BLKÖ:Ujfalvi de Mezőkövesd, Karl Eugen

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 48 (1883), ab Seite: 274. (Quelle)
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Ujfalvi de Mezőkövesd, Karl Eugen (Sprachforscher, geb. in Wien am 16., nach Anderen am 18. Mai 1842). Seine ersten Jugendjahre verbrachte er auf dem in Siebenbürgen gelegenen Gute seines Vaters, eines ungarischen Edelmannes. Dem Militärstande sich widmend, wurde er im Jahre 1853 Zögling der Strasser, 1855 der Marburger Cadetenschule und kam aus letzterer 1857 als Zögling in die Wiener-Neustädter Militärakademie. Aus dieser ward er am 1. September 1861 als Lieutenant m. G. zu Savoyen-Dragonern Nr. 5 ausgemustert. Am 1. Jänner 1863 in gleicher Eigenschaft zu Mamula-Infanterie Nr. 25 übersetzt, blieb er in derselben bis zum 1. März 1864. Nun aber schien ihm die Soldatenlaufbahn doch nicht zu behagen, denn er trat am genannten Tage ohne Beibehalt des Officierscharakters aus dem Verbande der kaiserlichen Armee, um sich fortan ausschließlich wissenschaftlichen Studien zu widmen. Er bezog noch im nämlichen Jahre die Hochschule Bonn, wo er bis 1866 vornehmlich die sprachlichen Vorträge besuchte. Hierauf begab er sich auf größere Reisen und nahm 1867 seinen ständigen Aufenthalt in Paris. Im August 1868 legte er daselbst die zur Erlangung einer Lehrkanzel vorgeschriebenen Staatsprüfungen ab und sah sich im Jänner 1870 zum ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur am kaiserlichen Lyceum zu Versailles ernannt. Im Jahre 1872 wurde er von der französischen Regierung während der Ferien mit der Mission betraut, die Organisation der österreichisch-ungarischen Mittelschulen zu studiren. Während ihn der cisleithanische Minister von Stremayr mit größter Zuvorkommenheit empfing, ward ihm von Seite des ungarischen [275] Ministers Pauler ein so eigenthümlicher Empfang zutheil, daß die „Neue Freie Presse“ [1872, Nr. 2885] darüber einfach berichtete: „Das Ganze sieht so aus, wie das Blatt „Hon“ bemerkt, als ob der Minister das gebildete Ausland vom Einblick in die Mängel unseres Unterrichtswesens abschrecken wollte“. Nach mehrjähriger Wirksamkeit in seiner Stelle zu Versailles wurde er 1875 Privatdocent an der orientalischen Akademie und unternahm als solcher 1876 im Auftrage der französischen Regierung eine Reise nach Central-Asien, welche ihn in die Reihe der bedeutendsten Forschungsreisenden erhob. Ujfalvi selbst hat das Resultat seiner Forschungsreise in einem größeren wissenschaftlichen Werke ausgearbeitet, wovon bereits vier Bände erschienen sind und noch weitere zwei folgen sollten. Nach seiner Rückkehr aus Central-Asien wurde er mit dem Vortrage der Geschichte, Geographie und Gesetzgebung des Orients an der Pariser orientalischen Akademie betraut und bald darauf zum ordentlichen Professor an derselben ernannt. Im Jahre 1880 ging er im Auftrage der französischen Regierung wieder nach Central-Asien. Der hauptsächliche Zweck dieser neuen Sendung war, das Thian-Sou-Gebirge zu durchforschen. Von dort aus schickte er an die ungarische geographische Gesellschaft in Budapesth öfter interessante Reiseberichte. Ujfalvi ist vielfach schriftstellerisch thätig, und die Titel seiner bisher erschienenen Werke sind: „La langue magyare, son origine etc. etc.“ (Versailles 1871); – „La Hongrie, son histoire etc.“ (ib. 1872); – „Les migrations des peuples“ (ib. 1873); – „Recherches sur le tableau ethnographique de la Bible“ (ib. 1873); – „Mélanges altaiques“ (ib. 1874); – „Le Kohistan, le Ferghanah et Kouldja“ (ib. 1878); – „Le Syr-Daria, le Zerofchane et le pays des Septs-Rivières de la Sibérie“ (ib. 1879); – „Les Bachkirs, les Vêpres“ (ib. 1880). Außer den vorbenannten Werken gab er „Vergleichende Studien der ugro-finnischen Sprachen“, eine „Grammatik der finnischen Sprachen“ (beide 1876) heraus, veranstaltete mit Desbordes-Valmore eine Auswahl magyarischer Dichtungen, und eine Uebersetzung ausgewählter Gedichte Petöfi’s ins Französische, auch begann er bereits 1876 eine Uebertragung der Kalewala. – Seine Gemalin Marie geborene Bourdon, eine geistvolle Pariserin, mit welcher er sich 1868 vermälte, begleitete ihn auf beiden Reisen nach Central-Asien und theilte mit ihm muthvoll alle Beschwernisse und Gefahren derselben. Einen Theil ihrer Reiseerlebnisse hat sie auch in dem Werke: „De Pétersbourg à Samarkand, impressions de voyage d’une Parisienne par Mme. Marie de Ujfalvi“ (Paris 1879, Hachette und Comp., 8°.) anmuthig beschrieben. Dem Buche ist auch das Bildniß der graziösen Pariserin beigefügt.

Militär-Zeitung (Wien, 4°.) 22. Februar 1881, Nr. 15: „Ein Neustädter Zögling“ [nach dieser geb. am 18. Mai 1842]. – Swoboda (Johann). Die Zöglinge der Wiener-Neustädter Militär-Akademie von der Gründung des Institutes bis auf unsere Tage (Wien 1870, Geitler, schm. 4°.) Sp. 997 [nach diesem geb. am 16. Mai 1842]. – De Gubernatis (Angelo). Dizionario biografico degli scrittori contemporanei ornato di oltre 300 ritratti (Firenze 1879, coi tipi dei successori Le Monnier, Lex.-8°.) S. 1015 [nach diesem geb. am 16. Mai 1842]. – Bornmüller (Fr.). Biographisches Schriftsteller-Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1882, bibliogr. Institut, br. 8°.) S. 735.