BLKÖ:Zahn, Joseph Georg von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zahlheim (Mörder)
Band: 59 (1890), ab Seite: 92. (Quelle)
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Zahn, Joseph Georg v. (Geschichtsforscher, geb. zu Groß-Enzersdorf in Niederösterreich 22. October 1831). Sein Vater Leonhard stammt aus Bayern, die Mutter Josepha geborene Mann aus Mitten-Stockstall in Niederösterreich bei Kirchberg am Wagram. Nachdem Joseph in Wien als Stipendist des Stadtconvictes das Gymnasium besucht hatte, studirte er in Prag, dann in Gratz und zuletzt in Wien. Er hatte sich den Rechtswissenschaften zugewendet, ging aber 1855 zur philosophischen Facultät über, um sich unter Aschbach und Jäger für das Geschichtsstudium auszubilden; wurde 1856 Zögling des neugegründeten Institutes für österreichische Geschichtsforschung, erwarb sich 1857 und 1858 für Studien an ausländischen Archiven und Bibliotheken Stipendienpreise, welche er in München zur Erforschung der Geschichtsquellen des Bisthums Freysing betreffs dessen ehemaliger österreichischen Besitzungen verwendete. 1859 wurde er als Professor der österreichischen Geschichte an die k. k. Rechtsakademie in Preßburg berufen, 1861 aber infolge der politischen Veränderungen im Kaiserstaate in Disponibilität versetzt, worauf er im April 1861 die Stelle eines Vorstandes am Archiv des landschaftlichen Joanneums in Gratz und Ende desselben Jahres die gleiche für das Münz- und Antikencabinet daselbst annahm. Er ist der Erste, der die Organisirung dieser Institute vornahm, dessen Organisationstatut der steirische Landtag (1861) genehmigte. Seinem Ziele, die ihm unterordneten privaten Sammelarchive mit den unter der Verwaltung der landschaftlichen Registratur befindlichen landschaftlichen Archivalien zu einem großen Ganzen zu vereinigen, wurde im Jahre 1868 entsprochen und das „steiermärkische Landesarchiv“ gegründet, dessen Leitung er übernahm, [93] während er das Münz- und Antikencabinet in andere Hände abgab. Ueber seine Thätigkeit in der Ergänzung der Sammlungen geben die jährlich erschienenen Joanneumsberichte Auskunft, so wie einzelne der unten angeführten archivalischen Darstellungen. In seinem neuen Amte trat er in rege Beziehung zum historischen Vereine, dessen Vorstand er zu wiederholten Malen wurde, den er auch zur Errichtung eines Ausschusses für Herausgabe steiermärkischer Geschichtsquellen, dann zur Gründung eines entsprechenden Organs dafür, nämlich der „Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ bewog, und in welchem er die Einrichtung der Ortschroniken, die Einführung der Wanderversammlungen mit Hilfe gleichgesinnter Freunde begründete. Ebenso machte er es für die Stellung des Landesarchivars zur Pflicht: daß derselbe behufs Heranbildung archivistischer Arbeitskräfte paläographisch-diplomatischen Unterricht ertheile, und wirkte in gleicher Richtung auch einige Jahre als Docent an der Universität. Bei der Wiener Weltausstellung 1873 trat von den österreichischen Archiven nur das Landesarchiv von Steiermark mit den lebhaft concurrirenden italienischen in die Schranken und errang sich die ah. Anerkennung und die Verdienstmedaille, die beide dem Archiv des k. k. Ministeriums des Innern nicht hätten vorenthalten werden können, wenn nicht sein unvergeßlicher zu früh dahingeschiedener Organisator Alexander Gigl durch seine Leiden verhindert gewesen wäre, sich an diesem Wettbewerb zu betheiligen. 1875 wurde Zahn vom österreichischen Minister für Cultus und Unterricht zum Commissär bei den Prüfungen am Institute für österreichische Geschichtsforschung in Wien und zum Conservator der k. k. Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Geschichtsdenkmale (3. Section) ernannt, 1879 erhielt er vom steiermärkischen Landtage den Titel eines Directors des Landesarchives und von der philosophischen Facultät zu Leipzig den Doctorgrad. In seinem Gebiete, dem historisch-paläographisch-diplomatischen, entwickelte er eine rege Thätigkeit, welche lange noch nicht abgeschlossen und aus den verschiedenen periodischen Fachschriften kaum vollständig darzustellen ist. Wir führen aus seinen Arbeiten die wichtigsten an: „Zur Frage über die österreichischen Freiheitsbriefe“, im „Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit“ 1857; – „Heckenstaller’s Frisingensia zu München“, im VIII. Bande des „Notizenblattes der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien“; – „Das Privilegienbuch der ehemaligen freisingischen Stadt Lack in Krain“, in den „Mittheilungen des historischen Vereines für Krain“ XIV; – „Niederösterreichische Banteidinge und zünftige Satzungen“, im „Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen“ XXV; – „Der Patronatsstreit zwischen den Bischöfen von Freising und Lavant um die Pfarre St. Peter am Kammersberge in Obersteier“, ebd. XXVI; – „Die freisingischen Sal-, Copial- und Urbarbücher in ihren Beziehungen zu Oesterreich“, ebd. XXVII; – „Die Feste Sachsengang und ihre Besitzer“, ebd. XXVIII; – „Die Leistungen der freisingischen Unterthanen in Krain am Beginne des 14. Jahrhunderts“, in den Mittheilungen des historischen Vereines für Krain“ 1861; – „Zur Geschichte des österreich. Dichters Heinrich des Arztes von Wiener-Neustadt“, im „Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit“ 1861; – „Die freisingischen Güter [94] in Steiermark und deren ökonomische Verhältnisse am Beginne des 14. Jahrhunderts“, in den „Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark“ 1862; – „Der Kalenderstreit in der Steiermark“, ebd. 1864; – „Verzeichniß der Handschriften der k. k. Universitätsbibliothek zu Gratz“, in den „Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1864. – „Ueber den Anonymus Leobiensis, ebd.; – „Zwei Klagelieder über den Grafen von Pütten“, ebd. 1865; – „Anonymi Leobiensis Chronicon. Nach der Urschrift herausgegeben (Gratz 1865, 8°.); – „Reisebericht über die steiermärkischen Geschichtsmaterialien in den kärntnischen Archiven“, in den „Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1866; – „Unterhandlungen Kaiser Ferdinands I. über den Ankauf oder Eintausch der freisingischen Herrschaft Groß-Enzersdorf“, in den „Blättern für Landeskunde von Niederösterreich“ 1866; – „Bericht über einige untersteirische Archive“, in den Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1867; – „Ueber die Ordnung der Urkunden am Archive des st. k. Joanneums“ (Gratz 1867, 8°.); – „Ueber Sigelmodel“, im „Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit“ 1867; – „Ueber die älteste Ansicht einer niederösterreichischen Burg“, in den „Blättern für Landeskunde von Niederösterreich“ 1867; – „Das Familienbuch Sigismunds von Herberstein“, im „Archiv für Kunde österreich. Geschichtsquellen“ XXXIX; – „Archivalische Reisen“ (Linz, Salzburg, Innsbruck, Prag), in den „Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1869; – „Steirische Excerpte aus bayrischen Nekrologien“, in den „Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1866; – „Ferdinand III. und Leopold I. Vom Westphälischen bis zum Karlowitzer Frieden“ (Wien 1869), bildet den 9. Band der von Freiherrn von Helfert herausgegebenen „Oesterreichischen Geschichte für das Volk“; – „V. Brandl’s Urkundenbuch der Familie Teufenbach“, in den „Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1868; – „Archivalische Untersuchungen in Friaul und Venedig“ I und II, ebd. 1870 und 1872; – „Zur Geschichte des landschaftlichen Archivwesens in Steiermark“, im ersten Jahrgange des „Steiermärkischen Landesarchives“ (Gratz 1870, 8°.); – „Codex diplomaticus Austriaco-Frisingensis.“ Sammlung von Urkunden und Urbaren zur Geschichte der ehemaligen Besitzungen des Bisthums Freising in Oesterreich 3 Bände“ in den von der Akademie der Wissenschaften herausgegebenen „Fontes rerum austriacarum“ Bd. II, S. 31, 35, 36; – „Dr. Andreas von Meiller. Nekrolog“, in den „Blättern für Landeskunde von Niederösterreich“ 1872; – „Ueber Peter Weixler’s Chronik von St. Lambrecht“, in den „Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ 1872; – „Kleine Quellen zur Geschichte von St. Lambrecht“, ebd., – „Das Fürst Windischgrätz’sche Archiv zu Tachau“, ebd.; – „Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark. 1. Band 798 bis 1192“ (Gratz 1875, 8°.)-, – „Der Geograph G. M. Vischer und sein Wirken in Steiermark“, in den „Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark“ 1876; – „Codex diplomaticus Austro-Friulanus“ (1878); – „Friaulische Studien. I.“, im „Archiv für österreich. Geschichte“ (Wien 1878); „Die deutschen Burgen in Friaul“ (1883); – „Das steiermärkische Wappenbuch [95] von 1567“ (Gratz 1880). Zahn hat von seinem Freunde, dem Staatsarchivar Dr. Andr. von Meiller (gest. 1871), dessen gesammten literarischen Nachlaß geerbt, von welchem er einige Theile an gleichstrebende Kräfte abgetreten, während er andere selbst im Druck herauszugeben beabsichtigt. Er hat den Titel Regierungsrath erhalten, ist Mitglied mehrerer gelehrter Akademien und Vereine, seit 1867 Mitglied des gelehrten Ausschusses am germanischen Museum in Nürnberg und wurde mit Diplom ddo. 19. Mai 1876 von Seiner Majestät dem Kaiser in den österreichischen Adelstand erhoben. Director von Zahn ist seit 20. Februar 1876 mit Marie geborenen Freiin von Ardenne (geb. 3. September 1840), einer Tochter des belgischen Generalkonsuls zu Leipzig, vermält.

Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1889. Herausgegeben von Jos. Kürschner (Berlin und Stuttgart, W. Spemann, 32°.) XI. Jahrg., S. 553.
Wappen. Senkrecht getheilt. Im rechten schwarzen Felde drei goldene aufstehende Wolfszähne; im linken goldenen ein schwarzer Sparren. Helmdecken. Schwarz mit Gold unterlegt.