BLKÖ:Wouwermans, Aimé

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wotýpka, Joseph
Band: 58 (1889), ab Seite: 133. (Quelle)
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Wouwermans, Aimé (Schriftsteller, geb. in Wien 4. März 1814, gest. daselbst 28. September 1884). Er entstammt einer belgischen Familie, deren Sprossen zum Theile nach Oesterreich kamen und meist in der kaiserlichen Armee dienten. Sein Vater war Major in derselben, starb aber schon, als der Sohn erst zwölf Jahre zählte, dessen Vormundschaft nun der aus den Tiroler Kämpfen rühmlichst bekannte Oberst und Maria Theresien-Ritter Martin Rochus Teimer von Wildau [Bd. XLIII, S. 212][WS 1] übernahm. Dieser hatte sich nach dem Wiener Frieden nach Gratz zurückgezogen und lebte dort ausschließlich der Landwirthschaft. Sein Mündel, den er zu sich nahm, besuchte in genannter Stadt 1832 das Gymnasium, fühlte sich aber nichts weniger als wohl auf demselben und verließ es schon nach kurzer Zeit, um, 14 Jahre alt, als Cadet in die kaiserliche Armee zu treten. Nach Brümmer wäre er zuerst bei der Cavallerie, und zwar Cadet im 4. Chevauxlegers-Regimente gewesen. So viel ich weiß, diente er 1843 als Cadet bei Hessen-Homburg-Infanterie Nr. 19. Daselbst wurde er Officier, kam 1842 als Lieutenant zur ungarischen Garde, später in das Infanterie-Regiment Bianchi. Im October 1846 trat er aus der kaiserlichen Armee in den Staatsdienst über, arbeitete bei der politischen Behörde zu Trembowla in Galizien, dann beim Kreisamte in Tarnopol, verließ aber, als die Märztage 1848 über Oesterreich hereinbrachen, seine Stellung, um sich in Wien der Schriftstellerei zu widmen, für welche sich damals wohl günstigere Aussichten darboten. Bereits 1847 war er in Andreas Schumacher’s „Gegenwart“ mit einigen kleineren Artikeln aufgetreten; als er dann 1848 nach Wien kam, erschien von ihm in Nr. 86 genannten Journals das Gedicht „Leichenfeier der Censur“, welchem die Bemerkung beigefügt war, daß es in Lemberg bei Peter Piller in besonderem Abdrucke erschienen und der Erlös für das Monument der in Wien Gefallenen bestimmt sei. Dann warf er sich zumeist auf die Politik und trat bei der Redaction der am 1. Juli erschienenen radicalen Zeitung „Der Omnibus“ ein, welche als Wochenbeilage das Schandblatt „Die Fuchtel“ führte, sich am 17. September desselben Jahres in [134] eine „Debatten-Zeitung“ verwandelte und mit Nr. 91 am 11. October einging. Sein Debut im „Omnibus“ wurde mit einem scharfen Geißelhieb in der „Geißel“ (1848, S. 125), die damals als conservatives Blatt mit aller Entschiedenheit der Phalanx der radicalen Blätter Wiens gegenüberstand, abgefertigt. Nachdem die Ereignisse eine schiefe Wendung und das Blatt ein Ende genommen, kehrte Wouwermans der Kaiserstadt den Rücken und begab sich nach Gratz, wo er zunächst bei der Zeitung „Die Schnellpost“ eintrat, dann aber 1849 sich der Redaction des neu ins Leben gerufenen Mode- und Musterblattes „Iris“ unterzog, welche er bis 1850 führte, in welchem Jahre dieses Blatt unter Cerri’s Leitung einen ungemein gedeihlichen Aufschwung nahm. Nach einer Reise in Norddeutschland kehrte er 1852 wieder nach Steiermark zurück, wo er zunächst an der „Wochenschrift für Kunst und Literatur“, dann an den beiden Gratzer politischen Blättern „Die Schnellpost“ und „Der Telegraph“ und als Correspondent der „Deutschen Zeitung in Böhmen“ arbeitete, später aber als ständiger Mitarbeiter bei der Redaction des Gratzer „Telegraph“ eintrat, welcher er bis 1859 angehörte. Darauf begab er sich nach Wien, 1861 nach Brünn, 1863 nach Salzburg, wo er überall in Redactionen und als Correspondent verschiedener Journale wirkte. In letzterer Stadt wurde er wegen eines muthwilligen Angriffes auf die Aebtissin des Klosters Nonnberg, der in einer Correspondenz der „Neuen Freien Presse“ (1866, Nr. 423) abgedruckt erschien, in einen Ehrenbeleidigungsproceß verwickelt. 1867 kehrte er wieder nach Wien zurück und trat als Mitredacteur bei der „Constitutionellen Vorstadt-Zeitung“ ein, in welcher Stellung er bis an seinen im Alter von 70 Jahren erfolgten Tod blieb. In diese Zeit seiner langjährigen journalistischen Thätigkeit fallen viele selbständige Arbeiten poetischen, novellistischen, dramatischen Inhalts und eine erkleckliche Anzahl von Uebersetzungen fremdländischer Romane. Von seinen dramatischen Arbeiten nennen wir: „Heinrich der Finkler. Liederspiel“ (1860); – „Lady Esthers Freundin. Schauspiel“ (1880); – „Ich liebe. Genrebild“ (1880); –,Ein graues Haar. Lustspiel“ (1880); – „Madame l’Etiquette. Lustspiel“ (1883); – „Prinzessin Rose. Dramatisches Gedicht“ (1883) und noch einige andere Lustspiele und Opern. Ein episches Gedicht veröffentlichte er 1847 unter dem Titel: „An der Grenzscheide“, und verschiedene Schöpfungen novellistischen, erzählenden und melodramatischen Inhalts erschienen zerstreut unter den Titeln: „Die Juden in Galizien“; – „Der Lebzelter von Werken. Eine Criminalgeschichte“; – „Die Königin der Luft“; – „Die Geister des Weines“; – „Der grösste Bock“; – „Die Bartholomäusnacht“; – „Das trojanische Pferd“;-– „Diogenes“; – „Die neue Danaë“;– „Bei Hofe“; – „Echo“; – „Hilaria“ u. m. a. Auch hat er in den 1867 bei Taube in Salzburg erschienenen „Bildern aus Salzburg. Mit Photographien von Anton Lentsch“, von denen aber nur 1 Heft (16°.) herauskam, den Text geschrieben. Das obengenannte Liederspiel „Heinrich der Finkler“ hat insofern eine gewisse kunstgeschichtliche Bedeutung, als in demselben Pauline Lucca ihre künstlerische Laufbahn begann. Wouwermans war mit einer Schwester des Ministers Dr. Brestel verheiratet.

Brümmer (Franz). Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts (Reclam, 12°.) Bd. II, S. 511.
[135] Porträt. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen, wahrscheinlich von Zadnik (übrigens sehr ähnlich), im „Wiener Rothbuch“ von Karl Linder und Ferdinand Groß, 1872, S. 151.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XLII, S. 212]