Der Treulose

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Autor: Sophie Hoechstetter
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Titel: Der Treulose
Untertitel:
aus: Vielleicht auch Träumen. Verse. S. 38–39
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1906
Verlag: Müller
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Erscheinungsort: München und Leipzig
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Princeton-USA* = Commons, E-Text ngiyaw-ebooks
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[38]

DER TREULOSE

Wir ritten jubelnd durch die Nacht,
Fern lag das Schloß – vor uns das Meer
So weiß wie Diamanten.

„Mein Liebster, ach, es ist vollbracht,

5
Wie wir liegt keiner nimmermehr

In Liebesbanden.“

Am Wege steht ein armes Kind
Mit Augen, schwer vom Schmerz,
Und Blut an seinen Füßen –

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„Was wirst du blaß, sag mir geschwind

Was wirst du blaß, geliebtes Herz?
Das Mädchen wollt’ dich grüßen!“

„Laß, Liebste, es war nur der Wind,
Der spielt zum Scherz

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Mit einer alten Weide.“


„Nein, Liebster, meine Augen sind
So klar und hell wie Erz.
Das Kind steht auf der Heide.“

„Nein, Liebste, nein, es ist der Mond

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Der macht das Land so hell.

Er tut dir nichts zuleide.“

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„Weißt du, wo dieses Kind wohl wohnt
Mein Weggesell’
Das Kind im weißen Kleide?“

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„Und so wird meine Lieb’ belohnt

Und so vergißt du schnell
Was heute eint uns beide?“

„Ja, unser ward das Sakrament
Vom Priester dargebracht –

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Wen ließest du im Leide?“


„Ist’s nicht genug, daß eine brennt
Die Reue in der Nacht –
Entscheide –“

Da habe ich ihn angeschaut

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Und bin aus tiefem Traum erwacht

An seiner Seite.

Die Nacht ist hin, der Morgen taut,
Im Herzen fühl’ ich Grabeslast
Hin ging die Freude.

40
Der Tag wird hell, der Tag wird laut

Mein Glück floh ohne Rast
Ins Weite – fort ins Weite.