BLKÖ:Uchatius, Franz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Uchatius, Joseph
Band: 48 (1883), ab Seite: 209. (Quelle)
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Uchatius, Franz Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Erfinder der nach ihm benannten Uchatius-Kanone, geb. zu Theresienfeld in Niederösterreich am 20. October 1811, gest. im Arsenal zu Wien am 4. Juni 1881). Der Sohn eines k. k. Straßenbaucommissärs, welcher sich durch Erfindung einer Sämaschine bekannt machte, trat er, 18 Jahre alt, aus dem Wiener-Neustädter Gymnasium als Cadet in das 2. k. k. Artillerie-Regiment, erhielt in der Schule des Bombardiercorps seine mathematisch-technische Ausbildung und zählte nicht nur zu den begabtesten, sondern auch eifrigsten und tüchtigsten Zöglingen. Seine Neigung für chemisch-physikalische Studien war so lebhaft, daß er, um in dieselben sich auch praktisch einzuleben, nach Beendigung des mathematischen Curses in der chemisch-physikalischen Lehranstalt zwei Jahre lang die Dienste eines Laboranten versah und dann noch in derselben als Adlatus des Professors weitere vier Jahre verblieb. Von 1841 an, da er als Feuerwerker in die k. k. Geschützgießerei übersetzt wurde, beschäftigte er sich neben rein wissenschaftlichen Studien fortdauernd mit der Lösung gewisser Fragen der Erzeugung und Prüfung von Geschützmetallen und Schießmitteln. Die Erfindung, welche seinen Namen später weit über die Fachkreise und die Marken seines österreichischen Vaterlandes hinaus bekannt machte, beruhte also nicht auf einer zufälligen Entdeckung, sondern ist die Frucht eifriger, auf wissenschaftlicher Grundlage basirender, durch ein Menschalter fortgesetzter Forschung. In Anerkennung seines wissenschaftlichen Eifers und seines regen Strebens wurde er 1843 zum Lieutenant befördert; von da an aber ging das Avancement nur langsam vorwärts. Er machte die Feldzüge 1848 und 1849 in Ungarn und Italien mit, und erst nach achtzehnjähriger Dienstzeit wurde er trotz aller Befähigung und trefflicher Verwendung 1860 zum Major, zehn Jahre später, 1870, zum Obersten befördert. 1871 erfolgte seine Ernennung zum Commandanten der Geschützgießerei im Arsenal, und nun hatte er den Boden für jene Wirksamkeit gefunden, die ihm einen dauernden Ehrenplatz in den Reihen der Männer sichert, mit deren Namen die Geschichte der österreichischen Artillerie verknüpft ist, neben einem Jos. Wenzel Liechtenstein [Bd. XV, S. 156], Augustin [Bd. I, S. 90] und Hauslab [Bd. VIII, S. 90]. Wir bemerkten bereits, mit welchem Eifer er noch als Feuerwerker Naturwissenschaften studirte, und in der That war es Uchatius, welcher schon 1838 der Erste in Wien gelungene Versuche mit der Daguerreotypie anstellte und auch Lichtbilder auf Papier zu Stande brachte; im Jahre 1844, als Lieutenant, erfand er einen Directionszünder [210] für Granaten und führte in den kaiserlichen Artilleriewerkstätten eine quantitative Bestimmungsmethode des Kohlenstoffes in Roheisen ein, welche bedeutende Verbesserungen bei der Erzeugung eiserner Kanonen ermöglichte. Als 1849 bei der Belagerung Venedigs das österreichische Artilleriesystem wegen zu geringer Tragweite der Geschütze sich unzureichend erwies, construirte er zum Bombenwerfen für sehr große Distanzen papierne Montgolfièren, die sich vorzüglich bewährten. 1856 trat er mit einer Stahlerzeugungsmethode (Uchatius-Stahl) auf, die zu jener Zeit mit der Bessemer-Methode rivalisirte. Für seine Pulverprobe und seinen im Jahre 1864 construirten ballistischen Apparat wurde er zum correspondirenden Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Durch seine umfassenden Kenntnisse auf dem Gebiete der Metallurgie und durch viele seit längerer Zeit her von ihm angestellte Versuche mit der Verbesserung der Geschützbronze war er in den Stand gesetzt, in der sogenannten Hart- oder Stahlbronze, an deren Herstellungsverfahren bereits seitens deutscher und französischer Techniker, sowie des russischen Artillerieobersten Lawrow mit Erfolg gearbeitet worden war, ein Geschützrohrmaterial zu bieten, welches in mancher Beziehung dem Gußstahle fast gleichkommt, um 75 Procent billiger als dieser ist und durch dessen Verwendung Oesterreich-Ungarn bei seiner wenig vorgeschrittenen Stahlindustrie vom Auslande als Bezugsquelle unabhängig bleiben konnte. Die Constructionsverhältnisse des Geschützes entnahm er theilweise den von Fr. Krupp in Essen gelieferten Versuchsmodellen, und die österreichisch-ungarische Regierung bewilligte Letzterem eine Geldentschädigung für die Benützung seiner Constructionsidee. Um die Geschoßfrage machte sich Uchatius durch seine Ringhohlgeschosse, die seitdem auch in anderen Artillerien Anwendung gefunden haben, wesentlich verdient. Im Jahre 1874 stieg er zum Generalmajor, 1879 zum Feldmarschall-Lieutenant auf, auch wurde er für seine glänzende Erfindung nach der „Wiener allgemeinen Zeitung“ vielseitig belohnt, indem ihm die Delegation ein Geschenk von 100.000 fl. votirten, während ihm der Kaiser den Orden der eisernen Krone zweiter Classe, das Commandeurkreuz des St. Stephansordens und mit letzterem die Geheime Rathswürde verlieh. Nach der Zeitschrift „Die Heimat“ dagegen wäre Uchatius für seine Erfindung von Seite des Staates keineswegs entsprechend belohnt worden. „Nur Seine Majestät der Kaiser hatte ihm aus seiner Privatschatulle eine Jahreszulage von 2000 fl. ausgeworfen. Eine Dotation aus Staatsmitteln war nicht erfolgt. Und doch würde Freiherr von Uchatius, wenn er aus der Armee ausgetreten wäre und seine Erfindung industriell verwerthet hätte, ein Vermögen sich erworben haben“. Als dann am 4. Juni 1881 die Katastrophe seines Selbstmordes erfolgte, da erregte dieses Ereigniß in der Residenz ungeheueres Aufsehen. Es war am genannten Tage Nachmittags kurz vor 3 Uhr, als der Diener des Generals dessen im zweiten Stocke des Commandanturgebäudes im Arsenale gelegenes Arbeitszimmer betrat und seinen Herrn mitten in demselben ausgestreckt auf dem Boden in einer Blutlache liegend fand. Er schlug sofort Lärm, und mehrere Officiere und der im nämlichen Stockwerke wohnende Arsenaldirector Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Tiller eilten herbei. Sogleich zu Hilfe gerufene Aerzte constatirten, daß [211] sich Feldmarschall-Lieutenant Uchatius aus einem Revolver eine Kugel in die linke Seite der Brust geschossen habe. Die Kugel hatte das Herz mitten durchbohrt und den augenblicklichen Tod des Generals herbeigeführt. Neben der Leiche lag die Waffe, ein sechsläufiger Revolver, auf dem Boden. Nun wurde nach den Motiven der That des siebzigjährigen Greises, der jedenfalls ungewöhnlicher Art sein mußten, geforscht, denn es fand keine Zeile sich vor, welche über seinen letzten Entschluß hätte Aufschluß geben können. Nach einer damals in den militärischen Kreisen lebhaft besprochenen Version mochte gekränktes Ehrgefühl dem General die Waffe in die Hand gedrückt haben. Man brachte in Erfahrung, daß er am Vormittag im Reichskriegsministerium mehrere Stunden sich aufgehalten, dann gegen zwei Uhr in das Arsenal gefahren sei. Daselbst habe er sich sofort in seine Wohnung begeben und in derselben seinem Leben ein Ende gemacht. Als das traurige Ereigniß ruchbar wurde, beschuldigte die erregte öffentliche Meinung ziemlich unverhohlen die Gegner des Generals, daß sie ihn in den Tod getrieben hätten. Ein Journal, welches, so lange er lebte, nicht eben zu seinen Gönnern gehörte, brachte die That mit dem Umstande in Verbindung, daß die Kriegsverwaltung die Uchatius-Geschütze fallen gelassen und die Einführung des Krupp’schen Systems in unserer Armee beschlossen habe. Das Blatt führte das ganze Ereigniß auf eine Personalfrage zurück und schloß seinen längeren Artikel mit einer Anschuldigung der Kriegsverwaltung, indem es ausruft: „Das österreichische Volk sagt: Gebt mir heraus diesen Todten!“ Es ist dies eine grausame Anschuldigung, und eine vollständige Aufklärung dieser Affaire wird kaum jemals erfolgen. Eine bald nach der That veröffentlichte „authentische“ Mittheilung berichtet, daß seitens der maßgebenden Behörden gegen den General die vollste Rücksicht geübt worden sei und die Ursache des Selbstmordes darin zu suchen wäre, daß er selbst an dem Gelingen seiner Versuche, schwere Küstengeschütze herzustellen, wie man solche von ihm verlangt hatte, verzweifelte. Thatsache ist nun das Folgende: Es wurde noch kurz vor dem Tode des Generals mittels kaiserlicher Entschließung die Einführung der schweren Belagerungskanonen aus Stahlbronze genehmigt, worin man einen Beweis finden wollte, daß man in den maßgebenden Kreisen keine Vorurtheile gegen den General gehegt habe. Jedoch die vier großen für Pola bestimmten Geschütze wurden bei Krupp in Essen bestellt und höchstens in dieser Thatsache könne Feldmarschall-Lieutenant Uchatius eine Zurücksetzung erblickt haben. Der Vorwurf, den man erhebt, Uchatius habe nicht die verdiente Anerkennung gefunden, wird als ein unberechtigter abgelehnt. Daß er zahlreiche Gegner, ja Feinde besaß, ist nicht zu bezweifeln, und daß er wohl viel unter der bei uns leider üblichen Nörgelsucht und dem Mißtrauen gegen jedes heimische Genie zu leiden hatte, kann nicht in Abrede gestellt werden. Gerade Jene aber, welche früher am heftigsten opponirten, wenn ein Antrag auf eine Entschädigung des Erfinders gestellt wurde, erhoben den meisten Lärm, als die That des Generals bekannt wurde. Daß man an dem Todten gesündigt habe, zweifelte man nicht mehr, nachdem die verschiedenen Stimmen im Publikum nach dem Ereigniß laut geworden, und ein gut gesinntes Blatt nimmt keinen Anstand, den Ausspruch zu thun: daß daran die in Oesterreich waltenden [212] Verhältnisse Schuld tragen, deren Ursache in der Geschichte zu finden – man lese die Biographien von Traun, Eugen von Savoyen u. A. – und welche es mit sich bringen, daß die großen und hervorragenden Talente des Kaiserstaates stets mehr zu bemitleiden als zu beneiden sind. Auf dem Gebiete, auf welchem Uchatius als Erfinder so verdienstvoll gewirkt, war er auch schriftstellerisch thätig, und wir haben von ihm folgende Druckschriften zu verzeichnen: „Ueber krystallisirte Massen von Blei, Zink und Zinn“, in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften [Bd. I, S. 204]; – „Apparat zur Darstellung beweglicher Bilder an der Wand“, mit 1 Tafel [ebd., Bd. X, S. 482]; – „Praktische Methode zur Bestimmung des Salpetergehaltes im Schießpulver“, mit 1 Tafel [ebd., Bd. X. S. 748 u. f.]; – „Pulverprobe“, mit 2 Tafeln [ebd., Bd. LII, 2. Abtheilung, S. 6 u. f.]; – Einige Veränderungen an vorgenannter Pulverprobe“, mit 1 Tafel [ebd., Bd. LVI, 2. Abtheilung, S. 380 u. f.]. Und nun, ehe wir die Lebensskizze des Generals abschließen, kehren wir noch einmal zu Uchatius dem Menschen zurück, der sich uns nicht nur als Erfinder einer fürchterlichen Mordwaffe, sondern auch als gemüthlicher sinniger Poet darstellt, welcher Umstand in seinen Biographien gar nicht erwähnt wird. Der ernste Mann der Wissenschaft, der dienststrenge Soldat bemühte sich im hohen Alter in liebevoller Weise um seine in Geist und Körper aufstrebenden Enkel und suchte ihre Denkkraft in Räthselspielen zu üben und zu schärfen. Und so hat er eine stattliche Sammlung von Räthselaufgaben veranstaltet und dieselben anderthalb Jahre vor seinem Tode, Weihnachten 1879, in C. Gerold’s Commissionsverlag, ohne sich zu nennen, unter dem Titel: „Nüsse für Weihnachten 1879, 230 neue Räthsel“ erscheinen lassen (vergl. Näheres in den Quellen S. 213). Das Leichenbegängniß des Generals, dessen allgemeine Beliebtheit bekundend, gestaltete sich ungemein feierlich. Außer zahlreichen anderen militärischen Notabilitäten betheiligten sich an demselben der Artillerieinspector Erzherzog Wilhelm und der General der Cavallerie Herzog von Württemberg. Der Arsenaldirector Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Tiller führte den Conduct. Der General wurde auf dem Centralfriedhofe im eigenen Grabe beigesetzt. Er hinterließ aus seiner Ehe mit Freifrau Anna einen Sohn Franz, angestellt bei der k. k. privilegirten Staatseisenbahn, und zwei Töchter, Marie Freiin Uchatius und Hermine vermälte Major Travniček.

Allgemeine Zeitung Augsburg, Cotta 4°.) 1870, Nr. 131, S. 2001: „Die Uchatius-Geschütze“. – Dieselbe, 1875, Nr. 259, Beilage [ein Dr. Karl Künzel macht in einer Broschüre „Ueber Bronzelegirungen und ihre Verwendung für Geschützrohre und technische Zwecke“ dem General Uchatius die Erfindung – doch ohne Erfolg – streitig]. – Dieselbe, 1875, S. 4061 a, 5581 d; 1881, S. 2285, 2302–2303, 2328 b. – Der Aufmerksame (Gratz, 4°.), 1856, Beilage zur „Gratzer Zeitung“, Nr. 268: „Ueber den Uchatius-Gußstahl“. – Bericht über die allgemeine Agricultur- und Industrieausstellung zu Paris im Jahre 1855. Herausgegeben unter der Redaction von Dr. Eberhard, A. Jonák (Wien 1857/58, Staatsdruckerei, 8°.) II. Bd., 15. Classe, Stahl und Stahlwaaren, S. 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12, 15, 16. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1875, Nr. 287, Abendblatt: „Krupp und Uchatius“; 1876, Nr. 58: „Das Geheimniß der Uchatius-Kanonen“; in der Nummer vom 1. März: „Uchatius-Kanonen in Spandau“. – Gratzer Zeitung, 1857, Nr. 275, im Feuilleton: „Die Uchatius’sche [213] Stahlerzeugung und ihre neuesten Fortschritte“. – Die Heimat, redigirt von Emmer (Wien 4°.), Bd. VI, Nr. 38, 2. Theil, 1881. – Illustrirtes Unterhaltungsblatt, 1878, S. 171, 179. – Illustrirte Zeitung (Leipzig. J. J. Weber, kl. Fol.) 65. Bd., 4. September, 1875, Nr. 1679: „General von Uchatius, Erfinder der österreichischen Stahlbronzekanone“. – Neue Freie Presse, 1881, Morgenblatt, Nr. 6024, S. 6; Nr. 6025, S. 3–4; Nr. 6026, S. 4–6. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, bei Zamarski) 1875. Nr. 21: „Uchatius-Geschütze“; Nr. 25: „Das neue österreichische Feldgeschütz“; 1878, Nr. 43: „Die Uchatius-Granate; 1879, Nr. 23: „Uchatius-Kanonen als Schiffsgeschütze“. – Neues Münchener Tagblatt, 1881, Nr. 157. – Nürnberger Correspondent, 1881, Nr. 285, 288. – Oesterreichischer Soldatenfreund. Von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1849, S. 101. – Der Sammler (Augsburg, 4°.) 1875, Nr. 104, S. 4–5; 1881, Nr. 71. – Schwäbischer Merkur, 9. November 1856, S. 1875: „Die neue Stahlerzeugungsmethode des Generals Uchatius“. – Theater-Zeitung. Von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1849, Nr. 158: „Aus Venedig“ [über die von den Brüdern Uchatius erfundenen Luftballons]. – Wiener Abendpost 7. Juni 1881, Nr. 128. – Wiener Allgemeine Zeitung, 5. Juni 1881, Nr. 455: „General von Uchatius“; Nr. 456: „Feldmarschall-Lieutenant Uchatius“, in jeder der drei Tagesnummern; Nr. 457: „Zum Selbstmord des Feldmarschall-Lieutenant Uchatius“; im Leitartikel: „Krupp und Uchatius“; im Abendblatt: „Feldmarschall-Lieutenant Uchatius“; im Leitartikel des Morgenblattes; Nr. 458: „Uchatius-Kanonen“; Nr. 460: „Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Uchatius“; Nr. 461: „Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Uchatius“; in der Nummer vom 15. Juni 1881: „Uchatius-Stahlbronze“. – Die Presse (Wiener polit. Blatt) 1881, Localanzeiger zu Nr. 154.
Porträte und Chargen. 1) Holzschnitt in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“, 1875, Nr. 1679. – 2) Charge von Klič in den „Humoristischen Blättern“ (Wien, Fol.) 12. August 1877, Nr. 33. – 3) Porträt von C. v. Stur im Witzblatte „Der Floh“, 27. Juni 1875, Nr. 26. – 4) Charge von Laci von F.(recsay) im Witzblatt „Die Bombe“ (Wien, Fol.) 20. Juni 1875, Nr. 24. – 5. Holzschnitt nach einer Zeichnung von F. W.( eiß) in der „Neuen Illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarski, Fol.) 9. November 1879, Nr. 7.
Freiherr Uchatius als Räthseldichter. Es ist bezeichnend, den General, Naturforscher und Mathematiker auf einem Gebiete anzutreffen, auf welchem man wenigstens Menschen der zwei letztgenannten Kategorien nicht oft zu begegnen pflegt. General Uchatius dichtet aber nichts Lyrisches, Episches, Romantisches, nein, Räthsel. Und das hängt mit dem Mathematiker, mit dem strengen Denker enge zusammen. Wie er in seinen wissenschaftlichen Forschungen nach den Formeln und festen Gesetzen sucht, womit er seine Probleme erhärten will, so schlägt sein Geist in den Stunden der Muße einen analogen, nur minder anstrengenden Weg ein und fördert metaphysische Constructionen für Kinderköpfe zu Tage, um durch sie die Denkkraft der Kleinen zu schärfen und spielend zu den strengen Gesetzen der Logik anzuleiten. Und wie er die Sache sicher anzupacken und doch gut lesbar darzustellen versteht, dafür mögen einige Proben sprechen: 1) Wie heißt das, was nicht schmeckt, nicht riecht, | Du sperrst es ein und siehst es nicht; | Es drückt dich, ohne daß du ’s fühlst, | Du trinkst es, ohne daß du ’s willst; | es ist so zart, so fein und weich | Und stark doch einem Riesen gleich. – 2) Es ist so leicht und doch so schwer, | Und golden ist sein Grund. | Kannst du ’s erlernen gar nicht mehr, | Nimm Wasser in den Mund. – 3) Es ward uns zum Geschenk gegeben, | Man kann ’s nicht kaufen und nicht erben, | Wir sind ’s gewohnt, und das macht ’s eben, | Daß wir, eh’ wir es lassen – sterben. – Eine eigenthümliche Beziehung gewinnt unter den Umständen, welche den Tod des edlen Denkers begleiten, das nachstehende Anagramm: 4) So wie es ist, und umgekehrt | Hat dieses Wort fast gleichen Werth. | Vergänglich ist ’s in beiden Fällen | Und läßt nicht in die Ferne seh’n. | Willst du den Kopf dir nicht zerschellen, | Mußt du mit Vorsicht weitergeh’n. Die Auflösungen der vier angeführten Räthsel sind: 1) Luft, 2) Schweigen, 3) das Leben, 4) Leben – Nebel.