Das moderne Judenthum in Deutschland (Zweite Rede)

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Textdaten
Autor: Adolf Stoecker
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Titel: Das moderne Judenthum in Deutschland besonders in Berlin
Untertitel: Zweite Rede
aus: Das moderne Judenthum in Deutschland besonders in Berlin. Zwei Reden in der christlich-socialen Arbeiterpartei, S. 20–39
Herausgeber:
Auflage: 4. Aufl.
Entstehungsdatum: 1879
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Wiegandt und Grieben
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Erscheinungsort: Berlin
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Kurzbeschreibung: Antisemitische Schrift
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[20]
Zweite Rede.


Gern hätte ich die Aufregung einer zweiten Discussion über die Judenfrage vermieden, aber ich habe versprochen, daß wir auf den wichtigen Gegenstand noch einmal zurückkommen würden; auch die Israeliten, welche an der ersten Versammlung theilnahmen, haben eine Wiederholung der Verhandlung gewünscht: so komme ich denn heute ihrem Wunsche und meinem Versprechen nach.

Was ich vorausgesehen und angekündigt habe, die lügnerische Entstellung unserer ersten Versammlung, ist natürlich eingetroffen. Die antichristliche Presse Berlins ist gar nicht mehr fähig, die Wahrheit zu sagen. Auch ein Blatt wie die Nationalzeitung brachte einen wesentlich falschen Bericht; und bis heute hat sie trotz der Aufforderung des Reichsboten denselben nicht berichtigt, obwohl es doch so leicht war, aus der gedruckten Rede die volle Wahrheit mitzutheilen. Von manchen anderen Zeitungen erwartet man gar nichts anderes, als grobe Unwahrheiten; diesmal hat ein aufrichtiger Israelit, der an der ersten Besprechung thätigen Antheil genommen hatte, wenigstens das Tageblatt in einem offenen Schreiben der Lüge geziehen!

[21] Da dies Schreiben für den Werth und Charakter der Berliner Judenpresse so überaus bezeichnend ist, lassen wir es hier folgen:[1]

Nach solchen Lügen bildet sich eine leichtgläubige Leserschaft ihr Urtheil, die auswärtige Presse druckt die Berliner Erfindungen nach, und in der Welt bildet sich die alberne Meinung, in den christlich-socialen Versammlungen werde eine Judenhetze veranstaltet. Berliner Fortschrittsmänner behaupten solche Albernheiten in Volksversammlungen; da darf man sich nicht wundern, daß ein Hamburger „Religionsloser“ sich über „die gemeinsten und niederträchtigsten Verleumdungen,“ über den „Schmutz und Koth,“ womit die Juden beworfen worden, beschwert und mit einem komisch wirkenden Pathos an mich schreibt: „Ist denn ein Mensch zu verdammen, der in seiner Unwissenheit die schändlichen Lehren, welche Sie bestrebt sind [22] ihm beizubringen, in sich einsaugt und so zum Bösewicht wird?“ Ich habe Briefe empfangen, die rein im Fieber geschrieben sind. Der eine verwünscht mich als einen zweiten Massenmörder Haman und prophezeit mir ein gleiches Ende; der andere erklärt, in England oder Amerika würde ich an den nächsten Laternenpfahl gehängt werden; ein dritter vergleicht mich mit Most und bedroht mich mit Ausweisung; ein vierter, der sich, um größeren Eindruck zu machen, Freund und Amtsgenosse nennt, stellt mir die Schrecken einer Disciplinaruntersuchung und Amtsentsetzung vor Augen und dringt in mich, alles Gesagte zurückzunehmen. Daneben fehlt es nicht an unglaublichen Gemeinheiten, die ich nicht wiedergeben kann. Das sind die Resultate der ordinären Zeitungslügen. Aus der Höhe einer anständigen, friedlichen Discussion wird die Judenfrage ohne [23] meine Schuld in den Rinnstein gezerrt. Mögen die Redacteure dafür die Verantwortung auf sich nehmen. Denn daß man eine so wichtige, für Wohl und Wehe unseres Volkes so entscheidende Frage garnicht berühren darf, werden sie höchstens heimlich zu wünschen, nicht öffentlich auszusprechen wagen.

Wer meine Rede wirklich gelesen hat, kann mich vielleicht bekämpfen, wenn er ein Jude oder Judengenosse ist, aber er kann mich nicht anklagen. Nie ist in mehr sachlicher, ruhiger Weise vom Standpunkt christlichen Glaubens das interessante Thema behandelt. Einige Israeliten haben das in ihren Briefen an mich ausdrücklich anerkannt. Um so kläglicher ist der Eindruck, den es macht, wenn Berliner Bezirksvereine unter den Aufreizungen schimpfender Israeliten sich zu der Thorheit verleiten lassen, leidenschaftliche und sinnlose Resolutionen zu fassen. Ja, der Stralauer Bezirksverein hat die Kühnheit gehabt, die Stadtverordnetenversammlung [24] aufzufordern „an maßgebender Stelle sofort Schritte einzuleiten, welche derartige Vorgänge in Zukunft unmöglich machen.“ Ich wünsche von Herzen, daß die Stadtverordnetenversammlung diese Vorgänge untersucht. Sie ist allerdings mit jüdischen Elementen weit über das Verhältniß der Bevölkerungszahl durchsetzt; aber ich traue ihr doch die Gerechtigkeit zu, daß sie nach geschehener Untersuchung nur Dr. Straßmann, ihren eigenen Vorsteher, tadeln würde. Denn eben die Auslassungen dieses Mannes, eines Juden, über unsere kirchlichen Verhältnisse haben es zu absoluten Nothwendigkeit gemacht, den jüdischen Anmaßungen ein energisches Halt zuzurufen. In seiner Stellung als der Präsident einer Körperschaft, welche neben den 45,000 Juden doch auch eine Million Christen zu vertreten hat, durfte er nicht sagen, was er gesagt hat. Ich habe aus Schonung in meiner vorigen Rede nur das weniger Beleidigende seiner Angriffe hervorgehoben, ich muß heute, um jedem Unpartheiischen ein Urtheil zu ermöglichen, den ganzen Abschnitt citiren. Derselbe lautet folgendermaßen:

„Die kirchliche Reaction nimmt einen kühnen Anlauf. Schon erheben sich nicht mehr die Dunkelmänner gewöhnlichen Schlages, sondern die wirklichen Ketzerrichter, die am liebsten die Andersgläubigen auf Scheiterhaufen verbrennen möchten, und in Ermangelung dessen statt der Liebe, zu der sie verpflichtet, nur Haß und Zwietracht predigen. Gott möge sie nicht nach ihren Thaten richten und noch weniger nach ihren Worten, denn ihre Zunge ist wie die der giftigen Viper und ihr Athem ist wie der Hauch des Sumpfes, in dessen Miasmen das Leben hinsiecht.“

Nicht wahr, es würde einen seltsamen Eindruck machen, wenn Dr. Straßmann nach solchen feindseligen, übrigens geschmacklosen Aeußerungen gegen christliche Parteien sich darüber beschweren wollte, daß man dergleichen Schmähungen höflich von sich abweist? Darüber interpellirt, hat er sich auf sein Recht als Wahlcandidat berufen und erklärt, er meine damit nur diejenigen, welche Haß und Zwietracht säen und den Frieden stören. [25] Dem gegenüber berufe ich mich auf das bessere Recht, als ein Diener des Evangeliums von einer Kirche unverdiente Beleidigungen abzuwehren und mein Volk vor der Entchristlichung zu schützen, die es von Seiten der jüdischen Presse bedroht. Ich erkenne darin einfach eine Pflicht; da ich dieselbe auf der Kanzel nicht üben darf, bediene ich mich der öffentlichen Versammlung, um die bösen Mächte, welche unser Volk dem Abgrunde zutreiben, an das helle Tageslicht zu ziehen und zu züchtigen. Man hat mich aufgefordert, ich solle die Zeitungen beibringen, in denen unsere Heiligthümer verlästert wurden. Wohlan, da sind Zeugnisse aus diesem Jahre; zuerst ein Bußtagsartikel des Tageblatts.

„Die Glocken läuten – richtig, morgen ist Feiertag. Doch nein, kein Feiertag, kein Tag der Festesfreude, des lärmenden Volksgedränges und der lustigen Tanzweisen, sondern ein Tag innerer Einkehr und ernster Beschaulichkeit, der strenge Tag der Buße ist es …

Buße! – Ein hartes rauhes Wort, mit welchem Mancher gleich mir nichts Rechtes anzufangen wissen wird. Nichts weniger als ein Verächter der Religion, bin ich doch ein entschiedener Feind jener finsteren Doctrin, welche die Welt nur als ein klägliches Jammerthal und ihre Bewohner als eitel verruchte Sünder ansieht, von denen jeder zerknirscht an die Brust schlagen und ausrufen müßte:

Ach mich stechen im Gewissen
Dornen, und ich soll ein Bissen
Gieriger Höllenwölfe sein …

Nein, solcher düsteren Weltanschauung kann ich nicht Raum geben. Freilich sind wir Menschen eitle, eigensüchtige Creaturen, die einander oft neiden und befehden, und es giebt unter uns Wesen, in denen diese Fehler zu absoluter Unnatur entartet sind, aber diese bilden doch glücklicher Weise nur die Ausnahmen, und im Allgemeinen halte ich uns Menschen für lange nicht so schlecht, als wir selbst gewöhnlich uns zu machen pflegen.

Bei dieser günstigen Meinung von mir und meinen Mitmenschen soll ich nun Buße thun – gut, ich will’s versuchen, [26] obwohl ich von vornherein überzeugt bin, daß es mir nicht glücken wird, zu jener tiefen Zerknirschung zu gelangen, wie sie die Donnerworte der Kanzel erheischen. Aber bei einigem guten Willen gelingt es mir vielleicht doch noch, mich etlicher Sünden zu überführen …

Nun theilt es die Sünden in Begehrungs- und Unterlassungssünden und stellt in Beziehung auf erstere folgende Betrachtung an:

Ach, von vornherein erhebt sich eine große Schwierigkeit: Ich sinne, sinne – sinne Tag und Nacht zurück und kann absolut nicht finden, wo und wie ich gesündigt hätte. Ich bin eben ein harmloser Mensch, der mit aller Welt in Frieden lebt, des Tages seine ernste Arbeit verrichtet, des Abends sein bescheidenes Schöpplein trinkt und nach dem zweiten, höchstens dritten fromm nach Hause geht … Am besten wird es schon sein, ich klammere mich an einen bestimmten Tag an, und so nehm’ ich denn den gestrigen. Gleich nach dem Aufstehen hab’ ich zum Mokka die Zeitung gelesen – ja, allerdings, das war eine große Begehrungssünde, daß ich durch die ewigen Zolltarifs-Artikel und Debatten mir die Laune verderben ließ. Nun wird’s ein Ende haben mit dem starken Mokka und der Havanna-Cigarre wie auch mit dem Bordeauxwein und allen andern Freuden, welche einen mitteljährigen Junggesellen über die Einsamkeit seines Daseins zu trösten vermögen. An Mehreinnahmen kann bei diesen Zeiten nur ein Bismarck denken, und so wird man denn schon die Zahl der Schöpplein heruntersetzen und zu Uckermärker mit Pfälzer Deckblatt greifen müssen. In der sicheren Aussicht dieser trostlosen Zustände hab’ ich dann den Tag über, ganz gegen meine Gewohnheit, mir noch einmal recht gütlich gethan in den Genüssen, die nächstens unerschwinglich theuer sein werden, und des Abends bin ich voll düsterer Bitterkeit in’s Theater gegangen. Wehe, welcher Berg von Begehrungssünden fällt mir da ein! Ich bin ein Theaterfreund und lasse selten ein neues Stück oder einen fremden Gast aus, und wie schmählich hab’ ich nun den vergangenen Winter hindurch in mehr als 20 schlechten Stücken und mindestens einem Dutzend grausamlicher [27] Maria Stuarts die schöne kostbare Zeit vergeudet! Ja, das waren Sünden, welche abzubüßen die Pönitenz der persönlichen Gegenwart lange nicht ausgereicht hat.

Nun geht es zu den Unterlassungssünden über, die es lediglich in unterlassenen Vergnügen und Genüssen findet. Es schreibt:

Das Vergeuden der Zeit, ja, darin sind wir allzumal Sünder, die jeglichen Ruhmes ermangeln. Und neben der Vergeudung das Versäumen und Verpassen der Zeit – ein Thema, bei dessen Erwägung dem Nachsinnenden sich eine wahrhaft unendliche Perspective eröffnet. Wie viele herrliche Frühlings- und Sommertage hast Du in der gemeinen Sucht nach Erwerb hinter dumpfen Mauern verbracht! Indessen Du in staubiger Luft Deine Rechnung machtest und Pfennig zu Pfennig legtest, stieg draußen die Lerche hoch, brauste der Strom dahin und rauschte der Wald sein Lied … Du meinst, das könntest Du immer noch haben? O nein, wie in jenen versäumten Tagen singt nimmer wieder die Lerche Dir, rauscht niemals Dir der Wald, denn Du bist seit damals wieder um eine Spanne älter und stumpfer geworden …

Und indem Du so nachsinnst der verlorenen Zeit, tauchen vor Deinem Blicke aus dem Nebel der Erinnerung nicht auch allerlei Sterne auf, dunkle und helle, in sanftem Licht wie in funkelndem Glanz? Augensterne sind es, die einen in schüchterner Bitte auf Dich gerichtet, die anderen wie in trotziger Frage, welche der Antwort gewiß ist … Ach, heute verstehst Du so Bitte und Frage, die Du einst in thörichter Lässigkeit nicht vernommen, und wärest gern zu Antwort und Gewährung bereit, aber Deine Arme, die Du sehnsüchtig ausstreckst, greifen ins Wesenlose. So wenig wir nach den Lehren der Forschung wissen, ob die Sterne, welche vom Himmel zu uns hernieder leuchten, wirklich noch am Firmamente existiren und nicht längst untergegangen sind, so wenig weißt Du, ob und wo jene Sterne noch strahlen, die einst Dir gelächelt, aber durch Monde und Jahre, durch weit entlegene Ferne [28] dringt ihr Glanz zu Dir, eine höhnende Lockung des Unmöglichen, eine vorwurfsvolle Anklage unsühnbarer Schuld.“

Also die Unterlassung von Buhlereien, denn das bedeutet doch die Spielerei mit den schüchternen und trotzigen Augen, ist Unterlassungssünde, welche der frivole Schreiber als unsühnbare Schuld bezeichnet. Und dieser Bußtag war der erste nach den Attentaten; der erste, nachdem in furchtbaren Freveln die Wunde unseres Volkes aufgebrochen war. Ist solch ein Artikel nicht selber ein Attentat auf die Sittlichkeit und Religion?

Im August d. J. war hier in Berlin die lutherische Conferenz versammelt; die Art, wie das Berliner Tageblatt darüber redete, war durchaus ordinär und gehässig.

„Nun saß die erlesene Streitschaar des Himmels auf den Rohrstühlen – eine stattliche Zahl, sie ging in die Hunderte. Welche Fülle salbungsvoller, scheindemüthiger, kampflustsprühender theologischer Gesichter! Neben der ländlich zugeschnittenen Figur des simplen Dorfpastors der schlankgebaute „Streber“ mit dem elegant gestutzten Backenbart, neben dem corpulenten, gutmüthig dreinschauenden Superintendenten aus Hinterpommern der finsterblickende Zelot vom „Generalstabe,“ außerdem ein kleines Contingent von der heiligen Sache zugethanen Laien.“

Noch dem „Originalbericht“ des „Berliner Tageblatts“ sei hier ein Platz eingeräumt:

„Duster im Innern und duster im Aeußern – das war die Signatur der Verhandlungen der August-Conferenz am Mittwoch Nachmittag. Während des larmoyanten Vortrages des Pastors Tauscher über „die lutherische Kirche, ein Salz und Licht für die Zukunft unseres deutschen Volkes“ senkte sich eine ägyptische Finsterniß auf die Häupter der frommen Herren, und es hatte etwas Gespensterhaftes, inmitten dieser Finsterniß die Umrisse des eifernden Pastors von St. Lukas hervorragen zu sehen. Der schöne Saal der Reichshallen, der immer mehr einen interconfessionellen Charakter annimmt und heute der Dr. Kalthoff’schen Gemeinde, morgen der August-Conferenz und übermorgen den Juden Gelegenheit zur Andacht bietet, hatte nämlich die Eigenthümlichkeit, daß seine Lüstres den [29] Dienst versagten. Und wie schön paßte diese Lichtentziehung zu dem Charakter der ganzen Versammlung!“

Noch schlimmer waren die Auslassungen des Börsen-Courier:

„Die Hundstage bringen uns Jahr für Jahr seltsame Gäste. Es ist natürlich eine Zufälligkeit, daß es gerade die Zeit der glühenden Sonnenhitze (?!) ist, in der sich die Blüthe unserer Orthodoxie in den Mauern unserer sündigen Stadt zusammenfindet, um über das zu berathen, was zum ewigen Heile in dieser sündenbelasteten Zeit noth thut … Zur Zeit in der Schneidercongreß, der Congreß der Schornsteinfeger und der Congreß der Zitherschläger zusammentritt, pflegt sich in Berlin auch die August-Conferenz zu versammeln. In der Periode, in der in den Theatern nur wenig Novitäten aufgeführt werden, in der die Witzblätter meist etwas matt sind unter dem Einflusse der erschlaffenden Hitze, beginnt sich die preußische Orthodoxie dem verehrlichen Publikum zu präsentiren. Zunächst werden dabei fromme Lieder gesungen und alsdann eben so endlose, wie salbungsvolle Reden gehalten. Aber mitunter wird das den Herren ein wenig zu langweilig und dann steht einer von den frommen 400 auf, und zum Ergötzen der, durch all die Salbung und all die Frömmigkeit herzlich ermüdeten übrigen 399 beginnt er eine lustige Kapuzinerpredigt zu halten mit „Heißa, Juchheißa, Dudeldumdei“, mit allerlei lustigen Sprüngen und ergötzlichen Scherzen.“

Dasselbe Blatt leistete das Aeußerste von Zuchtlosigkeit in einem Aufsatz, der Gegenstand gerichtlicher Verfolgung geworden ist.

In demselben fingirt der Schreiber einen Traum. Es träumt ihm in der Weltausstellung, daß ein Maler wegen der Ausstellung eines Bildes vom 12jährigen Jesus im Tempel angeklagt worden sei. Das Bild des Jesusknaben wird nun folgendermaßen beschrieben:

„Es stellt einen jüdischen Israelitenknaben mosaischen Antlitzes in einem weißen, nicht ganz reinlichen Kittel dar. Selbiger Israelitenknabe hat rothes Haar und wahrscheinlich [30] Sommersprossen. Darüber, ob er schielt, sind die Ansichten getheilt. Besagter mosaischer Israelitenknabe scheint mehreren älteren Gentlemen von mehr hebräischem als respectablem Aeußern irgend etwas zu erklären. Er bewegt die Hände – so was man etwa im Berliner Jargon „er mauschelt mit den Händen“ nennt.

Man hat ferner den vagen Eindruck, als ob sie [nämlich die Umgebung des Knaben, von der es heißt: „der Gesichtsausdruck der Herren in den Röcken und Gebetmänteln schwankt zwischen drei Jahren Zuchthaus bis zu vier Monaten Gefängniß“] Schmeie, Jekend, Jizchek, Awrohim, Szimche und Leibel hießen, während der kleine rothhaarige Knabe, der nur um ein Weniges weniger schlecht zu riechen scheint, als seine Umgebung sich ohne Frage in den officiellen Geburtsregistern „Leiser“ nennt, in der holden Intimität des Privatlebens aber sicher „Leiserche“, oder auch „Leiserleben“ gerufen wird. Seine Beschäftigung auf dem Bilde ist ersichtlich die, den alten Gentlemen zu erklären, auf welche Art er, der kleine Tausendsasa mit den rothen Haaren einen Profit zu machen gedenke. Ein Theil der alten Herren scheint recht erfreut, während Einer augenscheinlich zu sich selber sagt: „Mah, heißt e Marrischkeit!“ und ein Anderer die geflügelten Worte zu sprechen scheint: „Will der Jung schon schmußen von’s Geschäft!“ …“

Zu seiner Rechtfertigung sagt dann der Maler, er sei ein moderner Maler:

„Christus ist der Sohn Josephs, nicht wahr? Er ist also ein jüdischer Knabe gewesen. Da wir modernen Menschen an Wunder nicht glauben, kann ich mir nicht helfen, – er wird jüdisch ausgesehen haben. Jüdische Knaben haben häufig rothe Haare. Warum soll Christus nicht rothe Haare gehabt haben? Israelitenknaben tragen manchmal etwas schmutzige Kittel. Warum soll Christus einen ganz reinen angehabt haben? Jüdische Knaben mauscheln häufig mit den Händen; warum soll Christus, als er im Tempel mit den Priestern – die doch auch gewiß die Hände nicht still gehalten haben, nicht mit den vorderen Extremitäten gemauschelt haben? Hoher [31] Gerichtshof, ich weiß nicht, ob es ein wahres Bild ist, denn ich bin nicht dabei gewesen. Aber ein realistisch wahrscheinliches Bild ist es und darum bitte ich um Freisprechung von der Anklage.[2]

Bedenken Sie, meine Herren von Israel, daß uns Christus gerade so heilig ist, wie Ihnen Jehovah, und Sie müssen unsern Zorn, anstatt zu verdammen, ehren und anerkennen.

Wie aber die Berliner Witzblätter, lauter jüdisches Giftgeschmeiß, die christlichen Dinge verhöhnen und verspotten, oft in einer einzigen Nummer drei, vier Mal, weiß Jeder, der diese verderblichen Blätter liest. Ebenso wie sie, sind auch die jüdisch-liberalen Zeitungen völlig in Haß gegen das Christenthum eingetaucht; die Artikel, welche wir oben abgedruckt haben, sind nur das Schlimmste von vielem Schlimmen seit einem halben Jahr. Bei diesem Zustand der Dinge von Judenhetze, Judenverfolgung zu reden, ist ein baarer Unsinn. Jene Blätter treiben das ganze Jahr Kirchenschmähung, Christenthumshetze, Pastorenverfolgung; sie thun dies in der Hauptstadt der größten protestantischen Macht der Welt. Und wenn dann zuletzt, um das Volk diesen Niederträchtigkeiten nicht zum Opfer werden zu lassen, zur Nothwehr gerufen wird, wenn ein Geistlicher in der nobelsten Weise sich diesen Gemeinheiten widersetzt, dann ruft dieselbe Presse nach dem Staatsanwalt, nach der kirchlichen Obrigkeit. [32] Christen aber, die für solche schimpflichen Gegner ihrer Glaubensgenossen unter die Waffen treten, wissen nicht was sie thun. Die Blätter, die ich citirt habe, sind in jüdischem Besitz; die Eigenthümer sind für den Inhalt derselben moralisch verantwortlich.

Ich bin von einem anständigen Juden gefragt, was ich eigentlich mit meinem Angriff gegen das moderne Judenthum bezwecke. Meine Antwort ist die, daß ich in dem zügellosen Capitalismus das Unheil unserer Epoche sehe und deshalb naturgemäß auch durch meine social-politischen Anschauungen ein Gegner des modernen Judenthums bin, in welchem jene Richtung ihre hauptsächlichsten Vertreter hat. Aber nie würde ich daran gedacht haben, gegen bloß volkswirthschaftliche Irrthümer aufzutreten, wenn nicht mit denselben diese frivole Hetzjagd gegen alle christlichen Elemente unseres Volkslebens verbunden wäre. Der Jammer um mein Volk, das dabei sittlich und religiös zu Grunde geht, treibt mich, diese Bosheit in die Oeffentlichkeit zu ziehen und den Kampf gegen dieselbe aufzunehmen. Was hilft es, das Schlechte auf der Kanzel zu bekämpfen, unter welcher die Schreiber und Leser jener Presse sich nicht versammeln, oder in conservativen Zeitungen einen Schmerzensschrei auszustoßen, welchen jene Seelenmörder belachen, ihre Opfer nicht hören! Dagegen ist eine Volksversammlung noch immer die geeignete Wahlstatt, um den Kampf mit den Volksverderbern aufzunehmen. Daß ich dazu ein gutes Recht habe, sagt mir mein Gewissen; daß es dazu die höchste Zeit ist, vielleicht noch nicht zu spät, aber wirklich die letzte Stunde, sagt mir die sittlich-religiöse Verwirrung der Gegenwart. Unrecht möchte ich Niemandem thun; die, welche mir vorwerfen, daß ich als Geistlicher, als Hofprediger Zwietracht säe, möchte ich fragen, ob Abwehr der Schande Aussaat von Zwietracht ist. Jene Artikelschreiber und Possenreißer sind die Säeleute des Hasses, nicht wir, die wir ohne Haß im Herzen – das weiß Gott! – vor ihnen unsere Kirche schützen möchten. Das sind entartete Juden – sagt man – und es ist ein Unrecht, das ganze Judenthum für diesen Abschaum [33] verantwortlich zu machen. Aber wer denkt daran? Was ich vom modernen Judenthum sage, will ich wahrlich nicht auf die einzelnen Individuen angewandt wissen. Es giebt viele Juden, die Respect vor unserem Glauben, Achtung vor dem germanischen Charakter, Theilnahme an unserem Volkswohl haben; es giebt viele Juden, die wahr im Wort, treu im Versprechen, redlich im Geschäft, gar keinen Anlaß zur Klage bieten, – ich selbst kenne solche, achte und liebe sie. Aber der Begriff „modernes Judenthum“ bedeutet eben die Summe der hervorstechenden Züge, nicht die Vorzüge einzelner Persönlichkeiten; es ist mir unverständlich, wie man jenes Wort anders hat auffassen können. Man redet doch von „Germanenthum“ und weiß, daß manche Germanen keine Spur davon an sich tragen; man spricht von dem „heutigen Christenthum“ und denkt nicht an alle einzelnen Christen. Nur in diesem Sinne habe ich das moderne Judenthum verstanden; aber in diesem Sinne ist es in der That jene Erscheinung, wie ich sie gezeichnet habe, ohne Bescheidenheit, ohne Toleranz, ohne sociale Gleichheit. Auch betriebsam, nüchtern, intelligent, bildungsdurstig ist es; durch das Festhalten an der Familienpietät und der alten religiösen Tradition eng verbunden. Gern will ich diese Tugenden hervorheben; aber ich kann es nicht leugnen, daß bei der Verehrung der eigenen Religion diese Zerstörung der fremden einen doppelt schauerlichen Eindruck macht. Man wird mir einwenden, daß es nicht blos jüdische Schriftsteller sind, die Gift und Galle gegen das Christenthum speien, daß die elendesten Scribenten vielleicht unter den verlorenen Söhnen unserer Kirche gesucht werden müssen. Ich gebe dies zu. Trotzdem bleibt es richtig, daß die Eigenthümer aller jener Blätter, welche Christenthum, Kirche und Geistliche lästern, Juden sind. Aber wie ein schlechter Kuppler vor Gott und Gewissen für alles Verderben verantwortlich ist, das unter seinen Augen sich vollendet, so trägt auch der Eigenthümer einer Zeitung die moralische Rechenschaft für alle Unzucht der Sprache, die in seinem Blatte ihre Schande treibt. Mögen die edlen Juden ihren unedlen Glaubensgenossen zu verstehen geben, daß es sich [34] nicht schicke, die Heiligthümer einer Nation zu verachten, unter deren Flügeln sie Schutz und Recht genießen. Wenn ein Freund, der aus israelitischem Blut stammt und jetzt ein gläubiger Christ ist, mir schreibt, daß die Hauptschuld an diesem Ueberhandnehmen der gottlosen Presse der elende Zustand der Christenheit selbst trage, ihre Gott- und Kraftlosigkeit, ihr Aber- und Unglaube – so ist das unzweifelhaft richtig, und ich habe gerade dies oft genug in den Versammlungen der christlich-socialen Arbeiterpartei ausgesprochen.

Nur erleichtert dies das Schuldconto der jüdischen Zeitungsbesitzer nicht; es ist meines Erachtens ein satanischer Zug, auf den vorhandenen Mangel an kirchlichem Ehr- und Schamgefühl zu speculiren, um unser Volk noch tiefer in den Abgrund des Nihilismus zu stoßen. Ich finde dafür keine andere Erklärung als den wilden Haß gegen das Christenthum, einen Haß, der gewiß ein Ueberrest talmudischer Grundsätze, und eine Frucht jahrhundertlanger Unterdrückung, durch welche sich die Christen an Israel versündigt haben. Ein junger jüdischer Studiosus der Theologie, der sich in einer vermeintlichen Widerlegung meiner Rede die Sporen verdienen wollte, hat freilich die Stirn zu behaupten, der Talmud enthalte keine einzige inhumane Stelle. Ich scheue mich aufrichtig, den Talmud in die Debatte zu ziehen, aber es ist doch eine Thatsache, daß derselbe erklärt: „wie die Menschen über den Thieren stehen, so die Juden über den Völkern der Erde.“ Ich mag die einzelnen Thierarten nicht wiederholen, mit denen der Talmud die nichtjüdische Menschheit zu vergleichen die Unart hat; ich kann nur sagen, daß es nicht die edelsten Thiere sind, welche zum Vergleich herangezogen werden. Aber es sei der Gerechtigkeit wegen bemerkt, daß der Talmud auch wieder Worte der Nächstenliebe enthält.

Wie jene talmudistische Auffassung fremder Völker an der Intoleranz der Juden unbestrittenen Antheil hat, so auch an ihrer Einbildung. Ein wenig bescheidener! hatte ich gebeten und die Unbescheidenheit mit einer Menge von unwiderlegbaren Aussprüchen der Juden bewiesen. Ich habe in den Zeitungsreferaten, [35] in den Broschüren und Briefen, die an mich gerichtet sind, nichts entdeckt, was mich veranlassen könnte, mein Urtheil auch nur zu beschränken. Vielmehr ist mir in der Schrift jenes obenerwähnten Studenten eine geradezu lächerliche Ueberhebung entgegengetreten, die gewiß um so bezeichnender ist, als der junge Schriftsteller nur wieder sagt, was er von seinen Lehrern hat sagen hören. Er schreibt:

„Ja, ein Religionsgesetz ist für das ganze Judenthum, alle jüdische Herzen durchgeistigt ein Sehnen, alle jüdische Geister beseelt ein Gedanke, alle jüdische Seelen verknüpft ein Ziel: die menschenmögliche Vollkommenheit, die wahre Aufklärung, die innige Menschenliebe, den ungetrübten, ungestörten, beglückenden Frieden in und zwischen sich, sowie zwischen seinen Nebenmenschen zu erringen und endlich zu erreichen …

Also ganz Israel, auf dem ganzen großen Erdenrunde weilend, hat ein Religionsgesetz, ein gleich gesinntes Herz, einen gleich beseelten Geist, eine gleich heilige Seele! Nicht zerrissen, nicht zertheilt, nicht erstarrt wie Ew. Hochw. verläumderisch und vorurtheilsvoll es ausposaunen.“

Und wie sehr nun diese Anschauung auf die jüdische Vorstellung von der Handarbeit einwirkt, zeigt die folgende Stelle aus derselben Feder:

„Wir fragen aber, wo in aller Welt hat man noch solche abgeschmackte Absurditäten gehört, Menschen, welche der Menschheit im höheren Sinne nützen können und nützen; Menschen, welche von Natur glücklich beanlagt sind, das Menschenthum der Realisirung hehrer Ideale entgegen zu führen; ein Volk, das zum Heile Aller im geistigen Schaffen und Wirken sein Element hat; wer hat es noch gehört, ein solches Volk, solche Menschen aus den Thürangeln ihrer Weltmission heben zu wollen? Wäre es nicht ganz verrohet und abgestumpft von Eltern gehandelt, wenn sie ihr Kind, das mit Riesenfleiß seinen Schulpflichten obliegt, die Wissenschaft mit Heißhunger in sich aufnimmt oder zum tüchtigen Kaufmann sich eignet, [36] aus den Tempeln der Musen, aus dem Paradiese seiner Berufsneigung rissen, um es einem Lebensberuf zu opfern, der Gemüth und Geist verödet, brach liegen zu lassen zwingt? Nein, solche Thorheiten muß man Juden nicht zumuthen! Solche geistige Morde zu vollbringen, lassen sich Juden von Ihnen, Herr Stöcker, nicht verleiten! Das wäre Verbrechen an Vaterland und Menschengeschlecht; ihm die besten Kräfte zu entziehen, wäre nicht zu sühnen.“

Man beachte wohl, daß der sonderbare Schwärmer nicht von begabten Juden redet, gegen deren Studium selbstverständlich Niemand etwas einwenden könnte, sondern von dem ganzen Volke, dessen Weltmission es nicht gestatte, seine Mitglieder der Handarbeit zuzuführen, welche den Geist veröde ja morde. Die Christen sind also gut genug, den Juden die Schuhe zu flicken; die Juden sind dazu zu edel. Nur vergißt der naive Jüngling, oder wahrscheinlich weiß er es nicht, daß nur wir Deutsche einfältig genug sind, die Juden diese Rolle spielen zu lassen und unsere Nation aus kosmopolitischem Enthusiasmus für die Emancipation der Juden zu ruiniren. In Rußland und Polen, sowie in den deutschen Ostseeprovinzen, die ich aus eigener Anschauung kenne, sind viele Juden Handwerker; – von der geträumten Weltmission sieht man ihnen wahrlich nichts an.

Warum kann es in Deutschland, in Berlin nicht ähnlich sein? Es ist doch wahrlich kein Frevel, zu wünschen, die Juden möchten, so weit es ihre körperliche Beschaffenheit erlaubt, dieselbe Arbeit thun, wie ein Deutscher, möchten Schneider und Schuhmacher, Fabrikarbeiter und Diener, Mägde und Arbeiterinnen werden. Ihre Zahl ist in Berlin zu groß, als daß sie sich von der groben Arbeit fernhalten könnten. Sonst kommt es dahin, daß sie je länger, je mehr Arbeitgeber werden, dagegen die Christen in ihrem Dienste arbeiten und von ihnen ausgebeutet werden; ein Zustand, der unserer nationalen wie geistigen Stellung nicht würdig ist. Heutzutage ist Geld Macht. Ich gönne den Israeliten jedes Maß von redlich erworbenem Reichthum, aber ich finde ihren Einfluß auf unser öffentliches Leben unberechtigt. Sie [37] gebrauchen ihre Macht zur Zerstörung des christlichen Volksbewußtseins. Schon jetzt sitzen sie übermächtig in den Bezirksvereinen, in der Stadtverordnetenversammlung; wie soll das werden, wenn es so weiter geht? Ich glaube in der That, daß das beste Theil des deutschen Geistes verwelke, wenn die Israeliten durch ihr Geld gleichsam die neue Aristokratie eines verjudeten Berlin, eines verjudeten Deutschland würden. Nur die Furcht vor dieser Perspective drängt mich zum offenen Aussprechen des socialen Mißverhältnisses, in welchem Israel und Deutschland stehen. Es ist natürlich den Juden sehr unangenehm, wenn diese Dinge zur Sprache kommen; merkwürdiger Weise sind auch viele Getaufte in Berlin schon so verjudet, daß sie das Aufdecken unseres Schadens wie eine Gewaltthat beklagen. Trotzdem ist nur auf diesem Wege eine Besserung möglich.

Bleiben wir zuerst bei einer Statistik von Berlin. Es ist Thatsache, daß Berlin 45,000 Juden hat und daß es ebensoviel hat wie ganz England, ganz Frankreich. Die Ignoranten der Magdeburgischen Zeitung haben freilich behauptet, das sei eine lächerliche Uebertreibung; sie wissen es eben nicht und schreien nur. England hat 46,000, Frankreich 51,000 Israeliten; gewiß darf man in einem Vortrag, bei dem es sich nicht um Statistik handelt, sagen, daß Berlin ebensoviel jüdische Bewohner hat. Diese Zahlen müssen doch auch den Stumpfsinnigsten zum Nachdenken bringen, denn jene Tausende sind meist in einer social ungemein bevorzugten Lage. Die Volkszählung Berlins vom Jahre 1867 mit 700,000 Einwohnern zeigt 3,9 Procent jüdischer Bevölkerung, unter ihnen 30 Procent der Familien, welche in der Lage sind, Erziehungspersonal für ihre Kinder zu halten. Leider findet sich betreffs der socialen Verhältnisse nichts Weiteres.

Der Bericht über die Volkszählung von 1871 giebt mehr Daten. Danach sind unter 100 Juden 71,3 Procent Arbeitgeber, unter 100 Protestanten 38,7 Procent; unter 10,000 Juden 1132 Directoren, 259 Directricen, unter 10,000 Protestanten 509 dirigirende Männer, 188 dirigirende Frauen; an dem [38] Handel sind die Juden mit 55 Procent ihrer Bevölkerung, die Protestanten mit 12 Procent betheiligt. Diese Zahlen sind interessant, sie beweisen das sociale Uebergewicht. Daß daraus ein Uebergewicht der Bildung folgen muß, ist klar; es zeigt sich in stärkster Weise. Auf den Berliner Gymnasien sind 1488 Israeliten bei 4764 protestantischen Schülern; also 5 Procent der Bevölkerung, aber 30 Procent der Besucher höherer Schulen. Ein solcher Trieb nach socialer Bevorzugung, nach höherer Ausbildung verdient an sich die höchste Anerkennung; nur bedeutet er für uns einen Kampf um das Dasein in der intensivsten Form. Wächst Israel in dieser Richtung weiter, so wächst es uns völlig über den Kopf. Denn man täusche sich nicht; auf diesem Boden steht Race gegen Race und führt, nicht im Sinne des Hasses, aber im Sinne des Wettbewerbes einen Racestreit. Dagegen verwahrt sich freilich das Judenthum mit allen Kräften; es will als völlig deutsch gelten und weist von allen Gedanken meiner ersten Rede am meisten den zurück, daß es ein Volk im Volke, ein Staat im Staate, ein Stamm in einer fremden Race sei. Dennoch ist dies der Ausdruck thatsächlicher Verhältnisse. Ist Israel durch die „Alliance Israelite“ auf der ganzen Erde zu social-politischem Wirken verbunden, so ist es ein Staat im Staate, international innerhalb der Nation. Ist Israel in seinem Erwerbsleben isolirt, nimmt es an unserem Landbau gar nicht, an unserem Handwerk wenig Antheil, so ist es ein Volk im Volke. Israel hat noch heute religiöse Satzungen, die es von den andern Völkern absondern; die orthodoxen Israeliten glauben sich zu verunreinigen, wenn sie mit Christen zusammen essen, sie haben ihre besonderen Schlächter und ihre Speisegesetze. Nun, aber dann sind sie doch gewiß eine fremde Race, wenn sie die christlichen Deutschen und ihre Mahlzeiten für unrein achten. Ich glaube, daß man bei der Judenfrage gerade diesen letzteren Punkt all zu sehr übersieht; derselbe beweist, daß Israel in der That ein fremdes Volk ist und nie mit uns eins werden kann, außer wenn es sich zum Christenthum bekehrt. Die paar Mischehen von Reformjuden wollen dagegen nichts bedeuten. Und [39] eben deßhalb liegt in der bevorzugten, glänzenden Stellung der Israeliten eine Gefahr. Es ist unausbleiblich: der große, Alles beherrschende Einfluß, der gegenwärtig mit dem Besitz verbunden ist, macht die Juden zu Herren in unserer materiell gerichteten Zeit. Daß sie vielfach unbarmherzige Herren sind, offenbart der Wucher, daß sie leicht übermüthige Tyrannen werden, beweist ihre Presse; daß daneben viel treffliche Menschen unter ihnen gefunden werden, ist selbstverständlich.

Die große Frage ist, wie wir die Gefahr dieses modernen Judenthums beseitigen oder verkleinern. Die Gesetzgebung, wenn sie die Herrschaft des Capitals einschränkt und damit den Juden ihre Domäne einengt, kann Einiges thun. Das Beste muß aus dem Wiedererwachen des lebendigen Christenthums kommen. Wenn das deutsche Volk wieder ein christliches Volk wird, gläubig an Jesum Christum, frei von Geldgier, voll Ehrfurcht für seine Kirche, dann wird das moderne Judenthum mit seinem Mammonsgeist, seiner schnöden Presse, seinem Haß gegen die Kirche nichts ausrichten. Vielmehr wird das lebendige Christenthum eine mächtige und unwiderstehliche Mission treiben an dem altgläubigen wie an dem modernen Judenthum.





Druck von J. Windolff in Berlin, Alte Jakobsstraße 120.


  1. Berlin, den 21. September 1879.
    Geehrte Redaction des Berliner Tageblatt!

    Seit Gründung Ihres Blattes bin ich Ihr Abonnent. – Wenn ich auch seit einem Jahre mit Ihrer Wendung nicht im Innern zufriedengestellt bin, so las ich es doch gerne, da ich manches Wissenschaftliche darin fand. Den Localnachrichten schenkte ich größtentheils nicht Aufmerksamkeit, da ich mich öfter überzeugte, daß sie größtentheils übertrieben, oder dann widerrufen worden, an eine gänzliche Unwahrheit dachte ich nicht, da ich mich vom Gegentheil noch nicht überzeugt hatte. – Heute überzeugte ich mich, wie leichtfertig Sie dem Publicum Ihre Localnachrichten auftischen, und wie Sie dieselben benutzen, um Reclame für Ihr Blatt zu machen.

    Circa 25 Jahre bin ich Berliner Bürger, jedoch seit dem Jahre 1865 halte ich mich von jeder politischen Versammlung fern, und nur aus Interesse für mein Judenthum besuchte ich am 19. d. M. Abends die Versammlung, einberufen vom Hofprediger Herrn Stöcker! Eine stattliche Versammlung von circa 700 Personen, nicht wie Sie meinen, daß der größte Theil Provinzialen wären: es waren lauter Berliner Bürger, indem sie sich nach ihren Wahlbezirken eingetheilt und geordnet haben.

    Sie sandten heute einen Bericht in die Welt in Ihrer Zeitung, welcher nur die eine Wahrheit enthielt, daß eine Versammlung stattgefunden; alles Andere ist gelogen und [22] erdichtet. Ich bin der größte Gegner von Herrn Stöcker, es gelang mir auch, bei der Versammlung theilweise seine Ansichten abzuschwächen, und dennoch werde ich am Ende gezwungen sein, Herrn Stöcker Gerechtigkeit zukommen zu lassen, als er die Behauptung in seinem Vortrage aufstellte, „daß die Reporter gewisser Blätter eine Schande für die Stadt der Intelligenz sind, daß sie eben so unwissend als unwahr sind. Vieles fälschen sie aus Unverstand, das Meiste aus Bosheit.“ Was soll dieser Popanz in Ihrer heutigen Zeitung? Es wurde nicht Theater gespielt; es wurden Debatten geführt über die heiligsten Rechte zweier Glaubensgenossen, und die Versammlung fand großes Interesse an für und wider, so daß sie einstimmig beschloß, in der nächsten Zeit noch einen Abend diesem Thema zu widmen. Was kümmert sich die Welt um Ihr Tageblatt? Sobald es aber da ist, so muß die Redaction rein sein wie Gold; und wie ein jeder Richter über jeder Partei steht, so muß dieser Vertreter seiner Zeitung stehen.


    Wenn Sie nicht zuverlässige Reporter haben, so unterlassen Sie doch den Bericht; würden Sie für 5 Pf. den Vortrag von Herrn Stöcker gekauft haben, so würden Sie gewußt haben, daß der Mann die größten Autoritäten des Judenthums anführte, sehr mäßig sprach, dadurch einen sehr großen Eindruck bei seinen Anhängern hervorbrachte; fünf sprachen [23] dagegen; und auch da hat ein großer Theil der Versammlung sich den Ausführungen angeschlossen. Und wenn eine Versammlung von 700 Personen ca. 3 ½ Stunden mit Aufmerksamkeit den Debatten folgt, wollen Sie die ganze Sache in’s Lächerliche und in Casper-Theater umwandeln. Sogar die Bemerkung über Herrn Raup ist falsch! Wohl sagte er: ich bin weder Socialdemokrat noch Jude; ich habe drei preußischen Königen treu gedient, habe mit meinen jüdischen Kameraden nur Frieden gehabt; getheilt haben sie mit mir jeden Bissen, habe sie liebgewonnen und schätze die größte Masse der Juden; Spitzbuben giebt es unter Christen ebenfalls die Menge. Den Nachsatz legen Sie ihm zu. Ein Anderer, seinen Namen kenne ich nicht, auch ein Christ, sein Auge leuchtete wie Feuerkugeln, der schleuderte Herrn Stöcker die von Ihnen angeführten Worte zu. Der von Ihnen niedergeschriebene letzte Satz ist die größte Lüge; denn Herr Stöcker antwortete auf jeden Vortrag und vertheidigte sich, daß wir ihn mißverstanden hätten. – Ist es dann ein Wunder, wenn der Vorstand Ihre Reporter nicht einlassen will? Meinen Gegner kann ich nur bekämpfen, wenn ich ihm Gerechtigkeit zukommen lasse, besonders wo er Anspruch hat, daß wenigstens Wahrheit berichtet wird. Zum Schlusse ersuche ich Sie, als Ehrenmann, in Ihrer nächsten Nummer des Tageblatts, Ihren heutigen Bericht zu widerrufen …
    Elias Cohn.
  2. Zur Vergleichung, mit welcher Wahrhaftigkeit jüdische Vereine behandelt werden, diene eine Correspondenz über den Talmudverein vom 26. September 1875: „Der Talmudverein, welcher seit seiner vor 23 Jahren erfolgten Begründung, allabendlich seine Mitglieder zum Studium des Talmud versammelt, beging am Sonntag das Fest der Einweihung seiner neuen Lehrräume im eigenen Hause. Nach dem Vortrag mehrerer Gesänge hielt der Vorsteher und Schriftführer des Vereins, Dr. A. Berliner, eine Anrede an das zahlreich versammelte Publikum, in welcher er den Dank aussprach allen den Männern, welche durch ihren Eifer in der Verwaltung oder durch Fundationen dazu beigetragen haben, daß der Verein nunmehr sein eigenes Haus beziehen könne.“ Der Talmud aber leistet, wie bekannt, in Aberglauben und Intoleranz das Aeußerste; trotzdem nur freundliche Worte!