Der listige Steyermarker

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Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: Der listige Steyermarker
Untertitel:
aus: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
S. 262-264
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1803-1811
Erscheinungsdatum: 1811
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[262]
Der listige Steyermarker.

In Steyermark, ein wenig abhanden von der Straße, dachte ein reicher Bauer im lezten Krieg: [263] Wie fang ichs an, daß ich meine Kronenthaler und meine Dukätlein rette in dieser bösen Zeit? Die Kaiserin Maria Theresia ist mir noch so lieb, tröst sie Gott, und der Kayser Joseph, tröst ihn Gott, und der Kaiser Franz, Gott schenk ihm Leben und Gesundheit. Und wenn man meynt, man habe die lieben Herrschaften noch so gut verborgen und geflüchtet, so riecht sie der Feind, sobald er die Nase ins Dorf streckt, und führt sie in die Gefangenschaft ins Lothringen oder in die Champagne; daß einem armen Unterthanen das Herz dabey bluten möchte vor Patriotismus. Jezt weiß ich, sagt er, wie ichs anfange, und trug das Geld bei dunkler blinder Nacht in den Krautgarten. Das Siebengestirn verrathet mich nicht, sagte er. Im Krautgarten legte er das Geld geradezu zwischen die Gelveieleinstöcke und die spanischen Wicken. Nebendran grub er ein Loch in das Weglein zwischen den Beeten, und warf allen Grund daraus auf das Geld, und zertrat rings herum die schönen Blumenstöcke und das Mangoldkraut, wie einer, der Sauerkraut einstampft. Am Montag drauf streiften schon die Chasseurs im ganzen Revier, und am Donnerstag kam eine Parthie ins Dorf frisch auf die Mühle zu, und aus der Mühle mit weißen Ellenbogen zu unserm Bauern: und „Geld her, Buur, rief ihm ein Sundgauer mit blankem Säbel entgegen, oder bet’ dein leztes Vaterunser.“ Der Bauer sagte: sie möchten nehmen, was sie in Gottes Namen noch finden. Er habe nichts mehr, es sey gestern und vorgestern schon alles in die Rapuse gegangen. Vor euch kann man etwas verbergen, sagt er, ihr seyd die rechten. Als sie nichts fanden ausser ein paar Kupferkreuzer [264] und einen vergoldeten Sechser mit dem Bildniß der Kaiserin Maria Theresia und ein Ringlein dran zum Anhängen, Buur, sagte der Sundgauer, du hast dein Geld verlochet, auf der Stelle zeig, wo du dein Geld verlocht hast, oder du gehst ohne dein leztes Vaterunser aus der Welt. Auf der Stelle kann ichs euch nicht zeigen, sagte der Bauer, so sauer mich der Gang ankommt, sondern ihr müßt mit mir in den Krautgarten gehn. Dort will ich euch zeigen, wo ich es verborgen hatte, und wie es mir ergangen ist. Der Herr Feind ist schon gestern und vorgestern da gewesen, und habens gefunden und alles geholt. Die Chasseure nahmen den Augenschein im Garten ein, fanden alles, wie es der Mann angegeben hatte, und keiner dachte daran, daß das Geld unter dem Grundhaufen liegt, sondern jeder schaute in das leere Loch und dachte: Wär’ ich nur früher gekommen. Und hätten sie nur die schönen Gelveieleinstöcke und den Goldlack nicht so verderbt, sagte der Bauer, und so hintergieng er diese und alle, die noch nachkamen, und hat auf diese Art das ganze erzherzogliche Haus, den Kayser Franz, den Kaiser Joseph, die Kaiserin Maria Theresia, und den allerhöchstseligen Herrn Leopold den ersten, gerettet, und glücklich im Land behalten.