Das auslaufende Faß

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Das auslaufende Faß
Untertitel:
aus: Erotische Volkslieder aus Deutschland, S. 83–84
Herausgeber: Hans Ostwald
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1910]
Verlag: Eberhard Frowein
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Princeton-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[83]

Das auslaufende Faß

Der Wirt hat gehabt a schöne Magd,
Er hat sie gehabt so lieb,
Und wenns wo was zu tun hat gebn,
War er ein schlauer Dieb.

5
Er hätte sie so gern verführt,

Sie aber hat sich sakrisch gwehrt,
Sie sagt es geht net an,
Es täts kein braver Mann.

Der Wirt hat ghabt im Keller drunt

10
Ein Faß Würzburger Wein.

Da hats halt immer dran gefehlt,
Wenn er wollt schenken ein.
Die Frau, die dacht es tuts der Mann
Der dacht die Frau,

15
Sie dachtens beid recht schlau,

Aber gwußt hat keins genau.

Der Wirt der kam von ungefähr
Einmal in d’ Keller no,
Da traf er seine schöne Magd

20
Im besten Saufen an.

„Ei ei, ei ei, es ist mir lieb,
Daß ich einmal erwisch den Dieb,
Jetzt kommts auf mir blos an,
Daß ich nix sag davon.“

25
Die Magd die denkt, was fang ich an,

Daß ders der Frau net sagt,

[84]

Sonst werde ja auf der Stell
Zum Hause raus gejagt.
Und um die Geschichte zu vermeiden,

30
So läßt sich die Magd von ihm verleiten,

Und sagt mein lieber Herr:
Da kommen sie nur her!

Der Wirt, der bleibt gar lange Zeit,
Mit der Magd im Keller unt’.

35
Die Frau, die schreit von oben herab:

Lieber Mann machs nicht zu bunt!
Mein liebes Weib, jetzt weiß ichs gewiß,
Wo unser Faß ausg’laufen is,
Ich hab das Loch entdeckt,

40
Dös hat mich sakrisch steckt.


Verstopf’s nur gut, verstopf’s nur gut,
Ei du mein lieber Mann!
Mein liebes Weib, mein liebes Weib,
Ich stopf’s, so gut ich kann!

45
So ist die Geschicht nun gworden aus,

Das Faß ist nimmer g’laufen aus,
Und hats a bisl tropft,
So hat er’s gleich verstopft.

 Thüringen.