BLKÖ:Zierotin, Friedrich von (gest. 1598)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 60 (1891), ab Seite: 80. (Quelle)
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15. Friedrich (gest. 30. Mai 1598), einer der glänzendsten Kriegshelden des 16. Jahrhunderts, zählt zu den Sternen des Hauses Zierotin. Ein Sohn Pauls aus dessen Ehe mit Elisabeth von Kunowitz auf Ostrau, verlebte er unter Obhut seines Vetters, des Feldmarschalls Karl [S. 86, Nr. 36], seine Tage an den Höfen der Kaiser Karl V., Ferdinand I. und Maximilian II. In allen Künsten des Friedens und Krieges wohlerfahren und gewandt in aller Sitte des großen Lebens, wurde er in männlicher Vollkraft von Ferdinand zum Rathe erhoben und zu mehreren Sendungen verwendet, die er glücklich ausführte. Als nach Ferdinands Tode Johann Siegmund Zápolya, von den Türken unterstützt, den Krieg von Neuem begann, ward Friedrich von Zierotin von Kaiser Maximilian II. zum Kriegsrathe ernannt und mit Lazarus Schwendi, dem erprobten Feldherrn, nach Ungarn geschickt, wo er an den Kämpfen thätigen Antheil nahm. In zwei Feldzügen, in welchen die Vertheidigung von Szigeth durch Niclas Zrinyi das strahlendste Beispiel von Aufopferungsmuth und Vaterlandsliebe bildet, bewährte sich Friedrich in rühmlichster Weise. Dem in Kriegswissenschaften, vornehmlich in der Befestigungskunst Wohlerfahrenen übertrug Kaiser Rudolf II. 1576 den Bau der Festung Neuhäusel (Újvár) im Neutraer Comitate, die gegen die Grenzen Mährens und Schlesiens anderthalb Jahrhunderte ein Bollwerk wider die Türken bildete, bis sie Kaiser Karl VI. 1725 schleifen ließ. 1590 war Friedrich auf dem Landtage zu Prag thätig, ebenso 1593 auf jenem zu Brünn, wo er im Vereine mit dem berühmten [81] Bischof Stanislaw Pawlowsky [Bd. XXI, S. 397 in den Quellen] alle Anstalten traf, dem Einfall der Türken vorzubauen. Er war dreimal vermält: a) mit Magdalena, aus dem reichen ansehnlichen Geschlechte der Zastrzizl, die ihm 1566 der Tod entriß; b) mit der kaiserlichen Hofdame Elisabeth Gräfin Biglia, einer Italienerin, und c) mit Magdalena Slawata von Chlum und Koschumberg, verwitweten Johann Zierotin auf Namiest. Vom Haus aus und durch seine Heiraten war er ein reich begüterter Edelmann, Herr auf Selowitz, Auerschitz, Pausram, Mönitz, einem Theile von Schabnitz und Prerau. Nur aus zweiter Ehe hatte er einen Sohn, der aber im zarten Alter dahinstarb. Mit ihm erlosch die Napajedler Linie, und über seine nachgelassenen Herrschaften entbrannte ein langwieriger Rechtsstreit. Die Anschuldigung, wie sie Hormayr’s „Taschenbuch für vaterländische Geschichte“ (1820, S. 169 u. f.) mit voller Bestimmtheit ausspricht und mit allem romantischen Beiwerk ausschmückt, daß Friedrich, in ungezähmter Begierde nach weiterem Besitz und größerem Reichthum den ihm verschwägerten und kinderlosen Buchlauer Burgherrn Heinrich Zdausky von Zastrzizl durch dessen Waffenträger auf der Jagd habe meuchlings ermorden lassen, verweist der Biograph des Hauses Ritter von d’Elvert in den Bereich der Sage. [Siehe Nr. 13]. Gewiß aber ist es, mit ihm zu seiner Zeit, stand das Haus Zierotin im Zenith seiner Größe, seines Glanzes. Nicht selten erschienen in jenen Tagen mit einem Male 18 Zierotine auf den Landtagen oder bei feierlichen Anlässen, und mehr als ein volles Dritttheil des Landes Mähren war in ihren Händen, die großen Güter in Böhmen und Schlesien ungerechnet. –