Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Georg Theodor Grässe
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 524–526
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[524]
584) Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.
S. (v. Trebra[WS 1]) Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil der Gebürge im Bergamtsrefier Marienberg. Annaberg (1770) 8. S. 69 fgg.

Im Jahre 1728 hatten sogenannte Ruthengänger Risse zu Erzgängen in dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt, angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen, man fing Röschen (d. i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man trieb einen Stolln nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich Niemand, der blos auf diese Anzeichen der Ruthe hin sich damit einlassen wollte. Nun war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau, dem man schon längst Schuld gegeben hatte, daß er gegossene Arbeit von einem Metalle verfertige, welches dem Silber gleichkomme. Er leugnete dies aber und wollte niemals zugestehen, daß er das Metall kenne, welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, was er schmelze, und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter gerade wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen, um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem [525] Wunderstein etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu einem Product geschmelzt, das wie Speise (Gemenge von Metallen und Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht wurde, hielt dieses Product 128 Loth Silber und 60 Pfd. Gaarkupfer. Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise ein Loth gegeben. Tages darauf muthete der Richter unverzüglich und zwar gleich geviert Feld: in wenig Tagen wurde auf 20 Muthungen beim Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf achtzig und auf sechzig Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf geviert Feld. Wenn man die Ruthe nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem Gebirge damit hingehen, wohin man wollte: was war also sicherer, als daß das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein, daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne Silbergehalt waren. Die schon halbbetrogenen Eigenlöhner und Gewerken verlangten nun ein Probeschmelzen im Großen und es fand sich ein Schmelzer aus Bayerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerke ihre letzte Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mußten zurücktreten und dem Fremden Alles nach seinem Kopfe einrichten lassen. Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina Fundgrube zu Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von den Theesenwälder Gebirgsarten die Catharinaer [526] und Geyerischen Kiese für sich allein geschmelzt worden wären. Dabei war auf einige Zeit das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch ein Maler aus Bilin in Böhmen fand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vortheil zu Gute machen wollte. Er verlangte die Erlaubniß zum Anlegen eines Ofens, man erlaubte es ihm auch, aber Alles ohne Erfolg.

So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständniß nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum glaublich war, oder ob er, um das Geheimniß seiner Nahrung zu bewahren, dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnißvolle Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte, weil ihr Schützling sein Geheimniß ausgeplaudert hatte. Dieß war das Wahrscheinlichste, denn hatte man ja zuerst reiches Silber in dem Gesteine entdeckt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra