BLKÖ:Uhlich a S. Elisabetha Gottfried

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Uhlefeld
Band: 48 (1883), ab Seite: 243. (Quelle)
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Uhlich a S. Elisabetha Gottfried (gelehrter Piarist, geb. zu St. Pölten in Niederösterreich 16. Jänner 1743, gest. zu Lemberg in Galizien am 13., nach Anderen 30. Jänner 1794). Sechzehn Jahre alt, trat er in den Orden der frommen Schulen ein, in welchem er, während er dem Lehramte oblag, zugleich [244] seine eigenen Studien fortsetzte. Fünf Jahre ertheilte er in der Normalschule Unterricht, zwei Jahre in den Grammaticalclassen, dann kam er an die theresianische Militär-Akademie in Wiener-Neustadt, an welcher er durch drei Jahre wirkte. Von dort in das Collegium zu St. Joseph in Wien berufen, lehrte er daselbst drei Jahre Rhetorik, dann hielt er ein Jahr im Emanuelischen Stifte Vorträge über Styl und sechs Jahre im Löwenburgischen Convict zu Wien über Universalgeschichte. 1785 erfolgte seine Ernennung zum Professor der Numismatik und Diplomatik an der Universität in Lemberg, an welcher er nahezu ein Decennium wirkte, bis zu seinem Tode, von welchem er in der Vollkraft seines Lebens im Alter von 51 Jahren ereilt wurde. Uhlich war ein ungemein fleißiger und vielseitiger Schriftsteller, aber seine Werke finden sich nirgends vollständig verzeichnet. Das Folgende dürfte die erste vollständige Uebersicht derselben sein: „Auszug aus der Bibliothek der schönen Wissenschaften“ (Wien 1767, 8°.); – „Neuntägige Andacht zu Ehren des grossen Wundermanns Sebastiani, des Rochi, des Jos. Calasanzii sammt den Tagzeiten“ (Krems 1768, 8°.); – „Unterhaltungen für Freunde des guten Geschmacks, eine Wochenschrift“ (Linz 1769, 8°.); – „Geistliche Lieder zum Gebrauche der k. k. Militär-Akademie“ (Wiener-Neustadt 1770, 8°.); – „Die Trojanerinnen, ein Gedicht in drey Gesängen“ (ebd. 1770, 8°.); – „Einige kleine Singspiele“ (ebd. 1773 und 1774, 8°.); – „Der Theresien-Orden, ein Singspiel in einem Aufzuge, den Generalen und Officieren der k. k. Armeen“ (ebd. 1774, 8°.); – „Apollo unter den Hirten, ein musikalisches Schäferspiel“ (ebd. 1775, 8°.); – „Das Leben der heiligen Agatha, ein Heldengedicht aus Prosa und Versen abwechselnd“ (1775, 8°.); – „Die Sicilianische Vesper, Trauerspiel in drei Aufzügen“ (Gratz 1775, 8°.); – „Croatiens Opfer bei der Ankunft Ihro Kais. Majestät Josephs des Zweiten, dargestellt von den frommen Schulen in Karlstadt“ (Warasdin 1775, 8°.); – „Wochenblatt für die innerösterreichischen Staaten“, drei Bände (Wien 1776, 8°.); – „Das Füllhorn“ (ebd. 1776, 8°.); ein 1809 erschienenes Buch desselben Titels möchte wohl mit diesem identischer Wiederabdruck sein? – „Chrysantus und Daria oder der unerschütterliche Christ, Trauerspiel in 5 Aufz.“ (ebd. 1776, 8°.); – „Trauerlied auf den Tod der M. Langin“ (Wien 1777); – „Abriss der Universalhistorie zum Gebrauche der Vorlesungen in dem Löwenburgischen Kollegium...“ (ebd. 1778, 8°.); – „Geschichte des Bayerischen Erbfolgekrieges, nach dem Tode des letzten Kurfürsten Maximilian Joseph vom 30. December 1777 bis zum 12. Mai 1779“ (Prag 1779, 8°.); – „Die historischen Hilfswissenschaften als ein Anhang zu der Universalhistorie, zum Gebrauch der Vorlesungen“ (ebd. 1780, 8°.); – „Von dem Ursprunge und den mystischen Bedeutungen der Kirchen-Ceremonien in der heiligen Charwoche“ (Wien 1780, 8°.); – „Rede auf den Hintritt Ihrer k. k. Majestät Marien Theresiens im Löwenburgischen Collegio...“ (ebd. 1781, 8°.); – „Das Leben Marien Theresiens in einem Auszuge nebst einer genealogischen Tabelle aller durchlauchtigsten Abkömmlinge“ (ebd. 1781; 2. Aufl. 1782, 8°.); – „Lebensgeschichte der Heiligen, aus den ältesten und bewährtesten Urkunden gesammelt, 4 Bände oder 12 Stücke auf alle Monate des Jahres“ (Prag und Wien 1782, 8°.); – „Geschichte der zweyten türkischen Belagerung Wiens bey der hundertjährigen Gedächtniss-Feyer herausgegeben, mit Kupfern und zwei Plänen“ (ebd. 1783, Sonnleithner, 8°., 230 S.); – „Oesterreichische Geschichte zum Gebrauche der studirenden Jugend“, I. und II. Band (ebd. 1783 und [245] 1784, 8°.); – „Geschichte der ersten türkischen Belagerung Wiens im Jahre 1529 aus gleichartigen Schriftstellern und Tagebüchern gesammelt von ...“ (ebd. gedruckt mit Binzischen Schriften, 1784, 8°., 150 S., mit einem Plane von Wien und einem Kupfer); – „Kirchengebräuche der beweglichen katholischen Festtage. Ein Anhang Lebensgeschichte der Heiligen“ (Wien und Prag 1784, 8°.); – „Praelectiones diplomaticae quas in usum auditorum suorum ex Gatterero, Ekhardo et Grubero adornavit ...“ (Leopoli 1785, 8°.); – „Praelectiones Numismaticae quas in usum auditorum suorum ex clar. Eckhelio aliisque adornavit –“ (ibid. e. a., 8°.); – „Kristkatholisches Hauspostil“ (Lemberg 1788, 8°.); – „Die Belagerungen Belgrads von der Entstehung der Festung bis auf unsere Zeiten aus gleichzeitigen Schriftstellern historisch dargestellt“ (Lemberg 1790; 2. vermehrte und verbesserte Auflage Leipzig 1791, 8°., 105 S.); – „Versuch einer Numismatik für Künstler oder Vorschriften, wie auf alle Fälle Münzen im Römischen Geschmack ja entwerfen und historische Gegenstände in passende Allegorien einzukleiden sind“ (Lemberg 1792, Thomas Piller, 4°.). Wie aus vorstehendem Schriftenverzeichniß ersichtlich ist, war Uhlich ein Polyhistor; seine Schriften über die zwei Belagerungen Wiens, namentlich über die zweite, und über jene Belgrads sind schätzenswerthe Monographien. Seine „Numismatik für Künstler“ ist eine gründliche Studie und beim Entwurfe von Denkmünzen, bei welchem nicht immer mit der erforderlichen Akribie vorgegangen wird, sehr zu empfehlen. Er war als Lehrer sehr beliebt, und sein ganz unerwartet nach nur kurzem Leiden eingetretener Tod erweckte allgemeine Theilnahme.

Horányi (Alexius). Scriptores piarum Scholarum liberaliumque artium magistri, quorum ingenii monumenta exhibet – (Budae 1809, 8°.) Pars II, p. 762. – Kábdebo (Heinrich). Bibliographie zur Geschichte der beiden Türkenbelagerungen Wiens (1529 und 1683). Mit einer lithogr. Tafel und 30 Holzschnitten (Wien 1876, Faesy und Erich, gr. 8°.) S. 28, Nr. 94 und S. 79, Nr. 142. – Kratter (Franz). Briefe über den jetzigen Zustand Galiziens (Wien 1780, Wucherer) Bd. I, S. 44–50. – (De Luca). Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch. Des ersten Bandes zweites Stück (Wien 1778, Trattner, 8°.) S. 229. – Meusel (Johann Georg). Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1815, Gerh. Fleischer, 8°.) Bd. XIV, S. 181 [nach diesem gestorben am 30. Jänner 1794] – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 460 [nach dieser geb. 16. Jänner 1743, gest. 13. Jänner 1794]. – Schaller (Jaroslaus). Kurze Lebensbeschreibungen jener verstorbenen gelehrten Männer aus dem Orden der frommen Schulen, die sich durch ihr Talent und besondere Verdienste u. s. w. ausgezeichnet haben (Prag 1799, Gersebek, 8°.) S. 165.