BLKÖ:Wolfskeel von Reichenberg, Christian Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 38. (Quelle)
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Wolfskeel von Reichenberg, Christian Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. in Würzburg 1761, gest. den Heldentod im Treffen bei Pavia am 8. Mai 1809). Der Sproß eines alten hessischen, nachmals fränkischen Adelsgeschlechtes, über welches die Quellen S. 42 Näheres berichten. Ein Sohn des Johann Gottfried Ernst Freiherrn von Wolfskeel aus dessen zweiter Ehe mit Marie Sophie Johanna geborenen von Schaumburg zu Klein-Ziegenfeld. Bei Beginn des bayrischen Erbfolgekrieges (1778) trat er in die kaiserliche Armee, in welcher er eine Lieutenantsstelle bei Leveneur-Dragonern Nr. 4 erhielt. Nachdem er den Türkenkrieg (1788–1789) als Rittmeister mitgemacht hatte, wurde er 1791 zum Platzmajor in Wien ernannt, dann aber inmitten der Kämpfe mit Frankreich – im Februar 1794– zum 7. Kürassier-Regimente Lothringen übersetzt, in welchem er bereits im Türkenkriege gestanden. Der Friedensdienst als Platzmajor wollte dem jungen Kriegsmanne, den es nach Thaten dürstete, nicht behagen. Nun in der activen Armee eingetheilt, sollte er auf Erfüllung seines Lieblingswunsches nicht lange warten. Im Feldzuge 1796 stand sein Regiment in Bayern in der Armee des Feldzeugmeisters Latour. Im September wurde dieselbe im Scharnitzer Passe vom Feinde hart bedrängt. Da erhielt Major Freiherr von Wolfskeel den Auftrag, mit zwei Divisionen Lothringen-Kürassiere, [39] einer Division slavonischer Grenz-Huszaren und zwei Geschützen bis Starnberg vorzurücken, um durch diese Diversion die Aufmerksamkeit des Gegners von unserer Armee ab- und auf sich zu lenken. In forcirtem Marsche war er nach Starnberg gelangt und hätte somit die ihm gegebene Aufgabe gelöst; aber dabei blieb der tapfere Wolfskeel nicht stehen. Sobald ihm die sichere Kunde wurde, daß sich zu Dachau ein feindliches Lager mit einem Artilleriepark befinde, faßte er den Entschluß, dasselbe zu überfallen. Und noch am nämlichen Tage rückte er bis zum Amperflusse vor, lagerte sich diesseits desselben und traf alle Anstalten zum Ueberfall. Am Morgen des 7. September stellte er sich nun an die Spitze seiner Kürassiere und unternahm mit bewundernswürdiger Entschlossenheit und Energie eine Attaque auf den Feind. Dieser, getäuscht durch Abtheilungen, die sich von der Münchener Seite zeigten, und im Glauben, am wenigsten von einer Truppe etwas besorgen zu müssen, welche er achtzehn Stunden entfernt wußte, gerieth durch diesen plötzlichen Ueberfall in arge Verwirrung und wurde aus dem Lager versprengt. Major Wolfskeel aber machte bei dieser gelungenen Ueberrumpelung 300 Gefangene und erbeutete außerdem mehrere Geschütze und eine beträchtliche Menge Munition und Lebensmittel. Zwei Wochen später, am 29. September, ließ er der erwähnten Waffenthat eine zweite weit glänzendere folgen. Das Regiment stand in dem von Feldmarschall-Lieutenant Baron Fröhlich befehligten Avantgardecorps im Württemberg’schen. Wolfskeel erhielt Befehl, mit drei Compagnien Infanterie und einer Schwadron Cavallerie bis Isny vorzudringen, den dort allenfalls befindlichen Feind zu vertreiben und den Ort zu besetzen. Da aber der Feind schon am Morgen denselben verlassen hatte, kam dem Major der Gegenbefehl zu, bis Dortweil vorzudringen. Dorthin gelangt, sendete Wolfskeel einige Patrouillen vor, welche in geringer Entfernung auf feindliche Chasseurs stießen. Indessen waren von den Unserigen an vielen Orten die Nacht hindurch Lagerfeuer unterhalten und so der Feind über die eigentliche Stärke unserer Avantgarde getäuscht worden. Dieser verhielt sich auch die Nacht hindurch ruhig, als aber der Morgen anbrach, sah man ihn in mehreren Colonnen zu 2000 und 3000 Mann gegen Dortweil vorrücken. Major Wolfskeel erfaßte vollkommen die Wichtigkeit seiner Aufgabe und ging nun daran, sie zu erfüllen. Das Terrain, auf dem er sich bewegte, war weich und sumpfig und zur Vertheidigung im hohen Grade unvortheilhaft, er suchte demnach eine Stellung, die am wenigsten die erwähnten Nachtheile besaß, und traf die geeigneten Dispositionen, den heranrückenden Gegner erwartend. Dieser, in drei Brigaden formirt, eröffnete mit unglaublicher Schnelligkeit und Heftigkeit den Angriff auf das Centrum unserer Aufstellung. Aber Major Wolfskeel bewahrte seine volle Geistesgegenwart und feuerte seine Truppe unablässig zu entschlossener standhafter Gegenwehr an. Wo sich die Gefahr steigerte, eilte er selbst auf den bedrohten Punkt, und durch diese seine Umsicht, verbunden mit einer Tapferkeit sondergleichen, gelang es ihm, so mächtig auf seine kleine Schaar einzuwirken, daß er volle drei Stunden während eines unaufhörlichen und verderblichen Kleingewehrfeuers dem weit überlegenen Feinde mit wahrer Todesverachtung Widerstand leistete. Die Franzosen unternahmen wiederholte Attaquen, [40] die Unserigen hielten Stand und wichen nicht eine Handbreit zurück, nöthigten vielmehr den Feind ein paarmal zum Rückgang. Endlich, in einem günstigen Augenblicke, gelang es Wolfskeel, zur Offensive überzugehen, den linken feindlichen Flügel zum Weichen zu bringen, und als ihm von Isny zwei Geschütze nachgeschickt worden, mit einem wirksamen Kartätschenfeuer zum Rückzuge zu zwingen. Nun unternahm er noch mit seinen Kürassieren auf die Fliehenden eine rasche und energische Attaque und verfolgte den in voller Flucht begriffenen Feind anderthalb Stunden, so daß dieser einige Hundert Todte und Verwundete, dann 650 Gefangene, darunter 23 Officiere, dem tapferen Major überlassen mußte. Wolfskeel wurde zunächst noch im December desselben Jahres in Würdigung seiner Waffenthat zum Oberstlieutenant befördert und in das Stabs-Dragoner-Regiment eingetheilt, als aber nach dem am 9. Februar 1801 abgeschlossenen Frieden von Luneville das Maria Theresien-Ordenscapitel unter Vorsitz des Feldmarschalls Lascy vom 13. März bis zum 14. August getagt hatte, erhielt er in der 66. Promotion vom 18. August 1801 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Im Feldzuge 1797 befehligte er im Treffen bei Rivoli am 15. Jänner die Avantgarde und dann beim Rückzuge aus Südtirol die Arrièregarde; im Gefechte bei Lavis brach er mit seinen Leuten muthig durch die feindlichen Plänkler, und bei Salurn am 20. März leistete er den tapfersten Widerstand. Im Mai 1797 wurde er zum Obersten befördert und als das Stabs-Dragoner-Regiment 1798 zu einem Feldregimente, und zwar zum ersten neuen leichten Dragoner-Regimente umgestaltet worden, in das 3. Kürassier-Regiment Herzog Albert von Sachsen-Teschen übersetzt. Mit diesem machte er den Feldzug 1799 in Deutschland mit, wo er sich bei dem Entsatze von Philippsburg am 3. December besonders auszeichnete. Ein Bataillon des Infanterie-Regiments Wenckheim hatte bereits die Fleschen von Wisloch erstürmt, als es bei weiterem Vorrücken im Nebel plötzlich von französischer Cavallerie angefallen wurde. So tapfer es sich hielt, war es doch nahe daran, zu unterliegen. In diesem kritischen Augenblicke eilte Oberst Wolfskeel mit mehreren Escadronen herbei und vereint mit dem Bataillon hieb er in die feindliche Cavallerie ein und trieb sie zurück; und noch am nämlichen Tage unternahm sein Regiment wiederholte Attaquen auf den linken feindlichen Flügel, so daß sich dieser gezwungen sah, seine auf Wisloch gerichtete Rückzugslinie zu verlassen und sich über Baierthal nach Leimen zurückzuziehen. Im October 1800 wurde Oberst Freiherr von Wolfskeel zum Generalmajor ernannt und machte als solcher 1805 den Krieg in Tirol mit. Im Februar 1809 zum Feldmarschall-Lieutenant vorgerückt, erhielt er das Commando einer Division bei der Armee in Italien. Wenige Tage vor dem Ausbruche der Feindseligkeiten befand er sich in Laibach. Der Unmuth über den französischen Eroberer war schon auf das höchste gestiegen, und die ganze Armee, gierig nach dem Kampfe, ward von einer allgemeinen kriegerischen Begeisterung ergriffen. Da that gegen eine hochgestellte patriotische Dame Feldmarschall-Lieutenant Wolfskeel die Aeußerung: „Er würde eine unglückliche Wendung dieses Feldzuges nicht überleben!“ Der tapfere General hielt Wort. Bei dem Rückzuge der Armee kam es am 8. Mai an der Piave zu einem hitzigen [41] Treffen: Wolfskeel stand mit dem größten Theil der Cavallerie im Centrum und mußte die ungestümen Angriffe des Feindes abwehren. Er hatte nur fünf, durch mehrere Gefechte und namentlich durch die Schlacht bei Sacile, in welcher Erzherzog Johann am 16. April den Vicekönig Beauharnais geschlagen, sehr geschwächte Regimenter unter seinem Befehle und sollte mit denselben dem Anprall von zwölf feindlichen größtentheils neu ergänzten Regimentern Stand halten. Als er sah, daß alle seine Anstrengungen erfolglos waren, stürzte er sich, mit dem Säbel in der Faust, mitten zwischen eine Truppe feindlicher Reiter und fand unter den Stichen derselben den ruhmvollen Soldatentod auf dem Schlachtfelde.

(Stramberg). Der Rheinische Antiquarius, II. Abtheil., Bd. II, S. 646. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Bd. I, S. 609 u. f. – Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Wien und Teschen 1880, K. Prochaska, Lex. 8°.) Bd. II, S. 17, Jahr 1799; S. 55 und 58, Jahr 1796; S. 482, Jahr 1809. – Derselbe. Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862, Geitler, gr. 8°.) Bd. I: „Kürassiere und Dragoner“. S. 97, 180, 181, 182, 190, 191, 324, 325.