BLKÖ:Wolkenstein-Trostburg, Engelhard Theodorich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 57. (Quelle)
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9. Engelhard Theodorich von Wolkenstein-Trostburg (geb. 1566 auf Schloß Trostburg, gest. daselbst am 18. December 1647). Ein Sohn Wilhelms II. aus dessen zweiter Ehe mit Benigna Freiin von Annenberg, wurde er mit seinen Geschwistern Wilhelm, Marc Sittich und Euphrosyne lediglich von der Mutter erzogen, da der mit Staatsgeschäften überbürdete Vater nicht Zeit hatte, viele Aufmerksamkeit seinen Kindern zuzuwenden. Als derselbe 1577 starb, zog Engelhard Theodorich, der zu dieser Zeit etwa 12 Jahre zählte, mit der Mutter nach Meran, wo er nebst ihr von den Bedrückungen der Brüder aus erster Ehe Manches zu leiden hatte. Sie schickte ihn dann auf die Schule in Innsbruck, später auf die Universität der Jesuiten zu Ingolstadt und von dort nach Bologna. Die Stiefbrüder, vereint mit seinem älteren Bruder Wilhelm, wendeten Alles daran, ihn zur Wahl des geistlichen Standes zu überreden, um sein Erbe für sich zu gewinnen, und hatten für ihn, ohne ihn zu fragen, bereits ein Canonicat am Dome zu Trient erlangt. Er nahm dasselbe wohl an, dachte jedoch nicht an den geistlichen Stand, sondern studirte in Bologna eifrig die Rechte, und als die Brüder auf ihn einredeten, Geistlicher zu werden, weigerte er sich lange Zeit dagegen, bis er endlich dem hartnäckigen Andringen nachgebend, sich zur priesterlichen Haarschur herbeiließ und die Einkünfte des Canonicates bezog, von denen er indeß keinen Kreuzer für sich verwendete. Von Bologna begab er sich nach Rom, wo er viel mit den ersten Häuptern der Kirche und den angesehensten Männern Italiens verkehrte. Nun, war er auch, über Loretto heimgekehrt, nicht Sinnes, Priester zu werden, so hatte er doch in Rom sich zu seiner Aufgabe, in seinem Vaterlande den katholischen Glauben zu schirmen, ordentlich vorbereitet. Großjährig geworden, legte er sofort sein Canonicat nieder, nahm sein väterliches Erbe in Anspruch und erhielt in der Theilung mit seinen Brüdern Trostburg und Wolkenstein in Gröden. Die bedenklichen Zeiten des dreißigjährigen Krieges bedrohten auch Tirol, und als die Landesregierung daran ging, das niedere Eisackgebiet mit den Engpässen des Kuntersweges und allen umliegenden Gebirgshöhen fest und uneinnehmbar zu machen und dadurch dem Eindringen der Feinde in Tirol zu wehren, wurde Wolkenstein zum Pfleger der drei Herrschaften Villanders, Gufidaun, und Ritten bestellt. So ward er Herr über den ganzen Straßendurchzug und traf alle Anstalten zur nachdrücklichsten Vertheidigung des Landes. Nebenbei war er aber noch in anderer Weise für die Stärkung seiner Kirche im Lande thätig; so wendete er den in Tirol aufblühenden Häusern des Jesuitenordens große Geldsummen zu, baute den Capucinern in Bozen das Kloster. Da in der damals von den politischen und religiösen Wirren bewegten Zeit auch die Sittenreinheit des Weltpriesterstandes gelitten und Manches zu wünschen übrig ließ, und der benachbarte Bischof von Brixen nicht energisch genug eingriff, um die Kirchenzucht in seiner Diöcese aufrecht zu erhalten, schritt Engelhard Theodorich mit seiner ganzen Autorität ein, dem Uebel zu steuern, und that es in erfolgreichster Weise. In der Gemeinde Waidbruck, die bis dahin priesterlos gewesen, stiftete er eine Pfründe und besetzte sie mit würdigen Geistlichen. So gewann er alsbald großen Einfluß auf die Angelegenheiten der Diöcese Brixen, und wie er gefürchtet war vom verdorbenen Theile des Clerus, ebenso war er eine mächtige Stütze und ein weiser Rathgeber aller [58] guten Priester. Dabei hielt er auf strenge Zucht im eigenen Hause, baute im Schloß eine eigene Capelle, welche sein Freund, der Weihbischof von Brixen, Simon Feuerstein, am 25. October 1604 feierlich einweihte, und hielt einen Schloßcaplan, den er zugleich mit dem Unterricht und der Erziehung seiner Kinder betraute. Durch seine in Rom mit den Cardinälen und anderen hohen Priestern und Klosteroberen angeknüpften Bekanntschaften wurde sein Schloß die Rast aller Glaubensmänner und Kirchengesandten, die Herberge aller Klosterleute, welche damals aus dem Wälschland nach Deutschland pilgerten, um an dem großen Werke der kirchlichen Wiedergeburt jenseits der Alpen mitzuarbeiten. Einen eigenen Zug in Engelhard Theodorichs Leben bildet aber seine von Jugend an genährte Vorliebe für Reliquien. Es ist nicht unsere Sache, uns über diesen Cultus des Näheren einzulassen. Klar und deutlich stellt ihn Beda Weber dar in seiner Schrift „Die Reformation in Tirol“, worin er sich S. 363 u. f. darüber ausspricht. Wolkenstein war also bemüht, eine Sammlung von Reliquien in größtmöglicher Ausdehnung zusammenzustellen, suchte an allen Orten die merkwürdigsten auf, tauschte aus und kaufte und ordnete das Gesammelte mit Geschmack und Umsicht. Mit Allen, die in gleicher Richtung thätig waren, so mit Christoph Andreas Fürstbischof von Brixen, den Erzherzoginen im Damenstifte zu Hall, mit Anna Juliana, der Stifterin des Regelhauses in Innsbruck, mit Christoph Otto Maurus von Völs, Hieronymus von Lodron, Feldobersten des Königs von Spanien, Herzog Wilhelm von Bayern, Max I. Kurfürsten von Bayern, den Herzogen von Mantua stand er, um seinem Sammeleifer zu genügen, in steter Verbindung. Dieser Sammeleifer, nach den Resten Jener, die für den Glauben an ihre Kirche alle Martern erduldet und ihr Leben gelassen, zu suchen und sie zu bewahren, war im ganzen Lande Tirol verbreitet und stand im scharfen Gegensatze zur Zerstörung alles Heiligen und Ehrwürdigen in deutschen Landen. Dabei wurden diese heiligen Ueberbleibsel auf das kostbarste in Hüllen von Sammt, Seide, Gold und anderen Edelmetallen mit den werthvollsten Edelsteinen gekleidet, und erhielt diese Sammlung auch nach einer anderen Seite Interesse, welches sich bis auf die Gegenwart, wo das alte Kunstgewerbe Gegenstand aufmerksamer Studien geworden, erhalten hat. Die Urkunden, welche die Echtheit einzelner Kostbarkeiten dieser Sammlung beglaubigten befinden sich im Schloßarchive zu Trostburg, und die Reliquien selbst wurden bis 1809 in der Schloßcapelle daselbst aufbewahrt, wo sich jetzt nur noch die Zeichnungen derselben befinden, obgleich Engelhard Theodorich testamentarisch verfügt hatte, daß alle Reliquien und Kirchenzierden, aller Vorrath an Geschütz und Waffen in seinen Vesten Trostburg und Fischburg ungetheilt beisammen zu bleiben habe. Aber nicht bloß in dieser religiösen Richtung war Wolkenstein thätig. Das Beispiel seines Bruders Marc Sittich, sowie anderer Tiroler, die in der Geschichte ihres Landes arbeiteten, wie Jacob Andreas von Brandis, Maximilian Graf von Mohr und Andere, lenkten auch seine Aufmerksamkeit auf die Landesgeschichte, und er forschte in den Archiven nach alten Urkunden, sammelte und ordnete sie, um dann das vaterländische Alterthum zu erläutern und darzustellen. Unter vielen anderen Aufsätzen, die zu mehreren Folianten anwuchsen, schrieb er eine Geschichte der Erzherzoge von Oesterreich als Regenten der Grafschaft Tirol vom Jahre 1363 bis auf seine Zeit, worin er mit besonderer Vorliebe die Regierung Friedrichs mit der leeren Tasche behandelte, daher diese Aufzeichnungen stets als Hauptquelle zur Geschichte dieses Fürsten dienten. Engelhard Theodorich theilte sein ansehnliches Vermögen unter seine drei Söhne Maximilian Karl, welcher Trostburg und Villanders, Konrad Theodorich, der Fischburg und Gufidaun, und Leopold, welcher Ritten und die Gefälle der umliegenden Gegenden erhielt. Die Frömmigkeit des Vaters war wohl auf seine Söhne übergegangen, aber nicht seine Thatkraft und jene Eigenschaften, die den Glanz eines alten Geschlechtes mehren und erhalten helfen. Leopold [S. 60, Nr. 19] wurde zuletzt Franciscaner; Konrad Theodorich, lebte unbemerkt dahin, und mit seinem jung verstorbenen Sohne Johann Baptist erlosch sein Zweig, und Maximilian Karl konnte durch den Aufwand, den er trieb, sich nicht lange auf der Höhe erhalten, und der Ruhm des Hauses lebte nur noch in den Erinnerungen an seinen Vater und den Minnesänger Oswald. [Weber (Beda). Tirol und die Reformation. In historischen Bildern und Fragmenten (Innsbruck 1841, [59] Wagner, 8°.) S. 342–373: „Engelhard Dietrich zu Wolkenstein-Trostburg. Bild des kirchlich erneuten Tiroler Adels. Reliquienwesen als Organ des religiösen Unterrichtes“.] –