Christliche Symbolik/Teufel

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Teufel.

Der Name kommt wohl einfach vom griechischen διάβολος im neuen Testament her und nicht weder von den persischen Dews, noch von dem deutschen Wort Dieb oder Tiefe. Dem Begriffe nach ist im Teufel allerdings alles Böse personificirt, wie in Gott alles Gute; weil aber Gott allein Schöpfer und Herr der Welt, der Teufel nur ein Geschöpf ist, so stehen sich nur Engel und Teufel, gute und böse Geister auf gleicher Stufe gegenüber, keineswegs aber Gott und der Teufel in dem Sinn, wie im Glauben der alten Perser Ormuzd und Ahriman, das gute und böse Weltprincip, sich in die Weltherrschaft theilten. Als Häresieen auch im Christenthum eine Gleichstellung des Teufels mit Gott aufbrachten, trat die Kirche diesem Irrthum entgegen, indem sie feststellte: Alles sey von Gott gut geschaffen, und was böse sey, sey es nur geworden. Der Teufel sey daher nicht das böse Princip von Ewigkeit, selbstständig Gott gegenüberstehend, sondern nur der von Gott gut geschaffene, aber durch eigne [464] Sünde gefallene Engel. Concil. Bracarense I. cap. 5. Epiphanius II. 2.

Der Teufel verhält sich daher zu Gott nicht wie eine gleiche Macht, sondern nur wie der rebellische Knecht. Er ist auch gegen Gott absolut ohnmächtig, und nur relativ mächtig durch die Menschen, deren er Meister wird. Er greift Gott nur indirekt an durch Verführung der Menschen. Er ist feig gegen Gott, scheu vor ihm sich verbergend wie die Schlange vor dem Adler. Ihm wird der Kopf zertreten, wie der Schlange. Im offenen Kampf wird er ohne Mühe besiegt und vom Erzengel Michael in den Abgrund gestürzt. Das Böse vermag dem rein Guten nirgends Stand zu halten. Jeder Engel vertreibt jeden Teufel. Schon der Name Gottes und das Kreuzeszeichen haben die Macht, ihn zu vertreiben. Auch die Glocken kann er nicht hören. Vor allem Heiligen und specifisch Kirchlichen ist er beständig auf der Flucht. Ein Löwe vor dem Sünder, ist er eine Maus vor dem Gerechten. Rupert. Tuit. p. 266. Nur in den Gebieten, die ausserhalb der Religion liegen, in den Sinnen und Leidenschaften der Menschen wirkt er mächtig und mit allen Reizen und Verlockungen des alten Heidenthums. Darum ist er „Fürst dieser Welt“. Joh. 12, 31.   14, 30.   2. Korinth. 4, 4. Seine ungeheure Macht beruht auf der Sünde der Menschen. Wie er Eva zur Sünde verlockte, so auch alle Kinder Eva’s durch Sinnenreiz und durch Erweckung gottloser Neigungen und Leidenschaften. Mit diesen Mitteln trachtet er unablässig, die Menschen von der Kirche abwendig und des Heils verlustig zu machen, das in der Erlösung lag. Wie nach Gottes Willen alle Menschen möglichst den reinen Engeln verwandt werden sollen, so will der Teufel sie vielmehr sich ähnlich machen. Darum will er auch alle Christen wieder zu Heiden machen. Ein Christ in diesem Leben ist ihm so verhasst, wie ein Engel oder Seliger in jenem. Er trachtet, alle Menschen diesseits in die Tempel der falschen Götzen und jenseits in die Hölle zu locken.

Seiner Tücke gegen den Menschen liegt aber nicht blos [465] die Absicht zu Grunde, mittelst der Menschen Gott, als deren Vater, zu kränken, sondern auch Neid. Nachdem er selbst als gefallener Engel in ewiger Finsterniss, unbefriedigter Gier, ohnmächtiger Wuth die Lust, Gott gleich seyn zu wollen, büssen muss, will er nicht leiden, dass der schwache Mensch, dem er sich weit überlegen weiss, glücklicher seyn soll, als er. Der Teufel beneidet dem Menschen die Gnade Gottes und sucht ihn derselben eben so unwürdig zu machen, als er es selbst ist. Gelingt es ihm, so wird ihm die einzige Befriedigung zu Theil, die für ihn möglich ist, nämlich die Schadenfreude an den Qualen der Verdammten. Und wie dem Teufel alles Schöne und Reizende in der irdischen Natur dient, um den noch unschuldigen Menschen zur Sünde zu verführen, so dient ihm wieder alles Hässliche und Schreckliche in der Natur, den gefallenen Menschen zu martern.

Dies sind die Grundzüge, die uns bei der näheren Erörterung der an den Teufel geknüpften Symbolik leiten müssen.

Vor Allem ist daher das Sinnbild des fallenden Sternes festzuhalten. Der Teufel war ein von Gott geschaffener guter Engel, nur durch eigene Schuld fiel er aus dem Himmel in die Hölle. Vgl. Lucas 10, 18. und den Artikel Lucifer. Aus diesem Fall erklärt sich, warum der Teufel lahm gedacht wird. Vgl. Sepp, Heidenthum I. 62. Man braucht dabei nicht an den gleichfalls vom Himmel gefallenen und lahmen Hephästos der alten Griechen zu denken. Beim christlichen Teufel ist die Lahmheit durch den Fall noch viel besser motivirt und hilft zugleich die Ohnmacht des Teufels bezeichnen. In den Zeiten alter Barbarei wurden Sklaven, wenn sie zu Handarbeiten geschickt waren, von ihren Herren absichtlich gelähmt, damit sie nicht fliehen konnten. Einen solchen lahmen, grollenden Knecht erkennen wir in dem nordischen Völundur. Etwas Verwandtes damit hat nun auch der lahme Teufel, als grollender und rebellischer Sklave Gottes. – Das Hinken wird in späteren Bildwerken gewöhnlich dadurch motivirt, dass der Teufel neben einem Menschen- noch einen Pferdefuss hat. [466] Dieser Huf kann auf das Thierische im Teufel im Allgemeinen bezogen werden, und ist vielleicht nur aus dem Bocksfuss der Satyrn entstanden. Jedoch hat er vielleicht auch eine nähere Beziehung zu den Pferdeopfern und Mahlzeiten von Pferdefleisch, die das altdeutsche Heidenthum so sehr charakterisirte, dass nach der Bekehrung nichts so streng verboten und als Teufelscultus verpönt war, als das Pferdefleischessen, der Gebrauch der Pferdeköpfe zur Zauberei etc. Der Pferdefuss des Teufels könnte demnach allgemeines Attribut des vorchristlichen Heidencultus seyn.

Der Engelsturz ist auf vielen Bildern dargestellt, meist jedoch nur um die Meisterschaft des Malers in kühnen Körperstellungen zu beurkunden. Zuweilen sind die Fallenden oben noch Engel und werden erst unten zu Teufeln.

Der Fall ist aber nicht nur einer aus der Höhe in die Tiefe, sondern auch aus dem Licht in die Finsterniss. Verfinsterung charakterisirt den Teufel hauptsächlich. Darum wird er durchgängig schwarz gemalt und gilt die Nacht als sein Aufenthalt. Seine schwarze Farbe lässt rothe Gluth durchblicken, die Farbe des Feuers und Blutes. Das sind und bleiben seine Grundfarben. Wenn er im Mittelalter und namentlich in deutschen Bildwerken, so wie in den Protokollen der Hexenprocesse häufig als grün bezeichnet wird, so liegt dem die heidnische Erinnerung an elbische Wesen (Genien der Pflanzenwelt, Feld- und Waldminnen, nordische Silvanen und Satyrn) zu Grunde und nichts Christliches. Ueber die grünen Teufel vgl. Fiorillo I. 293. 307. v. Quandt, Reise in Spanien S. 115. Grimm, d. Myth. 1015. Mone, Schauspiele des Mittelalters II. 27. Auf sehr alten Miniaturen hat der Teufel Menschengestalt in grauer Farbe. Waagen, Paris S. 209. Später aber wird er immer schwarz gemalt als schwarzer Rabe, Affe, Bock, Hund, als schwarze Katze, Fliege, Kröte etc.

Wie Feind alles Lichts ist der Teufel auch Feind alles Lebens, daher „der Mörder von Anfang“ (Job. 8, 44.), „der brüllende Löwe,“ der da sucht, wen er verschlinge (1. Petri [467] 5, 8.). Schlimmer, als der Tod, der nur den Leib vernichtet, will er auch die Seele morden. Das Leben in der Verdammniss selbst ist eigentlich kein Leben, sondern nur ein unaufhörliches Sterben. Der Teufel kann nur tödten, nicht lebendig machen. Deshalb sind auch alle theils altjüdischen, theils mittelalterlichen Sagen von Teufelszeugungen auf heidnische Vorstellungen zurückzuführen und passen nicht auf den Teufel in seiner Bedeutung für das Christenthum. Dagegen wird die Unfruchtbarkeit des Teufels, wenn auch in einem rohen Bilde, doch klar und deutlich in der talmudistischen Legende von der Castration des Leviathan durch Jehovah ausgedrückt. Vgl. den Art. Leviathan. Auch die Hexenprozesse erkennen noch insofern die Unfruchtbarkeit des Teufels an, als sie meist voraussetzen, der mit den Hexen buhlende Teufel raube, aus Mangel an eigener Potenz, dieselbe den Männern. Damit hängt zusammen, dass aller vom Teufel vorgespiegelte Genuss nichtig ist. In unzähligen Volkssagen heisst es, wer einer Hexenmahlzeit anwohne, und reichlich zu schmausen und zu trinken wähne, finde sich nachher leeren Magens und unbeschreiblich nüchtern und hungrig, oder er erkenne, dass, was er für köstliche Speise gehalten, Knochen, Aas und Unflath gewesen sey. Reizende Weiber, die den Bethörten zu sich gelockt, verwandeln sich in das Aas eines Pferdes etc. Aus demselben Grunde kann der Teufel auch als Säemann nach dem Evangelium Matth. 13, 27. nur Unkraut säen. Darum ist ihm auch die unfruchtbare Wüste zur eigentlichen Wohnung angewiesen. Hier berührt sich die christliche Vorstellungsweise mit der heidnischen. Wie Ahriman, das böse Princip des Parsismus, in den Steppen von Turan, so haust Typhon, das böse Princip der alten Aegypter, in der Sandwüste. Die Juden schickten ihren berühmten Sündenbock als Opfer für den Teufel in die Wüste. In der Wüste versuchte der Teufel den Heiland und unzählige heilige Einsiedler.

Aus dem gleichen Grunde kann es auch für die christliche Vorstellungsweise keinen weiblichen Teufel geben. Was [468] davon in den altjüdischen und spätern Fabeln vorkommt, muss Alles auf heidnische Vorstellungen von verführerischen Nymphen, Nixen, Elben etc. zurückgeführt werden. Nach christlichem Begriff ist alles Weibliche, Mütterliche vom sterilen Teufel selbst ausgeschlossen und nur den Teufelsanbeterinnen, Zauberinnen und Hexen, als greuliche Verirrung der menschlichen Natur, zugewiesen.

Wenn nun gleichwohl der Bock, das üppigste und unzüchtigste Thier, vorzugsweise in die Teufelsgestalt übergeht und der Teufel der Unzucht als einer der vornehmsten gilt, so ist damit doch nicht eine gesunde Vermehrung der Leiber, wie beim Vieh, sondern nur ein Mord der Seele durch das Laster des Leibes gemeint. Der Teufel bedient sich nur der im Menschen selbst liegenden groben Sinnentriebe, um seine Seele zu verderben. Schon die heilige Schrift nennt ihn „das Thier“. Das Thierische im Menschen wurde in dieser Beziehung von den Alten hauptsächlich in den bocksfüssigen Satyrn personificirt. Piper, christl. Myth. I. 404f., hat daher nicht Unrecht, wenn er die Bocksgestalt des christlichen Teufels auf jene alte Satyrgestalt zurückführt. Eben so oft wie die Form des Bocks kommt die des Schweins vor für das Teuflische, was in der Sinnlichkeit liegt. – Die Lust am Tode dagegen, die innerste Wonne des Teufels, wird personificirt in dem aasliebenden Raben, dem Galgenvogel.

Unfruchtbar, nur tödtend, nicht belebend, als reine Negation kann der Teufel auch alle Wonnen, womit er verführt, nicht wirklich erzeugen, sondern nur aus der gemeinen Sinnenwelt borgen und den schönen Schein hinzulügen. Deshalb war Lügen sein Handwerk von Anbeginn. Er leugnet einerseits die göttliche Wahrheit und bethört andrerseits die Menschen mit nichtigen Einbildungen. Er besticht durch Sophismen ihren Verstand, damit sie das Wahre in falschem Lichte sehen, und er besticht durch Verblendung ihre Sinne, dass sie was Koth ist, vergoldet sehen, und Genüsse, die das gemeinste Thier mit den Menschen theilt, für Seelenwonne [469] halten. Als Lügner und listiger Verführer hat er vorzugsweise die Schlangengestalt.

In seiner principiellen Polemik gegen die göttliche Wahrheit ist er aber nicht blos schlauer Lügner und Sophist, sondern auch frecher Lästerer, indem er da, wo ihm sein Schlangenbiss gelungen, sich nicht mehr genirt, sondern in colossaler Frechheit seinen Gotteshass auslässt, bellend und zähnefletschend gegen Gott, wie ein böser Hund gegen die ihm unerreichbare Sonne. Weil ihm aber gelingt, viele Menschen zu verführen und von Gottes Wegen abzulocken, ist er zugleich schadenfroher Spötter. Die grösste Frechheit wird an ihm ausgedrückt durch die Gestalt des Nilpferdes, Krokodils, Schweines, Wolfes, Hundes, Spott durch die des Fuchses und Affen.

Ausser der Sinnlichkeit ist es hauptsächlich Eitelkeit und Hoffahrt, durch die er die Menschen beherrscht. Darin spiegelt sich seine eigene Hoffahrt, die aber immer karikirt erscheint, weil er zu keinem Stolz innerlich berechtigt ist, weil alle seine Macht, Gott gegenüber, doch nur Ohnmacht, alle seine Herrlichkeit, den Menschen gegenüber, doch nur Schein und Lüge ist. Die alten Maler drückten diese Eigenschaft des Teufels ziemlich naiv durch die Affengestalt und durch Attribute menschlicher Eitelkeit, Putz, Pfaufedern, Schmetterlingsflügel (so auf dem berühmten Weltgericht in Danzig) aus. Die modernen Versuche, den Teufel als König der Unterwelt in einer gewissen plutonischen Erhabenheit zu zeigen, mussten alle missrathen, weil ihm principiell jede Würde abgeht.

Der Teufel bleibt immer ein Knecht, ein untergeordnetes Wesen, das, nachdem es den Dienst Gottes verlassen, sich zum Dienst des Menschen erniedrigt, um den Menschen durch Kriecherei, Schmeichelei und reelle Dienste zu gewinnen. Dieses Knechtische im Teufel ist vorzugsweise das Hündische an ihm. Daher er so oft als „schwarzer Hund“ erscheint.

Weil der Teufel nur Böses will und Böses thut, kommen ihm die Attribute alles Bösen in der Welt zu, wohin auch [470] das Gegentheil von allem Gesunden, Heitern, Klaren, Schönen und den Sinnen Wohlgefälligen zu rechnen ist. Wie Gott, die Engel, Heiligen und Seligen ewig im Licht sind, so der Teufel immer in Nacht und Finsterniss; wie jene ewig in Wonne, so dieser ewig in Qual, und wie jene Wonne gewähren, so gewährt dieser nur Qual. Wie jene in Schönheit strahlen, so vereinigt dieser in sich alles Hässliche. Wie jene in himmlischen Harmonieen und Wohlgerüchen leben, deren Nachahmung Musik und Weihrauch der Kirchen sind, so gibt der Teufel nur Misstöne, greulichen Lärm von sich und lässt, wie das Sprichwort sagt, überall einen Gestank zurück. Wie jene von der Kunst in ewiger Ruhe oder in sanfter heiliger Bewegung aufgefasst werden, so dieser in gewaltsam zurückgehaltener oder losgelassener Gier und mehr als thierischer Wildheit. Ueberall erscheint der Teufel und sein Reich als das Gegenbild zum Himmelreich und zur Kirche. Vgl. d. Artikel Hexensabbath.

Es gibt jedoch auch eine teuflische Schönheit. Was die klugblickende graziöse Schlange nur sinnbildlich bezeichnet, das zeigt sich oft in der vollendeten Schönheit von Männern und Frauen, die dämonische Zaubermacht eines Don Juan, einer Circe. Wenn sich aber der Teufel auch aller Meisterformen des Schöpfers zu seinen Werken bedienen kann, so geht ihm doch dabei immer der Zauber der Unschuld ab, der jeden andern Zauber überwiegt. In der diabolischen Schönheit liegt immer etwas Unheimliches, was den Bewunderer anfremdet und erschreckt, er weiss nicht warum? Das ist die Abwesenheit der Unschuld. Die alten Maler wussten auch diese Eigenthümlichkeit des teuflischen Wesens auf eine naive Weise auszudrücken. Sie duldeten nämlich nicht, dass der Teufel, mochte er auch noch so schön als Mensch gemalt seyn, ein ganzer Mensch seyn durfte. Irgendwo, wenn auch nur ganz versteckt, musste etwas Thierisches an seiner Gestalt hervorblicken, ein Horn, ein Huf, eine Kralle, wenigstens ein spitziges Ohr. Schotti, physica cur. p. 336.

Eben so trügerisch, wie die Schönheit, ist auch der [471] Reichthum des Teufels, seine Schätze sind nur Blendwerk. Wenn er Gold schenkt, wird es zu Laub, Asche, Koth. Wenn er Mahlzeiten gibt, findet man zuletzt, dass man von todten Pferden, Baumrinden, Tannzapfen etc. gegessen hat. So durchgängig in den deutschen Volkssagen. Die Hexen, denen er ganz besonders zugethan ist, bleiben trotz seiner Gunst beständig bettelarm.

Nach alter Ueberlieferung darf der Teufel aller Thiere Gestalt annehmen, nur nicht die des Lammes und der Taube (Majoli, dies canic. p. 406.), weil diese die Unschuld bedeuten.

An die Stelle des Erhabenen tritt beim Teufel das Maasslose, Ungeheure. Wie alles Guten, Wahren und Schönen, so ist er auch alles Maasses und aller Harmonie Erbfeind. Darum hat er im Gegensatz gegen die gesunde und schöne Schöpfung Gottes sich selbst zum Urbild aller Missgeburten karikirt. In ihm spiegelt sich alles Unnatürliche und Verkehrte. Eben deshalb springt aber auch bei ihm das Schreckliche alsbald wieder in’s Lächerliche um, daher der unerschöpfliche Humor, der in der volksthümlichen Behandlung des Teufels in Sagen und Schauspielen niemals fehlt.

Die Maler haben von jeher darin übereingestimmt, in den Teufelsgestalten Extreme des Dicken und Dünnen, Kurzen und Langen, Riesenhaften und Zwerghaften, Plumpen und vielgliedrig Gerenkten etc. darzustellen, wobei sie mehr oder weniger auf entsprechende Thierformen Rücksicht nahmen. Dickteufel z. B. wurden gerne in die Kröten-, Schildkröten-, Schwein-, Wallross- und Nilpferdform gebracht. Dünnteufel in die Affen-, hauptsächlich aber Insektenform. Die Kunst ging jedoch weit über die Thierform hinaus in die äusserste Karikatur. Wie mit der ganzen Gestalt, so verfuhren sie auch mit einzelnen Gliedmassen, die widernatürlich vergrössert, verlängert und aus der menschlichen Form in die thierische übersetzt wurden. Dabei mögen die thierköpfigen Götzen der Aegypter hin und wieder zum Vorbild gedient haben. Vom hundsköpfigen Anubis, von der schweinsköpfigen [472] Nephthys bis zu den Teufeln der christlichen Bilder ist nur ein leiser Uebergang. Dass die Satyrn der Griechen und Römer in die Teufelsform übergingen, ist schon erwähnt. Seltner findet sich die Form des Kentaur oder Pferdmenschen. Vgl. Piper, christl. Myth. I. 374. Sie war noch eine Erinnerung der ersten christlichen Jahrhunderte an das eben besiegte Heidenthum, und kehrte erst in Dante’s grossem Gedicht wieder, als man von Neuem die classischen Dichter studirte. Dante holte noch mehr groteske Figuren der heidnischen Welt herbei, um damit seine christliche Hölle zu bevölkern, den Minotaur, Cerberus etc.

Teuflische Bildungen des Kopfs. Thierkopf auf einem Menschenleib. Ein vielköpfiges Thier (der Drache in der Offenbarung Johannis, ähnlich der antiken Hydra). Ein monströser Dickkopf auf dünnem Hals und kleinem Leibe. Tückischer, in Hals und Buckel vergrabener Koboldkopf. Lang vorgestreckter Kopf mit Geierhals. Den teuflischen Kopf bezeichnen gewöhnlich die Hörner des Bocks oder wenigstens kleine, nur über der Stirne angedeutete Satyrhörnchen, zuweilen auch der Hahnenkamm. Daher auch dann, wenn der Teufel als Junker erscheint, sein Barett mit einer Hahnenfeder geziert ist, die sich wie ein Horn krümmt und die zugleich den höllischen Hahn bezeichnet. – Auf altdeutschen Bildern hat der Teufel zuweilen grosse, aber schief gestellte Ohren, was von bösen und heimtückischen Pferden entlehnt ist. – Die Augen des Teufels sind gewöhnlich gross, grimmig, lechzend, roth unterlaufen oder flammenwerfend. Am scheusslichsten entstellt aber ist sein Mund, der immer mehr oder weniger zum verschlingenden Rachen, zum verkniffenen Schnabel, gierigen Rüssel etc. wird. Es gibt einen Fisch vom scheusslichsten Ansehen, der den zähnevollen Rachen nie zuschliesst. Das ist ein gutes Bild des ewig auf Raub lauernden Teufels. Gerade der Mund, der am Menschen die geistigste Feinheit ausdrückt, ist am Teufel das am meisten Beleidigende und Zurückstossende. Bald tritt das Gebiss, bald mehr die lechzende Zunge hervor, die [473] schlangenartige Pfeilzunge oder insektenartige Mandibeln und phantastische Fresswerkzeuge.

Nach einem Gesetz, welches schon in der antiken Sculptur angedeutet erscheint und in den Costumen verschiedener Zeiten und Völker wiederkehrt, correspondiren Bauch und Hintertheil, Schultern und Kniee mit dem Kopf. Daher die Wiederholung teuflischer Gesichter an diesen Theilen, oder wenigstens das Feuerspeien des Teufels von unten und oben. Die Gleichstellung des unedelsten Theils am Körper mit dem edelsten ist für die Teufelsform besonders charakteristisch. Vgl. Didron, man. p. 276. Daher auch der Kuss, den die Hexen dem Teufel auf dem Bloxberg hinterwärts geben. Horst, Zauberbibl. III. 371f.

An den Schultern trägt der Teufel insgemein Fledermausflügel, doch kommen auch Geierflügel vor und phantastische Insektenflügel. Hände und Füsse sind häufig thierische Krallen. Wenn der Teufel in schöner Menschengestalt verführen will, lässt er doch unter dem Gewand gewöhnlich den verrätherischen Pferdehuf oder Vogelkrallen blicken. Eben so charakteristisch ist für den Teufel der Schwanz, dem die naiven Maler gewöhnlich eine Pfeilspitze geben, um ihn von gemeinen Affenschwänzen zu unterscheiden. Endlich gibt man dem Teufel eine zottige, borstige Haut oder Schuppen.

Wo es gilt, die Teufel klein zu malen, z. B. wie sie aus dem Munde von Besessenen fahren, oder einem Verführten in’s Ohr flüstern, so werden sie als Raben, zuweilen auch als schwarze Insekten dargestellt wie Ameisen und Scorpionen. Vgl. Rathgeber, Gothaisches Museum S. 144. 231.

Wo es dagegen gilt, den Obersten der Teufel in voller Macht zu zeigen, tritt die Form des Drachen ein, wie in der Offenbarung Johannis. Im Drachen sind gleichsam alle Thierformen in ihrer höchsten Potenz concentrirt, die der Quadrupeden im Rachen und in den Füssen, die der Vögel in den Flügeln, die der Amphibien im Leib und in den Schuppen, die der Insekten im Schwanz.

[474] Malern und Dichtern ist ein weiter Spielraum vergönnt, die Teufelscharaktere im Einzelnen auf’s Mannigfachste auszumalen. Jedoch sollen sie sich in Acht nehmen, nicht in eine unsinnige Willkühr auszuschweifen, in welcher das specifisch Teuflische verloren geht. Von dieser Art sind schon die alten Miniaturbilder aus dem 12ten Jahrhundert gewesen, denen antike sogenannte Gryllen zum Vorbild gedient zu haben scheinen: Teufel mit Krokodilskopf, Vogelschnabel, Gesicht am Bauch und Schlangenkopf am Schwanze etc. Didron, icon. p. 283. Auch spätere Maler, wie Bosch, Callot, der Höllenbreughel etc., sind in der humoristischen Freiheit zu weit gegangen und haben den Teufeln selbst die Formen lebloser Gegenstände gegeben, um komische Effecte zu erzielen, wobei aber das specifisch Dämonische verloren geht. Das passt vortrefflich zu den Satyren von Rabelais, aber nicht in Bilder, deren Hintergrund immer der kirchliche Ernst bleiben soll. Auch schon der grosse Dante wird in den Teufelsnamen „Schlimmkralle, Nebelschwanz, Schindsau, Wirrwarr, Wirrbart etc.“ zu lustig. Vgl. Dante von Kopisch S. 83. Auch Mone, Schauspiele des Mittelalters I. 198.

Dasjenige Glied, an welchem der Teufel von der Legende, Volkssage und Dichtung gleichsam mit Gewalt in’s Reich des Komischen hineingezogen wird, ist die Nase. In wie vielen Legenden und Sagen wird dem vorwitzigen Teufel nicht von einem heiligen oder klugen Schmiede (dem heiligen Dunstan, dem Schmied von Apolda etc.) die Nase abgezwickt! Eben so komisch erscheinen auf unzähligen Bildern die Teufel, die auf ihrer eigenen langen Nase Flöte oder Dudelsack spielen, ein besonders bei den deutschen Malern sehr beliebtes Motiv. Es ist die Frage, ob dieser Vorstellung nicht altheidnische Erinnerungen zu Grunde liegen. Inzwischen ist sie christlich zu rechtfertigen durch die Situation, in welche der Teufel nothwendig jedesmal kommen muss, wenn er in seiner knechtischen Ohnmacht sich an das unantastbar Heilige wagt. Der Spott über den Teufel in der Blüthezeit des Mittelalters war ein Zeichen des Glaubensmuthes und eines gesunden [475] Volkslebens; die Teufelsangst, mit der die Reformation begann, das Zeichen vom Gegentheil.

Christliche Vorstellungen, die sich mit altheidnischen Erinnerungen an elbische Wesen und Zauberei berühren, sind die Wolf- und Fuchs-, die Kukuks- und Fliegen-, endlich auch die Rüben- und Wurzelgestalt des Teufels. Als Wolf bezeichnet der christliche Teufel den hungrigen Allverschlinger, wie in der nordischen Edda. Als Fuchs den arglistigen Weltbetrüger, wie im altdeutschen Reinecke. Als Kukuk den neckischen, foppenden Dämon. Als Fliege den unverschämten Belästiger. Als Alraun (Wurzelmännlein) das personificirte Miasma und Gift der Verwesung in der finstern Erde, das allem höhern Leben feindlich und verderblich ist, aber auch über alle Schätze im Innern der Erde gebietet.

Im Ulmer Münster ist an den Geländern der Treppe zum Sakramentshäuschen allerlei höllisches Gewürm angebracht, welches eidechsenartig daran auf- und abgleitet. Dazu auf der Schwelle des Sakramentshäuschens selbst ein Teufel, der sich zwischen zwei Löwen, die gleichsam hier als Wächter erscheinen, in höchster Angst windet und krümmt und nicht loskommen zu können scheint. Damit sind ohne Zweifel, wie mit den teuflischen Frazzen, die in andern Kirchen so oft unter Capitälen, Balken und sonst aus dem Versteck hervorlauschen, nur die bösen Gedanken gemeint, die den Menschen auch in der Kirche, mitten unter den heiligsten Eindrücken befallen. In der Legende des heiligen Macarius von Alexandrien kommen viel solche kleine, mehr insektenartige, als ungeheuerliche Teufel vor, die mitten in der Kirche während des Gottesdienstes sichtbar werden, den Lässigen böse Gedanken in’s Ohr flüstern, Andere schläfrig machen, einen Dritten zum Lachen reizen oder sonst in der Andacht stören.

Die Classification der Teufel ist ursprünglich keine andere, als die der Laster. Weil das Böse Gegenbild des Guten ist, so theilt sich der gefallene Urgeist Lucifer gegenüber der heiligen Dreieinigkeit in einer unheiligen Dreiheit und emanirt, gegenüber den sieben Geistern Gottes, in sieben unreinen [476] Geistern, den Prototypen der Hauptlaster. Der als gefallener erster Engel Lucifer heisst, ist zugleich der Satan, der Teufel par excellence, Fürst der Finsterniss und Hölle. Als Gegenbild der Dreieinigkeit erscheint er dreiköpfig im Mittelpunkt der Erde, in der tiefsten Tiefe, bei Dante, auch in alten Miniaturen. Didron, man. p. 78; dessen icon. p. 544. – Der einem Götzen entlehnte Beelzebub und der thierische Leviathan sind nur andere Bezeichnungen für dasselbe böse Urwesen.

Alle untern Rangordnungen müssen aus dem Wesen des Bösen herfliessen und die verschiedenartigen Laster personificiren, gegenübergestellt den Tugenden. Man hat auch zehn Hauptteufel unterschieden als Gegner der zehn Gebote. Zulässig sind auch die Unterscheidungen von ausserordentlichen Teufeln, die in ausserordentlichen Lastern und Tollheiten der Menschen wirksam erscheinen. So schuf das Reformationszeitalter, in dem überhaupt der Teufel seinen Triumph feierte, ganz neue Teufel, entsprechend den damals aufkommenden, die menschliche Gesellschaft verpestenden Lastern und Missbräuchen, als da waren: der Sauf-, Fress-, Hof-, Schul-, Jagd-, Spiel-, Fluch- und Hosenteufel, bezüglich auf die lüderlichen Sitten und phantastischen Trachten, die damals aufkamen. Von dieser Art ist auch der beim russischen Volk gegenwärtig sehr populäre „Geldteufel“, der zugleich eine Personifikation der habgierigen russischen Beamtenwelt ist. Vgl. Kohl, Russland I. 137. – Nicht unfein ist in Lessings berühmtem Fragment von Faust die Classification der Teufel nach der Schnelligkeit ihres Wirkens. – Durchaus unzulässig ist die Classification der Teufel nach den Elementen und Naturreichen. Indem man antike Naturgötter zu Teufeln machte oder auch die nordische Elben- und Zwergenwelt in’s Teuflische übersetzte (wie z. B. Theophrastus Paracelsus that), griff man zu weit in’s heidnische Gebiet über und dehnte den Begriff des Teuflischen zu weit aus. Nur in den geistigen Elementen, nur in den geschichtlichen Reichen wirken Dämonen. Daher den Engeln der Völker, den Schutzengeln und Patronen der Genossenschaften und Stände auch Teufel [477] gegenüberstehen, die in den Lastern dieser Völker und Stände hauptsächlich thätig sind. Nach einer alten Legende vertheilte der Teufel seine sieben Töchter, die Hauptlaster, unter die Hauptclassen der Menschen, nur die Buhlerei blieb übrig und wurde daher allen gemein. Görres, Mystik III. 698. Man muss die in einem Laster wirksamen Teufel noch von den einer besondern Tugend, oder einem Sakrament feindlichen Teufeln unterscheiden. So steht neben dem Teufel der Unzucht ausdrücklich noch ein ehefeindlicher Teufel, den uns das Buch Tobias kennen lehrt.

Es würde mich doch wohl zu weit führen, wenn ich den Versuch machen wollte, hier in längern Aneinanderreihungen jene Legionen und Cohorten zu verfolgen, die ihre schwarzen Spuren in der Weltgeschichte hinterlassen haben.

Auch das Vorkommen der Teufel in der heiligen Geschichte kann ich hier nicht im Einzelnen aufzählen. Es ist bekannt genug und auf allen Kirchenbildern, auf denen biblische Scenen mit dem Teufel vorkommen, vom Sündenfall bis zum Weltgericht verständlich.

Da der Teufel nichts schaffen, sondern nur zerstören kann, so ist er auch als Säemann in der biblischen Parabel nur Säer des Unkrauts. Deshalb macht ihn die Volkslegende auch zum Säemann aller Ketzer und Unruhestifter. Er raffte z. B. einmal die Schwenkfelder von der Erde auf, that sie in einen Sack und wollte sie zur Hölle führen, der Sack stiess aber an den Spitzberg in Schlesien, da fielen die Ketzer heraus und existiren noch in der Umgegend. In gleicher Weise säte er böse Junker in der Lausitz.

Der Teufel ist Erfinder des Würfelspiels. Die bösen Folgen dieses Spiels sind daher in einem altitalienischen Bilde geistreich aufgefasst in fünf Köpfen, welche die Zahl 5 im Würfel ausdrücken. Die vier äussern Köpfe gehören Verdammten an und haben Mienen voll Verzweiflung, der mittlere gehört dem Teufel an und lacht schadenfroh. – In solchen symbolischen und allegorischen Anwendungen haben Poesie und Kunst noch einen unendlichen Spielraum.

[478] In Bildern, die sich auf Heiligenlegenden beziehen, ist der Teufel oft stehendes Attribut. Als Versucher finden wir ihn bei den Heiligen Antonius, Macarius, Romualdus, Victorinus, bei der heiligen Katharina von Siena etc. Auf einsamem Felsen im Meer wird der heilige Martinianus vom Teufel versucht. In Christi Gestalt der heilige Martin und der h. Potitus. Auf dem Meer wird das Schiff des h. Marcus, auch das des h. Brandanus von Teufeln umdroht.

Besiegt liegt der Teufel überwunden zu den Füssen des Erzengels Michael und des ritterlichen heiligen Georg. Gefesselt folgt er der h. Digma, Juliana, dem h. Cyriacus und Norbert. Gebunden liegt er zu Füssen der h. Genoveva und muss ihr das Licht halten. Auch dem h. Dominicus muss er das Licht halten, das ihm bis auf die Finger brennt. Der h. Gudula versucht er vergebens das Licht auszublasen. Der h. Bartholomäus zwingt ihn, Christum zu bekennen. Der h. Dunstan zwickt ihn bei der Nase. Sehr viele Heilige treiben Teufel aus, die in Gestalt von Raben davonfliegen.