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BLKÖ:Kortum, Ernst Traugott von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Korytko, Emil
Band: 12 (1864), ab Seite: 471. (Quelle)
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Kortum, Ernst Traugott v. (Staatsmann, geb. zu Bielitz in Oesterreichisch-Schlesien 22. August 1742, gest. zu Lemberg 2. Februar 1811). Die erste Erziehung erhielt er im Elternhause, dann schickten ihn seine Eltern nach Teschen, wo er das evangelische Gymnasium besuchte. Nach beendeten Gymnasialstudien ging Kortum nach Königsberg, wo er die philosophischen und juridischen Studien im 24. Lebensjahre zurücklegte. Dort ließ er sich über seine Fähigkeiten im juridischen Fache prüfen und wurde noch in eben demselben Jahre Referendar beim Königsberger Obergrafen-Amte, in welchem Dienste er bis zum J. 1771 verblieb. Im Jahre 1771 wurde er zum Hofrathe am fürstlich schleswig-holsteinischen Hofe ernannt. Im Jahre 1773 folgte er der Einladung des letzten polnischen Königs Stanislaus Poniatowski, ward daselbst zum geheimen Rathe, und im Jahre 1775 zum geheimen Staatssecretär befördert. Dieses Amt verwaltete Kortum bis zum Jahre 1785, wo ihn Kaiser Joseph II. als Gubernialrath nach Lemberg berief. In dieser neuen Dienstkategorie bewies sich Kortum des ihm geschenkten Zutrauens durch eine 36jährige Dienstleistung in verschiedenen Geschäftszweigen höchst würdig. Im Jahre 1800 ernannte ihn der Kaiser zum wirklichen Hofrathe und Administrator der königlichen Staatsgüter und Salinen in den Königreichen Galizien und Lodomerien. Sein Einfluß und Wirkungskreis auf diesem Posten war eine wahre Wohlthat für Galizien, ein Land, das zu jener Zeit viel wichtige, dringend nothwendigen Einrichtungen und Verbesserungen in der Verwaltung und Manipulation der Staatsgüter, sowie Abschaffung mancher durch Gewohnheit veralteten schädlichen Mißbräuche erforderte. Kortum sorgte auch nach Möglichkeit das Gute zu fördern, Mißbräuche abzustellen und die Untergebenen in treuer und redlicher Pflichterfüllung zu erhalten. Ihm hat Galizien die erste zweckmäßige Forstordnung zu verdanken, indem vor ihm die Waldungen meistens planlos verwüstet und ausgerottet wurden; auf diese Art legte er den ersten Grund zu einer wohlthätigen Einrichtung, die auch für künftige Zeiten den Holzbedarf dem Lande sichert. Seine glänzendste Epoche war das verhängnißvolle Jahr 1809, während der Anwesenheit der russischen Armee zu Lemberg, wo er damals dem Landespräsidium als Chef vorstand. Für seine Verdienste in jener Periode zeichnete ihn der Monarch mit dem St. Stephan-Orden aus. Kortum ward während seiner politischen Laufbahn meistens in wichtigen Geschäftszweigen verwendet. Er war aber in seinem Aeußern zu ungeschmeidig, wenig seiner Politiker, sich seines inneren Werthes zu bewußt, als daß er mit gewandter oder listiger Klugheit jeden Verstoß hätte vermeiden können; so fehlte es ihm nicht an Tadlern, die an dem geraden, redlichen und offenen Manne die hohen Verdienste um den Monarchen und das Vaterland verkannten; doch die Zahl solcher Kleingeister [472] und Widersacher war gering, und mußte der öffentlichen Meinung, die dem biederen Staatsdiener einstimmig Beifall zollte, weichen und vor der allgemeinen Stimme schweigen. Kortum hat als Schriftsteller wenig geleistet, wichtigere Geschäfte hielten ihn von den Wissenschaften, denen er mit warmer Liebe ergeben war, ab; von ihm erschien eine einzige, aber gehaltvolle Schrift im Drucke, betitelt: „Magna charta von Galizien, oder Untersuchung der Beschwerden des galizischen Adels polnischer Nation über die beste Regierung“ (Lemberg 1790). Wie sehr K. die Beförderung des Guten in dem ihm angewiesenen Wirkungskreise am Herzen lag, beweisen die vielen Vorschläge, die er zur Verbesserung der Verwaltung der Staatsgüter und Salinen machte, und die Einrichtungen, die er hierin getroffen, wobei er nie das Interesse seines Monarchen und der Unterthanen aus den Augen ließ. Seine Vorstellung gegen die Erhöhung der Salzpreise in Galizien (im Jahre 1807) schloß er mit folgenden Worten: „Ein Mann, der seit 22 Jahren im Dienste Eurer Majestät grau geworden ist, isolirt und ohne Kinder und Anhang, vielleicht verkannt, aber fest entschlossen, sein äußeres Wohl dem wahren Nutzen des Staates niemals vorzuziehen, hat es gewagt, Eure Majestät in einer Angelegenheit unmittelbar anzureden, die nicht ihn, aber seine Dienstpflichten und das Wohl zweier Provinzen betrifft, auf die er nach diesen Dienstpflichten zu wirken hat. Seine vieljährige Erfahrung gibt ihm einigen Anspruch auf die Präsumtion voller Sachkenntniß, und sein Eid befiehlt ihm, Schaden und Nachtheil nach seinen Kräften vom Staate abzuwenden.“ So war Kortum als Staatsmann. Die Vielseitigkeit seiner Talente und seltener Gaben erhoben ihn zum vorzüglichen Menschen, und er war im wahren Sinne des Wortes ein origineller Kopf. Als Philosoph war er dem Wolf’schen und Leibnitz’schen Systeme zugethan, sowie er auch die Kant’sche Philosophie fleißig studirte. An scholastisch-spitzfindigen Systemen der Philosophie fand er kein Wohlgefallen, und hielt diese übertünchte Finsterniß für Vorboten eines allmäligen Verfalls der wahren Wissenschaft. Bewunderungswürdig war sein seltenes Gedächtniß, das sich durch so viele Sprachkenntnisse beurkundete. Fast mit allen europäischen Sprachen innig vertraut, verlegte er sich in seinen letzten Lebensjahren mit einem besonderen Fleiße auf die ungarische Sprache. Mehrere Sprachen, z. B. die dänische und schwedische, lernte er mit Hilfe einer Grammatik und eines Wörterbuches ohne Sprachmeister. Hiebei beobachtete er die von dem gelehrten Sprachforscher Schlötzer[WS 1] angegebene Methode. Er las, nachdem er sich zuerst aus einer Grammatik mit der Aussprache bekannt machte, die Bibel, theils weil die einfache, natürliche Schreibart derselben am verständlichsten ist, theils weil er mit dem Inhalte derselben am besten bekannt war, und weil man bei Uebersetzungen der Bibel sich am wenigsten Freiheiten erlaubt, und sie so viel möglich treu und wörtlich zu geben sucht. Bei dem ersten lauten Durchlesen eines Buches blieben ihm mehrere Worte im Gedächtnisse, bei dem zweiten einzelne Redensarten und beim dritten und vierten Cursus, wo schon ein brauchbares Wörterbuch zu Rathe gezogen war, hatte er die Sprache in seiner Gewalt.

Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande. Authentische Notizen u. s. w. (Wien 1830, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. I, S. 169. – Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Ant. Doll, 8°.) [473] Jahrg. 1811, Bd. IV, S. 235. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, Anton Strauß, 4°.) Jahrg. 1811, S. 89. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von Ebersberg (Wien 8°.) Jahrg. 1838, Bd. IV, S. 1364. – Stark (Joh. Chr. Ritter v.), Archiv für Geburtshilfe, Frauenzimmer- und neugeborner Kinder-Krankheiten (Jena 1788 u. f., 8°.) Bd. V, Stück 2 (1793) S. 207. [Interessant erscheint daselbst in Hagen’s Selbstbiographie das Urtheil über Kortum, den Hagen damals am Hofe des letzten polnischen Königs Stanislaus Poniatowski antraf. „Hier“, schreibt Hagen, „fand ich einen Freund, es war der geheime Staatssecretär des Königs und hieß Kortum. Dieser Mann war dazumal, vor ungefähr einigen zwanzig Jahren, ein Originalkopf und ein wahres Lexikon. Er konnte beinahe alle europäischen Sprachen fertig sprechen, verstand die Musik und spielte die Harfe mit Gesang meisterhaft. So groß er in Sprachen war, ebenso groß war er als Jurist.“]

Anmerkungen (Wikisource)