BLKÖ:Toscana, Johann Nepomuk Salvator Erzherzog

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 46 (1882), ab Seite: 185. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Salvator von Österreich-Toskana in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Toscana, Johann Nepomuk Salvator Erzherzog|46|185|}}

Toscana, Johann Nep. Salvator Erzherzog (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. am 25. November 1852). Der jüngste Sohn des Großherzogs Leopold II. aus dessen zweiter Ehe mit Maria Antonia, königlichen Prinzessin von Sicilien. Nachdem er von frühester Jugend an eine sorgfältige Erziehung genossen hatte, wurde er im Alter von eilf Jahren der Leitung des k. k. Hauptmanns Baron Piers (gegenwärtig Oberst in Pension) anvertraut und in die kaiserliche Armee aufgenommen, wo er sich durch ungemein schnelle Fortschritte in den Militärstudien auszeichnete und zum Gegenstande vielversprechendster Erwartungen und Hoffnungen ward. Von der Feldjägertruppe, bei welcher er im Jahre 1867 Oberlieutenant des 25. Bataillons war, trat er mit ah. Entschließung vom 26. December 1867 als Hauptmann zweiter Classe zum Feld-Artillerie-Regimente Ritter von Schmidt Nr. 9 über. Wir geben nun im Folgenden nach den allerhöchsten Entschließungen eine gedrängte Uebersicht der stufenweisen Beförderungen und Uebersetzungen des Erzherzogs. Am 28. April 1872 zum Major im Regimente ernannt, wurde er am 18. November 1873 in gleicher Eigenschaft zum Artillerie-Regimente Leopold Prinz von Bayern Nr. 13 übersetzt; rückte am 19. October 1874 zum Oberstlieutenant im Regimente auf und kam in gleicher Eigenschaft am 5. Februar 1875 zum Infanterie-Regimente Erzherzog Wilhelm Nr. 12, dessen Historiograph er wurde; am 25. December 1875 erfolgte unter Belassung in seiner Charge seine Ernennung zum Commandanten des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 9, aus welchem er am 17. März 1876 in gleicher Eigenschaft zum Feld-Artillerie-Regimente Pichler Nr. 3 kam; am 24. April 1876 [186] wurde er Oberst dieses Regiments, am 16. December 1877 Inhaber des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 11; am 24. Februar 1878 Commandant der 49. Infanteriebrigade und am 23. April 1878 unter Belassung in seinem Commando Generalmajor; am 20. Juli 1878 kam er als Brigadier zur 7. Infanterie-Truppen-Division und übernahm das Commando einer Gebirgsbrigade, wurde am 18. November 1878 Commandant der 18. Infanterie-Truppen-Division zu Mostar mit vorläufiger Belassung in seiner Charge; am 21. März 1879 Truppen-Divisionär der 33. Infanterie-Truppen-Division; am 23. October 1879 Feldmarschall-Lieutenant und kam von der 33. zur 25. Infanterie-Truppen-Division; und am 19. November 1881 sah er sich unter Belassung seines Commandos zum Commandanten des Stabsofficiersaspiranten-Curses ernannt. In Würdigung seiner hervorragenden Leistungen in Bosnien und der Hercegovina in der Zeit vom 5. September 1878 bis zum Abschluß der Operationen wurde er mit ah. Entschließung vom 3. December 1878 mit dem Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegsdecoration ausgezeichnet. Auch ist der Erzherzog seit 1869 Ritter des goldenen Vließes. Während des kurzen bosnischen Krieges war der tapfere junge Erzherzog von dem Wunsche beseelt, seine reichen Kenntnisse praktisch zu verwerthen, seinen Untergebenen überall durch Muth und Thatkraft und in Ueberwindung der größten Anstrengungen voranzuleuchten, er theilte mit der Truppe das Lager auf steinigem Boden und alle Mühseligkeiten und Entbehrungen eines unter den schwierigsten Verhältnissen geführten Feldzuges, zog sich aber dadurch eine schwere Krankheit zu, die ihn nöthigte, nach Abschluß des Kampfes Bosnien zu verlassen, um in Wien und in den Heilquellen Karlsbads ganz der Herstellung seiner Gesundheit zu leben. Nachdem er dieselbe wieder erlangt hatte, kehrte er zur Truppe zurück, worauf er bald als Commandant der 25. Truppendivision in Wien zugleich mit Antritt der Oberaufsicht des Stabsofficiersaspiranten-Curses seine militärische Thätigkeit wieder aufnahm. Erzherzog Johann hat verschiedene militärische Schriften verfaßt, von denen die „Geschichte des k. k. Linien-Infanterie-Regiments Erzherzog Wilhelm Nr. 12“, zwei Theile (Wien 1877–1880, L. W. Seidel[WS 1] und Sohn, gr. 8°.; I. Theil: X und 653 S. Text, IX S. Register; II. Theil: 854 S. Text, CCCXVI S. Anhang u. dgl., 1 Blatt Druckfehler) zunächst hervorzuheben ist. Der Erzherzog schrieb dieselbe als Oberst und Commandant des Feldartillerie-Regiments Pichler Nr. 3. Der erste Theil umfaßt die Geschichte des Regiments von dessen Gründung im Jahre 1702 bis 1842; der zweite Theil die Zeit von der Ernennung des Erzherzogs Wilhelm zum Inhaber im Jahre 1842 bis 1876. Das Werk hat der erlauchte Verfasser dem Infanterie-Regimente selbst, dessen Geschichte es behandelt, gewidmet. Es hat in Fachkreisen eine so große Anerkennung gefunden, daß eine kritische Stimme den Ausspruch that, „der Verfasser dieses Werkes wäre im Hinblick auf Styl, Darstellung und die höchst übersichtliche Gruppirung des Stoffes berufen, eine populär gehaltene militärische Geschichte des Kaiserreichs zu schreiben, wonach das Bedürfniß ein in der Armee allgemein gefühltes ist“. Auch wurde dem Erzherzog die Autorschaft der ein paar Jahre früher (1875) erschienenen militärisch-politischen Flugschrift: „Betrachtungen über die Organisation der österreichischen Artillerie“ (Wien 1875, [187] 8°., 116 S.) zugeschrieben, von welcher die „Presse“ sagt, daß sich der erlauchte Verfasser durch dieses halb militärische, halb politische Buch bereits einen weit über die Grenzen Oesterreichs hinaustönenden Namen gemacht habe. Daß der Inhalt dieser mit großer Sachkenntniß und weitem Blick in die Zukunft verfaßten Broschüre trotz einigen gegen dieselben vorgebrachten Ausstellungen zu denken gibt, folgt schon daraus, daß sie den Verfasser der „Stimmungsbilder aus Berlin“, welche die „Allgemeine Zeitung“ von Zeit zu Zeit mittheilt, förmlich außer Rand und Band gebracht und geradezu in eine Stimmung versetzt hat, die sich mit einer objectiven Schilderung der Stimmung für Bilder aus der „neuen Reichshauptstadt“ kaum vereinbaren läßt. Uebrigens erregte die Schrift in den betheiligten Kreisen ungewöhnliches Aufsehen und rief eine Gegenschrift, betitelt: „Bemerkungen zu den Betrachtungen über die Organisation der österreichischen Artillerie“ (Cassel und Leipzig 1875, 120 S., 8°.) hervor, welche die in den „Betrachtungen“ im jugendlichen Feuereifer ausgesprochenen Ansichten einigermaßen abdämpfte. In ihrem vierten Abschnitte kommt diese Broschüre auf die in den „Oesterreichisch-ungarischen militärischen Blättern“ 1875 abgedruckten Beiträge zu unserem Schul- und Erziehungswesen zu sprechen, welche aus der Feder eines k. k. höheren Generalstabsofficiers herrühren, und führt an der Hand derselben in nahezu erschreckender Weise mit Thatsachen den Nachweis, daß verschiedene in den k. k. Schulen verwendete Lehrbücher systematisch die Gefühle des Hasses gegen Oesterreich pflegen, daß es österreichische Lehrer gibt, die zum Danke für das Gehalt, welches sie von dem Lande beziehen, Verrath an demselben üben. – Die im Jahre 1870 von mehreren Blättern gebrachte Notiz, daß Erzherzog Johann von Toscana der Verfasser eines großen naturwissenschaftlichen Reisewerkes sei, wurde bald darauf widerrufen und des Erzherzogs Bruder Ludwig Salvator [S. 202] als Autor festgestellt. Schließlich sei noch erwähnt, daß Erzherzog Johann mit Vorliebe auch Architectur treibt. So ließ er nach seinem eigenen Plane den völligen Umbau des durch Kauf an sich gebrachten Schlosses Orth bei Gmunden durchführen und die in der Nähe dieser Besitzung gelegene Villa der Großherzogin-Witwe Maria Antonia neu bauen. Auch wurde in neuerer Zeit durch den Erzherzog das seiner Fresken wegen berühmte Schloß Runkelstein vor dem drohenden Abbruche bewahrt, indem er den denkwürdigen Bau ankaufte und Seiner Majestät zur Verfügung stellte, so daß eine vollständige Restauration desselben nunmehr in sicherer Aussicht steht.

Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 10. Februar 1875, Nr. 41, S. 611: Correspondenz aus Wien ddo. 8. Februar“. – Dieselbe, Nr. 53, S. 807: „Stimmungsbilder aus Berlin. XIX.“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 5. October 1877, Nr. 274, im Feuilleton: „Die Geschichte eines Regiments“. Von G. v. G. – Salzburger Zeitung, 1878, Nr. 167: „Ankunft in Kostajnica und Uebernahme des Commandos der mobilen Gebirgsbrigade“; Nr. 223: „Mitwirkung bei der Einnahme von Livno am 26. September 1878“. – Ueber Land und Meer. Allgemeine illustrirte Zeitung (Stuttgart, Hallberger, kl. Fol.) XX. Jahrg., 40. Band, 1877/78, Nr. 52, S. 1079. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski kl. Fol.) 25. August 1878, Nr. 48. – Streffleur’s Oesterreichische militärische Zeitschrift. Redigirt von Moriz Ritter von Brunner (Wien, Waldheim, gr. 8°.) XXI. Jahrg., II. Bd. S. 801 u. f: in den Mittheilungen des k. k. Kriegsarchivs: „Die Occupation Ost-Bosniens. Cernirung und Einnahme von Livno“.
[188] Porträte. 1) Ueberschrift: „Erzherzog Johann Salvator“. Im illustrirten Blatte „Der Floh“ (Wien, Fol.) VII. Jahrg., 21. Februar 1875, Nr. 8. Lith. von C. von Stur. – 2) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in „Ueber Land und Meer“, 40. Band, Nr. 52, S. 1065. – 3) Holzschnitt nach Zeichnung von J. W.(eiß) in der „Neuen Illustrirten Zeitung“ (Wien) 1878, Nr. 48.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: J. W. Seidel.