Der Waldbruder mit dem Esel

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Textdaten
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Autor: Hans Sachs
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Titel: Der Waldbruder mit dem Esel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 737
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Der Waldbruder mit dem Esel.
Der argen Welt thut niemand recht.

Vor Jaren wont in einem Wald
Ein Waldbruder von Jaren alt
Der sich der Wurzeln neeren thet
Derselb ein jungen Sohne het
Inn dem Alter bey zweintzig Jarn
Der war einfeltig unerfarn
Der fragt den Alten: Sag doch mir
Sind in dem Wald gewachsen wir
Wann er nie Menschen het gesehen
Der Alt thet zu dem Jungen jehen:
Mein Sohn, da du noch warest klein
Hab ich mich geflöhet hie rein
Auß der arglistig bösen Welt
Daß sie uns nit schmech, spot und schelt
weil jr gar niemand recht kann than
Sie schlag jm doch ein plechlein an
Still schwieg der Son doch tag und nacht
Des Vatters Red stäts nachgedacht
Was doch die Welt nur möcht gesein
Zuletzt da wolt er je darein
Legt an den Vatter große bitt
Der es doch lang zeit wider rieth
Zuletzt er uberredet ward
Und macht sich mit jm auff die fart
Und fürten jren Esel mit
Ledig jr keiner darauff ritt
     In Wald bekam jn ein Kriegßman
Der sprach: wie last jr ledig gan
Den faulen Esel hie allein
Ir dunckt mich fast nicht witzig sein
Dan ewer keiner auf jm reitt
Als sie nun von jm kamen weit
Der Vatter sprach: Mein Son sich zu
Wie uns die Welt empfangen thu
Der Son sprach: Laß mich darauf reitn
     Das gschah, da kam zu jn von weitn
Ein altes Weib neben die Aecker
Die sprach: Seht zu dem Jungen lecker
Der reitt, und der alt schwache Man
Muß hindten nach zu fussen gan
Son, sprach der Alt, glaubst du nun mir
Was von der Welk ich saget dir
Er sprach: laß uns versuchen baß
Der Jung bald von dem Esel saß
Und saß der Alt bald auff für ihn
Reit also fuß für fuß dahin.
In dem begegnet jhn ein Pawer
Der redt sie an mir worten sawer:
Seht an den alten groben Lappen
Lest den Jungen im kot her sappen
Dem nöter wär zu reitn dann jm
Der Alte sprach: Mein Son vernim
Das man der Welt nit recht mag thun
Der Son sprach: Vatter laß mich nun
Auffsitzen, daß wir reiten bed
Schaw ob die Welt darzu auch red
     Aufsaß er und ritten dahin
Da kam ein Bettelman zu jhn
Thet an einr wegscheid auff sie harrn
Und sprach: secht an die grossen Narrn
Wölln den Esel gar ertrücken
Der Vatter sprach: In allen stücken
Thut uns die die Welt mit Hönwort schmitzen
Der Son sprach: Laß uns beid absitzen
So wölln wir den Esel tragen
Was nur die Welk darzu will sagen
Absaßen sie, den Esel trugen
Und mit jm übers Veld hin zugen
Daß von jn beiden ran der Schweiß
Ein Edelman kam zu der Reiß
Thet sie all beid mit worten straffen
Wann her, wann her, jr Schlauraffen
Das jr das hinter kert herfür
Der Vatter sprach: Mein Son hie spür
Das an der Welt ist gar verlorn
Da sprach der Son in großem zorn
Den Esel wöllen wir erschlagen
Denn hat die Welt nit mehr zu klagen
     Den Esel schlugen sie zu hauffen
Da kam ein Jäger zugelauffen
Der schrie: O jr großen Phantasten
Des Esels gneußet jr am baßten
Lebend, tod ist er euch kein nütz
Zuhand der Junge ward urdrütz
Der Welt, die jn mit spot und straff
So gar an allen orten traf
Sprach: Hat die Welt auff einen Tag
Uber uns bald so vil der klag
Solt wir dann all Tag darinn bleiben
Was wunders wurd sie mit uns treiben
Und keret mit dem Alten dar
Inn Wald, darauß er kommen war.
               H. S. S.



Fliegendes Blatt mit einem Schwankgedicht von Hans Sachs.

Verkleinerte Nachbildung.