Die Gartenlaube (1874)/Heft 34

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Titel: Die Gartenlaube
Untertitel: Illustrirtes Familienblatt
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Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum: 1874
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Inhaltsverzeichnis

[539]

No. 34.   1874.
Die Gartenlaube.

Illustrirtes Familienblatt. – Herausgeber Ernst Keil.

Wöchentlich bis 2 Bogen.    Vierteljährlich 16 Ngr. – In Heften à 5 Ngr.



Gesprengte Fesseln.
Nachdruck verboten und
Uebersetzungsrecht vorbehalten.
Von E. Werner.


(Fortsetzung.)


„Nichts!“ sagte Reinhold, sich gewaltsam fassend. „Mir ist nicht wohl; die stürmische Fahrt hat mich angegriffen. Es ist nichts, Cesario.“

„Ich glaube, wir thun am besten, jetzt an die Rückkehr zu denken,“ fiel Hugo ein, der für nöthig fand, die Aufmerksamkeit von seinem Bruder abzulenken, da er sah, daß dieser nicht mehr Herr seiner Aufregung war. „Eine Wiederholung des Unwetters steht nicht zu befürchten, und da der Padrone versprochen hat, einen Wagen herbeizuschaffen, so können wir noch heute Abend in S. sein, wenn wir baldigst aufbrechen.“

Es war das erste Mal, daß Beatrice einem Vorschlage, den der Capitain machte, mit vollster Lebhaftigkeit beistimmte. Marchese Tortoni dagegen fand die große Eile sehr unnöthig und erhob verschiedene Einwendungen. Für ihn schien die einsame Locanda auf einmal besondere Anziehungskraft gewonnen zu haben. Als er aber mit seiner Ansicht nicht durchdrang – denn auch Reinhold bestand auf der sofortigen Rückkehr – schloß er sich dem Capitain an, welcher ging, um nach dem Wagen zu sehen.

„Ich fürchte, Sie haben Ihrem Bruder und mir ein Märchen aufgetischt, als Sie behaupteten, eine gewisse Villa sei Ihnen unzugänglich geblieben,“ sagte er neckend. „Es war mir schon damals verdächtig, daß Sie den Rückzug so offen eingestanden und so ruhig unseren Spott über sich ergehen ließen. Ich wollte darauf schwören, daß ich diese reizende Gestalt und diese blonde Flechtenpracht schon einmal erblickt habe, als ich an der Villa Fiorina vorüberritt. Ich begreife es freilich, daß Sie uns nicht zu Vertrauten Ihres Abenteuers machten, allein –“

„Sie irren,“ unterbrach ihn Hugo mit einer Entschiedenheit, die keinen Zweifel an seinen Worten möglich machte. „Es ist hier von keinem Abenteuer die Rede, Signor Marchese; ich gebe Ihnen mein Wort darauf.“

„Ah, dann verzeihen Sie!“ sagte Cesario ernst. „Ich glaube, Ihre anscheinend nähere Bekanntschaft mit der Dame –“

„Stammt aus einer früheren Bekanntschaft in Deutschland her,“ ergänzte der Capitain. „Ich hatte allerdings keine Ahnung von diesem Zusammentreffen, als ich eine völlig Fremde in der Villa Fiorina aufzusuchen glaubte, aber ich wiederhole es Ihnen, daß das Wort ‚Abenteuer‘ auch nicht entfernt mit jener Dame in Berührung gebracht werden darf, und daß ich die vollste und unbedingteste Achtung eines Jeden für sie in Anspruch nehme.“

Der sehr bestimmte Ton dieser Erklärung hätte einen anderen Zuhörer vielleicht gereizt, der junge Marchese dagegen schien eine unverkennbare Genugthuung dabei zu empfinden.

„Ich zweifle nicht im Geringsten daran, daß Sie mit dieser Forderung in Ihrem Rechte sind,“ erwiderte er mit großer Wärme. „Das ganze Wesen der schönen Frau spricht dafür. Welch ein imponirender Anstand und welche vollendete Lieblichkeit der Erscheinung! Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die beides so zu vereinigen weiß.“

„Wirklich?“ In Hugo’s Stimme verrieth sich eine keineswegs angenehme Ueberraschung, als er seinen Begleiter ansah, dessen Wangen lebhaft geröthet waren und dessen Augen blitzten. Der Capitain sagte kein Wort weiter, aber seine Miene sprach deutlich genug aus, was er dachte. „Ich glaube, dieser Idealmensch fängt jetzt auch an, sich um etwas Anderes zu kümmern, als um Arien und Recitative – das ist aber ganz und gar überflüssig.“

Droben in der Veranda stand Beatrice allein; sie war Reinhold und dem Lord nicht gefolgt, die gleichfalls hinabstiegen. Ihre Hand vergrub sich mechanisch in das nasse Weinlaub, während die dunklen Augen starr auf die See gerichtet waren, und doch schien sie nichts von der ganzen Umgebung zu sehen. In düsteres Sinnen verloren, hing sie nur dem einen Gedanken nach, den die Lippen jetzt aussprachen, als sie halb drohend, halb angstvoll flüsterte: „Was war das zwischen den Beiden?“




Der Herbst war gekommen und hatte Fremde und Einheimische vom Meeresstrande und aus den Gebirgen wieder zurückgeführt in den großen, ewig steten und ewig bewegten Mittelpunkt Italiens. Freilich war es kein Herbst, wie er im Norden die Natur zu Grabe geleitet, mit düsteren Regentagen, rauhen Sturmnächten, wogenden Nebeln, Reif und Nachtfrösten. Hier lag er mild in goldiger Klarheit und unbeschreiblicher Schönheit über der weiten Ebene, von der endlich die Sommergluth gewichen war, über dem Gebirge, das sonst Tag für Tag von heißem Dunst umzogen, von weißen Wolken umlagert, jetzt wieder seine blauen Linien unverhüllt zeigte, und über der Stadt, wo die große Woge des Lebens, die einige Monden lang träger gerollt war, nun mit neuer Macht emporfluthete.

Auch Signora Biancona war bereits zurückgekehrt. Ihr Aufenthalt in S. hatte ein ebenso unerwartet schnelles Ende genommen, wie der Reinhold’s in Mirando. Diesen schien es [540] auf einmal nicht länger zu dulden an dem sonstigen Lieblingsorte. Fast unmittelbar nach jener stürmischen Seefahrt bestand er mit Entschiedenheit darauf, daß der ursprüngliche Plan wieder aufgenommen und die längst beschlossene Villeggiatur im Gebirge angetreten werde. Die Einwendungen, ja selbst die offen gezeigte Empfindlichkeit des Marchese, der auf eine längere Anwesenheit seiner Gäste gerechnet hatte, waren umsonst; denn auch Beatrice schloß sich mit einer Art von Hast dem Plane Rinaldo’s an, und so blieb Cesario denn allein in Mirando zurück, während die Uebrigen in das Gebirge gingen, von wo sie soeben zurückgekehrt waren. –

Es war in den Vormittagsstunden. In ihrem Boudoir saß Signora Biancona, den Kopf auf den Arm gestützt und die Hand in den dunklen Locken vergraben, in der Stellung einer eifrig Zuhörenden. Ihr gegenüber hatte der Capellmeister Gianelli Platz genommen. Was auch seine wahre Gesinnung gegen den vielbeneideten Rinaldo sein mochte, er war doch allzuklug, um dem in der Künstlerwelt wie in der Gesellschaft Allmächtigen nicht äußerlich all die nöthige Rücksicht und Unterordnung zu zeigen, und der schönen Primadonna gegenüber war er nun vollends ganz Ergebenheit und Aufmerksamkeit; das zeigte sich in Ton und Haltung, als er, das vorhin begonnene Gespräch fortsetzend, sagte:

„Sie hatten befohlen, Signora, und das war genug für mich, um sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen. Ich bin so glücklich, Ihren Wunsch erfüllen und Ihnen die genauesten Mittheilungen über den bewußten Gegenstand machen zu können.“

Beatrice hob in lebhafter Spannung den Kopf. „Nun?“

„Dieser Signor Erlau,“ fuhr der Maestro fort, „ist in der That, wie Sie vermuthen, ein Kaufmann aus H. Er muß wohl zu den Reichsten seines Standes gehören; denn er tritt hier überall als Millionär auf. In der Nähe von S. hatte er die ganze Villa Fiorina für sich und seine Familie gemiethet, und auch hier hat er eine der theuersten Wohnungen inne. Der Haushalt ist sehr vornehm eingerichtet, die Dienerschaft zum Theil aus Deutschland mitgebracht. Auch besitzt er bedeutende Empfehlungen an seine Gesandtschaft, von denen er jedoch noch keinen Gebrauch gemacht hat, da sein leidender Zustand ihn zur Zurückgezogenheit nöthigt. Die Uebersiedelung bewerkstelligte er überhaupt nur, um sich der Behandlung eines unserer berühmtesten Aerzte zu unterwerfen –“

„Das Alles weiß ich bereits,“ unterbrach ihn Beatrice ungeduldig. „Als ich den Namen hörte, zweifelte ich nicht daran, daß es sich um jenen Consul handelte, in dessen Hause auch ich während meines Aufenthaltes in H. verkehrte. Aber die Dame, welche sich in seiner Begleitung befindet, die junge Signora?“

„Ist – seine Nichte,“ erklärte Gianelli, der nach dem ersten Worte eine absichtliche Pause machte.

Die Sängerin schien nachzusinnen. „Sie wurde mir allerdings als Signora Erlau genannt. Eine Anverwandte also. Ich habe sie damals nicht gesehen. Sie wäre mir sicher aufgefallen; solch eine Gestalt übersieht man nicht so leicht.“

Der Maestro lächelte mit boshaftem Ausdrucke. „Sie soll allerdings den gleichen Namen wie ihr Pflegevater führen; sie soll Wittwe sein, soll ihren Gatten schon vor Jahren verloren haben – wenigstens wünscht man, daß es hier in Italien so heiße, und die Diener haben strenge Weisung, etwaige Anfragen in diesem Sinne zu beantworten.“

Beatrice horchte bei dieser zweideutigen Erklärung auf. „Soll? Aber es ist nicht so? Ich ahnte es, daß sich ein Geheimniß dahinter berge. Sie haben es entdeckt?“

„Bediente schweigen nie, wenn man es versteht, in der rechten Weise anzuklopfen,“ bemerkte Gianelli spöttisch. „Ich fürchte nur – es ist ein äußerst zarter Punkt – und da er Signor Rinaldo betrifft –“

„Rinaldo?“ fuhr Beatrice auf. „Wie so? Was hat Rinaldo damit zu thun? Sagten Sie nicht, daß es Rinaldo betreffe?“

Der Maestro neigte das Haupt und sagte in seinem sanftesten Tone: „Ich war wohl im Irrthume, Signora, wenn ich voraussetzte, daß die Veranlassung zu Ihrem Wunsche, etwas Näheres über die Erlau’sche Familie zu erfahren, von Signor Rinaldo ausging.“

Die Sängerin biß sich auf die Lippen. Sie. hätte es freilich vorher sehen können, daß bei dem Auftrage, den sie ihm gab, den beobachtenden Augen eines Gianelli nicht die Regung entgehen konnte, die diesen Auftrag dictirte.

„Lassen wir jetzt Rinaldo bei Seite!“ sagte sie mit einer Anstrengung, ruhig zu erscheinen. „Sie wollten von Signor Erlau sprechen.“

„Das möchte wohl schwer von einander zu trennen sein,“ warf Gianelli hin. „Ich fürchte nur – Signor Rinaldo ist mir leider schon ungünstig gestimmt, gewiß ohne mein Verschulden – ich fürchte, seinen höchsten Unwillen zu erregen, wenn er erfährt, daß ich es war, der eine solche Mittheilung gerade Ihnen –“ er stockte und zeichnete in gut gespielter Verlegenheit mit seinem Spazierstöckchen Figuren auf den Boden.

„Gerade mir?“ wiederholte Beatrice heftig. „Also ist diese Mittheilung nicht für mich bestimmt? Sie werden sprechen, Signor Gianelli! Sie werden mir auch nicht ein Wort, nicht eine Silbe verschweigen! Ich verlange, ich fordere es von Ihnen.“

„Nun denn,“ – er schien wirklich einen Anlauf zur Erklärung nehmen zu wollen, aber das Spiel war doch zu interessant, um es jetzt schon aufzugeben, und der Maestro hatte selbst zu oft unter den Launen der schönen Primadonna gelitten, als daß er sich die Genugthuung hätte versagen sollen, sie noch länger auf die Folter zu spannen. „Nun denn – Sie kennen jedenfalls die früheren Bande Signor Rinaldo’s. Man weiß hier in Italien wenig oder nichts davon, daß er bereits vermählt war; ich selbst erfuhr es erst bei dieser Gelegenheit. Ihnen ist die Thatsache jedenfalls bekannt.“

„Ich weiß es,“ entgegnete Beatrice gepreßt. „Aber wie gehört das hierher?“

„Doch wohl einigermaßen. Sie kennen die Gemahlin Rinaldo’s nicht, Signora?“

„Nein. Doch ja, ich sah sie einmal flüchtig. Eine höchst unbedeutende Erscheinung.“

„Das scheint man hier durchaus nicht zu finden,“ bemerkte Gianelli wieder in seinem sanften Tone. „Die schöne blonde Deutsche fängt trotz ihrer Zurückgezogenheit bereits an, Aufsehen zu erregen.“

„Wer?“ Beatrice erhob sich so jäh und ungestüm, daß der Maestro es für gut fand, um einige Schritte zurückzuweichen. „Von wem sprechen Sie?“

„Von Signora Eleonore Almbach, die allerdings hier den Namen ihres Pflegevaters Erlau führt, wohl um neugierigen Nachforschungen auszuweichen.“

„Das ist unmöglich,“ brach die Sängerin jetzt mit vollster Heftigkeit aus. „Das kann nicht sein. Sie täuschen mich, oder Sie sind selbst getäuscht worden.“

„Bitte,“ vertheidigte sich Gianelli, „meine Quelle ist die sicherste. Ich stehe für deren Richtigkeit ein, und Signor Rinaldo selbst wird sie mir bestätigen müssen.“

„Unmöglich!“ wiederholte Beatrice noch immer fassungslos. „Seine Frau diese Erscheinung! Ich habe sie ja damals gesehen, wenn auch nur auf Minuten Bin ich denn blind gewesen?“

„Oder war er es?“ ergänzte Gianelli im Stillen bei sich, laut aber sagte er: „Ich bin untröstlich, Sie in solche Aufregung versetzt zu haben, Signora. Sie werden mir das Zeugniß geben, daß ich nicht sprechen wollte, daß Sie mir diese Mittheilungen förmlich abgezwungen haben. Ich beklage dies ganz außerordentlich.“

Seine Worte gaben Beatrice wenigstens einigermaßen die Besinnung zurück. Sie fühlte wohl, was sie von dem Mitleid des Mannes zu erwarten hatte, der in ihrem Auftrage den Spion spielte.

„Nicht doch!“ erwiderte sie mit einem hastigen, aber vergeblichen Versuch, ihre Selbstbeherrschung zurückzugewinnen.

„Ich – ich danke Ihnen, Signor. Ich bin nur überrascht, weiter nichts.“

Der Maestro sah, daß er am besten that, sich zu entfernen, aber während er Anstalt machte, zu gehen, legte er betheuernd die Hand auf das Herz:

„Sie wissen, Signora, daß ich ganz zu Ihren Befehlen bin, und wenn Sie es für nöthig halten sollten, in dieser Angelegenheit über mein unbedingtes Schweigen zu verfügen, so bedarf es wohl keiner Versicherung, daß Ihnen auch dies zu Diensten steht. Ganz, wie Sie befehlen.“

[541] Er verließ mit einer tiefen Verneigung das Gemach, und es war ihm Ernst mit den letzten Worten. Gianelli war ein zu guter Rechner, um Etwas, das sich vielleicht früher oder später doch einmal gegen den gehaßten Rinaldo verwenden ließ, nicht als ein kostbares Geheimniß zu betrachten. Wenn er die pikante Neuigkeit jetzt den Gesellschaftskreisen preisgab, so ließ sich eben nichts weiter damit anfangen, in seinem Alleinbesitz dagegen konnte sie zu Vielem nützen. Sicherte sie ihm für den Augenblick doch schon einen Einfluß auf Beatrice und indirect sogar auf Rinaldo, dem dieses Bekanntwerden seiner Familienbeziehungen zum Mindesten nicht angenehm sein konnte.

In der vortrefflichsten Stimmung durchschritt der Maestro den Salon und trat in das Vorzimmer, wo sich augenblicklich nur der Matrose Jonas befand. Der Capitain hatte ihn seinem Bruder mit einem Auftrage nachgesendet; er wähnte diesen bei Signora Biancona; Reinhold befand sich aber noch bei dem Intendanten, wurde jedoch jeden Augenblick erwartet. Das erfuhr Jonas von einem Bedienten, der aus dem Dienste des Impressario, welcher einst die italienische Operngesellschaft nach Deutschland führte, in den Beatrice’s übergangen war und als Errungenschaft seiner nordischen Reise etwas Deutsch radebrechte. Da der Matrose den Auftrag hatte, das Billet seines Herrn dessen Bruder selbst zu übergeben, so blieb ihm nichts übrig, als zu warten; er faßte daher im Vorgemach Posto, das Reinhold jedenfalls passiren mußte. Er hatte allerdings bemerkt, daß die Thür eines der Hinterzimmer offen stand und daß sich dort Jemand befand, anscheinend ein Kammermädchen der Signora, welches sich mit einer Robe ihrer Gebieterin beschäftigte. Da dieser Jemand aber ein Frauenzimmer war, so existirte er begreiflicherweise nicht für Jonas, der sich, mürrisch und schweigsam wie gewöhnlich, in eine der Fensterecken zurückzog und dort schon über eine Viertelstunde harrte, ohne die mindeste Notiz von jener Nachbarschaft zu nehmen.

Signor Gianelli schien in Bezug auf die Frauen gerade den entgegengesetzten Ansichten zu huldigen; denn er hatte kaum die offenstehende Thür und das junge Mädchen entdeckt,[WS 1] als er auch sofort seinen Cours änderte und nach jener Richtung steuerte. Jonas verstand natürlich nichts von dem italienisch geführten Gespräche, das sich jetzt zwischen den Beiden entspann, aber so viel wurde ihm doch klar, daß der Maestro sich bemühte, den Liebenswürdigen zu spielen, freilich, wie es schien, ohne besonderen Erfolg; denn er erhielt nur kurze und ziemlich trotzig klingende Antworten, und dabei wurden die schweren Seidenwogen der Robe so geschickt drapirt, daß er nicht näher kommen konnte, ohne den hellen Atlas zu zerknittern. Das dauerte einige Minuten, dann schien Signor Gianelli dennoch eine ernstliche Attaque zu versuchen; denn man hörte einen entrüsteten Ausruf, dem das zornige Aufstampfen eines kleinen Fußes folgte. Die Robe flog zur Seite, und das junge Mädchen flüchtete in das Vorgemach, wo es mit trotzig verschränkten Armen und zornsprühenden Augen stehen blieb. Der Maestro aber war ihm gefolgt, und ohne im Mindesten durch den Widerstand eingeschüchtert zu werden, machte er Miene, den ihm vorhin augenscheinlich versagten Kuß hier zu erzwingen, als er auf ein höchst unerwartetes Hinderniß stieß. Eine kräftige Faust packte ihn urplötzlich am Kragen und eine fremde Stimme sagte mit nachdrücklicher Betonung:

„Das läßt man bleiben.“

Im ersten Augenblick schien der Italiener sehr betroffen durch diese Dazwischenkunft eines Fremden, den er noch gar nicht bemerkt hatte, als er diesen aber genauer ansah und entdeckte, daß er es nur mit einem gewöhnlichen Matrosen zu thun hatte, richtete er sich mit großem Selbstbewußtsein und großer Entrüstung auf. Er kehrte die Sache sofort um und spielte den Beleidigten. Wie man es wagen könne, einen Mann in seiner Stellung anzugreifen, noch dazu in den Zimmern Signora Biancona’s; er werde sich bei der Signora darüber beklagen; was das denn eigentlich für eine Persönlichkeit sei, die sich dergleichen herausnehme, und damit strömte eine ganze Fluth von nicht gerade schmeichelhaften Ehrentiteln auf den armen Jonas herab.

Dieser ertrug mit unverwüstlicher Gelassenheit die auf ihn gehäuften Beleidigungen, da er nicht eine einzige davon verstand, als sich aber der Italiener, durch diese Ruhe getäuscht, beikommen ließ, mit seinem Spazierstocke einige drohende Bewegungen zu machen, da war es aus mit der Gelassenheit des Matrosen; denn diese Pantomime begriff er sehr gut. Mit einem einzigen Ruck hatte er dem Maestro den Stock entrissen, in der nächsten Secunde ihn selber umfaßt und säuberlich zur Thür hinausgeschoben, dann warf er ihm seinen Stock nach, schloß die Thür, alles ohne ein einziges Wort zu sprechen, und kehrte ruhig, als sei nicht das Mindeste vorgefallen, wieder in seine Fensterecke zurück. Hier aber trat ihm bereits das junge Mädchen entgegen, das in aufwallender Dankbarkeit und mit südlicher Lebhaftigkeit ihm beide Hände entgegenstreckte.

„Ist nicht nöthig! Ist gern geschehen,“ sagte Jonas trocken, aber in dem Augenblick, wo er abwehrend den Arm ausstreckte, legte sich eine kleine Hand auf denselben, und eine helle Stimme sprach in den weichsten Tönen etwas, das ganz unzweifelhaft einen Dank ausdrücken sollte.

Jonas sah höchst indignirt erst seinen Arm, dann die Hand an, die noch immer auf demselben lag, und nachdem er beide eine Weile angeschaut, ließ er sich endlich herab, auch auf die zu der Hand gehörige Person einen Blick zu werfen.

Vor ihm stand ein junges Mädchen von höchstens sechszehn Jahren, eine kleine, so unendlich leichte und zierliche Gestalt, daß sie den denkbar größten Gegensatz zu der breiten Figur des Seemannes bildete. Eine Fülle prächtiger blauschwarzer Flechten umgab das Gesichtchen, das mit seinem dunklen, braunen Teint und brennend schwarzen Augen jedenfalls dem Süden Italiens entstammte. Die Kleine war ohne Zweifel hübsch, sehr hübsch, das ließ sich nicht leugnen, und die Lebendigkeit, mit der sie sich bemühte, ihrem Beschützer zu zeigen, wie sehr dankbar sie ihm sei, machte sie nur noch anmuthiger.

„Ja, wenn ich nur die vermaledeite Sprache verstände!“ brummte Jonas, in dem zum ersten Male etwas wie Reue darüber aufstieg, daß er die während des Sommers ihm so reichlich gebotene Gelegenheit zum Lernen des Italienischen stets in hartnäckiger Verschlossenheit von sich gewiesen hatte. Er schüttelte den Kopf, zuckte die Achseln und gab auf diese Weise pantomimisch zu verstehen, daß er des Italienischen nicht mächtig sei, was das junge Mädchen ganz unerhört und nebenbei sehr unangenehm zu finden schien.

„Den Herrn Reinhold soll ich suchen,“ brummte Jonas weiter, bei dem sich merkwürdiger Weise ein Bedürfniß nach Mittheilung kund gab, das er sonst einem „Frauenzimmer“ gegenüber nie empfand. Er machte aber die Entdeckung, daß auch der Name nicht verstanden wurde, denn jetzt war die Reihe den Kopf zu schütteln und die Achseln zu zucken an seiner Gefährtin.

„Ja so,“ sagte der Matrose ärgerlich, „er hat ja nicht einmal seinen ehrlichen deutschen Namen behalten! Rinaldo läßt er sich hier nennen – daß Gott erbarm! so heißen bei uns zu Hause die Räuber und Spitzbuben. Signor Rinaldo,“ erklärte er, indem er zugleich das Billet seines Herrn hervorzog, das den gleichen Namen trug. Diese Adresse war nun freilich bekannt genug im Hause Signora Biancona’s, eine weitere Verständigung für jetzt aber unnöthig; denn gerade in dem Augenblick, wo die Beiden ihre Köpfe eifrig über den Brief hinneigten, öffnete sich die Thür des Vorzimmers, und Reinhold selbst trat ein.

Das junge Mädchen bemerkte ihn zuerst. Sie war urplötzlich von der Seite des Matrosen weg und in der Mitte des Gemaches, wo sie einen zierlichen Knix machte, und dann in der Richtung des Salons verschwand, wahrscheinlich um ihrer Gebieterin den längst Erwarteten zu melden, während Jonas, der nicht zu begreifen schien, wie Jemand so leicht und schnell davonfliegen und im Laufe weniger Secunden so spurlos verschwinden könne, ihr so beharrlich nachblickte, daß Reinhold an ihn herantreten und ihn fragen mußte, wie er hierher komme. Beschämt und etwas verlegen entledigte sich der Matrose seines Auftrages und übergab das Billet, das Almbach erbrach und flüchtig durchlas; der Inhalt desselben schien ihn sehr gleichgültig zu lassen.

„Sagen Sie meinem Bruder, ich wäre für heute bereits gefesselt, ich ließe ihn bitten, die Einladung des Marchese allein anzunehmen. Wenn es irgend möglich ist, so erscheine ich noch gegen Abend.“

[542] Damit steckte er den Brief zu sich, verabschiedete den Boten mit einer Handbewegung und trat gleichfalls in den Salon. Jonas hatte nun seinen Bescheid und hätte füglich nach Hause gehen können; statt dessen suchte er draußen den Bedienten auf, der ihm vorhin die nöthige Auskunft gegeben hatte, und dieser machte die Entdeckung, daß der wortkarge, unzugängliche Seemann auf einmal sehr neugierig geworden sei, da er sich ausführlich nach dem Haushalte Signora Biancona’s und nach dem Personale desselben erkundigte, und das wahrhaft fürchterliche Deutsch des auf seine Sprachkenntnisse sehr stolzen Italieners mit einer musterhaften Geduld ertrug. –

Reinhold war inzwischen in das Boudoir getreten. Er bedurfte allerdings keiner Anmeldung mehr bei der Herrin desselben, und sie kam ihm auch schon an der Schwelle entgegen, aber wäre er nicht so gänzlich von anderen Gedanken hingenommen gewesen, so hätte er auf den ersten Blick sehen müssen, daß irgend Etwas mit ihr vorgegangen war. Das dunkle warme Colorit der Italienerin konnte auch bleich erscheinen; das sah man jetzt, wo das heiße Blut, das sonst immer in ihren Wangen pulsirte, bis auf den letzten Tropfen gewichen schien, aber es war eine unheimliche Blässe und die Augen brannten nur um so sengender. Beatrice war Schauspielerin genug, um, auf Minuten wenigstens, ihr stürmisches Temperament beherrschen zu können, wenn es galt, einen Zweck zu erreichen, und heute wollte sie etwas erreichen. In ihrem Gesichte stand ein Zug finsterer Entschlossenheit; sie wollte klar sehen um jeden Preis.

„Ich traf unten auf der Straße mit Gianelli zusammen,“ begann Reinhold nach der ersten Begrüßung. „Er schien aus Deinem Hause zu kommen; war er bei Dir?“

„Gewiß! Ich weiß, daß Du gegen ihn eingenommen bist, aber ich kann unmöglich den Capellmeister der Oper abweisen lassen, wenn er kommt, um irgend etwas hinsichtlich der Aufführungen mit mir zu besprechen.“

Reinhold zuckte die Achseln. „Das konnte füglich in den Proben geschehen. Bist Du eine junge Anfängerin, die der Protection bedarf, und fürchten muß, irgend Jemand zu verletzen? Ich dächte, Du in Deiner Stellung könntest gegen mißliebige Persönlichkeiten ebenso rücksichtslos auftreten, wie ich es thue. Indessen, ich will Dir darin keine Vorschriften machen. Empfange wen Du willst, auch Gianelli! Ich bin weit entfernt, Dir irgend einen Zwang auferlegen zu wollen.“

Der Ton klang eisig, und Beatrice’s Stimme bebte leise, als sie erwiderte: „Das ist mir neu. Du pflegtest sonst meine Besuche despotischer zu überwachen, früher durfte Keiner meine Schwelle überschreiten, der Dir nicht genehm war.“

Reinhold hatte sich in einen Sessel geworfen „Du siehst, ich bin duldsamer geworden.“

„Duldsamer, oder – gleichgültiger.“

„Du hast Dich doch oft genug über meinen Despotismus beklagt,“ bemerkte er mit einem Anfluge von Spott.

„Und ich ertrug ihn dennoch, weil ich wußte, daß er aus Liebe entsprang. Es ist nur natürlich, daß mit der einen auch der andere ein Ende nimmt.“

Reinhold machte eine ungeduldige Bewegung. „Beatrice, Du verlangst Unmögliches, wenn Du forderst, das Menschenherz solle immer und ewig in jenen vulcanischen Empfindungen glühen, die allein Dir Liebe heißen.“

Sie war an seinen Sessel getreten und legte die Hand auf die Lehne desselben, während sie mit einem seltsamen Ausdrucke zu ihm niederblickte.

„Ich sehe allerdings, daß es unmöglich ist, von dem kalten Herzen des Nordländers eine Liebe zu fordern, wie ich sie gebe und – verlange.“

„Du hättest ihn in seinem Norden lassen sollen,“ sagte Reinhold düster. „Vielleicht wäre die Kälte dort besser für ihn gewesen als die ewige Gluth Eures Südens.“

„Soll das ein Vorwurf sein? War ich es, die Dich Deiner Heimath entriß?“

„Nein! Ich ging freiwillig, aber – sei gerecht, Beatrice! –, die treibende Kraft warst Du. Wer drängte mich unaufhörlich zu dem Entschlusse? Wer hielt mir immer und immer wieder meinen Künstlerberuf vor Augen? Wer schalt mich Feigling, als ich vor der Verantwortung zurückschreckte, und stellte mir endlich die verhängnißvolle Wahl zwischen der Flucht oder unserer Trennung? Ich bitte Dich – Du wußtest, wie die Entscheidung fallen würde.“

In den dunkeln Augen der Italienerin blitzte es drohend auf, aber noch erzwang sie Ruhe.

„Es galt unsere Liebe,“ erklärte sie stolz, „es galt Deine Künstlerlaufbahn. Ich rettete der Welt einen Genius, als ich Dich mir rettete.“

Er schwieg. Die Vertheidigung schien keinen Wiederhall in seinem Inneren zu finden. Sie beugte sich tiefer zu ihm nieder, und ihre Stimme klang wieder süß und bestrickend, aber der unheimliche Ausdruck wich nicht aus ihren Zügen.

„Du träumst, Rinaldo. Das ist wieder eine von jenen Stimmungen, gegen welche ich so oft ankämpfen mußte. Ist es denn das erste Mal, daß eine unglückliche, unbefriedigte Ehe gelöst wurde, um ein beglückenderes Band zu schließen?“

Reinhold stützte den Kopf in die Hand. „Nein, gewiß nicht, aber das trifft hier nicht zu, denn meine Ehe ist nicht gelöst worden, und wir – haben nie daran gedacht, uns zu vermählen.“

Beatrice zuckte zusammen, und ihre Hand glitt von der Lehne des Sessels herab.

„Du warst nicht frei,“ murmelte sie.

„Es kostete mich nur ein Wort, es zu werden. Ich wußte, daß man mich nicht halten würde, und Dir standen genug Wege zu dem Dispens offen, der auch der Katholikin diese Ehe gestattet hätte. Aber wir fürchteten Beide das unlösbare Band, wir wollten frei und fessellos sein, ohne Schranken in unserer Liebe wie im Leben – nun wohl, wir sind es ja noch bis auf diese Stunde.“

„Was willst Du damit sagen?“ Beatrice preßte wie athemlos die Hand auf das Herz. „Betrachtest Du etwa Deine Ehe als noch bestehend?“

„O nein, gewiß nicht, und wenn ich es thäte, so würde mir bald genug die Verwegenheit dieser Annahme klar gemacht werden. Du kennst nicht eine beleidigte Gattin und Mutter in ihrem Tugendstolze. Wenn der Sünder auch sein ganzes noch übriges Leben der Reue und Buße widmen wollte, er würde doch nie begnadigt“

Die Worte sollten wie herber Spott klingen; er ahnte nicht, was die grenzenlose Bitterkeit verrieth, mit der er sie hervorstieß, aber Beatrice verstand es nur zu gut, und mit dieser Erkenntniß brach die bisher so mühsam gewahrte Selbstbeherrschung rettungslos zusammen.

„Hast Du das vielleicht schon versucht bei ihr, bei der ‚beleidigten Gattin?‘ rief sie aufflammend. „Sie ist ja in Deiner Nähe; ich war ja selbst Zeuge Eures Wiedersehens. Darum also begegneten sich Eure Augen in so räthselhafter Weise, darum konntest Du den Blick nicht losreißen von dem Kinde, darum bebte sie zurück vor mir, wie vor etwas Unheilvollem? Hast Du die Reuescene schon versucht, Rinaldo?“

Reinhold war aufgesprungen, in seinen Mienen stritten Zorn und Ueberraschung miteinander. „Also Du weißt bereits, wer Signora Erlau ist? Doch was frage ich noch! Der Spion, dieser Gianelli, verließ Dich ja soeben; er wird auch das bereits herausgespürt und Dir hinterbracht haben.“

Einen Moment lang flog eine dunkle Gluth über die Züge der Sängerin, als sie an den directen Auftrag dachte, den sie dem „Spion“ ertheilt hatte, aber in dem Aufruhr ihres ganzen Inneren fand die Beschämung keinen Platz.

„Du wußtest es bereits in Mirando,“ fuhr sie stürmisch fort, „und sie bewohnte die nahe Villa Fiorina. Willst Du mich vielleicht glauben machen, daß Ihr Euch dort nicht gesehen, nicht gesprochen habt?“

„Ich will Dich überhaupt nichts glauben machen,“ sagte Reinhold kalt. „Wie ich mit Eleonoren stehe, wird Dir unsere völlig fremde Begegnung wohl hinreichend gezeigt haben. Beruhige Dich! Von der Seite hast Du nichts zu fürchten. Was übrigens

[543]
Die Gartenlaube (1874) b 543.jpg

Aufgang zum Kapuzinerberge bei Salzburg.
Nach der Natur aufgenommen von L. v. Elliot.

[544] zwischen meiner Gattin und mir vorgegangen ist, werde ich Dir nicht beichten.“

Es lag ein leiser, aber doch bemerkbarer Ton der Verachtung auf den beiden Worten, und er schien verstanden zu werden.

„Es scheint, Du stellst mich unter Deine Gattin,“ sagte Beatrice schneidend. „Unter diese Frau, deren einziges Verdienst es war und ist, die Mutter Deines Kindes zu sein, die Dich niemals –“

„Ich bitte Dich, laß’ das!“ unterbrach er sie entschieden. „Du weißt, daß ich es nicht ertragen kann, wenn Du diesen Punkt berührst, und jetzt dulde ich das weniger als je. Wenn Du mir durchaus wieder eine Scene machen mußt, so thue es, aber mein Weib und mein Kind laß’ aus dem Spiele!“

Es war, als ob seine Worte einen Sturm entfesselt hätten, so glühend, so maßlos brach die Leidenschaftlichkeit der Italienerin jetzt hervor, jede Spur von Selbstbeherrschung mit sich fortreißend.

„Dein Weib und Dein Kind!“ wiederholte sie außer sich. „O ich weiß, was mir diese Worte bedeuten; ich mußte es ja oft genug erfahren. Haben sie sich doch zwischen uns gedrängt von dem ersten Moment unserer Vereinigung an bis auf diesen Tag. Ihnen verdanke ich jede bittere Stunde, jede kalte fremde Regung in Deinem Innern. Sie haben auf Dir gelegen wie ein Schatten mitten in dem Aufsteigen Deines Künstlerruhmes, mitten in all Deinen Siegen und Triumphen, als ob sie Dich gebannt hätten da oben im Norden mit der Erinnerung an sie – Du konntest Dich nicht losreißen davon, und doch gab es eine Zeit, wo sie Dir die drückenden Fesseln waren, die Dich schieden von Leben und Zukunft, die Du schließlich zerreißen mußtest.“

„Um andere dafür einzutauschen,“ ergänzte Reinhold, dessen Heftigkeit jetzt auch aufloderte. „Und es ist noch die Frage, ob diese anderen die leichteren sind. Dort waren es nur die äußeren Verhältnisse, die mich einengten; mein Denken und Fühlen, mein Schaffen wenigstens war frei. Du wolltest auch dies willenlos zu Deinen Füßen sehen, wie mich selber, und daß Dir das nicht gelang, wenigstens nicht immer, habe ich mit Stunden endloser Aufregung und Bitterkeit büßen müssen. Einen Anderen hätte Deine Liebe zum Sclaven gemacht; mich zwang sie im ewigen Kampfe gegen Deine Herrschsucht zu stehen, die sich jedes Gedankens, jeder Regung meines Inneren bemächtigen wollte. Aber ich dächte, Beatrice, Du hättest bisweilen doch in mir Deinen Meister gefunden, der seine Selbstständigkeit zu wahren wußte und der nicht sein ganzes Sein und Wesen in Ketten schlagen ließ.“

Der Sturm war einmal heraufbeschworen. Nun gab es auch kein Einhalten und keine Mäßigung mehr. Zum Mindesten für Beatrice nicht, deren Leidenschaftlichkeit immer wilder aufschäumte.

„Das also muß ich von den Lippen des Mannes hören, der mich so oft seine Muse genannt hat? Hast Du vergessen, wer es war, der Dich zuerst zum Bewußtsein Deines Talentes und Deiner selbst erweckte, wer allein Dich hinaufführte auf die Sonnenhöhe des Ruhmes? Ohne mich wäre der gefeierte Rinaldo zu Grunde gegangen in den Fesseln, die er nicht zu zerreißen wagte.“

Sie fühlte nicht, wie grenzenlos der Vorwurf seinen Mannesstolz verletzen mußte, Reinhold fuhr auf, aber nicht mit jenem Hochmuth, der jetzt nur zu oft seinen Charakter verdunkelte; diesmal war es stolzes energisches Selbstbewußtsein, mit dem er sich emporrichtete.

„Das wäre er nicht. Denkst Du so klein von meinem Talente, daß Du glaubst, es könnte sich nur mit Dir und durch Dich Bahn brechen? Meinst Du, ich hätte nicht allein meinen Weg gefunden, mich nicht allein zu der jetzigen Höhe emporgeschwungen? Frage meine Werke danach! Sie werden Dir die Antwort geben. Ich wäre gegangen, früher oder später; daß ich mit Dir ging, ist mir zum Verhängniß geworden, denn das zerriß jedes Band zwischen mir und der Heimath und riß mich selber auf Bahnen, die der Mann wie der Künstler besser gemieden hätte. Du hieltest mich jahrelang fest in dem Rausche eines Lebens, das mir nie auch nur eine Stunde wahrer Befriedigung und wahren Glückes bot, weil Du wußtest, daß, wenn ich erst einmal daraus erwachte, es mit Deiner Macht zu Ende sei. Verzögern konntest Du das, verhindern nicht – das Erwachen kam spät, zu spät vielleicht – aber es kam doch endlich.“

Beatrice stützte sich auf den Marmorsims des Kamins, an dem sie stand; ihr ganzer Körper bebte wie im Fieber, zeigte ihr diese Stunde doch, was sie längst schon gefühlt hatte, ohne es sich eingestehen zu wollen, daß ihre Macht in der That zu Ende war.

„Und wer, meinst Du, soll das Opfer dieses ‚Erwachens‘ sein?“ fragte sie dumpf. „Hüte Dich, Rinaldo! Deine Frau verließest Du, und sie ertrug das geduldig – ich ertrage es nicht. Beatrice Biancona läßt sich nicht aufopfern.“

„Nein, eher opfert sie selbst.“ Reinhold trat vor sie hin und sah ihr fest in’s Auge. „Du würdest den Dolch zücken – nicht wahr, Beatrice? Auf Dich oder mich, gleichviel, wenn nur Deine Rache gekühlt würde. Und wenn ich die Waffe Deiner Hand entrisse und reumüthig zu Dir zurückkehrte, Du öffnetest mir doch wieder die Arme. – Du hast ganz Recht, Eleonore ertrug es geduldiger; da hielt mich kein Wort, kein Vorwurf, da wurde der Weheschrei erstickt im tiefsten Innern. Ich vernahm auch nicht einen Laut davon; aber in dem Moment, wo ich sie verließ, da war ich der Ausgestoßene, da verschloß sich mir die Wiederkehr auf immer. Und wenn ich jetzt zu ihr käme in allem Glanze meines Ruhmes und meiner Erfolge, wenn ich ihr Lorbeeren, Gold, Ehren, Alles zu Füßen legte und mich selbst dazu – es wäre umsonst: sie vergäbe mir nicht.“

Er brach ab, als habe er bereits zu viel gesagt, Beatrice erwiderte kein Wort; kein Laut kam von ihren Lippen, nur die Augen redeten eine düstere, unheimliche Sprache, aber Reinhold verstand sie diesmal nicht, oder wollte sie nicht verstehen.

„Du siehst, daß jene Trennung unwiderruflich ist,“ sagte er ruhiger. „Ich wiederhole es Dir, Du hast von dieser Seite nichts zu befürchten. Du warst es, nicht ich, die diese Scene heraufbeschwor. Es ist nicht gut, wenn man die Geister der Vergangenheit wieder aufweckt, zumal zwischen uns nicht. Laß’ sie ruhen!“

Er verließ sie und trat in den anstoßenden Salon, wo er sich in die auf dem Flügel liegenden Noten vertiefte oder doch zu vertiefen schien, um dem weiteren Gespräche zu entgehen. „Laß sie ruhen!“ das wurde so ruhig, so düster gesprochen, und doch klang es wie ein Hohn in seinem Munde. Konnte er doch nicht einmal mehr die Geister der Vergangenheit bannen, und er verlangte es von der Frau, die sich von ihnen in dem bedroht sah, was ihr nun einmal als das Höchste galt, in seiner Liebe, die trotz allem, was sich im Laufe der Jahre zwischen sie und ihn gedrängt hatte, doch an ihm hing mit allen Wurzeln ihres Inneren, deren glühende leidenschaftliche Natur von jeher in der Liebe wie im Hasse keine Grenzen gekannt hatte. Wer Beatrice jetzt sah, wie sie sich langsam emporrichtete und ihm nachblickte, der wußte, daß sie das nicht ruhen lassen und selbst nicht ruhen werde, und Reinhold hätte bedenken sollen, als er ihr so trotzig die Stirn bot, daß er jetzt nicht mehr allein ihrer Rache gegenüberstand, daß er in dieser Stunde nur zu sehr verrathen hatte, auf welchem Wege sie ihn tödtlich treffen konnte. Der Blick, der so unglückverheißend dort aufflammte, bedrohte nicht ihn, aber etwas Anderes, das er nicht zu schützen vermochte, weil man ihm das Recht dazu versagte – sein Weib und sein Kind.

(Fortsetzung folgt.)



[545]
Der Kapuzinerberg bei Salzburg.


Lieblich und gleichwohl sehr eigenartig repräsentirt sich die schönste Stadt des österreichischen Alpengaues, lieblich in ihrem Reize, mit welchem sie die Natur vor allen anderen Städten Oesterreichs ausgezeichnet hat, und eigenartig sowohl in ihrem äußeren Gepräge wie auch in der Bevölkerung, welche nach großen Kämpfen mit den alten Traditionen endlich gebrochen hat.

Nur bauliche Spuren, unschädliche Reminiscenzen der früheren erzbischöflichen Gewalt, erinnern noch an das einstige deutsche Rom, während die gegenwärtige Gesinnung der Bevölkerung ein sprechender Beweis des Fortschrittes ist, welcher sich im Weichbilde Salzburgs Bahn gebrochen hat. Dies zur Charakteristik Salzburgs, welches in Allem und Jedem auf Jedermann den angenehmsten Eindruck machen muß.

Die modernsten Gebäude einerseits und die italienischen geraddachigen Bauten andererseits bilden einen keineswegs störenden Contrast, sondern lassen vielmehr die Stadt imposanter erscheinen. Das Ensemble, welches hier die Stadt, die Salzach und die Berge miteinander bilden, übertrifft an malerischer Schönheit unstreitig das Pittoreske aller Städte Deutschlands. Und welche Ordnung in dieser pittoresken Mannigfaltigkeit!

Inmitten der Wächter Salzburgs, zwischen dem Mönchs- und dem Kapuzinerberge, liegt die Stadt mit ihren Kirchen, Klöstern, Friedhöfen etc., durchzogen von der grünlichgrauen Salzach, welche, aus den norischen Alpen kommend, ihren Lauf nach Baiern nimmt. Bis Salzburg geben ihr die österreichische Alpen das Geleite, welches hier durch den Mönchsberg und Kapuzinerberg so schön abschließt. Noch repräsentirt sich die Stadt Salzburg selbst in vollster Pracht zum Abschiede; wenige Wellengänge, und die Salzach hat die Grenzmark überschritten.

Das ist das Bild, welches die Höhen Salzburgs bieten und ohne welches kein Wanderer von Salzburg Abschied nehmen wird.

Soll das Bild vollständig sein, so besteige man nur den Kapuzinerberg, welcher alle Höhen Salzburgs überragt und auch den Mönchsberg beherrscht. Unsere heutige Illustration zeigt den Eingang zum Kapuzinerkloster, von wo aus ein ebenso bequemer wie interessanter Weg zur Spitze des Kapuzinerberges führt.

Eine in der Häuserreihe der sehr belebten Linzerstraße auf dem rechten Salzach-Ufer befindliche Wölbung ist die Pforte zur reizendsten Landschaft Salzburgs. Der schmutziggraue und nicht auffallende Eingang ladet keineswegs zu jenem Genusse ein, welchen der Hintergrund desselben bietet. Rechts und links reihen sich an diese Wölbung die verschiedenartigsten Bauten an, wo immer reger Verkehr herrscht, kurzum jenes Leben, welches größeren Städten eigen ist. Hier ist es ein Trödler, der seine Waare anpreist, dort ein Bauer, der seine Schnitzereien anbietet, und weiter oben steht die junge Dirne an ihren Handkarren gelehnt, welche frische Milch und Käse feilbietet, plötzlich aber mit dem Verkaufe innehält, um den vorüberziehenden Pater begrüßen zu können. Ruhig, ohne eilen zu müssen, geht der Mönch die Stufen hinab; drängt doch das Geschäft nicht so sehr, umsomehr, als ihm die Einheimsung zu jeder Zeit gewiß ist. Auch gönnt er sich, verstohlen einen Blick auf die Dirne zu werfen, welche ihm ehrfurchtsvoll ihr „Guten Morgen, ehrwürdiger Herr!“ zuruft und seinen noch unstrapazirten Bettelsack inaugurirt.

„Guten Morgen im Namen Jesu Christi,“ erwidert der Mönch, wobei er ihr schmunzelnd noch einen Blick zuwirft und langsamen Schrittes weitergeht.

Endlich ist der Tourist diesem Gewirre entronnen. Alsbald darauf hält ihn aber eine neue, äußerst fremdartige und mitunter Schrecken einflößende Erscheinung fest. Es ist eine jener Gestalten, welche in allen Alpenländern anzutreffen sind und alle Wege belagern, um den Reisenden Almosen abverlangen zu können. Das blödsinnige Aussehen und das Erscheinen der Kropfhälse bei diesen Leuten ist lediglich den Verhältnissen von Erde und Wasser der Alpenländer zuzuschreiben. Als Gebirgsbewohner sind sie genöthigt, alle Lasten bergauf und bergab auf dem Kopfe zu tragen, wobei sich häufig Unglücksfälle ereignen, deren Folgen die erwähnten Mißgestaltungen sind. Desgleichen ist die Kropfbildung dem schädlichen Einflusse des harten Wassers auf den Organismus zuzuschreiben.

Dies sind die unmittelbarsten Eindrücke, welche der Tourist beim Aufstieg zum Kapuzinerberge empfängt. Der Weg zu diesem Berge führt über zweihundertfünfzig Stufen an acht Nischen vorbei, in welchen Gruppen aus der Leidensgeschichte Christi lebensgroß und grell dargestellt sind. Man erreicht nun das Kloster, wo eine Pforte in den Jagdpark des Erzbischofs führt. Je mehr man von hier aufwärts steigt, desto mehr erweitert sich das Bild; es erscheinen stets neue Gruppen, bis endlich auf einem offenen Platze, „Stadtplatz“ genannt, die Scenerie vollständig erscheint.

Ein weiterer Aufstieg bis zum „Francisci Schlößl“ bietet gar kein Interesse, weil ein Ausblick unmöglich ist wegen der vorstehenden Buchenwaldungen. Auf dem Stadtplatze wird daher Halt gemacht. Vor kaum fünfundzwanzig Minuten noch im Getümmel der Linzerstraße, steht man nun inmitten der reizendsten Naturschönheiten, vor einem Panorama, dessen Gleiches nur die renommirten Spitzen jener Alpen bieten, die von den Touristen oft mit Lebensgefahr erklommen werden. Der Ausblick auf die Stadt, auf ihre Umgebung und auf den gegenüber sich erhebenden Mönchsberg einerseits und nach Baiern andererseits ist bezaubernd schön.

Klar und deutlich erscheint die Gruppirung der umliegenden Berge und der Häuser, welche an den Mönchsberg angeheftet sind. Es liegt Alles weit und doch so nahe vor den Augen des Wanderers. Alle Gassen, ja selbst die Höfe der Gebäude können auf’s Deutlichste unterschieden werden. Der Dom und alle übrigen Kirchen, der munter dahinrauschende Alpenfluß stellen sich auf das Vortheilhafteste dar. Und die Festung, wie herrlich repräsentirt sie sich bei der Abendsonne! – Alles dies hat seine Geschichte, welche jeder Führer bis in’s kleinste Detail zu erzählen weiß. Die Hauptrollen spielen hierbei selbstverständlich die großen Erzbischöfe Salzburgs, so der heilige Rupertus, Dietrich etc. Diese geistlichen Fürsten haben nämlich viel zur Förderung der Stadt beigetragen.

Dort lehnt sich an die Nagelflue des Mönchsberges der älteste Leichenhof Salzburgs mit den zahlreichen Kapellen, wovon eine die Einsiedelei des heiligen Maximus war. Die schauerlichsten Geschichten werden von dieser Stätte erzählt. Hier hatte der heilige Maximus den Römern das Evangelium gepredigt und bei der Zerstörung der Römerstadt durch die Heruler im Jahre 477 mit fünfzig Glaubensgefährten den Märtyrertod gefunden, indem er von ihnen vom Mönchsberge in den schauerlichen Abgrund gestürzt worden ist.

Doch zurück zum Kapuzinerberg!

Ueberraschend schön ist das Bild bei Sonnenuntergang. Die Minarets der Thürme, die weißgetünchten Häuser der Vorstädte und der Schloßberg sind auf’s Trefflichste beleuchtet. Auf einmal ertönt auch das holländische Glockenspiel vom Rathhause her, welches unwillkürlich zur Andacht stimmt.

Gegen Westen eröffnet sich die Aussicht nach Baiern. Während rechts die baierische Hochebene den Blick in die weite Ferne schweifen läßt, wird links der Horizont durch die bairischen Hochgebirge, darunter der wackere „Staufen“, begrenzt. Der Rundgang ist vollendet, und nur schwer scheidet der Wanderer von dieser Stätte.

Im Hinabsteigen schwindet das Bild in demselben Verhältnisse, wie sich dasselbe beim Aufstieg entwickelt hatte. Noch ist der Dom sichtbar, aber auch dieser verschwindet in wenigen Secunden. Nur die Sonne schwebt noch über dem Horizonte. Sie hat ihre Strahlen, die den Antritt ihrer Herrschaft ankündigen, bereits in die andere Welt geschickt. Noch hat die Scheibe nicht den Horizont überschritten. Ein Ruck – und auch sie ist verschwunden, rosige Spuren zurücklassend.

M. Reinitz.



[546]
Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes.[1]
Von Dr. M. D. in Wien.

Je freiheitwürdiger ein Volk ist, um so edler
verhält es sich gegen Schwächere, ritterlicher
gegen Frauen, barmherziger gegen Thiere.

Prescott.

Vor einiger Zeit kam ein verdienter amerikanischer General, der, wie ich wußte, die Absicht hatte, sich mit seiner liebenswürdigen Familie längere Zeit hier in Wien aufzuhalten, zu mir, um Abschied zu nehmen. Ich sprach ihm mein bedauerndes Erstaunen über diese Aenderung seiner Pläne aus und besonders darüber, daß er damit einen der mir kundgegebenen Hauptzwecke seines Herüberkommens nach Europa, „den Kampf der Cultur an ihrer Ostgrenze zu studiren, wie er ihren Vormarsch an der Westgrenze durch Jahre beobachtet hatte“, aufgebe. Er aber entgegnete in ungewohnter Aufregung:

„Lieber Freund, ich verlasse Wien ungern; es ist eine prächtige, freundliche Stadt mit einem Anfluge von südlichem Himmel und behaglichen Bewohnern, die leben und leben lassen. Mich hat neben meinen Studienzwecken die Sehnsucht nach dem Vollgenusse der Civilisation und milden Lebensformen nach dem alten Continente gezogen – trotz seiner ‚Basalte und alten Schlösser‘,“ setzte er lachend hinzu, „nachdem ich des Revolverrechtes und der Geld- und Menschenjagd unter dem johlenden ‚go ahead‘ satt geworden war – aber –“

„Sollten Sie Civilisation und milde Sitten nicht in Wien gefunden haben?“ fiel ich dem Stockenden in die Rede.

„Gewiß,“ entgegnete er mir. „Eure Sitten sind sogar bis zu der Schlaffheit und freundlichen Gedankenlosigkeit weich, die Ihr mit so herbem Unrecht am edeln Begriffe des ‚deutschen Gemüths‘ ‚Wiener Gemüthlichkeit‘ nennt, und Eure Civilisation ist so üppig, daß sie wahrhaft asiatische Schlagschatten hat, die an dem heiteren Bilde Eures öffentlichen Lebens unerträglich sind. Zu den tiefsten dieser Schatten gehört die hier geübte Barbarei gegen Thiere, die sich mit jener ‚feschen‘ Gemüthlichkeit ganz wohl zu vertragen scheint, und das respectlose Verhalten gegen Frauen, das unsere amerikanische Ritterlichkeit verletzt. Wie grausam und ungeschickt zugleich transportiren Eure Eisenbahnen, diese Träger der Cultur, das Vieh; wie barbarisch führt Ihr es zur Schlachtbank; welches Material an Pferden vergeuden Eure thörichten Fiaker und Fuhrleute; wie incorrect und gedankenlos verwendet Ihr Hunde zum Ziehen – wahrlich, es ist etwas Orientalisches darin. Ich habe den Secessionskrieg mitgemacht,“ fuhr er fort, „und es war ein Krieg, der alle Brutalität aus ihrem Käfig gelassen zu haben schien. Ich sah die Schlachtfelder von Bulls Run bis zum Ende, und meine Töchter haben in den Lazarethen zerschossene Neger verbunden und zwischen den Todeskämpfen des gelben Fiebers gestanden – wir haben es ertragen, denn es war der Krieg, die Leidenschaft, der Kampf – wir sind nicht empfindsam und unsere Nerven sind gut – aber der tägliche Anblick der mit kaltem Blute, mitten in einem üppigen Culturleben, gewohnheitsmäßig, unter den Augen der Behörde und dadurch gleichsam öffentlich sanctionirt ausgeübten maßlosen Bestialität bei Euren Viehtransporten kehrt uns das Herz um, treibt uns zur Stadt hinaus, wie uns die Qual des durch gesunkene Völker gemarterten Viehes Italien, Spanien und den Orient verleidet hat.

Wir haben gelernt, daß ein Volk, je freiheitwürdiger und stärker es ist, um so barmherziger gegen den Schwachen ist. Nur sittlich schwache Menschen und Völker sind grausam. Und dazu gesellt sich für meinen praktischen amerikanischen Sinn der Aerger darüber, daß diese Transportmethoden nicht allein die brutalsten, sondern auch so unverständig, unökonomisch und obendrein sanitätswidrig sind, daß sie andernorts der gesunde, verständige Sinn der Bevölkerung längst von selbst beseitigt haben würde, wenn ihm nicht eine gewissenhafte Sanitätsbehörde mit ihrem Veto zuvorgekommen wäre, wie rationelle Gesundheitspflege in allen civilisirten Ländern den Metzgerhund vom Viehtreiben entfernt hat. Wir Vielgereisten, Urtheilsberechtigten wissen, daß man in Wien von allen Großstädten das schlechteste Fleisch speist, und wir sind überzeugt, daß es auch das ungesundeste von Allem ist und unter die bei weitem am verderblichsten wirkenden Factoren gehört, die Wien zu einer der ungesundesten Städte der Welt machen. Man weiß längst, welchen Einfluß die Art und Weise, wie Vieh zum Schlachtmarkt gebracht wird, auf die Beschaffenheit desselben ausübt.

Wem wässert nicht der Mund bei dem Gedanken an die prachtvollen ‚joints‘, die das an Ort und Stelle gezogene Steyrische, Schweizer, Vierländer und Yorkshire Vieh auf die Tafel liefert. Die Qual des Thieres beim Transporte verdirbt nicht allein den Geschmack an dessen Fleisch, sondern macht dasselbe auch krank. Schon die Waidmannsweisheit des Mittelalters ließ den, der vom Fleische des gehetzten Hirsches aß, mit Lungengebreste bestrafen; der Spanier verscharrt den Körper des zu Tode geplagten Kampfstieres. In England und Amerika hat dieses Wissen längst in der Gesetzgebung praktisches Capital geschlagen.

In England schützt schon das Gesetz vom 10. Juli 1854 im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege vor Grausamkeiten beim Eisenbahntransporte, und das amerikanische Gesetz vom 13. Juli 1866 schreibt sogar die Behandlungsweise des Viehes unterwegs vor. Und wenn es diese Gesetze nicht gäbe, das kräftige anglogermanische Volk, das sein ‚beef‘ für seine markige Thätigkeit braucht und sein ‚veal‘ dem ‚beef‘ ähnlich zu finden liebt, würde den Fleischer verhungern lassen, der Euer ungesundes, gequältes Rindfleisch, das weichliche saft- und kraftlose, unreife, gemarterte Halbfleisch-Kalbfleisch feilhalten wollte, durch dessen Genuß Eure gemächliche Bevölkerung ihren allerdings mäßigen Kraftconsum zu ersetzen sucht.

Sehen Sie aber auch die jämmerlichen Kälbertransporte durch die schöne Stadt Wien an und sagen Sie mir, ob das eine civilisirte Form der Versorgung mit Lebensmitteln ist! Die jungen Thiere werden, kaum geboren, unreif in jeder Beziehung, niedergeworfen, unbarmherzig geknebelt und auf Wagen geschichtet. Und wie! Mit wenig Stroh, die Köpfe über den harten Rand des Wagens herabhängend, der bei den Erschütterungen der Fahrt sie wie Keulenschläge trifft, mit durch die Knebelung stockendem Blute liegen sie da, und die Aufläder steigen mit schweren Stiefeln auf den weichen Leibern der unglücklichen Geschöpfe herum, nicht beachtend, ob sie ein Auge aus- oder einen dünnen Knochen zertreten, wohl aber mit den Absätzen nach den Köpfen schlagend, welche die Thiere verzweifelt in die Höhe werfen. Oft schon sah ich auch die Thiere zweifach übereinander geschichtet. Abends geladen, bleiben sie über Nacht bei Regen und Frost, oft auch, noch schlimmer, während des Sommers über Tag in glühendem Sonnenbrande in dieser abscheulichen Lage, immer auf’s Neue versuchend, den Kopf zu heben, bis er völlig matt herab und die blaue Zunge aus dem Maul hängt, die Augen blutunterlaufen aus den Höhlen quellen und die Thiere fast erfroren oder verlechzt sind. Nur ‚fast‘, denn der Fleischer verlangt, daß die Thiere noch zucken, wenn sie vom Wagen geworfen werden – sonst Nichts. Morgens geht es denn im lustigen Wiener Tritt mit der erbärmlichen Ladung nach der Stadt, meilenweit über die Steppenwege der Wiener Gegend, die Sie ja kennen, und über das Pflaster, daß die Köpfe der Thiere stundenlang ununterbrochen auf das harte Holz aufschlagen oder auch blutend an die Räder streifen.

Ja, ja, ich sah das Alles mit zusammengezogenem Herzen und sah auch die Wiener Frauen die schönen Augen darauf richten – aber Nichts sehen; darin besteht ja vor Allem die Wiener Gemüthlichkeit, Unbehagliches nicht zu sehen. Ist die Octroilinie der Stadt passirt, so wird den Thieren ‚Gewicht gegeben‘. Der Frachtführer ergreift eine Kanne mit langem Schnabel, gefüllt mit einer Mischung von Syrup und Wasser, öffnet dem Thiere das Maul, hält ihm die Nase zu, steckt ihm den Kannenschnabel tief in den Rachen und füllt es so, nach Art des [547] Schwedentrunkes, mit einem gewissen Gewicht Flüssigkeit. Dann geht es weiter bis zum Schlachthofe, wo die buchstäblich fast todt gemarterten, nur noch röchelnden Thiere wie Ballen von den Wagen geworfen werden und ihr Leiden ein Ende hat, wenn sie nicht bis morgen geknebelt, ungefüttert und ungetränkt liegen bleiben. Ich habe auch die Thiere noch scheußlicher, mit dem Unterleibe auf dem Wagenrande liegend, die Hinterbeine heraushängend, transportiren sehen.

Kaum weniger erbarmenswerth sind die Transporte von Federvieh eingerichtet: der Gänse, die man mit Fußtritten in die Etagenwagen stopft ‚um das Gewicht herauszubringen‘ und bei der Ankunft gleichmüthig ganz oder halb erstickt herauswirft; der Hühner, die man mit den Füßen in Bündeln, die Köpfe nach unten, zusammenknotet und so in dem Wagen aufhängt. Wende ich die Blicke davon weg, so sehe ich die armen Hunde, die man hier in so viel unverständigerer Weise als anderwärts zum Ziehen von Lasten verwendet, die weit über ihre Kräfte gehen und auf denen obendrein meist der rohe Treiber mit der Peitsche sitzt. Und diesen bedauernswerthen Thieren (man spannt auch trächtige Hündinnen ohne Bedenken ein) zwängt man während glühender Hitze Beißkörbe auf die Mäuler, die sie kaum athmen, geschweige über die Zunge transpiriren lassen, und hat eine so sinnreiche Art sie anzuspannen, daß sie, am Ziele abgehetzt angekommen

Die Gartenlaube (1874) b 547.jpg

In einem Viehwagen der österreichischen Eisenbahn.
Nach der Natur aufgenommen von M. D.

und oft im Sonnenbrande stehen gelassen, sich nicht einmal legen können und verlechzend in den Halsringen hängen. Und fragen Sie einen der Treiber nach dem Zwecke dieser Barbarei, so antwortet Ihnen der Wiener in unvergleichlicher Gemüthlichkeit: ‚Dös macht nix. Dös schaut nöt fesch aus, wenn das Vieh liegt.‘

Nicht Barmherzigkeit, aber die Gefahr, welche mit dieser barbarischen Behandlung der Hunde verknüpft ist, hat selbst die Wiener Presse, wie Sie ja gelesen haben, zu lauter Mißbilligung derselben veranlaßt. Natürlich ohne Resultate. Mit bitterer Heiterkeit erfüllt es auch den Sachverständigen, wenn er den echten Wiener, stolzerfüllt, die Künste der Schooßkinder der Volksgunst, Eurer Fiaker, loben hört. Das was sie leisten, mit Peitsche und scharfem Gebiß ein Pferd zum verzweifelten Laufen und Pariren zu bringen und das Thier dabei in wenig Monaten für den Schinder reif zu machen, mag tatarischer Sport sein, ist aber immer Fahrkunst. Diese gewinnt durch Pflege und rationelle Behandlung dem Thiere die höchst mögliche Leistung ab. Fragen Sie Ihre Eisenbahndirectoren, ob sie einen Locomotivführer loben würden, der nur schnell fahren könnte, aber seine Maschine dabei in wenig Monaten abnutzte. Londoner und New-Yorker ‚cab drivers‘ würden einen Wiener Fiaker einen Pferdehenker nennen. Es muß wohl eine kleine Beimischung von ungarisch-hunnischem Blute in der Race der Wiener sein, daß für sie fahren – schnellfahren vor Allem – ein so hohes Vergnügen ist. Der Wiener fährt nicht um anzukommen; er fährt um des Fahrens willen. Sonderbar ist es immerhin, daß das Fahrtempo des öffentlichen Fuhrwerks großer Städte ein um so rascheres ist, je weniger das Publicum derselben zu versäumen hat. Man kommt in dem bienenfleißigen Berlin mit dem kleinen Trott der Droschke aus, begnügt sich im überaus thätigen London und Paris mit dem lebhafteren der Cabs und Remisen, jagt im nie sich mit eigner Arbeit übereilenden Wien im Fiaker, stürmt im noch weniger leistenden Petersburg und hetzt in der Stadt der absoluten Faulheit, Neapel.

Und was ist die unverständige Thierabnützung eines Fiakers gegen die nervenangreifende Brutalität der Lastfuhrleute! Wie praktisch und klug schlagen diese Wackeren die Thiere, welche sie zum Vorwärtsgehen treiben wollen, mit Peitschenstielen und Knüppeln über Köpfe und Nasen!

Und bei all der Barbarei sehe ich Eure sonst so überaus lobenswerthen und wahrhaft intelligenten Polizeibeamten stehen, mit allen Kennzeichen, daß all diese Kleinigkeiten sie und ihr Amt nichts angehen, sehe aber auch zu meinem größten Staunen, daß sie ganz recht daran thun, denn das Publicum wendet sich stets mit Hohn und Drohung gegen Jeden, der Miene macht, im Interesse eines gequälten Thieres Jemanden ‚im Geldverdienen zu stören‘. Würdig gipfeln sich die tatarischen Fertigkeiten Eurer Wagenlenker in ihren festlichen Trabwettfahrten, mit welchem wahrhaft jammervollen Schauspiele sie dem vornehmen und geringen Pöbel und sonstigen Sportsmen Siegesjubel entlocken. Nicht sorgsame Pflege, intelligente Zucht edler Pferde bringen hier die Preise, wie zu Gentilly, Derby und Hoppegarten. Im Prater, in Baden siegt nur die raffinirteste Kunst, unglückliche Gäule zur Verzweiflung zu treiben, und die Peitsche, dieses ‚fescheste‘ aller Werkzeuge des Wiener Lebens, siegt allein und sollte eigentlich bekränzt werden. – Ich weiß, Ihr Wiener seid von Herzen weniger brutal und hart als viele andere Großstädter, aber Gedankenlosigkeit und Unlustscheu lassen Euch Grausamkeiten begehen und zulassen, zu denen der Pöbel von New-York oder Liverpool den Kopf schütteln würde.“

„Ich glaube,“ schaltete ich jetzt, da der General, um Athem zu schöpfen, in seiner Philippika innehielt, ein, „daß Ihre begeisterte Humanität Sie zu düster blicken läßt. Wo bliebe die Wirksamkeit unserer Vereine gegen Thierquälerei, wenn solche abscheuliche Zustände existirten, ohne die lautesten Proteste, das vielfachste Eingreifen derselben hervorzurufen?“

„Giebt es hier wirklich solche Vereine?“ fragte der General erstaunt. „In Paris, vor allem in London und New-York, selbst in kleineren amerikanischen, englischen und deutschen Städten habe ich die Wirksamkeit solcher edlen Institute auf Tritt und Schritt wahrgenommen, ihre Mitglieder bei oft aufopfernder Thätigkeit beobachtet – aber hier? So giebt es also deren auch hier? Rentabel ist ihre Thätigkeit freilich nicht. – Am meisten fürchte ich den Eindruck aller dieser, durch Duldung der Behörden und Erwachsenen in den Augen der Jugend offenbar sanctionirten Brutalität auf die empfänglichen Gemüther meiner halberwachsenen Kinder. Welch einen sittlich erschlaffenden Einfluß müssen solche Anschauungen auf das Feingefühl der Mädchen, den Humanitätssinn der Knaben machen! Dies allein könnte mich veranlassen, für die moralische Erziehung meiner Kinder einen andern Ort zu wählen.“

„Es thut mir herzlich leid, daß Sie und Ihre liebenswürdige Familie uns verlassen, aber –“ begann ich hier, jedoch der General unterbrach mich wieder.

„Halt,“ rief er, „wir sind noch nicht so weit, Doctor! Ich nehme heute nicht eher Abschied, bis ich mein Herz vor Ihnen über meinen häßlichen Gegenstand ganz ausgeschüttet habe. Ich habe den festen Vorsatz gefaßt, zur Linderung dieser Art von Elend jetzt beizutragen, wie ich sonst für Menschenwohl Gut und Blut geopfert habe. Von dem, was ich Ihnen sage, hört doch wohl auch die Welt und vielleicht treibt dann wenigstens die Scham diesen oder jenen Mächtigen zu Eingriff und Aenderung. Und mein schwerstes Geschütz fahre ich jetzt erst auf. Wollt Ihr daheim Barbaren sein – desto schlimmer für Euch; wenn Ihr aber auch die Welt damit schädigt, muß sich die öffentliche Entrüstung allenthalben laut gegen Euch wenden.“

[548] „Sie erschrecken mich,“ rief ich aus, „was haben wir denn für eine Weltsünde begangen?“ –

„Nein, ohne Scherz,“ fuhr der General fort, „hören Sie mich ruhig an! Ich beginne vom Anfange – und Sie werden mir Recht geben. Wir wissen Alle, daß die Steppen Südrußlands, wo auf unermeßlichen schatten- und schutzlosen Ebenen Staub, Hitze, Hunger, Durst und Kälte gleichmäßig die dort fast wild lebenden zahllosen Rindviehrudel quälen, die Herde einer der schlimmsten Geißeln unserer Zeit, der Rinderpest, sind. Wir wissen ferner, daß unter Vieh, welches durch Hunger, Durst und Schmerzen ermattet ist, die Seuche zehnfach größere Empfänglichkeit für Verbreitung und Fortpflanzung findet, als unter gesundem und kräftigem. ‚Jede Schuld rächt sich auf Erden‘, sagt wahr und schön Euer größter Dichter und Eure Schuld verkörpert sich in jenen langen Eisenbahnzügen, die, angefüllt mit halbtodt gequältem, halbverschmachtetem Vieh, zugleich die Zuchtruthe für Eure Unbarmherzigkeit mit sich führen und, als riesige Contagiumträger, unablässig Krankheit für Mensch und Thier in alle Welt schleppen. Freilich wird es zuvor recht fühlbarer, weithin fallender Streiche dieser Gottesgeißel, die der Himmel fern halten möge, bedürfen, um Behörde und Publicum aus der Gleichgültigkeit zu rütteln, mit der Beide die Scheußlichkeiten des Eisenbahn-Viehtransportes mit anschauen. In der That legt dieser den Thieren Qualen und Entbehrungen auf, gegen die jene verschwinden, die sie in der dürren Wüste erduldeten. Ich habe, gewaltig interessirt für die große staatswirthschaftliche Frage, Zeit und Geld daran gewendet, zu erfahren, wie es bei jenen Viehtransporten zugeht, die den Nahrungsstoff aus dem Osten nach dem Westen Europas, vornehmlich über österreichische Bahnen führen, die sanitären Zustände, die Ernährungsverhältnisse eines ganzen Welttheiles beeinflussend, und bin, ich versichere es Ihnen, erkundigend, erforschend, mit goldenem Schlüssel Lippen und Thür öffnend, schmerz- und ingrimmerfüllt auf jenen Eisenbahnen auf- und abgereist. Da habe ich gesehen, wie durch Kreuzerknauserei der Bahnverwaltungen, niedrige Durchsteckerei zwischen Versendern und Lohnbediensteten und brutalen Unverstand der Händler der edelste Nahrungsstoff der Menschheit in Krankheit und Vergeudung gejagt wird.

Unter Keulenschlägen, die oft selbst die Rippen kräftiger Stiere brechen, wird das freie Steppenvieh auf den Stationen der Galizischen Bahnen zusammengetrieben und steht dort, erbärmlich genährt und getränkt, oft tagelang, um dann, trotz der gegentheiligen stets vernachlässigten Anordnung fast immer hungrig und durstig unter ebensolchen Keulenschlägen auf die Eisenbahnwagen geprügelt zu werden. Diese sollen, nach vernünftiger Verordnung der österreichischen Regierung, wenigstens ein Dach haben, das sie gegen Sonnenbrand und Schnee schützt. Auch diese Verordnung scheint nur gegeben, um von den Lohnverwaltungen ohne Scheu unberücksichtigt gelassen zu werden. Auch verfügt eine weitere Verordnung der Regierung, daß das Vieh nicht so zusammengepreßt werden soll, daß es, gestürzt, sich nicht wieder aufrichten kann. Nun wohlan, ich sah es noch vor Kurzem, nicht in einzelnen Fällen, sondern gewohnheitsmäßig (und oft lasen Sie erzürnte Klagen der wahrlich nicht weichherzigen Viehhändler darüber), daß man, um viel Gewicht mit wenig Wagen zu transportiren, die Thiere so dicht zusammenkeilte, daß sie sich, bei den Erschütterungen der Fahrt gerüttelt, gegenseitig Haut und Fleisch bis auf die Knochen von den Rippen rieben. Fällt ein Thier, oder bricht es vor Ermattung zusammen, so ist an kein Wiederaufstehen zu denken. Die Stehengebliebenen treten auf ihm Tage und Nächte lang umher und brechen ihm die Rippen und Beine. Wie viele habe ich gesehen, die man auf Stationen wegen gebrochener Knochen auslud – und wie auslud! Indem man einem gesunden Thiere und dem gefallenen einen Strick um die Hörner schlang und ersteres mit Keulenschlägen aus dem Wagen trieb, daß es das halbtodtgetretene nachschleifte. Ich habe ferner Thiere gesehen, die seit Tagen in den Stricken hingen, mit denen sie angebunden waren, deren gesehen, die seit Tagen auf den Hörnern eines gefallenen Gefährten lagen!

Wer kümmerte sich darum? Die zur Beaufsichtigung der Transporte verordneten Begleiter hatten ihre Fahrkarte um Branntwein oder einige Kreuzer an arme Studenten oder Bettelmönche verkauft. Dem Händler genügt es, wenn das Vieh nur noch athmend ankommt. Die Fahrt soll von Galizien bis Wien zwei bis drei Tage dauern. Die geringste Störung, jede Ueberfüllung der Stationen, Glatteis, Schnee etc. läßt sie fünf bis sechs Tage währen. Und so stehen die unglücklichen Geschöpfe, oft sechs Tage und sechs Nächte lang, fest zusammengepfercht, ohne die Möglichkeit, sich zu bewegen oder zu legen, in dem Wagen. Im Winter, und der galizische Winter bringt dreißig Grad Réaumur Kälte, weht der Schnee fußhoch selbst in die sogenannten geschlossenen Wagen, die Haut der Thiere inkrustirt sich mit Reiffrost; die Excremente erstarren und bilden fußtiefe Eismassen, in denen die Hufe einfrieren. Da erstarren selbst die mächtigen Körper der Steppenstiere – da kein Futter, keine Tränkung die Wärme in ihnen erneuert. Im Sommer dörrt sechs schreckliche Tage lang der galizische Sonnenbrand die verlechzenden Thiere aus, auf deren Schlag- und Reibwunden, in den Nasenlöchern und Augen sich zahllose Stechinsecten sammeln, da sie, zusammengedrängt, sich derselben nicht erwehren können. Auf einer polnischen Station, deren Namen, mit einem O beginnend und mit m schließend, ich vergessen habe, sollen die Thiere gefüttert und getränkt werden. Mit Keulen- und Knittelschlägen jagt man die von Hunger, Durst und Ermüdung verkommenen aus den Wagen. Sie versagen meist das Futter vor der Tränkung zu nehmen, und weislich werfen die polnischen Juden, an welche, ebenso menschlich als klug, die Fütterung verpachtet ist, dem lechzenden Thiere das trockene Futter vor derselben vor – und welches Futter! Statt des Heues, welches von der Bahnverwaltung bedungen ist, Moos, Kiefernnadeln und dergl., was auch das hungrigste Vieh zurückweist.

Dabei wird aber Geld verdient, und die Bahnbeamten – stehen dabei und – schmunzeln. Nachher wird das Vieh wieder mit Keulenschlägen in die Wagen getrieben, in die es durstig und hungrig, aber auf’s Neue zerschlagen, zurückkehrt. Das Fleisch dieser gepeinigten Thiere, die wahrlich nicht geringere Qualen, aber viel andauernder erduldet haben, als der Kampfstier, dessen Genuß die Behörden des halbcivilisirten Spanien streng verbieten, kommt, nachdem man daraus erst sorgsam die Stellen ausgeschnitten hat, die durch Keulenschläge von extravahirtem Blute schwarz und unappetitlich geworden sind, in Wien sofort in den Handel zur Verzehrung. Die ausgeschnittenen unappetitlichen Stücke werden an arme Leute billig verkauft. Und da wundert man sich, daß Wien halbungenießbares Fleisch speist und eine der ungesundesten Städte der Welt ist, wundert sich, daß Oesterreich Rußland den traurigen Ruhm streitig macht, einer der Hauptherde, ja der Hauptversender der Rinderpest zu sein!

Schwer werden die öffentlichen Gewalten, die mit gekreuzten Armen diesen abscheulichen Zuständen zusehen, vor dem Gerichte der Völker bestehen können, wenn einmal eine furchtbare Katastrophe die Welt in Schrecken setzen wird; aber noch schwerer ist der Tadel, welcher die Eisenbahnverwaltungen treffen muß, die als Vorstände gewaltiger Institute, der berufensten Träger der Civilisation, wegen jämmerlicher Pfennigknauserei in ihrem Bereiche Zustände nicht allein duldeten, sondern sogar hervorriefen und pflegten, die sie in sittlicher Beziehung mit Stierkämpfern, Preisboxern und Taubenschießern auf eine Linie stellen.“

„Sie reden düster, General,“ sagte ich, als er schwieg.

„Aber wahr,“ fiel er mir in die Rede. „Schicken Sie Den zu mir, der mich beschuldigt, einen Zoll breit von der Wahrheit abgewichen zu sein, zu grell geschildert zu haben. Er soll beschämt heimgeschickt werden.“

„Ich bestreite nicht Ihre Kenntniß, nicht die Wahrheit Ihrer hier offenbarten Aeußerungen,“ fuhr ich fort, „das Uebel ist nicht blos Ihrer Meinung nach ein sehr großes.“

„Leider erhebt sich die öffentliche Stimme viel zu selten zu seiner Bekämpfung; denn unsere Wiener Leichtlebigkeit kümmert sich nicht gern um Dinge, die uns nicht selbst Schmerz machen. Darum wird es Denen, die ein niederes Interesse der Trägheit oder des Gewinnstes am Fortbestehen des vielfachen Elends haben, stets leicht sein, dasselbe der ohnehin so wenig gespannten öffentlichen und behördlichen Aufmerksamkeit zu entziehen. Hat man doch hier in Wien während der Weltausstellung in einer Art von Schamgefühl, um den empörenden ‚Viehtransport nach hiesiger Sitte‘ dem Auge des Fremden zu entziehen, nicht etwa die Transportmethode verbessert, sondern angeordnet, daß sie sich während jener Zeit auf außerhalb des Fremdenverkehrs liegenden Nebenstraßen zu bewegen hätte.“

[549] „Es fragt sich nur, ob Mittel und Wege bekannt sind, ohne Erzeugung neuer Uebel, Erhöhung der Fleischpreise etc. den Mißständen zu begegnen. Bei der ganzen Angelegenheit handelt es sich eigentlich nur um ein Opfer, das reichen Bahngesellschaften auferlegt würde; denn ‚das öffentliche Wohl ist das höchste Gesetz‘. Wenn sie dieses Opfer nicht freiwillig bringen, müssen sie dazu gezwungen werden. Es ist darin ein kategorischer Imperativ. Die Frage ist einfach und lautet: Soll entweder die Versorgung mit Fleisch, nicht nur von Wien, sondern eines Theils von Europa, gesünder gestaltet, soll die Gefahr der Verbreitung der entsetzlichen Rinderpest um ein sehr Bedeutendes vermindert – oder soll das Reinerträgniß von einigen der reichsten Bahnen Oesterreichs um ein viertel Procent geringer werden? Ich dächte, für den redlichen Staatsmann, die pflichtgetreue Regierung und die anständige Bahngesellschaft könnte es hierauf nur eine Antwort geben.“

„Man hat hier zu Lande, wie ich weiß, von den großen fahrbaren Ställen gehört, in denen wir in Amerika das Vieh hunderte von Meilen weit, während der Fahrt wohlgenährt und getränkt, transportiren. Noch bekannter sind die Bestrebungen einer der edelsten und glücklicherweise auch reichsten Frauen unserer Zeit, Lady Burdett Coutts in London, die in echtester Humanität, zum gleichzeitigen Vortheile von Menschen und Thieren, persönlich protegirt von der Königin von England, es sich zur Aufgabe gestellt hat, auf Verbesserung der Viehtransporte in Großbritannien hinzuwirken. Unter Zuziehung von unterrichteten Landwirthen, tüchtigen Thierärzten und Wagenconstructeuren hat sie auf ihre Kosten eine Anzahl jener bequemen rollenden Ställe bauen lassen, aus denen das in Schottland eingeladene Vieh frisch und wohlgenährt in London herausspringt. Der Engländer aber ist ein zu guter Kraftökonom, hat eine zu feine Zunge für die Qualität des Fleisches, als daß er die ausgezeichneten Eigenschaften der Coutts’schen Viehtransportmethode nicht auch sofort in Geld ausgemünzt hätte. Sie zeigte sich nicht allein human, sondern, was durchschlagender war, auch rentabel, und heutzutage will London nur noch Fleisch essen, das wohlgepflegt transportirt ist.“

„Wie ich höre,“ schaltete ich hier ein, „sind diese Resultate hier zum Theil bekannt und die Regierung hat, nach den Zeitungen, Versuche mit verschiedenen Fütterungsmethoden unterwegs und den Constructionen fahrbarer Ställe anstellen lassen. Leider ergaben dieselben aber keinen wesentlichen Abgang des Fleischgewichtes von halbverhungerten und von gefütterten Thieren und – so schliefen die Versuche ein, und Alles blieb beim Alten.“

„Wahrlich, höchst beklagenswerth!“ rief der General. „Sicher hat man wenn solche negative Resultate erzielt worden sind, die Versuche nicht geschickt und sachgemäß, gewiß auch nicht consequent genug angestellt. Gott weiß, welche von Euren geheimnißvollen Einflüssen wieder dagegen thätig gewesen sind. Die Sache ist aber von immenser Bedeutung und großer Opfer werth; denn es gilt hier nicht allein menschlich handeln und Gott in seinen Geschöpfen ehren, sondern einen der schlimmsten Feinde der Menschheit auf seinem Wege durch die Welt bekämpfen. Auf die Gegenden, in denen die Rinderpest entsteht, ist auf Menschenalter hin kein die betreffenden Verhältnisse modificirender Einfluß zu üben, aber es ist heilige Pflicht der Regierungen, Bahnverwaltungen und Aller, die es angeht, dafür zu sorgen, daß die Pfade, auf denen der lebendige Nahrungsstoff sich bewegt, nicht dadurch zu wahren Seuchenwegen werden, daß die Transportmethode selbst die Disposition der Thiere zur Verbreitung der Pest vermehrt. Wir dienen immer der Menschheit, wenn wir der Menschlichkeit dienen. Ich weiß wohl, daß vom Viehhändler keine Hinwirkung auf Verbesserung der Viehtransporte zu erwarten ist, der nichts verlangt, als daß ihm die Eisenbahn ein verkäufliches, also lebendiges Fleisch zuführt; was dies gelitten, welche Krankheitsstoffe es dem zufolge birgt, das ist ihm völlig gleich. Auch auf freiwillige Concessionen der Eisenbahnen ist dabei nicht zu rechnen. So lange diese Wege der Civilisation sich nur als Erwerbsinstitute betrachten dürfen, an die das Gemeinwohl keinen Anspruch außer ihrer Steuerzahlung und Militärtransportpflicht zu erheben hat, darf man keine Handlungen von ihnen erwarten, die edlem Sinne und großem Blicke entspringen. Daß aber der Viehtransport in fahrbaren, bequemen Ställen theurer ist, als in den jetzigen Marterkarren, erwähnte ich schon früher. Es ist eben so unbestreitbar, wie daß das Fleisch für den Consumenten nicht theurer werden darf, wenn die Arbeitsfähigkeit des Volkes nicht sinken soll.“

„Woher soll aber die Hülfe kommen, wenn weder von Versendern noch Transportirenden Gemeinsinn und menschliches Regen zu hoffen sind?“ frug ich weiter.

„Bei uns in Amerika,“ antwortete der General, „würde die öffentliche Meinung, rege gemacht durch genügend verbreitete, würdige Darstellung des abscheulichen Gegenstandes in der Presse, vollauf Macht genug besitzen, die Abstellung des Elends der Viehtransporte in den Städten und auf den Bahnen, zum Theil unter Mithülfe der Gesetzgebung, zu erzwingen. In Europa ist hierin, wie in so vielen Dingen, leider nur Hülfe von rationell ausgeübter polizeilicher Regierungseinwirkung zu hoffen. Und sie ist hier, wahrlich mehr als irgendwo, im Hinblicke auf das gefährdete öffentliche Wohl am Platze. Mögen doch die Staaten, die ihr Budget mit so schweren Summen für Subventionirung absurder Bahnen und trostloser Industrie-Unternehmungen belasten, auch einmal Capitalien aufwenden, die sich nicht in Geld, sondern nur in Gesundheit und Wohlfahrt ihrer Bürger verzinsen, und die Bahnen für Verbesserung des Viehtransportes subventioniren, wenn sie glauben, nicht berechtigt zu sein, diesen die Maßnahmen ohne Weiteres aufzuerlegen!

Wahrlich, das öffentliche Wohl erfordert diese mindestens ebenso dringend, wie die Expropriation von Gut und Eigenthum für die Herstellung von Eisenbahnen und Straßen. Oder möge man in Südrußland, der Bukowina, in Galizien Viehschlächtereien anlegen und die Wissenschaft und Technik herbeirufen, die, wie sie wandernde Keller zum Transporte des Bieres geschaffen, zuletzt auch, wenn man sie nur recht tüchtig dazu anhält, Kältewagen produciren werden, in denen der Transport des Nahrungsfleisches auf große Entfernungen hin geschehen kann, während die anderen Theile der Thiere ebenfalls an Ort und Stelle die Umwandlung in verkäufliche Industrieproducte, Leder, Horn, Blutsalze, Leim etc. erfahren. So wird kein unnützes Gewicht transportirt und die Ausnutzung der Transportwagen eine weit günstigere sein. Aber den Schlendrian muß man dabei austreiben und die Sache fest bei der Wurzel anfassen, und das können in wirksamer Weise nur die Repräsentanten der Humanität und Wohlfahrt: die Regierungen. Errichten Sie endlich eifrige Thierschutzgesellschaften, lassen Sie die Polizei den Anzeigen derselben ein williges Ohr leihen, strafen Sie Thierquälerei streng, wie es in den meistcivilisirten Ländern längst der Fall ist, und Sie werden sich um die Sittlichkeit und die Gesundheit in Ihrem Vaterlande einen Gotteslohn verdienen.“

„Ach, General,“ rief ich aus, „wie weit sind wir noch von Alledem!“

Ungewöhnlich lebhaft entgegnete der General: „Ich habe es mir zu einer der Hauptaufgaben meines Lebens gestellt, zum Vortheil von Mensch und Thier für die Verbesserung des Transportes unseres lebenden Nahrungsstoffes zu wirken, mich zu den Gerechten zu gesellen, die sich des Viehes erbarmen, das sein Leid nicht klagen kann und daher um so mehr Anspruch auf unsere und des Gesetzes Hülfe hat – aber es macht mich und die Meinen krank, täglich Grausamkeiten mit ansehen zu müssen, die zugleich ebenso viele Dummheiten sind, und ich mag die Herzen meiner Kinder nicht dadurch verdorben sehen. – Also, fare well! Lassen Sie mich ziehen!“




Die Dioskuren der Berliner Hofbühne.
Von Oswald Hancke.


„Also frisch gebeichtet, süßer Döring, wie war das gestern Abend mit dem Bouquet?“ Der also Angeredete nimmt eine gewaltige Prise, der ein unbeschreibliches Verrücken der Nase in ihrem unteren beweglichen Theile folgt.

„Aber, liebe Frieb, Sie werden mich doch nicht für fähig halten, daß ich selbst –“

„Still! Alle Indicien sind gegen Sie. Vorgestern, wo der kleinen B. zehn Bouquets geworfen wurden, spielen Sie den [550] Entrüsteten, sprechen von verwerflichen Mitteln, mit denen die jüngere Generation Reclame macht, und dabei lassen Sie sich gestern selbst Blumen werfen? Pfui, Döring! Das hätte ich von Ihnen nie geglaubt.“

„Minona, ich schwöre Ihnen bei dem Wohle Ihrer Kinder –“

„Ach was, schwören Sie doch bei Ihren eigenen Kindern, wenn Sie schon Meineide schwören müssen!“

„Aber, liebe Frieb, ich habe wirklich nie welche gehabt, und was das gestrige Bouquet anbelangt, so vermuthe ich irgend einen schlechten Witz, den sich einer von Euch Schurken mit mir erlaubt hat – sehen Sie, Sie lachen – wer war denn wieder der Anstifter?“

„Ich lache, weil mir die furchtbar komische Verbeugung einfällt, die Sie dem Publicum mit dem Bouquet machten. Im Uebrigen werden Sie wohl aus der allgemeinen Entrüstung aller Collegen entnommen haben, wie wir über diese verwerflichen Manipulationen Ihrerseits denken,“ setzte sie dann schalkhaft lächelnd hinzu und gestand damit ein, daß sie mit im Complot gewesen. „A propos, wie gefiel Ihnen der neuengagirte Herr X. heute auf der Probe?“

„Nun, wissen Sie, liebe Frieb, der Mensch ist nicht ohne Talent, aber es fehlt ihm das unentbehrliche Tüpfelchen auf dem I. Da drinnen“ – und des Redners Hand schlägt auf die breite Brust – „da drinnen sitzt nichts und hier oben“ – er schlägt mit dem Zeigefinger ein Tremolo auf der rechten Stirnseite, wo die noch immer jugendlich dunklen, zierlich vom Hinterkopfe nach vorn gekämmten Haare eine intriguante Ecke bilden – „hier oben fehlt’s auch. Brustkrank, liebe Frieb! Ich sage Ihnen“ – und die Hand Döring’s senkt sich mit ausgespreizten Fingern auf die Schulter der berühmten Collegin – „der Kerl ist langweilig – lang-wei-lig,“ wiederholt er mit lauter Stimme und jedes Wort scharf markirend dicht vor dem Ohre der Dame.

Sie lächelt und sagt mit dem Tone der Geheimräthin Seefeld in Benedix’ Störenfried: „Er scheint aber ein fleißiger Mensch zu sein, Döring; wenigstens wußte er auf der Probe, was er wollte, und konnte seine Rolle à la bonheur, wohingegen Sie in unserer großen Scene im zweiten Acte nicht so ganz, wie soll ich sagen –“

„Lustspiel, liebe Blumauer, Conversationston; ja, wenn ich immer alles das dumme Zeug nachsprechen sollte, was diese Herren Stückfabrikanten schreiben, dann adieu Wirkung! Wenn ich aber als Brömser im ‚Lustspiel‘ im letzten Acte den Monolog nach meiner Uebersetzung spreche –“

„Ich hatte bereits mehrfach und erst gestern Abend wieder die Ehre, diesen Monolog von Ihnen zu hören, aber heute sprachen Sie einige Male gar nicht, guter Döring, und Sie müssen mich in meiner großen Rede a tempo unterbrechen, sonst –“

„Ja, liebe Freundin, das hatte nun seinen guten Grund,“ erwidert der Künstler mit schlauem Lächeln, „das ist eben die wunderbare Discretion in meinem Spiele; ich hätte nicht um Venedig die Wirkung Ihrer Rede stören mögen – aber jetzt muß ich noch eine halbe Stunde zu Lutter; ich sage Dir, Minona, der Kerl hat einen 1862er Latour – Milch – Milch“ – und ein seliges Augenblinzeln, das eine Thräne höchsten Entzückens zerdrückt, verklärt die Züge des Künstlers. –

Mit Recht darf man Theodor Döring und Minona Frieb-Blumauer, die wir dem Leser Beide in etwas drastischer Weise vorstellen, die Dioskuren der Berliner Hofbühne nennen, denn selten haben zwei geistesverwandte Künstler Gelegenheit gehabt, durch langes Neben- und Miteinanderwirken sich so in die gegenseitige Individualität einzuleben und dadurch das Zusammenspiel zur höchstmöglichen Naturwahrheit zu erheben, wie die Genannten.

Wer so glücklich gewesen ist, beide Künstler in der Ausübung ihres Berufes gesehen zu haben, wird einen bleibenden Eindruck für sein ganzes Leben empfangen haben, und es ist eine unbestreitbare Thatsache, daß seit Decennien fast jede dramatische Novität des Berliner Hoftheaters, in der Theodor Döring und Frau Frieb-Blumauer in hervorragender Weise gemeinschaftlich agirten, des Erfolges sicher ist, auch wenn sie minderen Anspruch auf dramatischen Werth machen darf. Benedix’ „Störenfried“ z. B., der es an den meisten deutschen Bühnen höchstens zu einem „Erfolg der Achtung“ brachte, wurde in Berlin durch die Meisterleistungen unserer beiden Künstler als Leberecht Müller und Geheimräthin Seefeld zu einem dauernden Repertoirestücke dieser Bühne, und es wäre leicht, zwei Dutzend solcher Beispiele anzuführen.

Beide Künstler ähneln sich darin, daß sie den Rollenkreis des sogenannten Charakterfachs im ernsten wie im heiteren Genre mit gleicher Genialität umfassen, wie es die Repertoires Beider beweisen. Noch heute ist der „Nathan“ des mehr als siebenzigjährigen Döring eine unerreichte dramatische Leistung, und wer seinen „Banquier Müller“ kennt, den er in seiner ganzen Eigenart geschaffen und mehr als vierhundertmal darstellte, wird sich bei dem bloßen Gedanken an diesen originellen Kauz eines herzlichen Lachens nicht erwehren können. Die tragische Kraft eines „Lear“ liegt ebenso sehr in dem Bereiche seiner Begabung, wie die ätzende Schärfe eines „Mephistopheles“, und der liederliche und versoffene „Sir John Falstaff“, den Döring zehnmal öfter als irgend ein anderer deutscher Schauspieler darstellte, findet in ihm einen ebenso trefflichen und mustergültigen Vertreter, wie der aus der niederen bürgerlichen Sphäre gegriffene „Commissionsrath Frosch“ in Kotzebue’s „Der Verschwiegene wider Willen“.

In gleichem Maße finden wir diese Vielgestaltigkeit in dem Repertoire der Frau Frieb-Blumauer. Heute spielt sie die alte Herzogin von York in „Richard der Dritte“, morgen die geradezu zwerchfellerschütternde „Madame Freude“ in „Die Unglücklichen“. Mit tiefem Gefühle und edler Repräsentation stellt sie heute die unglückliche Königin Maria Leszczynska in Brachvogel’s „Narciß“ dar und morgen in bezaubernder bürgerlicher Einfachheit und Herzlichkeit die Oberförsterin in Iffland’s „Die Jäger“. Die classischen Gestalten einer „Daja“ und „Amme“ (Romeo und Julie) athmen bei aller Schärfe der Charakteristik in der Darstellung der Frau Frieb-Blumauer eine bezaubernde Decenz, und selbst in den gewagten Figuren einer Madame Hersch im „Kammerdiener“ etc. weiß die Künstlerin mit wahrhaft bewunderungswürdigem künstlerischem und weiblichem Tacte die Grenzen des ästhetisch Schönen innezuhalten.

Aber wir sind nicht berufen, an dieser Stelle biographisches Material zusammenzuhäufen und Bäume in den Wald zu tragen, das heißt hier noch einmal die eminente und allseitig anerkannte Künstlerschaft Beider in ihrem Berufe zu constatiren. Nur auf ihr Thun und Gebahren hinter den Coulissen wollen wir den Leser einen Blick werfen lassen, und auch das verlohnt sich wahrlich der Mühe.

Wenn wir der Bühnentradition Glauben schenken dürfen, so hat eine frühere Epoche der Schauspielkunst eine große Anzahl von Bühnenoriginalen gezeitigt, die nach und nach ausstarben und deren Andenken höchstens noch in den ihnen nacherzählten Anekdoten unter den Jüngern Thalias lebt; nur höchst selten, in einem blassen Abklatsche, finden wir unter der jüngeren Generation noch einzelne Exemplare dieser Species vertreten – die Zeit scheint ihrer Existenz nicht mehr günstig zu sein. Aus Döring’s eigenem Munde, der auf mehr denn fünfzig Jahre bewegten Bühnenlebens zurückblickt, haben wir in drastischer Schilderung einige dieser Originale aus früherer Zeit kennen gelernt; er selbst aber darf in seiner ganzen Art den Anspruch höchster Originalität machen, ja, es ist unleugbar, daß die Mythe bereits anfängt, das Haupt Döring’s mit einem Anekdotenkranz zu schmücken, von dessen überwiegender Anzahl von Blättern man sagen darf: „Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden“.

Döring beherrscht auch im Leben und außerhalb der Bühne alle seelischen Empfindungen in ihrem äußeren Ausdrucke mit staunenswerther Genialität, und die außerordentliche Lebhaftigkeit seines Temperaments giebt ihm jeden Augenblick Veranlassung hierzu. Die geringfügigste Gelegenheit zeigt ihn uns in allen Abstufungen des Aergers, des Zornes und der höchsten Wuth, und gerade weil eine Veranlassung hierfür nicht vorliegt, erreicht er auf seine Umgebung die umgekehrte Wirkung, nämlich die unendlicher Heiterkeit. Ich erinnere mich einer Faust-Vorstellung im Berliner Opernhause, wo eine mit den hier üblichen offenen Verwandlungen nicht vertraute Souffleuse nach einer Scene Mephisto-Döring’s das Verwandlungszeichen zu früh gab, und Döring über versinkende Büsche und unter seinen Füßen sich öffnende gähnende Abgründe hinwegtanzen mußte und nicht ohne Gefahr in die Coulisse gelangte. Es ist wahr, alle Augenzeugen waren anfangs erschrocken, als aber Döring plötzlich hinter den Coulissen niederkniete und mit höchster Emphase ausrief:

[551] 
Die Gartenlaube (1874) b 551.jpg

Minona Frieb-Blumauer und Theodor Döring.
Letztes Bild des jüngst verstorbenen Paul Bürde in Berlin.

[552] „Herr Gott, ich, danke Dir, daß Du diesem Weibe (er meinte die Souffleuse) keine Kinder gegeben hast – sie würde Mörder zur Welt gebracht haben“ – da blieb „kein Auge thränenleer“ und er selbst lachte zuletzt mit. Am nächsten Morgen, wo eine Probe stattfand, war ich heimlicher Zeuge, wie Döring die „mörderische“ Souffleuse abstrafte. Sie nahte sich mit leidender Miene und geknicktem Wesen und stammelte eine Entschuldigung. Er sah sie stumm, aber mit zornfunkelnden Augen an. Der leidende Ausdruck in ihrem Gesichte nahm zu.

„Was haben Sie denn?“ fragte er endlich mit verhaltenem Ingrimm.

„Ach, ich bin so erschöpft, Herr Döring; Sie wissen ja, meine Collegin ist krank, und nun tagtäglich der anstrengende Dienst – wenn ich nur nicht auch krank werde!“

„Um Gotteswillen, das fehlte gerade noch! Weib, haben Sie denn Fleischextract zu Hause?“

„Nein, wozu das?“

„Zur Stärkung. Hier nehmen Sie einmal das Geld“ – und mit zitternden Händen öffnet er sein riesengroßes Portemonnaie – „und kaufen Sie sich nach der Probe sofort Fleischextract – ein Theelöffelchen, Liebe, in Bouillon gerührt – vortrefflich!“ Die Finger senken sich in die große goldene Dose, die er von Stawinsky geerbt, behaglich führt er den feinen französischen Schnupftabak zur Nase, deren Spitze zweimal die bekannte Wendung nach rechts macht – und aus war die Geschichte.

Der Name des verstorbenen Regisseurs der Hofbühne, Stawinsky, bringt mich auf ein geradezu staunenswerthes Talent Döring’s, nämlich die Nachahmung fremder Individualität bis zu erschreckender Aehnlichkeit. Man glaubt fast mit Stawinsky selbst zusammen zu sitzen, wenn Döring mit dessen Ton und Manieren von ihm erzählt. So lernten wir jüngeren Leute durch dieses Talent Döring’s die Heroen der deutschen Bühnenwelt, Ludwig Devrient, Seydelmann etc. etc. in lebensgetreuen Copien kennen, und wir wendeten nicht selten alle Schlauheit und List an, um ihn zu dergleichen Productionen zu bewegen. Oft wurden ganze Complote geschmiedet, um ihn zum Erzählen oder dergleichen zu veranlassen, und als besonders wirksam erwies es sich stets, wenn Dieser oder Jener in seiner Gegenwart etwas geradezu unmöglich nannte, was man ihm von Döring’s Talent erzählt.

„Wenn ich mir Ihr Gesicht ansehe,“ beginnt z. B. der Eine, „halte ich es für unmöglich, daß Sie in der That ohne Schminke und andere Hülfsmittel im Stande sein sollen, Friedrich’s des Großen Gesicht so gut nachzuahmen, wie mir dies erzählt worden ist.“

„Warum denn für unmöglich, lieber Freund?“ fragt Döring gereizt und mit überlegener Siegesgewißheit.

„Weil Ihr Kinn in seiner Bildung dieser charakteristischen Gesichtspartie Friedrich’s des Großen geradezu entgegengesetzt ist.“

Ueber Döring’s Gesicht fliegt ein mitleidiges Lächeln.

„Das verstehen Sie nicht, Lieber – dann drücke ich eben mein Kinn zurück.“

„Das Kinn zurückdrücken? Aber bester Herr Döring, das ist ja eben unmöglich.“

Döring springt nun, der Opposition müde, auf.

„Larifari, da sehen Sie her!“ und nun legt er wirklich die vor Erregung zitternde Hand auf sein Kinn, das sich wie ehrfurchtsvoll vor dem Drucke der Finger zurückzuziehen scheint, das ganze Gesicht verlängert sich um zwei Zoll und wir sehen plötzlich den scharf markirten Kopf des alten Fritzen mit den feuerflammenden Augen vor uns.

„Bei Gott,“ fährt der Andere bewundernd, aber seinem Systeme getreu fort, „Friedrich der Große! Aber wie es möglich ist, aus diesem Gesicht plötzlich das des ersten Napoleon zu machen, ist mir unbegreiflich.“

Döring antwortet durch die That. Mit einem raschen Griffe der rechten Hand ballt er die Haare auf der Stirn düster zusammen; ein Ruck mit den Schultern, der den Hals verkürzt, die Arme übereinandergeschlagen – und vor uns steht der große Schlachtenlenker, wie wir ihn so oft im Bilde gesehen haben.

Einen außerordentlich drastischen Abschluß erfuhr eine solche Scene einst hinter den Coulissen durch einen langjährigen Collegen Döring’s und bekannten Mitarbeiter dieses Blattes dadurch, daß dieser in dem Augenblicke hinzutrat, als Döring in angegebener Weise Friedrich den Großen nachahmte, und im Tone höchster Bewunderung ausrief:

„Vortrefflich! Napoleon, wie er leibt und lebt!“ –

Der geniale Künstler pflegt die vielen harmlosen Scherze, welche sich seine Collegen mit ihm im Vertrauen auf seine eigene Vorliebe für heiteren Verkehr erlauben, stets in gemüthlichster Weise aufzunehmen, wenn die Art, wie er die Anstifter eines Scherzes abfertigt, oft auch eine sehr drastische ist. So hat Schreiber dieses bei einer solchen Gelegenheit eine wohlapplicirte Ohrfeige von Döring erhalten, an die Geber und Empfänger sich noch jetzt nach Jahren bei ihrem öfteren Zusammentreffen in heiterster Weise erinnern.

Döring ist nämlich ausgesprochener Gourmand, und als er eines Tages während der Probe auf der bekannten Plauderbank des Schauspielhauses saß und seinen Collegen mit allen Finessen die Freuden eines genossenen Diners schilderte, kam plötzlich einer derselben auf den barocken Gedanken, ihn zu fragen, ob es wirklich wahr sei, daß er gern todte Seefische äße. Döring’s Gesicht war plötzlich ganz Abscheu und beleidigter Geschmack.

„Ich todte Fische?“ replicirte er gereizt. „Nein, lieber Freund, lieber vor Hunger sterben. Wenn Fische in mein Haus kommen, werden sie in’s Wasser gesetzt, und dann müssen sie mit dem Schwanze aufschlagen, daß das Wasser umherspritzt. Lebendig müssen sie sein, le-ben-dig, Lieber, oder sie existiren für mich gar nicht.“

Der Frager entfernte sich schweigend, doch schon nach wenigen Minuten trat auf sein Anstiften ein zweiter College mit derselben Frage zu Döring heran. Dieser schaute ihn einen Augenblick verblüfft und mißtrauisch an, als aber Jener ein ganz unverfängliches Gesicht machte, sagte er nach einer Pause:

„Ich begreife nicht, wie Ihr solche Dummheiten glauben könnt,“ und wiederholte nun mit einigen passenden Variationen die erste Antwort. Aber über ein Kleines erschien ein Dritter mit den „todten Seefischen“. Döring nahm eine gewaltige Prise, lächelte verächtlich und murmelte etwas von „dummen Jungens!“ Als aber ein Vierter und Fünfter mit der ominösen Frage herantraten, nahm er eine drohende Haltung an und suchte einen der Frager zu erwischen, um diese „Frechheit“, wie er sagte, „exemplarisch zu bestrafen“; allein dieselben entzogen sich dem angedrohten Gerichtsverfahren durch schleunige Flucht. Ich war während dieser ganzen Scene auf der Bühne thätig gewesen, als der Urheber des Scherzes in einer gerade eintretenden Probenpause zu mir trat und mich mit dem harmlosesten Gesichte anstiftete, Döring zu fragen, ob er gern todte Seefische esse. Ich vermuthete einen Scherz, wie er fast täglich vorkam, hatte aber natürlich keine Ahnung von der Ausdehnung desselben. In diesem Augenblicke trat Döring selbst aus der Coulisse auf die Bühne, und ich ging einige Schritte auf ihn zu. Er blieb stehen, musterte mich mit seinen durchdringenden Augen, und es schien fast, als habe er mir die ominöse Frage bereits von den Lippen abgelesen, denn er stand jetzt wie zum Sprunge bereit. Die ausdrucksvolle Mimik seines Gesichts belehrte mich zwar darüber, daß irgend etwas im Werke war, aber ich wollte nicht Spielverderber sein, und begann mit möglichst unbefangener Miene:

„Essen Sie denn –“ weiter kam ich nämlich nicht, denn mit jugendlicher Beweglichkeit hatte mich Döring bereits am Kragen gefaßt und mit dem Ausrufe: „Nein, lebendig müssen sie sein,“ verabreichte er mir zum Jubel der Umstehenden eine wohlgezielte Ohrfeige. – Ich brauche wohl kaum zu bemerken, daß diese Ohrfeige ebenso wenig ernsthaft gemeint war, wie die an ihn gerichtete Zumuthung der Vorliebe für todte Seefische.

Mit Genugthuung pflegte übrigens der Altmeister von einer anderen Ohrfeige zu erzählen, die er einst ausgetheilt. Er war in Hannover engagirt, und Iffland’s „Jäger“ sollten zur Aufführung kommen. Döring spielte den Oberförster, eine seiner Meisterleistungen, ein junger Mann den bösen Jägerburschen Mathes, der in der fünften Scene des ersten Actes von dem Oberförster verabschiedet wird. Wir müssen zum Verständnisse des Ganzen hier eine Stelle wörtlich citiren:

Oberförster: „Eure Zeit ist ohnedies heute ganz um.“

Mathes: „Herr Oberförster, ich nehme es an und ziehe gleich ab.“

[553] Oberförster: „So? Nun – wenn Ihr wollt, ich kann schon wollen. – Da ist Euer Geld.“

Mathes: „Empfehle mich.“

Oberförster: „Gute Besserung!“ (Mathes geht.)

Auf der Probe sagte der Darsteller des Mathes an dieser Stelle ex tempore: „Gleichfalls, Herr Oberförster!“

„Lassen Sie diese Scherze am Abende, lieber Freund!“ sagte Döring, „denn dem hitzigen Oberförster bliebe bei dieser Bemerkung des Mathes nichts Anderes übrig, als ihm eine Ohrfeige zu geben.“

Der Darsteller des Mathes hielt diese sehr wichtige Bemerkung Döring’s wohl nicht für ernst gemeint, denn er sagte in der Vorstellung wirklich: „Gleichfalls, Herr Oberförster!“ Kaum aber war ihm „das Wort entfahren, möcht’ er’s im Munde gern bewahren“, denn wie der Blitz ereilte ihn des Oberförsters Zorn in der halbgeöffneten Thür. Plautz! erhielt Mathes seine Ohrfeige, und Döring rief ihm triumphirend in’s Ohr: „Im Charakter der Rolle, lieber Freund!“

Als er auf der Leipziger Bühne vor nicht langer Zeit den Shylock spielte, war die erste Frage, die er an mich that:

„Wer spielt denn den Tubal?“

„Ich selbst,“ antwortete ich.

„Doch ohne Nase hoffentlich?“

„Nein, mit Nase.“

„Das heißt mit einer aufgeklebten? Ich reiße sie Ihnen bei Gott noch in den Coulissen herunter.“

„Ich erlaube mir nur meine eigene Nase zu benutzen; aber was haben Sie für eine Wuth gegen die aufgeklebten Nasen?“

„Das will ich Ihnen sagen, Lieber. Ich spiele also in Köln den Shylock, und dieser niederträchtige Kerl, der Tubal, hat sich eine falsche Nase geklebt. In der großen Scene mit mir verliert der Schurke die Nase. Das Publicum lacht, und was thut der Mensch? Sucht auf der Bühne nach der Nase umher, und während ich mich wer weiß wie sehr abhaspele, lacht das Publicum aus vollem Halse. Glücklicher Weise erblicke ich die unglückselige Gurke am Boden und schleudere sie mit einem Fußtritte in die Lampen – erst dann war die Ruhe wiederhergestellt.“

„Nun, und was thaten Sie mit dem Verbrecher?“

„Gar nichts; aber ich habe ihn gebeten, mir seinen Namen nicht zu nennen.“

„Und warum das?“

„Der Mensch hätte einmal im Unglück eine Bitte an mich richten können, und ich wäre, weiß es Gott, im Stande gewesen, sie ihm wegen der Nasengeschichte abzuschlagen.“

Diese letztere Bemerkung charakterisirt gleichzeitig die Herzensgüte des Künstlers, von der wir tausend rührende Züge erzählen könnten. Es ist eine alte Erfahrungsregel, daß die gutmüthigen und aufopferungsfähigen Menschen meist schlechte Financiers sind, und dies trifft auch bei Meister Döring zu. Er bewies dies einst schlagend, als man ihn zum Secretär des Unterstützungsfonds des Berliner Hoftheaters gewählt hatte. Dieser Fond wird durch Beiträge der Mitglieder erhalten und dient dazu, um mittellosen Schauspielern eine Reiseunterstützung zu gewähren, außerdem werden aber auch Darlehen an die Mitglieder und zwar auf eine Bescheinigung des Secretärs hin aus diesem Fond gegeben. Also, wie gesagt, Döring war zu dem genannten wichtigen Amte gewählt worden, aber schon nach acht Tagen sah man sich auf einen Wink des Cassirers hin veranlaßt, eine Generalversammlung des Unterstützungsfonds einzuberufen. Döring, aufgefordert einen Rechenschaftsbericht über seine Thätigkeit zu liefern, gestand mit vergnügtem Lächeln, daß das disponible Geld ziemlich alle sei, aber die betreffenden Darleiher hätten es wirklich alle sehr nöthig gehabt. Natürlich beeilte man sich, ihn schleunigst seines Amtes zu entheben.

Es ist allgemein bekannt, und ich glaube keine Indiscretion zu begehen, wenn ich hier erwähne, daß Döring in Folge seiner gänzlichen Nichtbefähigung zum Mitgliede der Oberrechnungskammer in der ersten Zeit seines Berliner Engagements auch in seinen eigenen Verhältnissen sehr derangirt war. Um ihm Gelegenheit zu geben, seine Schulden nach Bequemlichkeit an einen Hauptgläubiger abzuzahlen und ihn vor lästigen Wucherseelen zu retten, wurden – wenn ich nicht irre – durch königliche Intervention sämmtliche Passiva an einem Tage gedeckt. Am darauffolgenden Vormittag wanderte Döring ruhelos durch alle Zimmer seiner Wohnung und sagte endlich zu seiner Frau:

„Mathilde, ich fühle mich so – so unheimlich; mich beunruhigt etwas, aber ich weiß nicht was.“

Sie schaute ihn lächelnd an.

„Du bischt ebe dran gewöhnt, Döring,“ sagte sie dann in ihrem reizenden schwäbischen Dialecte, „daß Dich Vormittags alle Deine Gläubiger besuche; darum fehlet Dir heute was.“

Er nickte zustimmend; seine Frau hatte das Richtige getroffen

Döring’s Häuslichkeit ist eine unendlich gemüthliche, einfach, aber gediegen nach jeder Richtung hin. Hier empfängt er oft den kleinen Kreis vertrauter Freunde: unter den Collegen obenan die intime Freundin des Hauses, Frieb-Blumauer, den aristokratischen Friedrich Haase, den „Talentvollsten der jüngeren Generation“, wie Döring sagt, den geistvollen Interpreten classischer Dramen Professor Werder, Adolf Stahr u. A. und entwickelt als liebenswürdiger Hauswirth den ganzen Reichthum seiner Unterhaltungsgabe und die Fülle seines schöpferischen Talentes. Ich behaupte, wer Döring nur auf der Bühne gesehen, kann ihn unmöglich in seiner ganzen Genialität beurtheilen. Er selbst pflegt als Einleitung zu diesem oder jenem Scherze zu sagen:

„Jetzt will ich Euch etwas vormachen – das ist besser, als Alles, was ich da unten zur Welt bringe.“

Wer jemals so glücklich gewesen ist, eine jener Scenen von Döring dargestellt zu sehen, wo er, mit Blitzesschnelle die Charaktere wechselnd, zwei, drei und mehr Personen in schärfster Individualisirung vorführt, wird diesen Kunstgenuß zu den schönsten Erinnerungen seines Lebens zählen. Wenn es als glänzendster Beweis für Garrick’s Genialität gilt, daß es ihm einst gelang, am hellen lichten Tage eine skeptisch lächelnde Gesellschaft bis zu Thränen zu rühren, indem er, ein Fußbänkchen auf dem Arme, in hinreißendster Weise den Schmerz einer Mutter um den Verlust ihres Säuglings schilderte; wenn der englische Komiker Mathews ganz London auf den Kopf stellte, als er engagementslos in seinem Hause Abendunterhaltungen arrangirte, in denen er ganz allein in den verschiedensten Charakteren stundenlang einen großen Zuschauerkreis zu unterhalten wußte: so darf Döring die Concurrenz mit diesen Größen nicht scheuen.

Als Professor Hebenstreit vor ungefähr fünfzehn Jahren die Schauspieler aus der Künstlergemeinschaft ausstieß, da sie nur Werkzeuge in der Hand des Dichters seien und nur eine mechanische Fertigkeit ausübten, die überdies durch äußere kleine Behelfe, wie Perrücke, Costüm, Schminke, Lampenlicht, unterstützt werden müsse, da war es Altmeister Döring, der in einer Gesellschaft einer Debatte über diesen Gegenstand dadurch ein rasches Ende machte, daß er den Anwesenden ohne alle diese „Behelfe“ einen Gang durch das Irrenhaus zu Hildesheim dramatisch vorführte. In Zwiegesprächen zwischen dem Arzt der Anstalt und den verschiedenen Irren schilderte er nun alle Phasen des Wahnsinns bald in komischen, bald in rührenden Gestalten. In einer stummen Scene führte er zuletzt die Zuschauer in den allgemeinen Versammlungssaal der Irren, wo diese sich mit Billardspiel unterhalten. Hier sprach er kein Wort mehr und zeichnete nur äußerlich, aber dem blödesten Auge erkennbar, die verschiedensten Arten des Wahnsinns der Spielenden und versetzte sein Auditorium in das höchste Staunen und Entzücken.

Von unwiderstehlich komischer Wirkung ist eine Scene, welche Döring gern in heiteren Kreisen zum Besten zu geben pflegt und die ebenfalls dem Leben entnommen ist. In den Anfängen seiner Carrière war er bei einem Theaterdirector engagirt, dessen Häuslichkeit aus Frau und Schwiegermutter bestand. Letztere, eine uralte Dame, war in ihren Schwiegersohn verliebt und plagte ihn mit allen möglichen Aufmerksamkeiten. Döring schildert nun eine Tischscene in diesem häuslichen Kreise. Der Director ist übel gelaunt und verhält sich den aufdringlichen Aufmerksamkeiten der Schwiegermutter gegenüber ziemlich ablehnend, während die Frau die Alte vergeblich bedeutet, doch den Mann in Ruhe zu lassen. Wenn Döring die köstliche Figur der Alten darstellt, bindet er eine Serviette um den Kopf; im Gesicht bilden sich tausend Falten; der Mund erscheint beim [554] Sprechen vollständig zahnlos, und die Zungenspitze spielt ruhelos im linken Mundwinkel zwischen den trockenen Lippen. Selbst der vertrocknetste Hypochonder müßte bei dieser urkomischen Scene seine griesgrämliche Haltung aufgeben.

Ebenso köstlich schildert Döring eine Scene mit dem verstorbenen Dichter Dr. Carl Töpfer. Dieser beschäftigte sich sehr viel mit der Ertheilung dramatischen Unterrichts und war der Erfinder eines sonderbaren Systems, um den Unterricht in der Mimik des Gesichts seinen Scholaren gegenüber zu vereinfachen. Er hatte nämlich die verschiedenen Phasen der Leidenschaft im Gesichtsausdruck in Abtheilungen getheilt und numerirt. Als Döring nun den Dichter einst in Hamburg besuchte, sollte er sich selbst von der Trefflichkeit dieses Unterrichts-Systems überzeugen. Döring copirt nun hinreißend in Haltung, Geberde, Ton und Dialect den Dichter und ebenso unwiderstehlich komisch den etwas blöden Schüler, der auf Geheiß seines Lehrers Zorn Nummer eins, zwei, drei auf seinem Gesicht verkörpert.

Ich schließe hier die Reihe der heiteren Scenen aus dem Leben des „Altmeisters“; vielleicht erzähle ich den Lesern der „Gartenlaube“ ein anderes Mal mehr von ihm. Mögen diese Zeilen beitragen, den „Dioskuren der Berliner Hofbühne“ und ihrem künstlerischen Wirken die rechte Würdigung angedeihen zu lassen, dem ja allerdings äußere Anerkennung seitens des deutschen Publicums und der Großen der Erde in reichem Maße zu Theil geworden. Frau Frieb Blumauer trägt die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft der Herzöge von Coburg und Meiningen, ist Ehrenmitglied der Hoftheater von Weimar und Meiningen und Professorin der Declamation an der Akademie der Tonkunst in Wien. Auch Döring ist mehrfach durch Verleihung von Orden geehrt worden, für welche Auszeichnung der große Künstler durchaus nicht unempfänglich ist. Besonderes Studium widmet er den Farben der Ordensbänder. Als der durch seinen unverwüstlichen Humor bekannte Vicedirector der Leipziger Bühne, von Strantz, einst bei Döring einen Besuch abstattete und das Band eines ihm verliehenen Ordens in der Länge einer achtel Elle im Knopfloche trug, sagte Döring nach einer Pause komischer Bewunderung: „Recht hübsch, lieber Strantz, aber es schmutzt sehr leicht.“





 Zwei Schwüre auf Hohbarr.*[2]

Deß’ Lob aus Dichters Munde so oft und laut erklang,
Du burgenreicher Wasgau, Dir töne heut mein Sang!
Von einer Veste sing’ ich, an steilem Bergesrand,
Wo Deine blaue Kette sich ostwärts senkt in’s Land.

In stolzem Glanze prangte Hohbarr in alter Zeit,
Das künden seine Trümmer dem Wandersmann noch heut;
Es sah in seinen Mauern der üpp’gen Feste Pracht,
Der Zecher wüstes Lärmen in mancher lust’gen Nacht.

Fürwahr, wer sind die Herren bei’m edlen Rebensaft,
Mit weinerglühtem Antlitz? Ist’s eine Brüderschaft
Von Kriegern, die im Felde so reichen Preis gewann?
Sind’s ritterliche Räuber, ein Graus dem Wandersmann?

O nein, zwar sind es Krieger, doch nicht im Waffenkleid;
In Kutte und Kapuze, so ziehen sie zum Streit.
Ihr Schild der Masse Thorheit, ihr Feind des Menschen Geist,
Ihr Banner ist die Lüge, entfaltet oft und dreist.

Von Fürstenberg Herr Egon tagt hier so manches Jahr,
Der würd’ge Bischof Straßburgs mit seiner Priester Schaar;
Zu dieser Veste pilgert die heil’ge „Brüderschaft“,
So oft vom vielen Fluchen die Zungen sind erschlafft.

Man sieht auf hohem Söller die trunk’nen Zecher stehn,
Mit weingetrübtem Blicke in’s reiche Elsaß sehn,
Wo aus der weiten Fläche, leicht sichtbar rings, hervor
Erwin’s erhabnes Münster zum Himmel ragt empor.

Und eben sinkt im Westen die Sonn’ in Purpurgluth,
Da hebt sein Glas der Bischof in trunk’nem Uebermuth:
„Ihr Herr’n, bei dieser Sonne, die über Frankreich sinkt,
„Bei Straßburgs hehrem Dome, deß’ Thurm uns Grüße winkt:
 Straßburg.

„Bald soll auf seiner Spitze die weiße Fahne weh’n
„Und an dem Hochaltare der große Ludwig steh’n.
„Bald soll das schöne Elsaß in seinen Händen sein
„Und Galliens Grenze bilden dort hinten weit der Rhein.“

Er hat den Schwur erfüllet, der wortgetreue Mann –
Bald stand die freie Reichsstadt in des Despoten Bann;
Bald konnt’ am Hochaltare der Herrscher Frankreichs steh’n,
Des christlichsten Monarchen Panier vom Thurme weh’n.



Zweihundert Jahre rauschten dahin im Strom der Zeit –
In Trümmer ist zerfallen des Baues Herrlichkeit;
Allein ein klarer Morgen im Wonnemonat Mai
Bringt wieder frohe Gäste zum alten Schloß herbei.

Auch dies sind wackre Krieger, doch friedlich ist ihr Streit;
Die Wissenschaft ihr Schlachtfeld, so herrlich und so weit,
Ihr Feind der Masse Thorheit, ihr Schwert des Menschen Geist,
Ihr Banner ist die Wahrheit, verkündet laut und dreist.

Man sieht die Musensöhne auf hohem Felsen steh’n,
Mit stolzem, freud’gem Blicke in’s reiche Elsaß seh’n,
Wo aus der weiten Fläche, leicht sichtbar rings, hervor
Erwin’s erhab’nes Münster zum Himmel ragt empor.

Und wieder sinkt im Westen die Sonn’ in Purpurgluth –
Sie heben ihre Gläser in frohem Jugendmuth:
„Ein Hoch dem deutschen Elsaß, das wir mit starker Hand
„In blut’gem Streit erkämpften dem theuren Vaterland!

„Und gilt’s, nochmals zu streiten für Dich mit Gut und Blut,
„Wir zieh’n zum zweiten Male hinaus in frischem Muth!
„In deutschen Volkes Namen sei Dir der Schwur geweiht:
„Deutsch bist und sollst Du bleiben in alle Ewigkeit!“

 R. M.


  1. Wir machen unsere Leser, in erster Linie die Eisenbahn-Directoren und Beamten unter ihnen, auf diesen Artikel, der uns der Feder einer bekannten Autorität in Eisenbahn-Angelegenheiten stammt, noch ganz besonders aufmerksam, möchten auch dabei betonen, daß die darin gerügten Uebelstände sich nicht nur in Oesterreich, sondern auch in dem gesammten Deutschland vorfinden und einer baldigen Abhülfe sehr bedürftig sind.
    D. Red.
  2. * Zur Erläuterung diene, daß das alte Schloß Hohbarr bei Zabern im Elsaß vor zweihundert Jahren der Schauplatz der wüsten Gelage des Bischofs von Fürstenberg, des Verräthers Straßburgs, mit seiner sogenannten „Brüderschaft“ war. Hierher eilte er mit seinen Genossen, um in Sicherheit wüste Gelage und Trink-Orgien feiern zu können. Deutsche Studenten aus Straßburg waren es, die im letzten Maimonate in ihrer Weise ein Fest feierten, welches mit dem in dem Gedichte erwähnten Schwure schloß.




Kleiner Briefkasten.

E. S. Die Bestattungsweise des Fürsten Pückler-Muskau ist aus Gründen, deren Mittheilung sich der Veröffentlichung entzieht, niemals zur allgemeinen Kenntniß gekommen. Wir haben einige Mühe gehabt, Ihren Wunsch nach näherer Kenntniß dieser „Auflösung mit chemischen Hülfsmitteln“ zu befriedigen. Jetzt ist aus einer, wie wir glauben, zuverlässigen Quelle in Erfahrung gebracht worden, daß man sich damals der Schwefelsäure bedient hat. Mit dieser vermag man allerdings einen menschlichen oder thierischen Körper vollständig zu zerstören und in einen gleichmäßigen Brei zu verwandeln. Die Umständlichkeit und der hohe Preis des Verfahrens lassen es jedoch nicht zur allgemeinen Verwendung empfehlen, während die Feuerbestattung sich gerade durch Schnelligkeit und Billigkeit auszeichnet.

C. St. und W. W. in Stargard i. P. Ein photographisches Portrait des verstorbenen Professor Bock können Sie durch jede Leipziger Buchhandlung beziehen.

Hoffnungslos. Sie sind durchaus nicht hoffnungslos. Ihr Leiden ist nicht gefährlich. Lesen Sie keine meist von Beutelschneidern über diese Leiden verfaßte Schriften, sondern suchen Sie Zerstreuung! Consultiren Sie einen tüchtigen Arzt!

An die „Elsässerin“. Wenn Sie der Meinung sind, Friedrich Friedrich habe in seinem Artikel über die letzten Tage Fritz Reuter’s (Gartenlaube Nr. 31) zwischen dem Tode des Dichters und dem gleichzeitigen Hinwelken seiner Garten-Eiche ein ursächliches Verhältniß zu finden gemeint, so müssen wir diese irrthümliche Auffassung dahin berichtigen, daß der Verfasser jenes thatsächliche Ereigniß nur als einen sonderbaren, aber immerhin höchst poetischen Zufall hinstellen wollte. Die Absicht, das Vorkommniß zu einem Wunder zu stempeln, kann, wie Jeder unserer Leser wissen wird, in der Tendenz der Gartenlaube weder gesucht noch gefunden werden. Die Eiche ist übrigens seit jenen Tagen vollständig vertrocknet.

C. K. in S. Wie man ohne Brenneisen einen Krauskopf bekommt? Wickeln Sie jeden Abend Ihre Haare – und Ihre Eitelkeit wird befriedigt sein, edler Adonis.

B. Gerade an einen Arzt, aber an keinen Pfuscher, der sich öffentlich anpreist, wenden Sie sich Ihrer Tochter wegen!

W. S. Lr. in Schw. Fritz Reuter’s Portrait finden Sie in der Gartenlaube Nr. 37 des Jahrgangs 1864.


Verantwortlicher Redacteur Ernst Keil in Leipzig. – Verlag von Ernst Keil in Leipzig. – Druck von Alexander Wiede in Leipzig.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: eutdeckt