Der versteinerte Herzog (Volkssagen)

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Textdaten
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Autor: August Schnezler
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Titel: Der versteinerte Herzog
Untertitel:
aus: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau, S. 12–15
Herausgeber: Heinrich Schreiber
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Franz Xaver Wrangler
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Erscheinungsort: Freiburg
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Quelle: UB Freiburg und Commons
Kurzbeschreibung:
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[12]
6. Der versteinerte Herzog.

(Berthold V. nach der Volkssage. Derselbe ist der einzige von den Herzogen von Zähringen, welcher im Münster zu Freiburg beerdigt wurde. Dort ist auch sein gewaltiges Steinbild an der innern Wand der südlichen Abseite aufgestellt und trug wahrscheinlich dazu bei, die Sage von ihm, wenn auch nicht hervorzurufen, doch zu erweitern und frisch zu erhalten.)


Es wüthet der Herzog, er rauft sich das Haar,
Zerfleischt sich die Lippen mit Bissen;
Da liegen die Söhne, das blühende Paar,
Das ihm noch die erste Gemahlin gebar,

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Durch Gift aus dem Leben gerissen.


Wer hat sie gemordet? – Sein zweites Gemahl.
Gern lieh den burgund’schen Großen,
Die Berthold gezüchtigt mit siegendem Stahl,
Stiefmütterlich sie sich zum rächenden Strahl,

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Zu knicken die fürstlichen Rosen.


Zwar fehlt’s an Beweis, doch der rasende glaubt
Allein dem burgundischen Hasse;
Sein Stamm ist entlaubt und der Sprossen beraubt, –
D’rum fällt auf dem Blocke der Herzogin Haupt,

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Mag’s Volk sich empören in Masse!
[13]

Wohl flieht ihn die Ruh’ von derselbigen Stund’,
Doch nähret sein Herz nur noch Tücke,
Statt Reuegefühl in dem innersten Grund;
So zieht er, verfluchend das falsche Burgund,

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Auf Zähringen’s Burg sich zurücke.


Dort lockt ihn zuweilen das schmetternde Horn,
Im lustigen Forste zu jagen;
Sein Schweiß doch erstickt den glühenden Zorn,
Und heller noch schürt ihn der goldene Born

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Bei zechender Gäste Gelagen.


Die Adern der Stirn, von grimmigem Drang
Stets bleiben sie drohend geschwollen;
Sie glättet kein Scherzen, kein Spiel und Gesang,
Im Kreis seiner Augen wird Jedem es bang

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Vor ihrem entsetzlichen Rollen.


Bald fliehen die letzten der Gäste sein Haus;
Doch aus der unheimlichen Stille
Dehnt weit in die Runde sein Wüthen sich aus,
Es füllet das Breisgau mit Jammer und Graus

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Des Herrschers tyrannischer Wille.


Von gierigem Geize nun wird er verzehrt
Nach edlen Gesteinen und Erzen;
Bald hat er von Allem, was irgend von Werth,
Die Häuser und Hütten des Landes geleert,

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„Der Mann mit dem steinernen Herzen.“


Wer etwas ihm weigert, der muß mit dem Tod,
Wer murrt, mit dem Kerker es büßen;
Mag schreien zum Himmel die wachsende Noth
Des hungernden Volkes, – der finstre Despot

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Tritt alle Gesetze mit Füßen.
[14]

Auch fehlt’s an den tollsten Gelüsten ihm nicht:
„Koch, schlachte mir heut’ einen Knaben,
Und setz’ ihn gebraten mir vor als Gericht!
Auf menschliches Fleisch war ich längst schon erpicht,

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Und will mich nun einmal d’ran laben!“


Schon sitzt er bei Tafel; da plötzlich erfaßt
Ihn Eckel und Todesentsetzen;
Umstößt er die Tische, mit rasender Hast
Durchrennt er die Hallen im öden Palast,

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Wo höllische Geister ihn hetzen.


Bald sinkt er gebrochen auf’s Lager dahin,
Ihm naht sich die tödtliche Hippe;
Doch wendet er nimmer zur Reue den Sinn,
Er träumt noch und stammelt von neuem Gewinn,

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Bis endlich erstarret die Lippe.


Die Flüche des Volkes nur donnern ihm nach
In’s Grab, und es jubelt die Runde;
Doch schrecklich zu büßen, für was er verbrach,
Bannt Gott ihn hinab in ein Felsengemach

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In des Berges tiefinnerstem Grunde.


Dort sitzt der Tyrann bis zum jüngsten Gericht,
Mit versteinerter, irdischer Hülle;
Des Innern Gier nur versieget ihm nicht,
Denn rings im Gewölbe mit blendendem Licht

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Strahlt Golds und Juwelen die Fülle.


Alljährlich nur Einmal der Herzog erwacht
Aus seinem granitenen Schlafe;
Da lockt ihn der Schätze unendliche Pracht,
Da vergißt er des Bannes erstarrender Macht

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Und seiner entsetzlichen Strafe.
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Doch wie er sich wühlet in’s Edelgestein
Und schwelgt in den goldenen Erzen,
Fühlt neu sich versteinern er Mark und Gebein,
Und „Fluch“ noch donnert’s in’s Ohr ihm hinein,

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Den Fürsten mit steinernem Herzen!“


(A. Schn.)