BLKÖ:Weißbach, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weißbach, Amalie
Band: 54 (1886), ab Seite: 158. (Quelle)
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Weißbach, Franz (Chemiker und Arzt, geb. in Mähren 1736, gest. zu Brünn 1826). Ueber den ersten Lebens- und Bildungsgang dieses seinerzeit tüchtigen Chemikers liegen wenig Angaben vor. Die Sage läßt ihn den natürlichen Sohn eines fürstlichen Vaters und berufen zu einem reichen Majoratsherrn sein. In Wirklichkeit blieb er arm. Nachdem er die medicinischen Studien beendet und daraus die Doctorwürde erlangt hatte, trat er – ob als Arzt oder als Chemiker, in welch letzterer Eigenschaft er besonders hervortritt, ist uns nicht bekannt – in die Dienste eines Grafen Dietrichstein, der in Mähren begütert war. Als 1789 der Landrath Emanuel Dietmar von Traubenburg in Gemeinschaft mit dem Brünner evangelischen Prediger V. H. Riecke, dem Fabricanten Hopf und Ignaz von Mehoffer das „Mährische Magazin“ gründete, welches durch Beiträge zur Geschichte und Statistik, zur Naturgeschichte und Literatur u. s. w. Mährens dieses Land aus dem geistigen Schlummer, in welchem es lag, aufrütteln sollte – was aber nicht gelang, da die Zeitschrift wegen Mangels an Abonnenten mit dem 3. Hefte zu erscheinen aufhörte – arbeitete auch Dr. Weißbach an dem „Magazin“ mit, in welchem er 1787 bekannt gab, daß er in der Gegend um Walchov auf der Herrschaft Boskowitz in einer Tiefe von 22 Klaftern ganze Lager bituminösen Holzes oder Holzkohle entdeckt habe, deren Gebrauch zur Bereitung des Alauns er ebenso anrieth, als die größere Verwendung der guten mährischen Steinkohle und des Torfes und die ausgedehntere Gewinnung des mährischen Alauns, dessen Güte sich jener des Kremser und sächsischen gleichbringen lasse. Er gab dann auch wohl den meisten Anstoß dazu, daß Graf Dietrichstein den in alten Alaunwerken bei Walchov vorkommenden Schwefelkies zur Alaunsiederei verwenden und aus den Ueberresten der Alaunerde künstlichen Vitriol erzeugen ließ. Zu Zdiorna, einer zur Herrschaft Boskowitz gehörigen Ortschaft, leitete er die Glashütte. Er destillirte dort nicht in kupfernen, sondern in gläsernen Geschirren 27 verschiedene Gattungen Rosoglio und 8 Gattungen Liqueur von vollkommenstem Fruchtgeschmack und -Geruch, von welchen viele tausend Flaschen nach den Erbländern, sowie auch nach Polen abgesetzt wurden. Ferner erzeugte er sieben Gattungen concentrirter Säuren, von denen die Essigsäuren so stark waren, daß man aus einer Bouteille durch Verdünnung mit reinem Wasser vier Eimer Essig erhalten konnte. Auch sonst machte er sich in Zdiorna nützlich, indem er nicht nur durch diese Fabricate den Gebirgsbewohnern Arbeit verschaffte, sondern als Arzt den Armen auch umsonst Arzeneien gab und Hilfe [159] leistete. 1790 übersiedelte er von Zdiorna nach Boskowitz, wo er die herrschaftliche Alaunfabrik verbesserte, an welcher er einen Antheil hatte. 1793 trat er als Director der Bergakademie des Fürsten Alois Liechtenstein in einen größeren Wirkungskreis. Er legte noch in dem selben Jahre zu Strany, Herrschaft Ostrau, eine neue Pottaschesiederei an, die ein ganz vortreffliches, viel verwendbares Erzeugniß lieferte. Große Mengen davon wurden nach Brünn und Wien abgesetzt. Nun nahm er seinen Wohnsitz im fürstlichen Jagdschlosse Neuschloß bei Littau und wirkte von da aus in der Verwaltung der Liechtenstein’schen Eisen- und Messinghammerwerke, dann der Glashütten auf der Herrschaft Goldenstein. Später errichtete er in dem 1814 auf 13 Jahre gemietheten Schloßgebäude zu Habrovan, einem Studienfondgute, eine Rosogliofabrik, in welcher er die köstlichsten, selbst die französischen übertreffenden Liqueure, dann Scheidewasser und noch andere chemische Producte erzeugte. Als aber Ende 1824 der Bau des Schlosses begann, verließ er, damals bereits 88 Jahre alt, dasselbe und übersiedelte nach Brünn, wo er bei dem Großhändler Leopold Schulz auf der Kröna menschenfreundliche Aufnahme fand und nach zwei Jahren vermögenlos sein Leben beschloß. Er besaß, wie er sich im Leben öfter äußerte, keine Verwandten. Das Dunkel seiner Geburt wurde nicht aufgehellt, auch ist sein Geburtsort mit Sicherheit nicht anzugeben, doch weisen Vermuthungen auf Kojetein hin. Für die von ihm gemachte Entdeckung, aus galizischem Steinsalze eine Art Pottasche zu verfertigen, welche nicht nur bei der Schönfärberei und in Glashütten, sondern auch in anderen Manufacturarbeiten mit Nutzen sich anwenden ließ, erhielt er von Kaiser Franz II. am 22. März ein ausschließendes Privilegium. Weißbach wird hie und da als Adeliger angeführt, und wäre er in diesen Stand bereits von Kaiser Joseph II. erhoben worden. Da er aber in Joh. Christian von Hellbach’s „Adels-Lexikon“ Ilmenau 1826, Voigt) nicht vorkommt und auch sonst keine Belege für seinen Adel zu finden sind, so zweifeln wir an der Richtigkeit jener Angabe.

d’Elvert (Christian Ritter). Notizenblatt der historisch-statistischen Section der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft für Beförderung des Ackerbaues u. s. w. (Brünn, 4°.) Jahrg. 1865, S. 100: „Der Chemiker Med. Dr. Franz von Weißbach“. – Derselbe, 1867, S. 7: „Zur Biographie des Dr. Weißbach“. – Derselbe. Zur Culturgeschichte Mährens und Oesterreichisch-Schlesiens, 2. Theil. [18. Theil der Schriften der historisch-statistischen Section der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues u. s. w.) (Brünn 1868, A. Nitsch, Lex.-8°.) S. 142.