BLKÖ:Wesselý, Josephine

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 50 (1884), ab Seite: 172. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Josephine Wessely in der Wikipedia
GND-Eintrag: 117314544, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wesselý, Josephine|50|172|}}

Wesselý, Josephine[BN 1] (Schauspielerin, geb. in Wien um 1860). Die Tochter eines ehrsamen und wohlhabenden Schustermeisters in Wien, welcher sie sorgfältig ausbilden, d. h., wie es daselbst zu jener Zeit als bester Ton galt, französisch sprechen und im Clavierspiel unterrichten ließ. Nun paßte es ihm ganz und gar nicht, als sie, nach seiner Meinung verführt von der Kundschaft der Wiener Operndamen, welche sich bei ihm ihre Stiefelchen anmessen ließen, durchaus zum Theater gehen wollte. Da sie aber mit seiner Ansicht sich nimmer zu befreunden [173] vermochte und auf ihrem Vorhaben bestand, so gab sie der Vater, um „Ruh zu haben“, auf Dr. Förster’s Rath in die Schule des Conservatoriums, wo sie bald den ersten Preis und die Medaille bekam, welche seitdem nicht wieder vergeben worden ist. Mit Förster ging sie dann an das Leipziger Stadttheater, dem sie über ein halbes Jahr angehörte. Anfangs Juli 1877 begab sie sich nach Berlin, um an dem Gastspiele der Wiener Burgschauspieler Lewinsky, Hartmann und Hallenstein theilzunehmen. Sie errang daselbst Erfolge, wie sie in den letzten Jahren, außer der Wolter 1876, keine andere Schauspielerin in Berlin davontrug. Die Rollen, welche sie zu jener Zeit spielte, waren Emilia Galotti, Luise Millerin, Clärchen in Goethe’s „Egmont“, Marie Beaumarchais in dessen „Clavigo“ und Marianne in dessen „Geschwistern“. 1878 debutirte sie auf dem Wiener Hoftheater, was bei ihrer Jugend immerhin ein Ereigniß war. Bald darauf wurde sie an dieser Hofbühne engagirt und ist an derselben noch zur Zeit als Mitglied thätig. Die Kritik anerkannte einstimmig Josephinens meisterhafte Leistungen, welche umsomehr überraschten, da die jugendliche Schauspielerin Eigenschaften entwickelte, die gewöhnlich doch erst nach längerer Uebung und dann nur bei eisernem Fleiße erworben werden, so z. B. besitzt sie den Hausrath technischer Erfahrung wie eine langjährige Künstlerin und handhabt denselben vollständig und mit einem Wohlbedacht, einer Richtigkeit und Sicherheit, welche selbst ihre Collegen in Staunen setzt. Man glaubt ihr die Unschuld, welche sie darstellt. Ferner ist sie eine meisterhafte Sprecherin, wobei sie von ihrem schönen, allen Wandlungen sich leicht fügenden Organe trefflich unterstützt wird. Ihre Bewegungen sind leicht und anmuthig, ihre Maske ist auch dort, wo sie durch Alter oder Krankheit verändert sein muß, mit seltenem Tact gebildet, kurz aus dem ganzen künstlerischen Wesen unserer Schauspielerin sprechen Natur und Wahrheit, idealisirt durch die Kunst. In Würdigung ihrer künstlerischen Leistungen verlieh ihr König Ludwig II. von Bayern die königlich bayrische Ludwigsmedaille für Kunst und Wissenschaft.

Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil, 4°.) 1877, S. 647: „Ein aufgehender Stern“. Von Emil Schiff. – Die Gegenwart. Von Paul Lindau, Bd. XII, 1877, S. 47. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Bd. LXXVII, 1881, S. 60–61.
Porträte. 1) Unterschrift: „Josephine Wesselý“ als Clärchen in „Egmont““. Originalzeichnung von Adolph Neumann. A. Neumann X. A. [in obiger „Gartenlaube“, ganze Figur]. – 2) Ueberschrift: „Josephine Wesselý“. Klič fec. Chem. A. Klič. Wien, in den „Humoristischen Blättern“, VI. Jahrgang, 24. Februar 1878, Nr. 8. – 3) Holzschnitt in der „Leipziger Illustrirten Zeitung“ 1881, S. 60.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Wesselý, Josephine [Bd. L, S. 172].
    Nachtrag zu den Quellen und Bildnissen: „Neue Illustrirte Zeitung“ (Wien, Zamarski, kl. Fol.) XI. Jahrgang, 11. Februar 1883, Nr. 20, S. 311 Biographie [nach dieser 18. März 1860 geboren]; S. 309 Bildniß. [Bd. 55, S. 161]