Der Churprinz Friedrich August Erbstolln

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Autor: Diverse, Albert Lindner
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Titel: Der Churprinz Friedrich August Erbstolln
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 1, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 1, Seite 15–16
Herausgeber: Louis Oeser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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Erscheinungsort: Neusalza
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: siehe auch August von Herder
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Album der Sächsischen Industrie Band 1 0031.jpg

Der Churprinz Friedrich August Erbstolln.

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Der Churprinz Friedrich August Erbstolln
(Mit Abbildung.)


ist eine Grube, welche nordwestlich eine Stunde von Freiberg unterhalb des Dorfes Großschirma liegt. Sie ist die einzige Grube, welche nicht gewerkschaftlich, d. h., nicht in 128 Kuxtheile, wie jede andere, eingetheilt, sondern fiscalisch ist. Ihre Lage gehört zu den anmuthigsten der hiesigen Gegend, und ist namentlich von dem verstorbenen Oberberghauptmann von Herder zu ihrer äußeren Verschönerung durch Anlegung von einem Garten und Promenaden viel beigetragen worden. Das Huthhaus, erbaut an einem jähen Abhange des Muldenufers, hat einen Thurm mit Glocke und Uhr, und enthält eine Sommerwohnung für den jedesmaligen Oberberghauptmann, die Dienstwohnung des Obersteigers, des Huthmannes und einer Betstube für die Bergleute. Neben dem Huthhaus ist die Bergschmiede und ein Schuppen für Stallung und Aufbewahrung von Holz u. dergl. Unterhalb desselben, unmittelbar an der Mulde, sind Wäschen und Pochwerke, sowie auch ein Pochwerk neben dem Huthhaus steht. Gleich dahinter bezeichnen zwei gothische Thürmchen mit ihren hell in’s Thal tönenden abwechselnden Glockenschlägen den Ort zweier Schächte, die zu den 36 Fuß im Durchmesser haltenden Kunsträdern führen. Weiter darüber hinaus ist der Fahr- und Treibeschacht mit mehreren Scheidebänken und die Wohnung eines Untersteigers. Herrlich anzuschauen ist der Canal, welcher vor etlichen dreißig Jahren erbaut wurde, um die auf der Grube gewonnenen Erze auf die billigste Weise hinauf bis zu der eine Stunde oberhalb des Thales gelegenen Halsbrückner Schmelzhütte zu transportiren, und um ein hinreichendes Quantum Aufschlagwasser für die Kunsträder zu erhalten. Mit bergamtlicher Erlaubniß ist es gestattet, auf demselben eine Kahnparthie zu machen. Dieselbe ist sehr interessant. Von Halsbrücke weg muß man zunächst mehrere Schleußen passiren, und dann kommt man an ein Hebehaus, in welchem der Kahn mittels eines Hebezeuges mit sämmtlichen Passagieren 24 Fuß tief herabgelassen wird, um dann unten die Fahrt durch herrliche Wiesen, bei der Ruine Altväterbrücke und durch einen mehrere hundert Fuß langen Tunnel fortzusetzen bis zu der sogenannten Aufschlagsrösche, durch welche man bis zu dem ersten Kunstrad fährt, welches man von einigen Bergknappen mit einigen Lichtern erleuchten läßt. Die Grube selbst, auf welcher circa 300 Bergleute arbeiten, angeordnet von einem Obersteiger, einigen Untersteigern und Gänghäuern, ist zur Zeit nicht so gesegnet mit reichen Erzen als zu Anfang des Jahrhunderts, jedoch liefert sie ein um so größeres Quantum armer Erze, namentlich Fahlerz, welches derb in Quarz eingesprengt auf ihrem mächtigen Ludwig-Spat-Gange vorkommt. In früherer Zeit fand man hier die schönsten krystallisirten reichhaltigen Rothgiltigerze. Himmelfahrt und Churprinz sind die von Fremden am meisten besuchten Gruben; erstere wegen ihrer Bedeutsamkeit und Nähe, Letztere wegen ihrer romantischen Lage.

Albert Lindner.     

[16] Zum Schlusse mögen hier noch einige bergmännische Ausdrücke mit ihrer Bedeutung Platz finden:

Ein Schacht ist eine mehr oder weniger senkrecht in das Gestein gearbeitete meist länglich viereckige Oeffnung, und zwar zu dreierlei Hauptzwecken: 1) zum An- und Ausfahren, d. i. zum Ein- und Aussteigen der Arbeiter; 2) zum Fördern, d. i. zum Herausziehen der gewonnenen Massen und zum Einhängen und Hinablassen der Baumaterialien, Werkzeuge etc.; 3) zur Hebung der Wasser mittels Maschinen und zur Beförderung des Luftwechsels (Kunstschächte und Wetterschächte).

Fahrten sind die im Schachte befestigten Leitern.

Strecken, Gezeugstrecken, sind die unterhalb der Erde in regelmäßigen Abschnitten von einem Schacht aus unter einander ausgearbeiteten horizontalen Gänge, welche keine Endöffnung zu Tage aus haben.

Stolln sind ebenfalls dergleichen, nur meist höher gelegene Gänge, die aber mit dem einen Endpunkte in ein Thal zu Tage ausmünden; dieser Endpunkt heißt Mundloch.

Ort ist das Ende einer Strecke am vorstehenden festen Gestein.

Firste ist die obere Begrenzung einer Strecke oder eines Stollns.

Sohle oder Strosse ist die untere, der Boden.

Tragewerk ist die mehrere Zolle über dem Boden eingebaute künstliche Lauf- und Förderbahn.

Gezäh ist das Arbeitszeug des Bergmanns.

Wettern, gute und schlechte Grubenluft; böse und gute Wettern.

Förderung, Transport der in der Grube gewonnenen Massen.

Aufbereitung, Trennung der erzhaltigen Bestandtheile von dem übrigen Gesteine auf mechanischem Wege. Dieses geschieht in den Räumen, die man Scheidebank, Wäsche und Pochwerk nennt.

Huthhaus ist ein Gebäude, in welchem sich die Bergleute vor Beginn ihrer Arbeit zum gemeinschaftlichen Gebete versammeln; gleichzeitig wohnt ein Arbeiter darinnen, der das Recht hat, den Bergleuten einen Labetrunk zu verabreichen.

Untersteiger und Gänghäuer sind aufsichtführende Personen in der Grube.

Obersteiger, derselbe führt nicht allein die Aufsicht, sondern er ordnet und leitet auch alle einzelnen Arbeiten und Baue der Grube.

Der Schichtmeister hat die gesammte Grube im Interesse der Gewerken zu vertreten und führt gleichzeitig mit Hilfe der Registerschreiber die ganze finanzielle Verwaltung derselben.