BLKÖ:Truska, Simon Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Truska, Heliodor
Band: 47 (1883), ab Seite: 264. (Quelle)
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Truska, Simon Joseph (Virtuos, Componist und Instrumentenmacher, geb. zu Raudnitz in Böhmen am 5. April 1734, gest. im Stifte Strahow zu Prag am 14. Jänner 1809). Der Sohn eines vortrefflichen Kunsttischlers, der viel für den Fürsten Lobkowitz in Raudnitz arbeitete, erlernte er das Handwerk seines Vaters unter dessen unmittelbarer Leitung und wurde von demselben auch von früher Jugend auf zur Musik angehalten, für welche er große Neigung an den Tag legte. Zu seinem Berufe gehörig vorgebildet, kam er zu dem berühmten Hofkunsttischler Kaiser in Prag, bei dem er bis zum Jahre 1757 verblieb, in welchem er, durch die preußische Belagerung vertrieben, nach Wien flüchtete. Als sein Vaterland vom Feinde gesäubert war, kehrte er zu seinem Meister zurück, bei welchem er dann in seinem Handwerke durch Zeichnen und feinere Arbeiten sich vervollkommnete. Am 8. December 1758, 24 Jahre alt, wurde er von dem Abte des Prämonstratenserstiftes Strahow in dasselbe als Laienbruder aufgenommen und erhielt als solcher die Stelle eines Stiftspförtners, welche er auch bis zu seinem Tode bekleidete. Die Muße seines stillen und wenig anstrengenden Amtes ließ ihm zu Nebenbeschäftigungen hinreichende Zeit, und so trieb er denn praktische Musik und beschäftigte sich mit Anfertigung von Instrumenten. Er spielte trefflich die Violine und das Violoncell. Als dann im Jahre 1774 der berühmte Johann Lohelius Oelschläger, seit 1747 Prämonstratenser in Strahow und Musikdirector im Stifte, sich mit der Vervollkommnung der Stiftsorgel beschäftigte, stand ihm Truska zur Seite und leistete ihm bei den schwierigen Arbeiten die ersprießlichsten Dienste. Damals versuchte er sich auch in einer eigenen Arbeit und verfertigte ein Tischchen, in welchem mit vielem Geschicke eine kleine Orgel angebracht war. Dieses gelungene Werk, welches er seinem Abte Franz Michael Daller zum Geschenke verehrte, ermuthigte ihn, und er unternahm es nun, für die St. Rochuskirche auf dem Strahow [265] ein großes mit Pedale versehenes Positiv zu bauen, welches er vollendet im Jahre 1779 aufstellen konnte. Diese glücklichen Erfolge ließen ihn auf dem betretenen Pfade vorwärtsschreiten und sein Genie in der musikalischen Mechanik weiter entwickeln. So verfertigte er nun Claviere, Violinen, Altviolen, Violen d’amor, Violen di Gamba, welche durch ihre tüchtige Ausführung seinen Namen nicht nur in Böhmen, sondern auch im Auslande geschätzt machten. Auch mit der Anfertigung von Blasinstrumenten beschäftigte er sich mit entschiedenem Erfolge, insbesondere construirte er Bassethörner sowohl in krummer als auch in Angularstellung, in letzterer Art nach eigener Erfindung, und er fand damit bei Kennern die erfreulichste Aufnahme, so daß Graf Klebelsberg solche Instrumente um den Preis von 40 Ducaten durch Truska besorgen ließ. So blieb der Laienbruder zeitlebens thätig und erreichte das hohe Alter von 78 Jahren. Da er auch ein gründlicher Musiker war, versuchte er sich in der Composition und schrieb namentlich für sein Lieblingsinstrument, die Viola di Gamba, verschiedene Tonstücke, als: Tänze, welche 1774–1776 auf den Bällen in Prag gespielt wurden, Duette, Trios, Quartette, Quintette, Sonaten u. dgl. m., welche handschriftlich in seinem Stifte aufbewahrt werden. Auf seine Kosten ließ er die zweite verbesserte Auflage des Werkes von Lucas Woch: „Zpráva k vy rejsování pětí řadů sloupů podlé 12tidílného modelu česky i německy. S 22 tabulkami“, d. i. Abhandlung über die Darstellung der fünf Säulenordnungen nach dem zwölftheiligen Maßstabe, böhmisch und deutsch. Mit 22 Tafeln (Prag 1783, 8°.) drucken, wovon im Jahre 1822 eine neue Auflage erschienen ist. Fr. Tomsa mit Hilfe Dobrovsky’s führte die čechische Uebersetzung aus.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. V, S. 429. – Dlabacz (Gottfried Johann). Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottl. Haase, 4°.) Bd. III, Sp. 278. – Gerber (Ernst Ludwig). Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, gr. 8°.) Bd. IV, S. 396. – Gaßner (F. S. Dr.). Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex.-8°.) S. 844.