Der Schatz (Deecke)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ernst Deecke
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Schatz
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 338–340
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Lübeck
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[338]
185. Der Schatz.

1342. In der Glockengießerstraße, hinuntergehend linker Hand, einige Häuser abwärts vom Glandorpen Hof, hatte vor hundert und etlichen Jahren ein alter Geizhals gewohnt, der so viel Geld zusammengescharrt, daß er damit nicht zu bleiben gewußt; dennoch hatte er Keinem auch nur einen Pfennig gegönnt. Wenn er nun seine Kisten voll angesehn, ging es ihm durchs Herz, daß seine Erben, arme aber fröhliche Leute, nach seinem Tode alles an sich nehmen sollten, und hat er ein gutes Theil im Hofe vergraben; aber da er plötzlich krank geworden, [339] hat er sehr getobt, und sich verwünscht: der Teufel solle sein Erbe sein.

Als er nun bald danach gestorben, hat man fleißig nachgesucht und Alles umgekehrt, jedoch kein Geld gefunden: dergestalt daß leichtlich zu erkennen war, der Teufel sei des reichen Mannes Erbe geworden. Dennoch hat derselbe den Kasten aus dem Hofe nicht wegnehmen können, weil ein Stein darauf gelegen, so mit einem Kreuz bezeichnet war.

Nun wohnte in diesem 1542sten Jahre in solchem Hause ein Brauer, der sich mit Mühe ernähren konnte, nebst seinem Weib und seinem Sohn, welcher beständig krank darnieder lag. So kömmt eines Tages ein fremder Mann und spricht zu ihm: daß auf dem Hofe ein großer Kasten mit Geld stehe, den er heben könnte, wenn er gewillt sei; wodurch er aus aller seiner Noth kommen möchte. Deß ist der Brauer sehr froh und geht mit dem Fremden heimlich in den Hof; der zeigt ihm den Ort, und wie er den Stein wegnehmen müsse, um an den Schatz zu kommen. Das thut er auch; wie er aber mit dem Stein aus der Grube steigt, kömmt seine Frau gelaufen, und schreit: „ach, lieber Mann, was ist doch unserm Sohn widerfahren, daß er im Bette liegt und den Kopf in den Nacken verdreht!“ Der Mann also läßt den Stein alsbald auf den Boden fallen und läuft der Frau entgegen; sogleich aber hat der Fremde den [340] Kasten genommen und ist damit nach dem Stall zu gegangen und verschwunden.

Deß sind die guten Leute heftig erschrocken: wie sie aber nach der Stube kommen, da der Sohn gelegen, ist er im Begriff aufzustehn, und von Stund an gesund, wie andere, auch ein feiner Mann geworden, der sein Lebenlang seine Eltern ernährte.

Etliche aber sind, die da sagen, der Teufel habe nicht alles fortgebracht, und liege dort noch ein Schatz, dem er nicht allein beikommen könne.

Bemerkungen

[398] (Mündl.)