BLKÖ:Wolf, Anton Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wolf, Anton Alois
Band: 57 (1889), ab Seite: 271. (Quelle)
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Wolf, Anton Joseph (Schulmann, geb. zu Laatz (Ledec) im časlauer Kreise Böhmens 7. Juni 1838). Nachdem er die Lehramtsprüfungen bestanden hatte, übernahm er eine Lehrerstelle zu Maria Schnee in Prag, welche er zwei Jahre versah, bis er als Erzieher in die Familie des Dr. Ladislaus Rieger eintrat, wo er sich für seine spätere Hauptaufgabe, den Unterricht als wirksamstes Mittel der Nationalisirung zu benützen, vorbereitete. Von dort kam er als Lehrer nach Kolin, und bald darauf nach Freistadt in Mähren zur Leitung der dortigen Schule berufen, bewährte er sich in der čechisirung dieser Anstalt so trefflich, daß Freistadt eine der ersten Städte Mährens ist, welche eine nationale Schule besitzen. Unter dem Ministerium Schmerling trat jedoch ein Stillstand in diesen nationalen Bestrebungen ein, und Wolf wurde bald wegen politischer und nationaler Wühlereien von seinem Schulamte suspendirt. Als nächsten Grund dieser Maßregel gab die nationale Partei Wolf’s Weigerung an, in seiner Hauptschule die amtlich angeordnete Feier der Verleihung der Februar-Verfassung zu begehen. Nach zweijähriger Suspension von dem Ministerium Belcredi rehabilitirt und zum Director der neuen Schule in Neupaka, einem Städtchen des Gitschiner Kreises, ernannt, erhielt er nach dreijähriger Thätigkeit in dieser Stelle für Leistungen seiner Schule in der Schulausstellung zu Prag 1866 und ebenso in jener zu Paris den ersten Preis. Darauf zum Director der Hauptschule, dann der Unterreal- und der höheren Töchterschule in der Stadt Laun berufen, brachte er den frischen nationalen Geist in diese Anstalten. Die höhere Mädchenschule in Laun aber war auf Betreiben Wolf’s ins Leben gerufen worden, weil er die Beobachtung gemacht hatte, daß die Mädchen dieser Stadt in Leitmeritz völlig deutsche Sitte, Sprache und Bildung annahmen, kurz germanisirt wurden, was, nebenbei gesagt, den čechischen Modellen entgegengehalten, für nichts weniger als ein Unglück anzusehen war. In Laun gründete er auch die Genossenschaft der heiligen Ludmilla und führte die nachmals so beliebt gewordenen čechischen Abendvorträge ein, in denen er von den dortigen Lehrern, namentlich von dem nationalen Eiferer Anton Constantin Viták in erfolgreichster Weise unterstützt wurde. In der Giskra-Herbst’schen Aera ging es ihm aber wieder schlecht, denn er wurde wegen politisch-nationaler Wühlereien neuerdings suspendirt, wogegen aber mehrere Körperschaften, darunter die Stadt- und Kreisvertretung von Laun zu wiederholten [272] Malen, auch der Prager Lehrerverein Budeč und zuletzt der Kreisschulrath Einsprache erhoben, bis endlich 1871 Minister Jireček den Suspendirten wieder zum Director der Schulen in Laun einsetzte. Wolf ist auf pädagogischem Felde auch schriftstellerisch thätig, ist ein fleißiger Mitarbeiter der verschiedenen dem Unterricht und der Erziehung gewidmeten čechischen Zeitschriften; selbständig aber hat er herausgegeben: „česká mluvnice a pravopis spolu cvíčení ve slohu, d. i. čechische Sprachlehre und Rechtschreibung, verbunden mit Stylübungen (2. Auflage Brünn 1865); – „Kapesní kliček dobropisemnosti česke“, d. i. Taschenbuchschlüssel für čechische Rechtschreibung (ebd.); – und „Vlastivěda čili učeni země u dějepisné pro školy“, d. i. Vaterlandskunde oder Lehrbuch der Landeskunde und Geschichte für Schulen, mit Abbildungen (Prag 1867); auch redigirte er das Jahrbuch „Věstník“, d. i. Der Prophet, zum Frommen der ihm anvertrauten Schulen. Im Jahre 1873 war Wolf noch in seinem Lehramte thätig.