BLKÖ:Wurda, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wurda, Karl
Band: 58 (1889), ab Seite: 274. (Quelle)
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Wurda, Joseph (Sänger und Liedercomponist, geb. zu Raab in Ungarn am 11. Juni 1807, Todesjahr unbekannt). Der Sohn eines wohlhabenden Lederfabrikanten in Raab, war er von neun Brüdern, welche alle vortreffliche Stimmen besaßen und in der Stadt als die ersten Gesangsdilettanten galten, der fünfte. Nachdem er das Gymnasium besucht hatte, wurde er vom Vater für dessen Ledergeschäft bestimmt und nach beendeten Lehrjahren der damaligen Sitte gemäß auf Wanderung geschickt. So pilgerte Joseph fünf Jahre lang durch Oesterreich, Böhmen, Bayern, Tirol und ganz Italien. Mit reichen Erfahrungen für den Stand, in welchem er wirken sollte, ausgerüstet, schiffte er sich in Pesaro, dem durch Rossini berühmt gewordenen Städtchen (derselbe heißt der Schwan von Pesaro) auf einem Kauffahrer nach Triest ein; nachdem er auch dort einige Zeit verweilt hatte, wanderte er über Venedig, Padua, Verona und Tirol nach Steiermark, wo er in Leoben überwinterte. Daselbst wurde er zuerst auf seine herrliche Tenorstimme aufmerksam gemacht, und der Versucher, der ihm vom väterlichen Berufe abreden wollte, trat in der Person des Regenschori der Leobener Domkirche an ihn heran. Dieser erklärte sich bereit, ihn unentgeltlich für den Kirchengesang auszubilden, denn zu jener Zeit herrschte überhaupt Noth an tüchtigen Tenorsängern. Seinem Schwanken in der Wahl zwischen Lederarbeit und Kirchengesang machte aber ein Schreiben des Vaters ein Ende, der ihn zur Heimkehr aufforderte, und Joseph setzte seine Wanderung fort und besuchte auf derselben noch die Stadt Königgrätz, wo sein Oheim, der Domdechant und Weihbischof Franz Wurda, lebte. Dieser, selbst ein ausgezeichneter Musiker und einstiger Freund Mozart’s, war über die herrliche Stimme seines Neffen und nicht minder über dessen seelenvollen Vortrag erstaunt und sagte zu ihm eines Tages: „Junge, Du hast eine schöne Stimme, singe fleißig, Du kannst sie vielleicht noch einmal brauchen.“ Endlich kehrte der Jüngling heim und trat im väterlichen Geschäfte in Verwendung, bei dessen höchst prosaischer Hantirung ihm alle Gedanken an eine Zukunft, wie sie sein Oheim, der Dechant, vielleicht im prophetischen Geiste gesehen, vergingen. Aber bald traten neue und diesmal noch größere Versuchungen an ihn heran. Denn er sang in der Kirche, dann in dem Kunst, besonders Gesang liebenden Hause des damaligen Domherrn, nachmaligen Raaber Bischofs Sztankovics, wo er bald in den Quartettcirkeln des hochw. Herrn die erste Rolle spielte. Immer herrlicher entfaltete sich seine Stimme, immer mehr steigerte sich die Zahl seiner Bewunderer, und es fehlte nicht an Mahnern, ein solches Gottesgeschenk doch nicht unbenutzt zu lassen und sich der Bühne zuzuwenden. Lange schwankte der Jüngling, bis endlich der Besuch des k. k. Hoftrompeters Anton Khayll in Raab den Ausschlag gab. Dieser berichtete bei seiner Rückkehr nach Wien dem damaligen Administrator der Wiener Hofoper Grafen Gallenberg von der Entdeckung des Tenors, die er in Raab gemacht, und der Sänger wurde eingeladen, in Wien Probe zu singen. Es [275] war im Jahre 1830, als Wurda in der Rolle des Licinius in der Wiener Hofoper auftrat. Geschah es nun, daß er sich mit der Hofoperndirection nicht einigen konnte, oder fühlte er sich selbst noch nicht völlig gewachsen den Anforderungen, welche das Publicum an den Sänger auf einer Hofoper stellte, wir wissen es nicht, ein Engagement kam nicht zu Stande, aber in Wurda selbst faßte die Ueberzeugung festen Fuß, daß er doch einen anderen Beruf in sich fühle, als Leder und wenn es auch Chagrin war, zu gerben. Er blieb vorderhand in Wien und nahm daselbst bei dem berühmten Gesanglehrer Cicimara Unterricht. Indessen hatte sich aber der Ruf seiner herrlichen Stimme immer weiter verbreitet, und nach einiger Zeit erhielt Wurda durch Verwendung des Berliner Hoftheaterintendanten Grafen von Brühl ein sehr vortheilhaftes Engagement an der Strelitzer Hofbühne. An derselben sang er durch fünf Jahre und wurde bald der Liebling des Publicums. Während dieser Zeit folgte er auch mehreren Einladungen zu Gastspielen an verschiedenen deutschen Bühnen, und ein solches führte ihn 1834 nach Hamburg, wo er das Publicum mit seinem Gesange derart enthusiasmirte, daß ihm die Direction die vortheilhaftesten Anerbietungen machte, die er denn auch annahm, so daß er 1835 in den Verband dieser Bühne trat und an derselben bis an das Ende seiner Thätigkeit als Theatersänger blieb. Der Umfang seiner Stimme war von seltener Art. So sang Wurda vom tiefen G bis an das hohe C im Berliner Opernhause die Stelle des Zampa im zweiten Finale. Er war ein elegischer Sänger, wie Deutschland zu seiner Zeit keinen zweiten besaß; besonders herrlich war sein Vortrag in Bellini’schen Opern, und er brachte dieselben, die namentlich im Norden lange Zeit nicht durchgreifen wollten, zu solcher Geltung, daß sie bald zu den Lieblingsopern des nordischen Publicums zählten und sich seitdem bleibend auf dem Repertoire erhalten haben. In der Folge wurde er Mitglied der Direction des Theaters in Hamburg und widmete sich auch dem Gesangunterrichte, in welchem er bald zu den gesuchtesten Lehrern daselbst gehörte. Auch in der Composition hat sich Wurda versucht, und sind von ihm mehrere Liedercompositionen bekannt. Ob er noch lebt – er würde jetzt 82 Jahre alt sein – ist uns nicht bekannt.

Allgemeine Wiener Musik-Zeitung, redigirt von Aug. Schmidt (4°.) IV. Jahrgang, 30. Jänner 1844, Nr. 12, S. 50: „Galerie vaterländischer Künstler“. Von C. Gollmick[WS 1]. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Für Künstler, Kunstfreunde und alle Gebildeten. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Offenbach 1861, Joh. André, gr. 8°.) Band III, Seite 893. – Gaßner (F. S. Dr.). Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 905. – Schilling (G. Dr.) Das musicalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 363. – Vaterland (4°.) 1844, Nr. 17 und 18 (Abdruck aus der „Neuen Leipziger musicalischen Zeitung“ 1843). – Allgemeines Theater-Lexikon..... Herausgegeben von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig o. J., Expedition des Theater-Lexikons kl. 8°.). Neue Ausgabe, Bd. VII, S. 332.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Gollmich