Beschreibung des Oberamts Oberndorf/Kapitel B 3

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Die Abtei zu Alpirsbach.
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Alpirsbach,
Gemeinde II. Kl., marktberechtigtes Pfarrdorf mit Bühl, Haus, und Farbmühle, Haus, mit 1202 Einw., worunter 23 Kath. und 2 eig. Conf. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Aichhalden eingepfarrt. 33/4 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt gelegen. Alpirsbach ist der Sitz eines Revieramts, eines Amtsnotars und eines Postamts; auch befindet sich hier seit 1768 eine Apotheke und 2 prakticirende Ärzte wohnen im Ort. Bis zum Jahr 1810 war Alpirsbach der Sitz eines Kloster-Oberamts.[1]


An der Stelle, wo das Alpirsbächle in die Kinzig mündet und wo zunächst das von Norden herziehende herrliche Kinzigthal (Ellenbogerthal) plötzlich in einem beinahe rechten Winkel (Ellenbogen) sich gegen Westen wendet und an dem Wendepunkt das tiefe Aischbachthal sich demselben anschließt, liegt reizend zwischen sehr hohen, bewaldeten Bergen das ansehnliche Alpirsbach, beherrscht von den bedeutenden ehemaligen Klostergebäuden und von der großartigen Klosterkirche. Der schöne, städtisch aussehende Ort ist von Gärten und Obstbaumwiesen freundlich umgeben; durch seinen südlichen Theil rauscht die in zwei Arme getheilte, klare, lebendige Kinzig, durch den westlichen das Alpirsbächle. Die meist stattlichen, oft mit steinernen Unterstöcken und hübsch geschnitztem Balkenwerk versehenen Häuser stehen gedrängt und regelmäßig an den gut gehaltenen reinlichen Straßen; die Hauptstraßen sind gepflastert, die Nebenstraßen chaussirt.

Von den zwei mit Thürmen und Thoren besetzten Mauern, die| ehemals die Klosteranlage schützend umschlossen, ist außer dem gegen Südost stehenden inneren Thore wenig mehr vorhanden; dagegen erhielt sich die Mehrzahl der Gebäude und läßt, trotz vieler späterer Veränderungen, die erste großartige Anlage noch wohl erkennen. Wir beginnen mit der Kirche.[2] Die 1098 den 27. August Sonntags von Bischof Gebhard von Konstanz dem h. Benedikt geweihte Klosterkirche blieb im wesentlichen unversehrt, und das Fehlende läßt sich leicht ergänzen; sie ist in mächtiger Ausdehnung angelegt als dreischiffige Säulenbasilika mit Vorhalle, Querschiff, drei halbrunden Chornischen und einem Glockenthurm am Ende des nördlichen Seitenschiffes. Der Grundriß der Kirche ist sehr klar und regelmäßig. Die Haupt- (Hoch-) Schiffe bilden ein vollständiges lateinisches Kreuz, die Nebenschiffe begleiten das Mittelschiff bis an seine halbrunde Chornische (Abside) und schließen hier ebenso. Beachtenswerth sind die hier vorkommenden einfachen Zahlenverhältnisse: die ganze äußere Länge der Kirche (232′) ist gleich der doppelten äußeren Breite, nämlich der doppelten äußeren Länge des Querschiffes. Die innere Breite des Mittelschiffes (30,6′) ist noch einmal so groß als die innere der Seitenschiffe; die drei hinteren kurzen Kreuzarme sind gleich lang und die innere Länge des Querschiffes (53′) ist gleich der des Hauptarmes; die Breite des Mittelschiffes gibt je 2 Säulenabstände von Mitte zu Mitte; die Vorhalle hat die Breite der ganzen Kirche; ihre Tiefe ist etwas weniger als die Breite des Hauptschiffes (30,6′), wogegen die Tiefe der rings um den Kreuzgang gehenden Klosterräume genau die Breite des Hauptschiffes ausmacht. Die Höhenverhältnisse sind äußerst schlank: die Höhe des Hauptschiffes beträgt 67′, die der Seitenschiffe die Hälfte davon, die ganze innere Breite der Kirche aber 68′. Endlich stimmt die westliche Gesamtlänge der ganzen Klosteranlage (die Westfront der Kirche mitgerechnet) mit der äußeren größten Länge der Kirche. Trotzdem, daß die Wände jetzt ihres schimmernden Farbenschmuckes beraubt und kahl sind und die Decke der Kirche der einer Scheune gleicht, so ist doch, vermöge der Schönheit ihrer Verhältnisse, der Eindruck der Basilika ein bezwingender und erfüllt den Betretenden mit erhabener Ruhe.

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Klosterkirche in Alpirsbach. Grundriss.
| Die Hochschiffe zeichnen sich aus als ein großes lateinisches Kreuz, wo sie sich schneiden stehen vier hohe halbrunde Pfeilerbögen. Das Hochwerk des langen Kreuzarmes ruht auf je sieben Rundbögen und diese auf je fünf Säulen und einem Pfeiler, welcher der Vierung zunächst steht. Die Seitenwände der drei kurzen Kreuzarme sind unter sich ganz gleich gebildet: eine Arkade, ein Rundbogen und dann die volle Mauer. Der Einheit halber ward im Langschiff statt der sechsten Säule auch ein Pfeiler gesetzt. Sämtliche drei Schiffe, die eine prächtige Perspektive gewähren, fanden einst trefflichsten Abschluß in den drei halbrunden Absiden; die beiden südlicheren sind jetzt durch halbachteckige gothische Chöre ersetzt. In der mittleren Chornische, die noch bis zur Höhe von 20 Fußen die ursprüngliche halbrunde ist, befindet sich eine Art offener Krypta, es sind drei halbrunde Nischen, die mittlere davon bedeutend tiefer mit tonnengewölbtem Vorraum; zwei Stufen führen zu ihnen hinab und in ihnen stehen 3 alte Altartische. Die dritte, die nördliche Abside ist ganz verschwunden; auch die beiden hohen Rundbögen, auf denen der Thurm ruht, und an denen äußeren sich die Abside lehnte, wurden zugemauert; auf der andern Seite sind sie noch erhalten. Daß hier auch ein Thurm beabsichtigt war, ist schon der geringeren Mauerdicke wegen, nicht anzunehmen. Die Säulen des Langschiffes sind, wie alles in dieser Basilika, im großartigsten Geiste behandelt; sie haben gewaltige attische Basen von steilen Wulsten mit scharfen Eckknollen; die schönverjüngten Schäfte bestehen aus Einem Stein (Buntsandstein); die Kapitelle sind einfache Würfelknäufe von trefflichem Verhältniß und herrlicher Schattenwirkung. Je die fünfte Säule trägt einen reich mit Drachen, Masken und Ornamenten verzierten Knauf. Am Fuße der rechtsstehenden fünften Säule hocken vier grauenhafte, theilweise verstümmelte Gethiere, von denen eines Flügel zeigt; vielleicht sollen es vier Evangelistensymbole sein. Am Fuß der gegenüberstehenden Säule liegen vier Affenköpfe mit Krallen. Zwischen beiden Säulen stand einst der große, auch ganz mit urthümlichem Bildwerk umgebene Taufstein, der sich jetzt in der Kirche zu Freudenstadt befindet, aber nun wieder an seine alte Stelle zurückversetzt werden soll (s. Oberamtsbeschr. von Freudenstadt. S. 141 ff.).

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Über den ganz ungegliederten Halbkreisbögen der Arkaden zieht sich genau in der Mitte der ganzen Höhe ein hübscher Fries hin, gebildet aus rautenförmigen, abwechselnd rothen und weißen Sandsteintafeln. Schlichte Rundbogenfenster durchbrechen in der Höhe die jetzt kahlen, weißen Wände der Neben-, Lang- und Querschiffe und geben ein sanftes Licht. In der Westwand öffnet sich über dem Friese eine| Empore von zwei großen, je durch eine Knaufsäule getheilten Rundbogenöffnungen; an der Nordostecke der Vierung ist eine ähnliche Empore.

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Ehe wir die sonstigen, meist aus späterer Zeit stammenden, Einzelnheiten des Innern besprechen, betrachten wir die Kirche von außen. Das ganze Gebäude zeigt sorgfältigen Buntsandstein-Quaderbau und entging glücklicher Weise einem alle Wirkung zerstörenden Bewurfe. Die Nordseite erlitt die wenigsten Veränderungen, nur ein großes, spätgothisches Spitzbogenfenster ist hier in die Seitenschiffwand eingebrochen, sonst sind noch überall die alten schlanken Rundbogenfenster erhalten. Aus der weiten Hohlkehle des Dachgesimses des Seitenschiffes ragt ein langbärtiger Kopf heraus. Großartig einfach sind die Arme des Querschiffes behandelt, ganz schlichte Quaderwände mit je zwei ziemlich nahe zusammengerückten Rundbogenfenstern in der Höhe. Die Ansicht der Ostseite bildet eine herrlich malerische Gruppe, und läßt die Schönheit der ursprünglichen Anlage mit den drei Absidenhalbrunden noch wohl ahnen. Die Steingiebel, sowie das ganze Kirchendach wurden in gothischer Zeit erhöht; der ursprüngliche rechtwinkelige Giebel ist noch sichtbar am südlichen Querschiff und zeigt hier ein tief eingeschrägtes romanisches Vierblattfenster. Der hier am Ende des nördlichen Seitenschiffes stehende Thurm hat sechs Geschosse und steigt mit vier derselben hoch über den Körper der Kirche hinaus. Der von unten herauf ganz glatte Thurm hat im dritten Stockwerk Wandbänder und einen großen, auf Konsölchen ruhenden Rundbogenfries, am vierten und fünften Stock nur Wandstreifen. Die einzigen größeren Fenster sind im fünften Stock, es waren romanische von einem Säulchen getheilte Rundbogenfenster, die durch spätgothische ersetzt wurden; die alten Bogensteine sind noch innen in diesem Thurmstockwerk eingemauert. Das letzte Geschoß ist ganz gothisch und trägt ein Satteldach mit zwei Staffelgiebeln. Um das Jahr 1400 muß eine durchgreifende Wiederherstellung der Kirche stattgefunden haben, damals wurden, weil der Thurm baufällig war, die hohen Rundbögen, auf denen er ruht, zugemauert, und zwei Strebepfeiler gegen seine nördlichen Ecken geführt; an dem mit hoher Steinblume bekröntem Giebel des nordöstlichen Strebepfeilers ist ein Wappenschild angebracht: der Abtstab mit Sternchen. Die an den Thurm gelehnte Abside ward ganz abgerissen, die mittlere zur Hälfte und darauf ein halbachteckiger Chor gesetzt, dessen zwei Strebepfeiler auf frei neben der Abside stehenden Säulenschäften ruhen. Diese Säulenschäfte sind romanischen Stils; ob sie von jeher hier standen und auf Kapitellen einst freie Statuen| trugen, oder ob der spätere Baumeister sie sonst vorfand und hier sinnvoll benützte, ist nicht mehr zu entscheiden; doch scheint das letztere das richtigere. Die südliche Abside ward ums Jahr 1482 durch ein spätgothisches Chörchen ersetzt; der kräftige Sockel der nördlichen erhielt sich, wie auch die Wandsäulen mit Maskenkapitellen, die am Zusammentreffen der drei Absiden stehen. An der Südostecke des südlichen Seitenschiffes ragt vom alten Dachgesimse noch ein großer wagrechter Traufstein heraus, worauf in flacher Arbeit ein Löwe mit Menschenkopf ausgemeißelt ist.

An die Südseite der Kirche baut sich das Kloster an, und weiterhin die Sakristei, letztere errichtet in jenem prächtigen Übergangsstile, den wir an der Vorhalle der Kirche zu Maulbronn bewundern. Schlanke Bündelpfeiler tragen auf herrlichen Blätterkapitellen die zwei kraftvollen Rippenkreuzgewölbe, deren Schlußsteine wieder prächtige Blätterkränze zeigen; kleine rundbogige Doppelfenster durchbrechen die südliche Wand, in der östlichen sitzt jetzt ein spätgothisches Fenster. Eine schöne Kleeblattthüre führt aus dem südlichen Nebenschiff in die Sakristei.

Die im Westen stehende Vorhalle ist eine schlichte Pfeilerhalle, mit drei Rundbogen gegen Westen, einem jetzt vermauerten gegen Norden, und hatte von jeher, gleich der Kirche, eine flache Balkendecke. Jetzt ist tiefer unten als die ursprüngliche Decke ein sehr störender Heuboden eingezogen. Durch die Rückwand der Vorhalle führt das zweimal sich eintreppende Hauptportal in wahrhaft bedeutendem Sinne angelegt und mit den Leisten der Wand zusammengestimmt. Sein Halbrundfeld ist erfüllt von einem höchst merkwürdigen Relief: Christus Weltheiland, jugendlich dargestellt, in der Mandorla (dem mandelförmigen Heiligenschein), auf dem Regenbogen thronend, die Erde ist seiner Füße Schemel, er segnet mit der Rechten und hält mit der Linken ein großes Buch (das Evangelium) auf dem Knie. Die Mandorla wird getragen von zwei großen herschwebenden Engeln mit langen Flügeln; etwas weiter unten knieen zwei kleinere Gestalten in Klostertracht, nach Stillfried Graf Adalbert von Zollern und seine Gemahlin Irmengard; die Bewegungen der Gestalten sind ernst und feierlich, die Gewänder ganz fein gefältelt. Rings um das Bildwerk, das eines der wenigen frühromanischen unseres Landes ist, läuft ein Ornamentstreifen und im Bogen umher steht: EGO SVM OSTIVM DICIT DOMINVS PER ME SI QVIS INTRAT SALVABITVR. Am Bildwerke sind noch Spuren von Bemalung, wie auch die Eintreppungen des Portals mit farbigen Ornamentgeschlingen belebt waren;| aber nicht bloß hier, überall an den feingefugten Quaderflächen zu Seiten des Portals erscheinen bei aufmerksamer Betrachtung Heiligengestalten, in Reihen über einander stehend, auch mit der strengen feierlichen Haltung und Gewandung des romanischen Stils. Man denke sich dazu noch die alte vergoldete Holzdecke, so war einst diese Halle, die jetzt einen kahlen Eindruck macht, ein prächtiger Raum, eine würdige Vorhalle für die großartige Basilika. Von höchster Bedeutung ist endlich noch die das Portal verschließende große Flügelthüre; sie hat herrliche romanische Beschläge und Thürklopfer aus Erz (2 Löwenköpfe.) Über dem Portale hängen an Ketten fossile Übelreste eines Mamuth, ein Zahn und ein Hüftknochen; die Thüre selbst war und ist noch zum Theil mit der Haut eines Rhinoceros überzogen. Der Sage nach sind es die Knochen, das Horn und die Haut eines riesigen Ochsens, der die Säulenschäfte der Basilika herbeizog [3] und beim letzten Steine todt niederfiel. Das Äußere der Vorhalle ist stark verändert; statt des ursprünglichen, mit denen der Seitenschiffe zusammengehenden Pultdaches ward in gothischer Zeit die Vorderwand noch ziemlich hoch hinaufgebaut; hier sind jetzt über den Arkaden eingesetzt die großen schöngearbeiteten Wappen von Württemberg, Fürstenberg, Hausach; ferner das thronende Bild des h. Benedict und das Bild eines Abtes mit dem Wappenschilde derer von Haag.

Im Innern der Kirche ist bemerkenswerth:

1. gleich beim Hereintreten finden sich höchst merkwürdige, sehr alte, wohl noch aus romanischer Zeit stammende Sitzbänke, sie bestehen aus lauter aus Holz gedrehten Stücken und machen den Eindruck von Flechtwerk.

2. Weiter innen, im südlichen Seitenschiffe, stehen hübsche gothische Chorstühle, stark beschädigt, an der Brüstung eines Stuhles ist das hausachische und das zollerische Wappen angebracht, ferner eine weibliche Figur mit einem Löwen spielend, und dazwischen auf einem Spruchbande steht: Anno domini 1493 in die martini und an der Schmalseite der Brüstung das Monogramm des Holzschneiders H M. mit einem Meisterzeichen zwischen beiden Buchstaben.

3. Die Kanzel, ihr spätgothischer steinerner Stamm ist al fresco bemalt mit den Gestalten des Petrus, Johannes d. Ev. und Jakobus d. Ält.; die steinerne spätgothisch durchbrochene Brüstung der Treppe schmückt das Alpirsbacher Wappen; an ihrem Anfang steht 1609.

4. Im nördlichen Querschiffe befindet sich der große Hochaltar,| ein Flügelaltar, aus dem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts stammend. Auf seiner jetzt leeren Predella, die schöne netzgewölbte Nischen bildet, stehen die großen trefflich in Holz geschnitzten Gestalten der Maria, Gott Vaters und Christi, daneben die zweier Bischöfe; einer davon ist der heil. Nikolaus. Darüber baut sich ein luftiges stark verstümmeltes Baldachinwerk hoch empor; die Altarflügel sind braun in braun gemalt und erinnern auch sonst an die Weise des Italieners Mantegna; innen ist auf den Flügeln der englische Gruß und Maria und Elisabeth in gutem Stile dargestellt und noch vollkommen erhalten; die Außenseite der Flügel zeigt die Geißelung und die Dornenkrönung ziemlich roh gemalt.

Die herrlichen Glasmalereien der Kirche wurden muthwillig zerstört; im mittleren Fenster des gothischen Hauptchores sind noch einige Bruchstücke eingesetzt, darstellend zwei Stifter, welche Kirchenthürflügel tragen, ferner die Evangelistensymbole Adler und Stier mit Büchern; sie stammen dem Stile nach aus der Zeit der Erbauung dieses Chores (um 1400). Dann die 4 runden Scheiben, die sich jetzt im K. Alterthumsmuseum in Stuttgart befinden, ein Geschenk des früheren Besitzers, des Bauern Joh. Kilgus in Schömberg.

Sie stellen vor:

1. das altwürttembergische Wappen mit 4 Feldern, auf 2 derselben die Hirschhörner, auf den 2 andern die Fische, oben das Hifthorn.

2. Ein einfacher Wappenschild mit einem Fische, darüber ein weißer Stern; als Helmbusch eine Abtsmütze mit Abtsstab, 2 Cherubine als Schildhalter (Neuneck).

3. Ein gelber Schild mit rothem Andreaskreuz, auf dem Schild ein stahlfarbener Helm und als Helmbusch ein rothes und ein blaues Büffelhorn, zwischen beiden ein weiblicher Kopf. (Das Wappen von Alpirsbach.)

4. Ein goldner Schild mit einem schwarzen Bracken, dessen rechter Vorderlauf und dessen Halsband silbern ist, auf dem silbernen Helm als Helmbusch das Vordertheil eines Bracken.

Die Orgel, im Westen stehend, ist 1836 von den Brüdern Engelfried in Rottenburg und Mühringen verfertigt.

In der Kirche befinden sich an der nördlichen Wand Grabsteine von Äbten mit folgenden Inschriften:

1. Cunradus Abbas.


Vos qui transitis per me quid discite sitis
Sum quod vos critis fueram quandoque quod estis.
Martius internus denis finisse Calendis
Fertur praesentem spe meliore patrem.

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02. Ein Grabstein mit einer Inful, die Inschrift unleserlich.
03. Dormit Eberhardus pater hic in pace beatus
Ictibus ereptus necis est ad sidera vectus.
04. Anno dni 1414 in die Lucae obiit Hainricus Abbas dictus Haugg.
05. Anno millesimo quadringentesimo nonagesimo quinto 16 Kal. Junii obiit reverendus in Christo pater ac Dominus Jeronimus hujus monasterii Abbas.
06. Anno Domini 1479. 18. Kal. Maji obiit Dnus Georius hujus monasterii de primis reformatoribus Abbas pius.
07. Anno Domini 1505 d. 17. Febr. obiit Dnus Gerhardus Münzer hujus loci Abbas.

Ferner sind zu erwähnen Grabsteine mit den Inschriften:

08. An St. Barbla Tag starb die ehrsame Frow Dorothea Frigin, der Gott gnedig sey. Anno Domini 1550.
09. Hier ligt begraben der Edel und Vest Volmar, derzeit der letzt von Brandeck mit samt seinen beiden Hausfrawen, denen Gott gnedig und barmherzig sey. Amen. 1521.
10. R. P. F. Maurus, S. Benedicti Monachus Ochsenhusanus, hic Alpirsp. Oeconomus captus et raptus est peste anno Christi 1636. 13. Jan. aetatis suae LVII. professionis suae sacerdotii X.

Vor dem Chore:

11. Anno 1638 20. Sept. pie obiit Rmus D. Dnus Casparus, primus hujus a Ferdinando II Romanor. Imperatore restituti Monasterii Abbas, vir pietate, doctrina et consilio magnus.
12. Sub hoc saxo requiescit in pace et spe beatae resurrectionis Doctor Theolog. Johannes Grafftius Professor Tübingae Philosophus per VII Lustra studiosa juventute bene meritus Denomin: Coenobii in Alpirspach per VI annos praes. et Abbas natus Mengeringhusae in Principatu Waldeccensi anno 1618. mortuus in Domino hic Alpirspaci anno 1695 d. 30. Januarii.

In der Sakristei eine Grabplatte:

Anno Domini MCCCXXXVII. II. Idus Augusti obiit Waltherus Abbas strenuus.
Vor der Sakristei befindet sich an der Wand noch der Grabstein, den der überlebende Bruder dem Leonhardo Sturm, Argentinensi,| Sacerdoti et Monacho integerrimo setzte; er starb 14. Okt. 1506.

Auf dem Boden:


Sub saxo hoc Jani requiescunt ossa Jacobi
Stolzi, cui lucem prima Blabyra dedit,
Tres annos vivens et bis duo lustra peregit
In terris, sed nunc regnat in arce poli.
In terris, sed nunc 1626.

Vor dem Frohnaltar, sagt die Zimmerische Chronik, liegt Gottfried Herr von Zimmern bestattet und seine Gemahlin, die Herzogin von Teck; die Herren von Oberndorf und Waseneck (Herzoge von Teck) liegen dort auch begraben. Nach Stillfried werden ferner „die Gebeine Albrechts von Zollern in der Krypta hinter dem Hauptaltar bestattet sein: denn er wurde als Hauptwohlthäter der Abtei geehrt, und da nach Analogie der verschiedenen Denkmale mit den Wappen der Stifter, und nach der Stiftungsurkunde, Albrecht von Zollern immer in der Mitte zwischen denen von Hausach und von Sulz erscheint, so werden wir nicht irren, wenn wir sein Grab in der Mitte und zur Rechten und Linken der Grabstätte Albrechts die Grabstätte des Rutmann von Hausen und Alwigs, Grafen von Sulz suchen.“

Von den Glocken auf dem Thurme stammt die sehr große, der Schrift und auch der Pflanzenverzierung an den Henkeln nach, vielleicht noch aus romanischer Zeit, sie hat in lateinischen Majuskeln die Inschrift:

me. resonante. deus. fugiat. stigis. hinc. abieus.
atque. procul. pelle. vim. grandinis. atque. procelle.

Die zweitgrößte, mit schönen flachen Blumengewinden verzierte, ist 1788 von Neubert in Ludwigsburg gegossen; die dritte Glocke hat in lateinischen Majuskeln die Umschrift:

matheis. marxus. lauxus. iohans. ambrosius. 1550.

In der Sakristei findet sich ein altes kupfernes Opferbecken, auf dessen Boden der englische Gruß in getriebener Arbeit dargestellt ist.

Die Unterhaltung der Kirche hat der Staat.

Das Kloster. Von der ursprünglichen Anlage des Klosters, die denselben Umfang hatte, wie das jetzige, erhielten sich gegen Osten die Umfassungsmauern des ersten Stockwerks, gegen Süden Theile von ihnen. Gerade an das südliche Querschiff stößt der alte Kapitelsaal; gegen außen hat er ein großes romanisches Thor mit Flachbogen, gegen innen, gegen den Kreuzgang, einen schlichten rundbogigen Eingang, zu dessen Seiten zierlich strenge Arkadenfenster mit zwei| der Tiefe nach gestellten Säulchen die Mauer durchbrechen. Die Formen dieser Theile weisen entschieden auf die Zeit der Gründung zurück. Der alte Kreuzgang muß einst ähnliche Fenster gehabt haben, wie die vielen Bogensteine, die in dem jetzigen Kreuzgang eingemauert sind, beweisen. Dieser ward zwischen 1480–1490 in dem reichen, kecken ausschweifenden Geschmacke jener Zeit erbaut und zeigt prächtige wechselnde Netzgewölbe, ist aber jetzt zum Theile schrecklich verwahrlost. Auf seinem westlichen Flügel, der sich seit 1819 in Privathänden befindet, sind die herrlichen Gewölbe herabgestürzt, dagegen die reichen Maßwerke der Fenster noch vorhanden. Der an die Kirche hinlaufende Arm des Kreuzgangs erhielt sich am besten, sein zweites Stockwerk ist zu einem Emporenstock ausgebildet, der sich gegen die Kirche in Spitzbogen-Arkaden, gegen Außen in gefüllten Fenstern öffnet; schlichte Strebepfeiler stützen beide Stockwerke. Am siebenten seiner schönen Schlußsteine ist das Wappen der Herren von Neuneck und 1494 angebracht. Eine sehr reiche Stabwerksthüre führt hinaus in den einfachen Durchgang. Die Füllungen sind an diesem Arme, wie auch zumeist an dem östlichen und nördlichen Flügel herausgeschlagen; der östliche hat zwei schöne Pförtchen, eines gegen außen mit einem Engel, der ein Band hält, worauf 1483 steht; das andere zeigt die drei Wappenschilde der Stifter mit der Inschrift: Insignia fundatorum. Besonders schön ist das Netzgewölbe der Südostecke. Das Stockwerk über dem Kreuzgang hat außer dem Emporenstock einfache rechteckige Sprossenfenster.

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Das Äußere des Klosters erlitt vielfache Veränderungen; so brannte z. B. die Südwestecke vor einigen Jahrzehnten nieder und ward ganz einfach wieder aufgebaut. An der Westseite, nahe der Kirche, tritt ein hübscher, halbachteckiger chorartiger Anbau vor, dessen zweites Stockwerk mit einem zierlichen Netzgewölbe gedeckt ist; an der Ecke seines Dachgesimses sind angebracht die Wappenschildchen der drei Stifter und des Andreas von Neuneck († 1513). Weiterhin sind an dieser Seite eingemauert die großen, sehr schön gearbeiteten Wappen der von Irslingen, Sulz, Zollern, Hausach, dann das Bild eines Abtes und der Wappenschild derer von Enzberg. Auf dem darüber hinlaufenden Schutzgesimse steht die nur zum Theil noch leserliche, gleich den Wappen aus dem 14. Jahrhundert stammende Inschrift: Bruno Abbas construx. istud. edific. .... Über einer Spitzbogenthüre derselben Seite steht 1489. Auf der Südseite sind noch hübsche gerade dreitheilige Sprossenfensterchen und die zwei großen, auch geradgestürzten, spätgothisch gefüllten Fenster des Dormentes zu sehen;| nahe der Südostecke findet sich noch ein frühgothisches Doppelfensterchen, und an einer steinernen Inschrifttafel steht hier: Anno Domini 1482 renovata est haec structura Abbate Jeronimo regente ingente observantia.

Von den Klosterräumen ist noch ziemlich viel erhalten; im südlichen Flügel das Dorment mit den Zellen zu beiden Seiten, eine davon hat noch die alte Bemalung, hübsches gothisches Pflanzengeschlinge. Auch das Dorment mit seiner flachen Holzdecke zeigt noch Spuren von Bemalung. Daneben liegt der große Konventsaal, ein rechteckiger Raum mit leichtgesprengter Balkendecke; in seiner nordöstlichen Ecke steht ein großer steinerner kreuzgewölbter Baldachin. Auf den Fußböden dieser und anderer Räume erhielten sich schöne Fliese.

Das Kloster ist jetzt zum größten Theil in Privathänden und dient zu Stallungen, Scheunen u. dgl. An der Ostseite des Klosterviereckes, da wo es an das Querschiff der Kirche stößt, war früher die Bibliothek angebaut, eine prunkvolle, mit reichen Netzgewölben überspannte, spätgothische Halle. Vor etwa dreißig Jahren wurde sie auf den Abbruch verkauft. Auch ihre Fenster waren mit trefflichen Glasmalereien geschmückt. Eines davon stellte den Abt Jeronimus († 1497) mit einer Unterschrift vor. An der Südostecke des Klosters steht der alte Klosterspeicher, noch aus der Zeit der ursprünglichen Klosteranlage stammend und ein Bauwerk von hohem Werthe. Er ist ganz aus trefflichen, häufig mit Steinmetzzeichen versehenen Buntsandsteinquadern aufgeführt und hat gar zierliche, tief eingeschrägte Rundbogenfensterchen. Am westlichen Anfang seines südlichen Giebels liegt ein großer Widderkopf; am nördlichen lag ein gleicher. Das Gebäude ist auch in Privathänden und steckt jetzt auf der Seite gegen den Klosterhof tief im Boden. Gegenüber der Westseite des Klosters steht ein nicht minder wichtiger Bau, die sogenannte Burg, ein sehr altes Steinhaus, das einst die Wohnung der Schirmherren des Klosters war; gegen Norden hat es eine rundbogige Pforte, von Buckelsteinen umfaßt, und in der Höhe eine Reihe jetzt verstümmelter, einst prächtiger Doppelfenster mit gedrückten romanischen Spitzbögen; sein oberstes Stockwerk ist jetzt von Holz. Das einst mit Mauer und Graben umgebene Gebäude wird von Privatleuten bewohnt. Ein runder Thurm, der bei seiner gegen Westen gekehrten Ecke stand, wurde vor einigen Jahren abgetragen. Südlich und westlich von dieser Anlage bestand bis vor Kurzem ein kleiner Weiher.

Zu bemerken ist noch der bei der Vorhalle stehende, an das| Forsthaus nördlich angebaute Thurm, der einst an der Westseite der sogenannten alten Kirche stand; er hat ein schlichtes romanisches Portal und innen ein altgothisches Rippenkreuzgewölbe mit einem Rosetten-Schlußstein. Gegen Osten, wo die Kirche angebaut war, ist jetzt der große doppeltgewölbte Rundbogen vermauert. Dem Stile des Portales nach ist der Thurm so ziemlich gleichzeitig mit der Hauptkirche erbaut. Gegenwärtig dient sein unteres Stockwerk als Pferdestall.

Der Begräbnißplatz wurde schon im vorigen Jahrhundert außerhalb (südwestlich) des Orts angelegt.

Das dreistockige, massiv von Stein erbaute Pfarrhaus, welches Eigenthum des Staats ist, steht hinter dem ehemaligen Kloster und war ursprünglich das Klosterbadhaus; nach Aufhebung des Klosters wurde es namhaft vergrößert und zu seinem gegenwärtigen Zweck eingerichtet.

Vor der Kirche steht das ehemalige ansehnliche Oberamteigebäude, im ersten Stock befindet sich die Realschule und die Wohnung des Reallehrers, im oberen die Revierförsterswohnung. Vor dem Gebäude ist ein freier Platz, beschattet von der großgewachsenen, ehrwürdigen Klosterlinde. Im Forstgarten steht eine ziemlich große, achteckige Brunnenschale aus gothischer Zeit.

Das zweistockige Rathhaus, ein stattliches und sehr hübsches, im Renaissancestil errichtetes Gebäude, dessen unteres, aus Stein erbautes Stockwerk kräftige, rundbogige Pfeilerarkaden hat, zeigt im oberen Stockwerk einfach-zierlichen Holzbau. Eine an den Arkaden angebrachte steinerne Tafel enthält folgende Inschrift:

Ex mandato serenissimi principis Christophori Ducis Würtembergiae locatae et aedificatae sunt aedes praetorii per Oeconomum M. Conradum Maier Anno 1566.

In der Rathsstube steht ein sehr schöner Rococotisch. Das Rathhaus war früher zugleich Wirthshaus; im Jahr 1596 war Andreas Haas Wirth auf dem Rathhaus und noch 1724 war Joh. Jak. Schrey Hirschwirth auf dem Rathhaus.

Das 1835 ganz neu erbaute Schulhaus enthält 3 Lehrzimmer und die Wohnung des ersten Schulmeisters und des Lehrgehilfen; der zweite Schulmeister wohnt in dem der Gemeinde gehörigen früheren Kameralamtsgebäude, in demselben befindet sich auch die lateinische Schule mit einem Lehrzimmer und die Wohnung des Kollaborators.

Das Postamtsgebäude steht in der Hauptstraße unfern des Gasthauses zum Löwen.

| Ein Gemeinde-Backhaus und ein Waschhaus, sowie ein 1866 massiv erbautes Schlachthaus sind vorhanden.

Arme alte und gebrechliche Leute werden in einem Wohngebäude untergebracht.

Gegenüber der ehemaligen Oberamtei steht das sog. alte Schloß, dessen massiver Unterstock über dem spitzbogigen Eingang einen unkenntlich gewordenen Wappenschild hat; innen befindet sich im unteren Stockwerk ein mit einem Rippenkreuzgewölbe überspannter Raum, auf dem Schlußstein desselben ist die Jahreszahl 1608 angebracht, die jedenfalls aus neuerer Zeit als der Bau selbst stammt; im oberen Stockwerk unterstützt eine steinerne Säule mit einem Wappenschilde die alte getäfelte Decke.

An der Ringmauer zunächst des ehemaligen Kloster-Fischweihers stand ein runder Thurm, ein weiterer in dem Abteigarten brannte 1809 aus und wurde 1811 abgetragen. Er hatte die Inschrift: Anno Domini millesimo quingentesimo tertio de novo constructa et locata est haec turris auctore Domino Gerhardo Muinzer fortuno hujus monasterii Abbate.

Dem Rathhaus gegenüber steht das ehemalige Klosterwirthshaus zum Kreuz; an demselben ist das Klosterwappen mit der Inschrift: Alexius Abbas 1520 angebracht.

Sehr gutes Trinkwasser liefern stets in Fülle 20 laufende Brunnen, die meist in hölzernen Deucheln hergeleitet werden; auch die Markung ist sehr reich an vortrefflichen Quellen, unter denen die Burghaldenquelle im sogenannten Botenloch und die Reuthinerbergquelle die bedeutendsten sind. Mehrere periodisch fließende Quellen, sogenannte Seltenbrunnen, kommen vor.

Überdieß fließen über die Markung und zum Theil durch den Ort: die Kinzig und der Aischbach, die sich einige 100 Schritte oberhalb Alpirsbach vereinigen; oberhalb der Vereinigung fließt der Bruckbach in den Aischbach und unterhalb derselben mündet das Alpirsbächle in die Kinzig. Die beiden letzteren treten zuweilen verheerend aus.

Von den 7 mit Fischen besetzten Seen und Weihern, welche zum Kloster gehörten, besteht nur noch der 11/2 Viertel Morgen große Kloster-Fischweiher innerhalb der ehemaligen Ringmauer gelegen; nach dem Landbuch von 1624 bestanden überdieß noch: 1) der 1/2 Morgen und 31 Ruthen große Metzgrabenweiher an des Klosters Ringmauer, 2) der zunächst am Kloster gelegene 2 Morgen 42 Ruthen große Pfisterweiher, 3) der 161/2 Morgen 32 Ruthen große Aichhalder| See, zwischen Röthenberg und Aichhalden, 4) der 61/2 Morgen große Hönweiler See, 5) der 3 Morgen große Loßburger See bei Loßburg, O.A. Freudenstadt, und 6) der Hausener See, 17 Morgen im Meß haltend, auf dem Heuberg zwischen Hausen und Wehingen; sie sind sämtlich längst trocken gelegt und meist in Wiesengrund umgewandelt.

Den Verkehr vermitteln Staatsstraßen nach Oberndorf, bezw. Sulz, nach Freudenstadt und das Kinzigthal hinab nach Röthenbach und weiter in das Badische nach Schiltach etc. Von letzterem Ort das Schiltachthal hinauf nach Schramberg, wo die Straße wieder auf württembergisches Gebiet kommt. Vicinalstraßen führen nach Reuthin, Reinerzau und Romishorn und von da zu den 24 Höfen.

Über die Kinzig führen 2 steinerne und 2 hölzerne Brücken und 2 Stege, über das Alpirsbächle 2 steinerne Brücken; im Ganzen sind 6 Stege auf der Markung. Die Unterhaltung hat die Gemeinde.

Die Einwohner zeichnen sich weder durch körperliche Vorzüge noch Gebrechen aus; über 80 Jahre zählen gegenwärtig nur einige Ortsangehörige; es herrscht unter ihnen im allgemeinen Fleiß, Betriebsamkeit, Sparsamkeit und kirchlicher Sinn, übrigens liegt in ihrem Wesen etwas Keckes, leicht Erregbares.

Die Haupterwerbsquellen bestehen in Gewerben, unter denen die Schuhmacher, Schneider, Bäcker, Metzger und Weber am stärksten vertreten sind und viel nach außen arbeiten; Rothgerbereien sind 6, zum Theil sehr bedeutende, vorhanden, sie setzen ihre Waren größtentheils auf Messen und Märkten ab. Die Linnenspinnerei für den eigenen Bedarf ist allgemein. Ein nicht unbedeutender Verdienst erwächst den ärmeren Kindern aus dem Strohflechten, das für die Strohmanufaktur von P. Haas u. Co. in Schramberg getrieben wird. Ferner besteht hier eine mechanische Wollspinnerei, eine Ziegelei und 2 Mühlen nach neuester Einrichtung, die Pfistermühle und die Bruckmühle, jede mit 2 Mahl- und 1 Gerbgang, die Pfistermühle enthält auch noch eine Malzschrotmühle.

Schließlich sind hier noch 4 Lohmühlen, von denen eine mit Dampf und 3 mit Wasser getrieben werden, und 2 Sägmühlen zu nennen.

Steinbrüche, im Buntsandstein und Granit, für Bau- und für Mühlsteine sind genügend vorhanden und decken das örtliche Bedürfniß. Auf Silber- und Kobalterze wurde früher eifrig Bergbau getrieben (s. hier. den allgemeinen Theil Abschn. „Gewinnung von Mineralien“).

| Acht Schildwirthschaften, worunter 6 Bierbrauereien und 10 Kauf- oder Kramläden, bestehen.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind befriedigend; der begütertste Bürger hat 50 Morgen Grundbesitz, worunter 24 Morgen Wald, der Mittelmann 5–10 Morgen, die ärmere Klasse oft bloß 1/41/2 Morgen. Einige Ortsbürger besitzen auch Güterstücke auf den Markungen von Reuthin und der 24 Höfe; 20 meist arbeitsunfähige Personen oder Kinder armer Eltern erhalten gegenwärtig Gemeindeunterstützung.

Die mittelgroße, von West nach Ost in die Länge gedehnte Markung, deren weit größter Theil dem Waldbau dient, ist mit Ausnahme der schmalen Thalebenen, sehr uneben, gebirgig und nur die Vorsprünge, die sich am Fuß der hohen Steilwände gebildet haben, zeigen auf ihren Anhöhen unbedeutende Flächen, während ihre Abhänge ebenfalls meist steil, und daher schwierig zu bebauen sind. Der im allgemeinen mittelfruchtbare leichte Boden besteht größtentheils aus den rothsandigen Zersetzungen des Buntsandsteins, der jedoch mit wenig Ausnahmen mit Wald bestockt ist; die für den Feldbau benützte Fläche gehört meist den Zersetzungen des Granits an; diese erscheinen hauptsächlich an den kleinen, vielfältig getheilten Vorsprüngen gegen die Thalebene der Kinzig hin.

Das Klima ist im allgemeinen mild und gestattet den Anbau von Obst und feineren Gewächsen; auch die Traube reift in günstigen Jahrgängen an den Kammerzen. Den Sommer über ist es zur Tageszeit öfters sehr heiß, des Nachts dagegen meist kühl und im Frühjahr stellen sich nicht selten schädliche Fröste und Nebel ein. Heftige Winde sind sogar in den Thälern häufig. Die Luft ist wegen der balsamischen Ausdünstung der nahen und weitgedehnten Waldungen rein und gesund. Hagelschlag kommt sehr selten vor, weil auf der südlichen Seite des Kinzigthals der Reuthiner Berg, auf der nördlichen das sogenannte Bettelmännle Wetterscheiden bilden.

Die Landwirthschaft wird so gut, als es die natürlichen Verhältnisse erlauben, getrieben; der Ackerbau ist verhältnißmäßig nicht ausgedehnt und wegen der bergigen Lage mühsam und der Reinertrag wegen des bedeutenden Kulturaufwands auch in günstigen Jahren nicht groß. Dem Boden, der vorzugsweise mit dem Wendepflug und mit der Hacke bearbeitet wird, sucht man neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch durch Kompost und Asche nachzuhelfen. Eine dreiflürige Bewirthschaftung ist weder üblich noch anwendbar. Man baut die gewöhnlichen Getreidearten und von diesen| vorzugsweise Roggen; übrigens deckt das Getreideerzeugniß das örtliche Bedürfniß nicht ganz, so daß Gerste und Haber zugekauft werden muß. Auch kommen zum Anbau Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen, weiße Rüben und von Handelsgewächsen Reps, Mohn, Flachs, Hanf etc., jedoch nur für den eigenen Bedarf.

Der Wiesenbau, dem durchgängig Wässerung zukommt, ist nicht ausgedehnt und liefert theils gutes, theils mittelmäßiges, zuweilen schlechtes Futter; die Wiesen sind 1-, 2–3mähdig.

Mit Eifer und Verständniß wird die Obstzucht, welche sich auf späte Mostsorten und Zwetschgen beschränkt, betrieben, jedoch mit geringem Erfolg, indem der wenig tiefgründige Boden dem Gedeihen der Obstbäume entgegen wirkt. Der Obstertrag befriedigt den eigenen Bedarf nicht.

Die Gemeinde ist im Besitz von 1350 Morgen Nadelwaldungen, unter denselben befinden sich 1000 Morgen, welche sie im Jahr 1832 für eine frühere Holzgerechtigkeit erhielt und 130 Morgen wurden für 9750 fl. erkauft. Der in 800 Klaftern Scheiterholz, 10.000 Stück Wellen und 60 Klafter Stockholz bestehende jährliche Ertrag wird verkauft und jedem zu 21/2 Klafter Scheiterholz berechtigten Ortsbürger 30 fl. gereicht; der Rest mit 2000–2500 fl. fließt in die Gemeindekasse. Überdieß sind etwa 80 Morgen Allmanden vorhanden, die an Bürger theils verliehen, theils verpachtet sind und der Gemeindekasse etwa 100 fl. jährlich eintragen; auch besitzt die Gemeinde Wiesen und Baufelder, deren Pachtgeld mit etwa 600 fl. ebenfalls in die Gemeindekasse fließt.

Die Rindviehzucht ist im allgemeinen befriedigend und beschäftigt sich mit einer mittleren Landrace, welche durch 3 tüchtige Farren (Kreuzung mit Simmenthaler und Landrace) stets zu verbessern gesucht wird. Der Handel beschränkt sich auf die nöthige Ergänzung und Abstoßung des Rindviehs, dagegen ist der Milchhandel beträchtlich.

Schweine von größtentheils halbenglischer Race werden gezüchtet, jedoch die meisten als Ferkel von außen bezogen und für den eigenen Bedarf aufgemästet.

Von Bedeutung ist die Zucht der Ziegen und die des Geflügels, jedoch nur für den eigenen Bedarf.

Die Bienenzucht wird mit wechselndem Glück betrieben und ist gegenwärtig in einiger Zunahme begriffen.

In den Forellen-führenden Gewässern Kinzig und Aischbach hat der Staat das Fischrecht, welcher es um 20 fl. jährlich verpachtet.

Der Handel beschäftigt sich hauptsächlich mit Langholz und Leder;| eingeführt werden Kolonial- und Eisenwaren, Gerberrinde, Wein und Obst, durchgeführt die schönen Loßburger Sandsteinplatten nach Baden, Wein und Obst in großer Menge von Baden; Wein jährlich 2–3000 Eimer.

Der Ort hat das Recht, in den Monaten März, Juni und Oktober je einen Krämer-, Vieh- und Roßmarkt, im Dezember einen Krämer- und Kornmarkt abzuhalten.

An öffentlichen Stiftungen sind vorhanden: 1) die Hezel’sche Stiftung von 300 Thalern, von Joh. Georg Hezel, gewesener Maschinenbauer in Chemnitz, ein geborener Alpirsbacher. 2) Ein Legat mit 100 fl. von der Wittwe des Sattlers Schwarzwälder in Wildbad. 3) Eine Stiftung im Betrag von 3000 Thalern von Seiner Majestät dem König Wilhelm Friedrich von Preußen.

Ferner besitzt die Armenkasse ein Kapitalvermögen von 10.690 fl., die Gutleutpflege von 5532 fl. und die Heiligenpflege von 3823 fl. Die Zinse von sämtlichen Stiftungen und Anstalten werden zu Schul- und Armenkosten verwendet mit Ausnahme der von der Stiftung des Königs von Preußen, welche nach dem Willen des hohen Stifters zur Unterhaltung und Erneuerung der ehrwürdigen Klosterkirche verwendet werden dürfen.

Auf der Burghalde nordöstlich vom Ort soll eine Burg gestanden sein, von der übrigens weder sichere Nachrichten noch Spuren vorhanden sind.

Auf dem etwa 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort gelegenen Sulzberg stand ein dem Kloster Alpirsbach gehöriger Hof, der schon 1451 als solcher angeführt wird. Der Hof hatte einen besonderen Maier und wurde von dem Kloster mit Vieh besetzt.

Zu der Gemeinde gehören:

1. die Farbmühle nur etwa 1/8 Stunde nordöstlich vom Ort im Ehlenboger Thal gelegen; hier bestand früher ein Blaufarbwerk, auf dem Smalte aus Kobalt bereitet wurde; den Kobalt bezog man theils aus fernen Gegenden, theils wurde er bei Alpirsbach bergmännisch gewonnen (s. hier. den allgemeinen Theil, Abschnitt „Gewinnung von Mineralien“). Schon 1717 kommt ein Farbmeister vor und 1729 war ein Bergschreiber auf der Farbmühle die 1744 ein Blaufarbwerk genannt wird; 1745 war auf demselben ein aus einem Bergmeister und einem Bergschreiber bestehendes Bergamt (s. auch die Oberamtsbeschreibung von Calw S. 172). In den Selecta physico-oecon. Bd. I. Stuttg. 1752, S. 57 wird von dieser Fabrik gerühmt, sie habe in wenigen Jahren über 100.000 fl.| fremdes Geld in das Land gebracht (s. auch den allgem. Theil). Der Betrieb der Farbmühle hörte im Jahr 1845 auf; in den Jahren 1857–1861 richtete Jakob Greiner ein Holzmanufakturgeschäft mit ungünstigem Erfolg hier ein, worauf die ehemalige Farbmühle in die Hände des Johann Georg Adrion von Ehlenbogen gelangte, welcher eine Sägmühle hier betreibt und die Wohnungen vermiethet.

2. Bühl, ein einzeln stehendes Haus, liegt gegenüber der Farbmühle und ist seit 8 Jahren Eigenthum der Gemeinde Alpirsbach.

Geschichte.[4]
Rotman von Hausen (Hausach an der Kinzig), Adalbert von Zollern und Graf Alwig von Sulz, denen das Gut Alpirsbach durch Erbschaft angefallen war, beschlossen hier auf eigenem Grund und Boden ein Kloster zu gründen. Hierüber zogen sie den Bischof Gebhard von Constanz päpstlichen Legaten, den Abt Udo von St. Blasien und andere ehrbare Männer zu Rath und übergaben dann das Gut mit dem umliegenden Wald, auch Güter in Dornhan, Hochmössingen, Höfendorf (neupreußisch), Gartach (nicht sicher zu bestimmen), Haslach (im Kinzigthale), Vöhringen (O.A. Sulz) und Nordweil (im Breisgau) an Bernhard von Fluorn als Salmann, damit er alles dem Abt und Konvent des neu zu errichtenden Klosters übergäbe; zugleich beschlossen sie, für das Kloster um den päpstlichen Schutz, für welchen ein Goldstück jährlich gereicht wurde, nachzusuchen, verliehen dem Abt und Konvent volle Gewalt, über ihr Eigenthum zu verfügen, und die Freiheit, einen Schutzvogt zu wählen. Adelbert von Zollern, als er später selbst in das Kloster trat, schenkte demselben auch Güter in Füßen (bad. B. A. Bonndorf), Sulz und Göllsdorf, mit Ausnahme dessen, was seine Dienstmannen hier besaßen (Württ. Urk.Buch 1, 315). Nachdem der Bau des Klosters so weit vorgeschritten war, daß es Mönche (wahrscheinlich aus St. Blasien) aufnehmen konnte, weihte es auf Bitten der Stifter der genannte Bischof Gebhard von Constanz am 16. Januar 1095 feierlich ein, und Bernhard übergab Gott und dem heil. Benedict die oben genannten Widemsgüter. Nach 4 Jahren war der Bau ganz vollendet und nun bestätigte der Bischof Gebhard das Kloster| im Namen des Papstes und weihte am 28. August 1099 in Gegenwart einer Menge Adels und Volkes die Kirche in die Ehre der h. Dreifaltigkeit, des heil. Kreuzes, der heil. Maria, des heil. Benedicts und aller Heiligen. Der Papst Paschalis II. selbst wiederholte die Bestätigung den 12. April 1101 (eb. 327) und sicherte dem Abt und Konvent die freie Wahl eines Schirmvogts zu. Dies that auch K. Heinrich V. (mit dem Zusatz: der Vogt solle mit dem kaiserlichen Bann belehnt werden), als er am 23. Jan. 1123 das Kloster mit all seinen Besitzungen in seinen Schutz nahm (eb. 354). Über die Grenzen des dem Kloster geschenkten Waldes entstunden bald Streitigkeiten mit Eberhard von Mühringen, welcher Güter in dieser Gegend von St. Gallen zu Lehen trug und ein dem Kloster gehöriges Haus verbrannte, dafür jedoch Buße zahlte. Sein Lehensnachfolger war Graf Friedrich von Zollern, welcher, um künftig Streit abzuschneiden, eine Untersuchung anstellen ließ, worauf Graf Alwig von Sulz, der Graf in jener Gegend, die Grenzen der Besitzungen genauer bestimmte und Bischof Ulrich von Constanz hiezu seine kirchliche Bestätigung ertheilte (1125–1127).

Das ansehnliche Stiftungsgut des Klosters wurde durch Schenkungen fortwährend vermehrt und das Kloster sah sich bei gutem Einkommen auch in den Stand gesetzt, manches werthvolle Besitzthum zu erwerben. Es fehlte ihm auch nicht an Begünstigungen durch weltliche Fürsten, an Befreiungen von Zöllen und andern Abgaben. P. Martin V. bestätigte am 4. Januar 1418 mit dessen Privilegien auch die Freiheit von weltlichen Abgaben. Auch verschiedene deutsche Kaiser und Könige nahmen das Kloster in ihren und des Reiches Schutz und bestätigten seine Privilegien; so K. Karl IV. den 7. Mai 1361, Sigmund den 14. Mai 1424, Friedrich IV. den 11. August 1456 (zugleich dem Kloster die Zoll- und Mauthfreiheit ertheilend und den Abt mit dem Blutbann belehnend, was auch durch seine Nachfolger geschah), Maximilian I. den 23. Juli 1498, den 23. August 1504 (Belehnung mit hohen und niedern Gerichten in der jüngst erkauften Herrschaft Losburg) und Karl V. am 15. August 1530 (zugleich Befreiung vom Hofgericht in Rottweil und anderen Gerichten).

Schutzvögte des Klosters waren zuerst die Grafen von Zollern, Graf Friedrich der ältere und nach ihm (1125) sein Sohn Friedrich. In der Folgezeit übertrug aber das Kloster, vom Rechte der freien Vogtswahl Gebrauch machend, die Schutzvogtei an die Herzoge von Teck. Der erste hiemit betraute aus diesem Hause ist übrigens,| soviel man weiß, erst im Jahr 1251 Herzog Ludwig, welcher in dieser Eigenschaft damals einen Streit des Klosters mit Volmar von Brandeck schlichtete. Am 20. Juli 1319 freite Herzog Friedrich von Teck († vor 1344) als „Vogt und Schirmer des Klosters,“ alle Leute, die dahin ziehen und da seßhaft sind, sie seien Pfründer oder nicht, von allen Diensten und Steuern, und versprach sie dennoch zu schützen. Immer mehr sinkend, wurde jedoch dieses Geschlecht dem Kloster beschwerlich; Herzog Hermann ließ sich 1322 von K. Ludwig dem Baier eine Pfründe darauf anweisen und erpreßte zur Bezahlung seiner Schulden eine Geldbeisteuer. Als dieser Herzog endlich auf den Grund einer Erbschaft seine Vogtei über das Kloster noch ausdehnen wollte, belästigte er letzteres dergestalt, daß es sich unter Vorlegung seiner Privilegien, an K. Karl IV. wandte, welcher am St. Jörgentag 1361 als erwiesen annahm, daß Niemand als das Reich Vogtei und andere Rechte über das Kloster haben und dem Tecker Herzog unter Androhung des Zwanges gebot, auf die Vogtei zu verzichten. Nach dem Tode Herzog Hermanns († 1363) wählte das Kloster Konrad den Herzog von Urslingen auf Lebenszeit zum Schutzvogt, der 1363 sich eidlich verpflichten mußte, dessen Privilegien und Freiheiten fest zu halten und sich mit dem ihm gesetzten Vogtrecht zu begnügen, den Konvent in der Abtswahl nicht zu irren, die zu den fünf Gedingen des Klosters gehörigen Leute nicht zu versetzen u. a. Konrad aber trat in dem Vergleich vom 16. October 1371 die Schirmvogtei an den Herzog Friedrich von Teck († nach 1374) ab. Nicht lange nachher kam sie, ohne daß man die näheren Umstände kennt, wie so manche Teck’sche Güter, an Württemberg, und fiel im Theilungsvertrag von 1442 dem Grafen Ludwig von der Uracher Linie zu. Fortan blieb sie bei Württemberg; denn die Versuche der Grafen von Zollern im 15. und 16. Jahrhundert, dieselbe wieder an sich zu bringen, blieben fruchtlos.

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Nach der Zimmerischen Chronik (1, 99) wäre im Kloster im Verlauf der Zeit „nicht gar ein mönchisch Wesen und Leben gewesen; blos der Abt, der Prior, der Custor und dann etliche Kapläne seien Priester gewesen; das Kloster sei häufig von lebensmüden Adelichen bezogen worden, die Abtei habe man nur die Burg genannt; um sie herum habe es noch 12 Bürglein wie Schlößlein gehabt, darin die 12 Konventuales von Adel gewohnt; die haben sich neben dem Gottesdienst und der Kirche mit Baißen, Jagen und allerlei Waidwerk geübt.“ Bei diesen Umständen bestunden seit Mitte des 15. Jahrhunderts langjährige Zerwürfnisse wegen der Ordnung, bis endlich die| Bursfelder Observanz mit ihrer guten Zucht durchdrang; am 17. Dez. 1481 gab Graf Eberhard im Bart, welchem die Verbesserung der Klosterzucht sehr anlag, dem Abt Hieronymus Nachricht, daß er (der Abt) in diese Observanz aufgenommen worden sei und daß das Bursfelder Kapitel hierauf beschlossen habe, das Kloster mit Mönchen derselben zu besetzen und zu reformiren. (Cleß 2 b, 356).

Im Jahr 1508 traf ein großes Brandunglück das Kloster (Franck Germ. Chron. 277 a).

Im Jahr 1514 nahmen die Klosterunterthanen in der Herrschaft Loßburg am Aufstand des Armen Konrads Theil und zogen gegen den Abt zu Felde, begehrten Abschaffung der Frohnen, des Umgeld’s etc., aber sie waren bald wieder zum Gehorsam zurückgebracht, mußten 500 fl. Strafe zahlen und versprechen, dem Abt und seinen Amtleuten gehorsam zu sein, das Umgeld auch ferner zu entrichten und das neue Maß anzunehmen; für die Frohnen wurde ihnen zugleich eine Abgabe von 40 fl. auferlegt (den 30. Sept. 1514).

Als 1519 der schwäbische Bund das Herzogthum Württemberg einnahm, gewährte Herzog Wilhelm von Baiern dem Kloster seinen Schutz, der Abt aber, welcher bei dieser Gelegenheit sich vom württembergischen Schirmverhältnisse losmachen zu können hoffte, gestattete den Rottweilern, das Kloster zu besetzen, weswegen auch die Landstände den neuen Herrn des Landes, den Erzherzog Ferdinand von Österreich baten, „er möchte sich bemühen, daß das Kloster A., welches dem Lande mit Mannschaft, Hilfe und Beistand wohl anstehe und für ein nicht geringes Kleinod des Fürstenthums geachtet werde,“ wieder in dessen Schirm und Schutz zurückgebracht würde. Der Erzherzog brachte es auch wirklich dahin, daß die Rottweiler gegen Bezahlung einer Geldsumme das Kloster wieder herausgaben (12. Juni 1522. Steinhofer 4, 886, Ruckgaber, Rottweil 3b, 179). Über den Bauernkrieg s. VII. 3.

Im Nov. 1534 schickte Herzog Ulrich den Jos Münch von Rosenberg, Obervogt im Schwarzwald, mit noch zwei Kommissären ins Kloster, um hier zu inventiren; sie fanden Abt und Konvent „ganz gutwillig, unterthänig, gehorsam und geneigt“ und unternahmen die Inventur unter Zuziehung des Abtes als „Schaffners, Pflegers und Vogts des Klosters,“ der auf ihr Begehren auch die geflüchteten Kleinodien, Silbergeschirr und Urkunden wieder herbeischaffte. Nachdem aber der Abt sich vom ersten Schrecken erholt hatte, und da auch die Grafen Joachim von Zollern und Ludwig von Sulz ihn dazu unter Versprechung ihres Schutzes aufmunterten, protestirte er| gegen dieses Verfahren und erklärte, daß er bei seinem Glauben bleiben wolle und daher den zu ihm verordneten Prädikanten Konrad Öttinger nicht annehmen könne. Nun aber erschien Abends den 28. Oct. 1535 Balth. v. Gültlingen mit andern herzoglichen Beamten, 30 Reutern und 80 Fußgängern und besetzte das Kloster, rief den Konvent zusammen und erklärte ihm, da der Herzog sich, „nach Gestalt der Handlung von dem Abt und den Seinigen keiner Treue und keines Gehorsams versehe,“ so müsse er auf Herausgabe der Urkunden und Geräthschaften des Klosters dringen, blieb auch, obgleich Abt und Konvent fußfällig um Gnade baten, unerbittlich. Am nächsten Tage begann eine förmliche Plünderung des Klosters, Geld, goldene und silberne Kirchengefässe, Kleinodien aller Art, wurden fortgeführt und eine Besatzung von 40 Knechten ins Kloster gelegt. Nun unterwarf sich der Abt (den 2. Nov. 1535) und versprach lebenslang des Herzogs Diener zu sein, das Einkommen des Klosters ordentlich einzubringen und seinen Mitverwalter redlich zu unterrichten. Jetzt aber klagten die Grafen von Zollern und Sulz, der Herzog habe in dem von ihren Vorfahren gegründeten Kloster Alpirsbach eine Änderung des Gottesdienstes vorgenommen und am 29. Nov. 1536 erhielt Ulrich ein Schreiben von K. Ferdinand, worin ihm befohlen wurde, das Kloster bei Würden, Wesen und Ceremonien bleiben zu lassen, da er sonst leicht in Zwietracht und Rechtfertigung kommen könnte. Hiedurch aber ließ Ulrich sich nicht irren, die Mönche wurden je mit 40 fl. verleibdingt und das Kloster von Ambrosius Blaurer, welcher früher selbst hier Mönch gewesen war, reformirt; der Abt blieb im Kloster. Sein Nachfolger Jacob Hohenreuter (1548), begünstigt durch das Interim, versammelte wieder Mönche um sich. Aber im Jahr 1554 wurde er genöthigt, seiner Würde zu entsagen. Man nahm ihn 1555 zwar wieder als Administrator an, holte ihn aber 1559 aus dem Kloster ab und zwang ihn völlig zu resigniren. Er starb 1563.

In Folge der Reformation wurde allhier 1556 eine Klosterschule eingerichtet, diese aber schon 1595 wieder aufgehoben. Anfangs waren die evangelischen Äbte zugleich Pfarrer des Orts und die Klosterpräceptoren ihre Vikare.

Am 26. Dec. 1627 baten die Jesuiten den Kaiser, ihnen das Kloster zu übergeben. Aber erst am 10. Sept. 1630 wurde dieses von kaiserlichen Soldaten besetzt und den Benedictiner Mönchen wieder eingeräumt, von ihnen beim Herannahen der Schweden verlassen, nach der Nördlinger Schlacht wieder besetzt und erst durch den westphälischen| Frieden Württemberg wieder zugetheilt. Viele Klosterurkunden wurden durch die Katholischen nach dem Reichsstift Ochsenhausen, wo der letzte katholische Abt von Alpirsbach, Alfons Kleinhans, 1658 Abt wurde, in Gewahrsam gebracht und kamen erst 1802 daher an das Staatsarchiv.

Was die hiesigen Rechtsalterthümer betrifft, so mußte alljährlich am 3. Februar, 1. Mai und 11. November und an den vier darauf folgenden Tagen der Abt oder der Vogt an den fünf Dingstätten des Klosters Gericht halten, am ersten zu Adlersprang, am zweiten zu Dornhan, am dritten zu Niederdobel, am vierten zu Wittershausen, am fünften zu Gruol. Hiebei mußten sämtliche Klosterhintersassen, ohne daß ihnen besonders geboten wurde, erscheinen; wer ohne genügende Entschuldigung nicht kam, zahlte 3 Schilling Strafe; wer seine Klage vor einem andern Gericht anbrachte, wurde um 60 Sch. gebüßt. Der Vogt erhielt für das Gerichthalten von jedem Haus 2 Hühner und dazu noch 200 Malter Frucht und 30 Pf H. Vogtrecht, wofür er dem Abt jährlich einen falben Rock gab; er durfte aus den Klosterhintersassen einen Aftervogt wählen. Die Maier der Klosterhöfe waren wenigstens zweimal jährlich zum Herbergen verpflichtet, wobei der Abt oder sein Bote zu fünft mit einem Vogelhund erscheinen, auch noch einen Leutpriester, einen Adelichen oder sonst einen Biedermann einladen durfte. Wenn der Abt einen seiner Maier als unnütz erfand, konnte er ihn auf eine Hube, wenn er sich nicht besserte auf eine halbe Hube versetzen, und wenn auch dies nicht fruchtete, ganz entlassen. Die Maierhöfe waren zwar Falllehen; doch sollten beim Wiederausleihen die Söhne des verstorbenen Maiers vor Andern berücksichtigt werden. Wenn ein Lehensmann von seinem Gut etwas ohne Wissen des Abtes verlieh, so war die Verleihung nur fürs laufende Jahr gültig; wenn er etwas auf solche Weise verkaufte, war der Verkauf nichtig. Wer sein Lehengut verkaufen wollte, mußte es zuerst dem Abt anbieten, der den Vorkauf hatte. Nach dem Tode eines Lehensmanns setzte der Abt seinen Kindern Pfleger; Töchter wurden mit fahrender Habe abgefertigt und erhielten, wenn sie arm waren, vom Kloster ein Bette, wie ohne ihre Schuld verarmte Lehensleute ein Almosen.

Die eigenen Leute und Hintersaßen des Klosters waren von viererlei Art: 1) Eigentliche Leibeigene oder eigene Leute des heil. Benedicts. 2) Eigene Leute unserer l. Frau zu Dornhan. 3) Die Lombacher, Einwohner des Dorfes Lombach, welche sich freiwillig dem Täufer Johannes, dem Schutzpatron ihrer Kirche, ergeben hatten;| diesen schlossen sich auch Auswärtige an, Zinser genannt, welche das Recht des freien Zuges hatten. Die Genossenschaft der Lombacher hatte zum Vorsteher den Abt in A. und einen Vogt; ihre Pflichten bestimmte der am 10. Juli 1643 mit dem Kloster geschlossene Vertrag. Sobald einer von ihnen sich verheirathete, und auch als Wittwer, mußte er jährlich dem Abt 2 Leibhennen, dem Schutzheiligen 3 Sch. und dem Vogt 2 Viertel Haber geben. Ledige beiderlei Geschlechts entrichteten nach vollendetem 14. Lebensjahr 3 Heller. Der Vogt wurde von den Lombachern selbst auf ein Jahr erwählt und mußte beim Austritt aus dem Amt dem Abt oder seinem Bevollmächtigten „die Vogtei mit zwei weißen Handschuhen aufgeben.“ Wenn ein Lombacher eine Klage bei ihm vorbrachte und um seinen Schutz bat, mußte er ihm einen Tag und eine Nacht auf seine Kosten beistehen, nachher erhielt er einen Kostenansatz. Wenn er in Feindschaft gerieth, durften die Lombacher statt seiner einen andern Vogt wählen. Wenn ein Lombacher eine nicht zur Genossenschaft gehörige Frau nahm und der Abt dies dem Vogt anzeigte, hatte dieser denselben zu fangen und in der Klosterküche mit einem Rockenhalm an eine Säule zu binden, wofür er 5 Sch. erhielt. Beim Tod eines Lombachers bekam das Kloster das beste Stück Vieh, von einer Frau das beste Kleid, „das sie spinnen konnte,“ der Zinsmeister aber vom Manne Hut, Gürtel, Hosen und Schuhe, von der Frau Haupttuch, Gürtel und Schuhe. Wenn am Johannistag der Abt zu Lombach Ruggericht hielt, durften die Lombacher das Gras auf dem Kirchhof abmähen. 4) Die Pelagier, Männer und Frauen, welche sich St. Pelagii Altar ergeben hatten. Sie wurden „nicht wie andere recht leibeigene Leute gehalten,“ sondern hatten das Recht des freien Zuges und durften weder Mannssteuer noch Leibhennen geben, wurden aber, auch wenn sie außerhalb des Klostergebiets saßen, nach ihrem Ableben verhauptrechtet, auf gleiche Weise, wie die Lombacher. Jeder mußte am St. Pelagiustag in der Kirche zu A. erscheinen und 3 Heller auf den Altar legen, wofür er 2 Laiblein Roggenbrod erhielt; wenn einer diese Abgabe 3 Jahre nach einander nicht entrichtete, wurde er rechter Leibeigener des Klosters.

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Wenn eine leibeigene Person sich mit einem Ungenossen verheirathete, mußte sie die Strafe der „Ungenossenschaft“ 5 Sch. zahlen und wurde ebenfalls an eine Säule in der Klosterküche gebunden, wo sie 7 Nächte bleiben mußte, „darnach soll der Abt mit ihr handeln wie er wolle.“ Die Steuern der Leibeigenen waren von verschiedener Art; diejenigen von ihnen, welche kein Gut besaßen, waren| zinsfrei; nur so lange sie sich außerhalb des Klostergebiets aufhielten, entrichteten die Männer jährlich 5 Schilling Mannssteuer, die Frauen eine Leibhenne, welcher der Steuereinbringer, wenn die Frau Kindbetterin war, „vor dem Haus den Kopf abdrehen und dem jungen Kind wieder ins Haus werfen sollte.“ Der Todfall bestund im besten Stück Vieh und ihn mußten in der Regel alle im Klostergebiet ansäßigen Mannspersonen entrichten; die Leibeignen traf außerdem noch der Leibfall. Eine besondere Bewandtniß hatte es mit den sog. Todgütern, die in’s Todgericht gehörten. Diese durfte ihr Eigenthümer in 2, 3 und mehr, bis 9 Theile theilen, von deren jedem aber dann der Todfall entrichtet werden mußte. Von „einzechten Lehenstücklein, Reutlehen“ genannt. wurde als Todesfall nur so viel eingezogen, als der Jahreszins betrug.

Beim Kloster bestund auch das sog. Hagenstolzenrecht. Hagstolzen hießen Personen beiderlei Geschlechts, welche bis ins 50ste Lebensjahr ledig blieben; auch Wittwer und Wittwen, welche 30 Jahre im Wittwenstand verharrten und keine Leibeserben hinterließen. Von ihnen erbte das Kloster liegende und fahrende Habe, nur die Lehensgüter fielen an den Lehensherrn zurück (Roth, Joh. Eberh. Heinr., praeside Harpprecht, Chr. Ferd., Flores sparsi ad jura privata singularia Alpirspacensia. Tubingae 1755. 4).

Die Klostergüter schrieben sich großentheils aus der Zeit der ersten Bewidmung her; in den bei derselben aufgeführten Orten kamen häufig noch späterhin einzelne Erwerbungen hinzu. Das Klostergebiet, wie solches unmittelbar vor der Reformation bestund und durch diese ein württembergisches Amt wurde, begriff außer den I. 5 aufgeführten Orten des jetzigen Oberamts Oberndorf noch folgende, in diesem Jahrhundert den vorangestellten Oberämtern zugetheilte. O.A. Freudenstadt: Lombach, Loßburg (diese beide 1492–1516 den Herren von Geroldseck abgekauft), Ober-Iflingen, Reinerzau, Schömberg, Ursenthal, Wittendorf mit Oberbrändi und Romsgrund. O.A. Rottweil: Gößlingen (1354 von den Grafen Alwig und Rudolf von Sulz veräußert). O.A. Sulz: Boll, halb Dürrenmettstetten, Hopfau mit Zubehörungen (dieses 1270 dem Grafen Hermann von Sulz abgekauft), Wittershausen. Sonst noch hatte das Kloster einzelne Besitzungen an manchen Orten, Pfleghöfe in Oberndorf, Sulz, Dornhan, Rottweil, Haigerloch, in welch letzteren Höfendorf (s. o.) gehörte; im Breisgau blieb Nordweil von der ersten Stiftung an bis ins gegenwärtige Jahrhundert dem Kloster. Im Jahr 1341 unterwarf sich dem letzteren das Priorat Kniebis (O.A. Freudenstadt 167).

| Die katholischen Äbte sind unter folgenden Jahren bekannt: Cuno (der erste) noch 1101, Tragebot (Jahr unbekannt), Burkhard 1186 bis 1222, Dietrich 1231, Berthold 1251–55, Burkhard 1265–69, Volmar 1271–77, Johannes 1297, Walther 1303, † 1337 Aug. 12, Bruno Schenk 1337–1377, Johann Graf von Sulz 1380 (Gerbert Hist. nigr. silv. 2, 163), Konrad von Gomaringen 1386–1393, Heinrich Hauck 1396 † 1414 Oct. 18, Hugo von Leinstetten, 1415 bis 1432, Peter Hauck 1433–46, Stephan von Leinstetten 1447, Konrad Schenk 1447, resignirt 1450, Volmar 1450–53, Andreas von Neuneck 1455–1470 (mit Unterbrechung durch Konrad, Urk. v. 11. Aug. 1456 bei Besold 272, wonach obiger Konrad nochmals aufgetreten zu sein scheint), Erasmus Marschall von Pappenheim 1471, Georg 1472 † 1479 April 14, Hieronymus Hülzing 1479 † 1495 Mai 17, Gerhard Münzer 1495 † 1505 Jan. 29, Alexius 1505 † 1523 Jan. 23, Ulrich Hamma 1523, verleibdingt 1534, blieb jedoch im Kloster, Jakob Hohenreuter 1548–1559 († 1563), in Zeiten des 30jährigen Krieges von 1630–1649 Caspar Krauß † 1638 Sept. 28, dann Theodor, nach diesem Alfons Kleinhans (von Feldkirch).

Der erste protestantische Abt war Balth. Elenheinz (seit 1563), der berühmteste Johann Albrecht Bengel 1749–1752, der letzte Dav. Bernh. Sartorius 1804–1806 († 1825). (Die Reihe dieser Äbte bei Sattler, Topogr. 597, Binder 55.)


  1. Ein Kameralamt wurde 1821 von Dornhan hieher verlegt, aber 1843 aufgehoben.
  2. Grundriß, Ansicht, Längendurchschnitt, Einzelnheiten, Hauptportal bei Graf v. Stillfried Alterthümer und Kunstdenkmale des Hauses Hohenzollern. Heft 2. Neue Folge. Band 1. Lieferung 2. – Photographien bei Lorent Denkmale des Mittelalters in Württemberg.
  3. Dies hat schon die Zimmerische Chronik 1, 100.
  4. Urkunden bei Besold, Documenta 235–324, Reyscher Statutarrechte 25–67, über den Besitz im Breisgau bei Mone Zeitschrift 21, 211–229, Geschichte von C. B. A. Fickler in Lorent Denkmale des Mittelalters in dem Königr. Württemberg I. Mannheim 1866. S. 173–216 (auch besonders abgedruckt).
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