Der Scharfrichter von Baufnang

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Textdaten
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Autor: Theodor Lachmann
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Titel: Der Scharfrichter von Baufnang
Untertitel:
aus: Überlinger Sagen, in: Alemannia, Band XVII, S. 263–264
Herausgeber: Anton Birlinger
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Peter Hanstein
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Erscheinungsort: Bonn
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Quelle: Google-USA*, Commons
Kurzbeschreibung:
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[263] 7 DER SCHARFRICHTER VON BAUFNANG

An der Straße von Überlingen nach Lippertsreute zweigt sich kurz vor leztgenanntem Orte in der Richtung gegen Salem ein Weg ab, welcher zunächst nach dem nahen Weiler Baufnang fürt. In dem von beiden Straßen gebildeten Winkel, abseits von Baufnang, lag ehedem das einsame Wonhaus des Scharfrichters; der Richtplaz mit Galgen aber war etwa ¼ Stunde südöstlich beim jezigen Bauerngut Berghof. Längst ist das Haus des Scharfrichters abgebrochen, stat dessen ward von den Nachkommen ein Wirtshaus näher an die Landstraße gebaut, welches zur Erinnerung an das Gewerbe der Uranen den Schild „zum Schwert“ fürt. Hier wurde auch noch biß in die lezte Zeit das Richtschwert aufbewart und dasselbe erst kürzlich von einem Antiquitätenhändler angekauft, welcher es außer Landes brachte.

Im vorigen Jarhundert wonte noch im alten Hause der Scharfrichter Fidel Krieger, welcher streng und gewißenhaft seines schaurigen Amtes waltete. Nachts ward er einmal mit der Aufforderung geweckt, „sein Schwert zu nemen und mitzukommen“. Mit verbundenen Augen ward er in eine Chaise gesezt, die mit im fortfur, er wußte nicht, wohin? Als nach geraumer Zeit die Chaise hielt und man im die Binde abnam, befand er sich in einem großen Gemach, wo eine Anzal Geistlicher versammelt waren. Hier ward im nun der Befel gegeben, merere Todesurteile zu vollstrecken. Alsdann ward Krieger wider mit verbundenen Augen in einen etwa viertelstundenlangen Gang gefürt, an dessen Ende eine Steinplatte sich öffnete. Nach Lösung der Binde erkannte er, daß er in einem unterirdischen Gewölbe war, vor sich 12 Mönche, die zum Tode Verurteilten. Nun vollzog er mit dem Richtschwert an Sämmtlichen das Todesurteil, wobei das vergoßene Blut seiner Opfer im biß an die Knöchel reichte. Den lezten Streich konnte er kaum vollenden, denn der dem Tode Geweihte nam, die Hände im Gebet faltend, sein Geschick mit solcher Sanftmut und Ergebung hin, daß der Scharfrichter von tiefstem Mitleid ergriffen ward. Auf gleiche Weise, wie Krieger gekommen, ward er wider heimgebracht, one jedoch erfaren zu haben, wer die Hingerichteten waren und was sie mit dem Tode gesünt. Auch später konnte er nie Näheres erforschen; nach seinem Dafürhalten aber geschah die Verkündigung des Todesurteils im Kloster Salem und die Hinrichtung in einem der unterirdischen Gänge, deren es von Salem biß gegen Heiligenberg und anderseits biß an den Heidenlocher Weiher [264] verschidene gibt. Auch in[WS 1] Baufnang und Umgegend glaubte man das.

Nach einer andern Mitteilung waren die Verurteilten nicht Klostergeistliche, sondern rebellische Bauern und ire Zal hundert, welche Tags vorher gefangen genommen und ins Kloster geschleppt, zum Tode verurteilt und in einem unterirdischen Gang enthauptet wurden biß auf den hundersten, dem man daz Leben schenkte.

Mündlich

Eine weitverbreitete Sage, aber immer wider mit örtlichen Eigentuemlichkeiten, ich nenne nur Hebels Hausfreund, Birlingers „Aus Schwaben“ II 449 ff. Alem. 9, 272. 13, 281.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: iu