Beliebtheit erfreut. Herausgeber dieses Lexikons hat Thoren’s künstlerische Thätigkeit, seit den ersten Bildern, mit denen derselbe vor die Oeffentlichkeit trat, mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. In den Monatsausstellungen des österreichischen Kunstvereins waren zu sehen 1859, im Mai: „Nach der Schlacht“ (300 fl.); – im December: „Episode aus dem Feldzuge in Ungarn 1849 (Komorn, Puszta Herkaly)“ (1800 fl.); – 1860, im Jänner: „Landschaft mit Thieren“ (350 fl.); – „Porträt eines Kindes“; – „Männliches Porträt“; – im October: „Kühe am Bache weidend“ (350 fl.); – im November: „Ackerpferde bei herannahendem Gewitter“ (1200 fl.); – 1861, im Februar: „Kühe auf der Weide“ (400 fl.); – im März: „Herbstmorgen“; – „Ein Jagdhund“ (300 fl.); – „Belgische Landschaft in der Nachmittagssonne“ (250 fl.); ] – „Pferde auf der Puszta vom Regen überrascht“ (250 fl.); – „Weiblicher Studienkopf“ (600 fl.); – „Vorstehhund“; – „Ungarische Puszta“; – im October: „Ackerpferde“ (1200 fl.); – 1864, im Jänner: „Wilde Ochsen“; – 1866, im Jänner: „Herbstmorgen in Flandern“ (800 fl.); – „Ackernde Ochsen in der Slovakei“ (1200 fl.); – im März: „Ungarische Ochsendiebe“ (1000 fl.), welches Bild mit einem zweiten: „Pferdediebe“, auf der Genter Ausstellung 1865 Aufsehen erregte; der Kritiker in der „Independance belge“ (1865, Nr. 233) bemerkt über beide Bilder: „M. Thoren n’a fait rien de mieux que les „Voleurs de chevaux“ et les „Voleurs de boeufs“. Il est coloriste au premier rang“; – im April: „Puszta in „Süd-Ungarn“; – 1867, im März: „Zu spät“ eine Meute Jagdhunde verfolgt einen Fuchs, der sich soeben in seinen Bau rettet; – „Verfolgte Räuber“; – „Wind“; – 1868, im Juli: „Ackernde Ochsen“, angekauft vom Prinzen Coburg; – „Pflug in der Normandie“; – „Sonnenuntergang auf der Puszta“; – „Parforcejagd“[WS 1]; – 1869, im März: „Fuchsjagd“ (125 fl.); –im November: „Fruchtstück“ (700 fl.); – in der dritten großen internationalen Kunstausstellung[263] in Wien: „Die Nähe des Wolfes“, von der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien angekauft; – „Betyáren“ (1600 Francs); – „Februar-Sonne“ (2000 Francs); – in der Kunsthalle der Wiener Weltausstellung 1873: „Die Verlassenen“ (20.000 Francs); – „Nahendes Gewitter“ (12.000 Francs); – „Abendlandschaft“ (7.000 Francs); – „Normännische Weide“ (11.000 fl.); – „Kühe von Wölfen angefallen“. Eigenthum der k. k. Gemäldegalerie im Belvedere. Außer diesen durch Ausstellungen bekannt gewordenen Bildern sind noch anzuführen: „Kühe und Reiher“; – „Zwei Hunde vertheidigen ein gefallenes Schaf gegen einen Geier“; – „Die Promenade am Bois“ (eine Pariser Praterfahrt); – „Eine fliehende Heerde ungarischer Ochsen and Pferde“; – „Nach der Jagd“, Vertheilung des Jagdmahls an die Meute; – „Die Post als Friedenstörerin“, Kühe und Hirtenbube vor der herantrabenden Post retirirend; in einem ziemlich flüchtigen Holzschnitt von F. Köhler in der „Neuen Illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarski) 1877, Nr. 21 veröffentlicht; – „Strand von Trouville“, eine Promenade der Badebesucher am Meeresufer darstellend; – „Das Seebad von Trouville“, das Leben und Treiben der badenden Damen voll Humor schildernd; – „Zigeuner auf Reisen“, wovon einen trefflichen Holzschnitt, ebenfalls von F. Köhler, die obige illustrirte Zeitung, 1878, Nr. 6 brachte. Doch ist dieses Bild nicht zu verwechseln mit einem zweiten, denselben Gegenstand behandelnden, das als „Atelage bohémien“ auf der. Genter Ausstellung 1865 als ein kleines Meisterstück in Auffassung und Ausführung gerühmt wurde; – „Hühnerhof“; – „Ungarische Räuber von Panduren bei Mondbeleuchtung überfallen“, das im Jahre 1866 in der Kunsthandlung Kaeser in Wien ausgestellt gewesen; – „In der Campagna“; – „Ein Kuhstall“; – „Ackergäule“; – „Pferdeweide“, 1873 (1200 fl.) – „Im Sturm“, die genannten fünf sämmtlich in seinem Pariser Atelier 1878; – „Im Pariser Jardin d’acclimatisation“; ein figurenreiches Bild voll Leben und mit Meisterschaft in Perspective und Farbenharmonie behandelt. In vorstehender Uebersicht, worin jedoch die Zahl seiner Werke keineswegs erschöpft ist, dürfte kaum eines seiner bedeutenderen Bilder vermißt werden. Thoren hat sich in kurzer Zeit zu einer Berühmtheit als Thiermaler emporgearbeitet, obwohl man ihn, wenn man seine Gefechtstücke und Bildnisse, sowie seine Darstellungen des Badelebens gesehen, nicht ausschließlich als Thiermaler bezeichnen kann. Doch als solcher hat er seine ersten und größten Erfolge zu verzeichnen. In seinen Pferdestücken, z. B. „Halbwilde Rosse“, steckt etwas von der Poesie des Byron’schen „Mazeppa“; sein Studium der Natur ist von bewältigender Wahrheit, seine Beleuchtungsbilder der ungarischen Puszta mahnen uns an Lenau und Beck, die mit Worten gemalt, was er in Farben herrlich darstellt; wenn er sich bei seinen Bildern manchmal im Format vergreift und man darin im Hinblick auf den Gegenstand ein Mißverhältniß zu erkennen glaubt, so denkt man bei genauerer Betrachtung des Bildes bald nicht mehr daran, denn die Virtuosität des Pinsels fesselt unser Auge, das über der Lebenswahrheit des dargestellten Gegenstandes den übergroßen Raum weiter nicht würdigt. In Thoren’s früheren Bildern wurde man zuweilen an die Arbeiten des Berliners Schmittsohn gemahnt, aber bald stand der Künstler auf eigenen Füßen, und Art der Auffassung und Durchführung seiner Bilder waren so, [264] daß man darin kein Vorbild mehr erkannte und nur eine ursprüngliche Natur vor sich sah. Ein deutscher Künstler, sei er noch so bedeutend, hat der französischen Kritik gegenüber meistens einen schweren Stand, und doch konnte schon im Jahre 1865 ein französischer Kritiker nicht umhin, über unseren Maler zu schreiben: „Depuis la mort de Troyon, M. de Thoren est peut-être le meilleur peintre de l’Europe pour représenter les animaux“ (Indép. belge 1865, Nr. 189). Thoren ist Mitglied der Kunstakademien zu Wien und St. Petersburg.

Mittheilungen für vervielfältigende Kunst (Leipzig, 4°.) 1873, Nr. 1, S. 11 [nach diesen in Wien geboren]. – Neue Freie Presse (Wien) 1865, Nr. 184, in den „Miscellen“. – Dieselbe, 1866, Nr. 514, in den „Kunstnachrichten“. – Dieselbe, 1867, Nr. 1047, ebenda. – Presse, 1865, Nr. 45: „Der Maler Herr v. Thoren“. – Dieselbe, 1867, Nr. 12, im Feuilleton „Kunstbericht“. – Ranzoni (Emerich). Malerei in Wien, mit einem Anhange über Plastik (Wien 1873, kl. 8°.) S. 1323. – Die Künstler aller Zeiten und Völker u. s. w. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt und beendet durch Dr. Karl Klunzinger' und A. Seubert (Stuttgart 1864, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 673, Bd. IV, Nachträge, S. 426 [nach diesen in Laibach geboren]. – Officieller Ausstellungsbericht, herausgegeben von der General-Direction der Weltausstellung 1873. Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV). Bericht von Jos. Bayer und Jos. Lange (Wien 1874, Staatsdruckerei. gr. 8°.) S. 12. – Lehmann (Ernst). Bildende Kunst in der Gegenwart. Gedenkbuch an die Kunsthalle der Wiener Weltausstellung (Wien 1873, Alf. Hölder, 8°.) S. 116, 130. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) 1878, Nr. 6, S. 84 und 86. – Die Verzeichnisse der Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins vom December 1856 bis November 1869. – Außerdem viele Kunstkataloge u. s. w. – Vindobona. Illustrirtes Festblatt anläßlich der Verlobung des Kronprinzen Rudolph mit der Prinzessin Stephanie von Belgien. Auch Thoren hat sich mit einer Handzeichnung. „Kühe“, betheiligt, sich aber damit nicht sonderlich[WS 2] angestrengt.
Porträt. Unterschrift: „Otto von Thoren“. F. W.(eiß), gezeichnet P.(aar), X. A., in der „Neuen illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarski, kl. Fol.) 1878, Nr. 6.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: „Paforcejagd“.
  2. Vorlage: sonlich.