Die „Gasquellen“ in Pennsylvanien

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die „Gasquellen“ in Pennsylvanien
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 39
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
Die Gartenlaube (1886) b 039.jpg

Brennende Gasquelle bei Pittsburg in Pensylvanien
Nach einer amerikanischen Vorlage


[39] Die „Gasquellen“ in Pennsylvanien. Die Söhne kommender Jahrhunderte werden auf uns gewiss als sinnlose Verschwender mit Geringschätzung herabblicken, wenn sie die Beschreibung unserer Oefen lesen und dabei herausrechnen, das wir von dem Heizwerth, der in den Brennmaterialien vorhanden ist, nur den zehnten Theil als Wärme ausnützen und den Rest als Ruß und Rauch in die Luft steigen lassen. Es ist nicht lange her, daß dieser Uebelstand entdeckt wurde, der für London z. B. folgende Verluste ergiebt: In der Weltstadt an der Themse werden jährlich 8000 Millionen Kilo Steinkohlen verbrannt, dabei aber nur der Heizwerth von 800 Millionen Kilo in Wärme verwandelt, während der Rest von 7200 Millionen nicht ausgenützt wird und 400 Millionen Kilo sogar als Ruß geradezu schädlich wirken. Außerdem aber entsteigen noch den Londoner Schloten und verpesten die Stadtluft die Verbrennungsprodukte von 120 Millionen Kilo Schwefel, die in den Steinkohlen enthalten sind.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß die Projekte verbesserter Heizungsmethoden überall lebhaft erörtert werden. Die radikalste Besserung versprechen uns diejenigen, welche vorschlagen, daß man unsre heutigen Oefen abschaffe und keine Kohlen mehr ins Haus liefere. Dieselben sollen in Anstalten vor den Thoren der Städte in Heizgas verwandelt werden und dieses soll ebenso wie jetzt das Leuchtgas den einzelnen Häusern in Röhren zugeführt und hier in eigens konstruirten Gasöfen verbrannt werden. Die Aussichten dieser Neuerung sind in der „Gartenlaube“ in einem besondern Artikel im Jahrgang 1883, Seite 122 besprochen worden und in demselben ist auch darauf hingewiesen worden, daß die Anlage neuer ausgedehnter Gasleitungen das Haupthinderniß für die Verbreitung der neuen Heizmethode bilde.

Die Gartenlaube (1886) b 039.jpg

Brennende Gasquelle bei Pittsburg.
un Pennsylvanien.
Nach einer amerikanischen Vorlage.

Diese Reformbewegung hat ohne Zweifel findige Amerikaner auf die Idee gebracht, Brenngase, die in Petroleumdistrikten dem Schoß der Erde entsteigen zur Heizung nahe gelegener Städte zu verwenden. In Pensylvanien ist der Versuch geglückt: einige Gesellschaften haben in der Nähe von Pittsbnrg bereits gegen 50 „Gasquellen“ gebohrt und umfangreiche Röhrenleitlungen von denselben nach der Stadt gelegt.

In den unterirdischen Hohlräumen, die Erdöl enthalten, befinden sich über demselben die Brenngase in stark verdichtetem Zustande. Trifft man mit dem Bohrer auf eine solche Gasschicht, so erfolgt zunächst eine heftige Explosion; der Bohrer fliegt in die Luft, eine Sandwolke folgt ihm nach. und dann entweicht das Gas, oft mit dröhnendem Gebrüll, das meilenweit gehört wird.

Man hat nun sinnreiche Apparate konstruirt, welche die dem Bohrloch entströmenden unbändigen Elemente auffassen und den Röhrenleitungen zuführen. Die überschüssigen Gasmengen werden einfach verbrannt, und das Schauspiel, das sich dabei dem Beschauer bietet, wird besonders großartig, wenn das Bohrloch eine Zeit lang verschlossen bleibt und nach Eröffnung desselben das mit erneuerter Kraft aufschießende Gas entzündet wird. Unsere nach „Harper’s Weelly“ wiedergegebene Illustration veranschaulicht den Erfolg eines solchen Experimentes.

An Abnehmern des billigen Brennmaterials fehlt es in den benachbarten Städten Pennsylvaniens augenblicklich nicht, aber auch die Gasquellen versiegen mit der Zeit ebenso wie die Petroleumquellen. Wird dann auch die ganze Röhrenleitung unbenutzt bleiben und werden die Gasöfen aus Fabriken und Wohnungen verschwinden müssen? Man glaubt nicht daran und hegt die Hoffnung, daß diejenigen, welche die Vortheile der Gasheizung einmal kennen gelernt haben, niemals zu der „veralteten“ Kohlenfeuerung umkehren werden. An den versiegten Gasquellen werden alsdann Anstalten auf dem Boden wachsen, in denen aus rohem Petroleum oder Steinkohlen Heizgas fabricirt wird. In dieser Hinsicht sind die pennsylvanischen Gasquellen auch für die Heizfrage im Allgemeinen von Bedeutung; sie können als ein großartiger Versuch mit dem Heizgas angesehen werden, und Vielen erscheinen sie in der That als Pioniere der Gasheizung.