BLKÖ:Zsedényi, Eduard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zsembery, Joseph
Band: 60 (1891), ab Seite: 276. (Quelle)
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Zsedényi, Eduard (ungarischer Staatsmann, geb. zu Leutschau in der Zips in Ungarn[WS 1] 18. März 1803, gest. in Pesth 20. Februar 1879). Er ist deutscher Abstammung; seine Vorfahren hießen Pfannschmidt – wie denn dieser Name noch öfter vorkommt – und bekannten sich, soweit die Nachrichten über dieselben zurückreichen, zur evangelischen Kirche. Zsedényi begann seine Studien am evangelischen Gymnasium in Debreczin, legte die philosophischen Curse am evangelischen Lyceum zu Preßburg, die Rechtsstudien an der katholischen Rechtsakademie daselbst zurück. Dann betrat er die öffentliche Laufbahn, wurde Fiscal des Zipser Comitates und als solcher 1831 entsendet, um die durch Cholerafurcht bis zum Aufruhr aufgeregte Bevölkerung der Grenzdistricte zu beruhigen. Schon hatte er sich in solchem Grade das Vertrauen der Bevölkerung erworben, daß er 1833 zum Abgeordneten des Zipser Comitates gewählt wurde. Sein Auftreten fällt fast gleichzeitig mit jenem Franz Deák’s zusammen, mit dem ihn auch bis zu dessen Tode freundschaftliche Bande verknüpften. Er nahm seinen Platz in den Reihen der conservativen Partei und wußte durch seine treffende, scharfe, aber stets vornehme Art der Polemik die Zuhörer ebenso zu fesseln, wie die Redner der Opposition, für welche die leicht begeisterte Landtagsjugend stets Beifallssalven in Vorrath hatte. Mit dem Schluß des Landtags wurde er zum, Secretär der ungarischen Hofkanzlei ernannt. 1845 zum Hofrath und Referenten bei der Hofkanzlei befördert, wirkte er als solcher auf dem Landtage 1847/48. Im Jahre 1848 befand er sich als Hofrath an der Seite des Ministers Paul Fürsten Eszterházy im Ministerium am allerhöchsten Hoflager. Als dann Kaiser Ferdinand mit dem gesammten Hoflager nach Innsbruck ging, folgte er dem Hofe als Mitglied des genannten Ministeriums. In stetem ungezwungenen Verkehre mit Batthyányi und Kossuth blieb er doch der zum Aufruhr ausgearteten Bewegung seines Vaterlandes ferne. In den darauf folgenden Jahren lebte er vom öffentlichen Leben zurückgezogen in seiner Vaterstadt Leutschau, während der Sommermonate aber regelmäßig in Tátra-Füred. Erst 1858 trat er wieder in den Vordergrund, als der Cultusminister Leo Graf Thun das Protestantenpatent erließ und die damit vorgenommene Aenderung der protestantischen Kirchenverfassung von den Ungarn [277] als ein Eingriff in die durch das Gesetz gewährleistete Autonomie der evangelischen Kirche angesehen, dadurch aber eine mächtige Bewegung hervorgerufen wurde, welche dann den Ausgangspunkt der späteren Demonstration für die Verfassung bildete. Nun trat er an die Spitze der Bewegung und erklärte unverhohlen, für seine Kirche selbst mit den Waffen in der Hand einzutreten. Dafür ward ihm auch der Proceß gemacht und er zu achtmonatlichem Gefängniß und Verlust seiner Hofrathspension verurtheilt. Nach Erlaß des Octoberdiploms finden wir auch Zsedényi unter den Begnadigten, und mit seinem Gesinnungsgenossen Nicolaus Baron Vay wurde er an die Spitze der ungarischen Hofkanzlei berufen, aus welcher Stellung er nach Auflösung des 1861er Landtages schied. 1865 trat er wieder ins öffentliche Leben und nahm das Mandat des Georgenberger Wahlbezirkes im Zipser Comitat in den ungarischen Reichstag an, das ihm von nun an kein Gegner streitig machte. Er gehörte zu den maßgebenden Mitgliedern der Deák-Partei, sowie zu den Mitgliedern der Finanzcommission des ungarischen Abgeordnetenhauses. 1875 wurde er als der consequente Vertreter des Sparsamkeitsprincips zum Präsidenten dieser Commission erwählt, und daß diese Wahl gerade auf ihn fiel, war damals nicht ohne politische Bedeutung. Wenige Wochen vor seinem im Alter von 76 Jahren erfolgten Tode, am 22. Jänner 1879, präsidirte er noch in jener Commission. Er war, als er aus dem Leben schied, der Nestor des ungarischen Parlaments. Ein halbes Jahrhundert stand er in bewegten Tagen immer im Vordergrund. Die Meinungen über ihn sind, je nach dem Standpunkt der Parteien, getheilt. Aber glänzende Begabung, umfassendes Wissen, seltene Energie des Willens und Handelns, verbunden mit wirklichem Patriotismus, sind ihm nicht abzustreiten. Eine seiner hervorragendsten Eigenschaften war die Sparsamkeit, nur für wohlthätige, besonders kirchliche Zwecke opferte er jährlich Tausende. Er soll ein Vermögen von drei Millionen hinterlassen haben. Zsedényi war nicht von hoher Geburt, besaß nicht mächtige Familienverbindungen, er war aber selbst eine Macht, die er durch eigene Kraft und durch rastlose eiserne Arbeit erworben hatte und geltend machte. Bis zu seinem Tode bekleidete er das Amt eines Generalinspectors der evangelischen Kirche augsburgischer Confession in Ungarn. Die freilich aus seiner ersten Zeit von Albert Hugo in dessen „Neuem Croquis“ entworfene Charakteristik des Parlamentariers Zsedényi, welche aber auch für seine spätere Zeit, nur mit noch intensiveren Farben, Geltung behielt, wird durch die in der Schrift „Ungarns politische Charaktere. Gezeichnet von F. R.“ stark abgeschwächt, und letztere dürfte bei einem Gesammtbild unseres Staatsmannes doch auch in Betracht zu ziehen sein.

Quellen. Allgemeine Zeitung, 23. Februar 1879, Nr. 53: „Oesterreichisch-ungarische Monarchie“. – Dieselbe (Augsburg, Cotta, 4°.) 1. November 1879, Nr. 305: „Pesth 29. October“. – Borbis (Johannes). Die evangelisch-lutherische Kirche Ungarns in ihrer geschichtlichen Entwickelung u. s. w. Mit einer Vorrede von Dr. Theol. Chr. Ernst Luthardt (Nördlingen 1861, H. C. Beck, gr. 8°.) S. 313, 314, 358, 383, 387, 401, 425, 483. – Helfert (Jos. Alex. Freih. v.). Die Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph I. (Prag 1872, Tempský, gr. 8°.) S. 73, Anhang S. 72, Anmerkung 43. – Hugo (Albert). Neuer Croquis aus Ungarn (Leipzig 1844, Hirschfeld, kl. 8°.) Bd. II, S. 98, 230–235. – Illustrirte Zeitung [278] (Leipzig, J. J. Weber) Band II, 25. Mai 1844, Nr. 48, S. 345. – Janotyckh von Adlerstein (Johann). Die letzten zwei Jahre Ungarns. Chronologisches Tagebuch der magyarischen Revolution, in 3 Bänden (Wien 1851, Sollinger, 8°.) Bd. II, S. 60. – Kákay (Aranyos). Licht- und Schattenbilder zur Charakteristik des ungarischen Landtages. Aus dem Ungarischen (Pesth 1867, Wilh. Lauffer, gr. 8°.) S. 68. – Neue Freie Presse. 1865, Nr. 392: Wien 29. und 30. September: „Zeichen der Stimmung Ungarns“. – Pesther Lloyd, 1860, Nr. 106. – Die Presse, 28. September 1865, Nr. 268: „Zsedényi’s Programm“. – Springer (Anton Heinrich). Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 1809 (Leipzig 1865, Hirzel, gr. 8°.) Bd. I, S. 67. – Ungarns politische Charaktere. Gezeichnet von F. R. (Mainz 1851, Wirth, 8°.) S. 6. – Wirkner (L. v.). Meine Erlebnisse. Blätter aus dem Tagebuche meines öffentlichen Wirkens vom Jahre 1825–1852 (Preßburg 1870, gr. 8°.) S. 63, 116, 214, 237, 236.
Porträt. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der „Neuen illustr. Zeitung“ (Wien, Zamarski, kl. Fol., 1879, Nr. 23, S. 365.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ungara