Die Leber und die Leberleiden

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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Die Leber und die Leberleiden
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, 29, S. 356–357;391–392
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[356]
Die Leber und die Leberleiden.

Der Leber schreibt Arzt wie Laie ungerechter Weise so viele Schlechtigkeiten zu und ihre Krankheiten sollen fälschlicher Weise so häufig und beschwerlich sein, daß man sich endlich einmal dieses von allen Seiten angegriffenen und verleumdeten Organes annehmen muß. Hat Jemand sehr brünetten Teint, braune oder gelbliche Flecke auf der Haut, bräunliche Ringe um die Augen oder gar Gelbsucht, so ist, nach der Ansicht der großen Menge, sicherlich allemal die Leber Schuld daran. Ist in Folge schlechter Gewöhnung und geringer Selbstbeherrschung, also aus Ungezogenheit, der Mann mürrisch, jähzornig, hypochondrisch oder melancholisch, die Frau ärgerlich, unzufrieden, zänkisch, mißmüthig, weinerlich u.s.f., dann muß dies nur von einer Leberaffection herrühren. Kopfschmerzen, Schwindel und alle andern Beschwerden in und am Kopfe sollen, gerade so wie die verschiedensten Störungen im Bauche (Verdauungsbeschwerden, unangenehme Empfindungen im Leibe, Hämorrhoiden) von der Leber herstammen. Cholera, Typhus, gelbes Fieber und eine Menge anderer Krankheiten haben Aerzte in der Leber gesucht. Ich leide schrecklich an der Leber, klagt ein Patient, und greift dazu an eine Stelle seines Körpers, wo alles Andere, nur nicht die Leber liegt. Marsch nach Karlsbad, sagt der allopathische Heilkünstler, wenn er seine Aloëpillen und sein Schwefelpulver vergebens gegen die verdächtige Leber eines Staatshämorrhoidarius verschossen hat, während der Vollblut-Homöopath (zuweilen aber auch der Bastard-Homöopath) seine Taschen-, Haus- oder Reiseapotheke mit den netten kleinen Gläschen hervorholt, und sinnend zwischen Quecksilber, Kupfer, Blei, Arsenik, Schwefel, Jod, Magnesia, Kochsalz, Sepia, Bärlapp, Lachesis, Aconit, Nux, Arnica, Belladonna, Pulsatilla, Carduus, Kreosot, Chamomille, China, Digitalis u. s. w. wählt. Nur wenn Gelbsucht in Folge von Aerger auftrat, da greift er sofort nach Bryonia.

Werden nun vermeintliche Leberkranke genau (durch Besichtigen, Befühlen, Beklopfen und Behorchen, d. i. die physikalische Untersuchungsmethode) untersucht oder kommt es nach deren Tode zur Section, dann ergibt sich gewöhnlich, daß bei den Meisten die Leber gar nicht erkrankt ist oder daß sie erst in Folge eines andern Leidens (besonders der Lunge und des Herzens) eine krankhafte Veränderung erlitten hat, die aber in Anbetracht des andern die Leberveränderung erzeugenden Leidens so unbedeutend ist, daß der Arzt einen solchen Patienten gar nicht als Leberkranken bezeichnen sollte. Für sich allein bestehende Leberkrankheiten, welche den Besitzer zum „Der leidet an der Leber“ machen können, sind im Allgemeinen äußerst selten, so selten, daß dem Verf., wenn er einem Arzt dem andern blos das Wort „leberkrank“ zuflüstern hört, stets der Verdacht beschleicht, hier liege von Seiten des Arztes eine ungenaue Untersuchung oder eine Unwissenheit vor. Denn die wenigen der der Leber eigenen Krankheiten lassen sich zwischen Aerzten fast stets mit ihren wahren Namen (wie Leberkrebs, Schuhzweckenleber u. s. f.) benennen oder doch, wenn noch ein Zweifel zwischen dieser oder jener speciellen Leberkrankheit vorhanden sein sollte, annäherungsweise bezeichnen. Uebrigens scheint es mir von den Aerzten sehr inhuman, daß sie den über Unterleibsbeschwerden Klagenden so oft durch Octroyirung eines Leberleidens, was sie selbst nicht kennen und nur argwöhnen, Angst und das Gemüth gallig machen. Wie schwer es hält, dem Laien sein eingebildetes Leberleiden wieder aus dem Sinne zu treiben, davon ließe sich ein Liedchen singen. – Besprechen wir zuerst den Bau und die Funktion der Leber.

Was die Architektonik der Leber, die ihre Lage oben, auf der rechten Seite im Bauche, unter den unteren Rippen und Zwerchfelle hat, betrifft, so denke man sich dieselbe aus zwei auf das Innigste in einander verwebten Netzwerken zusammengesetzt, deren Maschen die die Galle bereitenden Leberzellen ausfüllen. Das eine dieser Netzwerke besteht aus feinen Blutgefäßchen und führt das Blut, waches den Leberzellen das Material zur Gallenbereitung (nicht aber die schon fertige Galle) liefert; es stammt dieses Blut aus der Pfortader (s. Gartenl. 1854. Nr. 18.) und der Leberpulsader. Das andere Netzwerk wird theils von reihenweise verbundenen Leberzellen, theils von Röhrchen (Gallenkanälchen) gebildet, welche, von den Leberzellen begrenzt, die Galle aus diesen Zellen aufnehmen und in größere Gänge, durch diese aber zur Leber heraus leiten. In den Zellenreihen wird die Galle aus dem Material, welches die Blutgefäßchen abgaben, bereitet, filtrirt und wie der Saft der Pflanze von Zelle zu Zelle fortgeschafft, bis sie in die Gallenkanälchen gelangt. – Bei Erkrankung der Lebersubstanz muß entweder die Bildung der Galle durch die Leberzellen gestört werden, und dann bleibt das Gallenmaterial (nicht Galle oder fertige Gallenbestandtheile) im Blute zurück, oder die in den Zellen fertig gebildete Galle wird an ihrer Ausfuhr gehemmt und kehrt dann als solche in das Blut zurück. So entstehen ganz verschiedene, hauptsächlich die Blutmischung betreffende Krankheitszustände, von denen später die Rede sein soll.

Die Form der Leber ist die eines länglichen Vierecks mit abgerundeten Ecken; sie ist gegen 4–6 Pfund schwer, mehr lang (10–12" im Querdurchmesser) als breit (4–7"), platt, von oben nach unten sehr zusammengedrückt und schalenförmig gekrümmt; ihrer Consistenz nach ist sie härtlich und brüchig; im gesunden Zustande hat sie eine braunrothe Farbe; äußerlich wird sie von einem dünnen, glatten und stets feuchten Bauchfellüberzuge überkleidet. An ihrer obern, gewölbten und dem Zwerchfelle zugekehrten Fläche, bemerkt man eine (durch das Aufhänge-Band der Leber bewirkte) Trennung in einen rechten und einen linken Lappen, während die untere ausgehöhlte Fläche, welche die rechte Niere, den Quergrimmdarm, Zwölffingerdarm und Magen berührt, in 4 Lappen getheilt ist und in ihrer Mitte eine quere Vertiefung (die Pforte) zum Ein- und Austritt von Gefäßen, Nerven und Gallengängen besitzt. An dieser untern Fläche ist auch die birnförmige Gallenblase angewachsen und steht theils mit dem aus der Leberpforte hervortretenden Hauptgallengange (Lebergange), theils mit dem zum Zwölffingerdarme führenden gemeinschaftlichen Gallengange in Verbindung, so daß die aus der Leber durch den Lebergang ausfließende Galle ebensowohl in die Gallenblase (ein Reservoir für die Galle), wie auch durch den gemeinschaftlichen Gallengang, mit Umgehung der Gallenblase, sofort in den Zwölffingerdarm fließen kann.

Die Funktion der Leber__ ist erst in der neuern Zeit genauer bekannt worden, früher begnügte man sich blos damit, zu behaupten, daß das Blut die Leber durchströme, um die für den Verdauungsproceß wichtige Galle zu bereiten. Allerdings fand man bald, daß hierdurch, nämlich durch Absetzung des zur Gallenbildung nöthigen Materials aus dem Blute, dieses von einem Theile seiner schlechten Bestandtheile befreit und so gereinigt werde. Aber daß sich auch neue Blutkörperchen und Zucker im Blute bilden, während es die Leber durchströmt, das ist erst eine Entdeckung der Neuzeit und die Veranlassung, daß man die Leber als ein Organ, welches zur Bildung neuer Blutkörperchen bestimmt ist, ansieht und die Umwandlung der während jener Neubildung und vielleicht nur wegen derselben aus dem Blute ausgeschiedenen Stoffe zu Galle in den Leberzellen blos als eine Nebenfunktion betrachtet. Zu dieser Erkenntniß gelangte man übrigens dadurch, daß man das in die Leber ein- und ausströmende Blut mit einander verglich. Hierbei fand sich nämlich, daß die farbigen Blutkörperchen des aus der Leber (durch die Leberblutadern) kommenden Blutes beträchtlich von denen des (durch die Pfortader) in die Leber hineinströmenden Blutes abwichen, und daß das erstere Blut viel ärmer an Faserstoff, Eisen und Fett, dagegen bedeutend reicher an farblosen Blutkörperchen und Zucker als das letztere Blut ist. Ohne Zweifel geht ein Theil der in die Leber eintretenden farbigen Blutkörperchen zu Grunde und wird zur Gallenbildung (besonders zur Bildung des Gallenfarbstoffes) verwendet. – Die Galle läßt sich hiernach als ein Nebenprodukt, ein Residuum des Blutkörperchen-Zerstörungs- und Neubildungsprocesses in der Leber betrachten, welche im Darme bei der Verarbeitung (Zerkleinerung und Aufsaugung) des genossenen, in den Nahrungsmitteln befindlichen Fettes mithilft und theils vom Darme aus in das Blut zurückkehrt, theils mit dem Stuhle aus dem Körper weggeschafft wird.

Mit der Leber im engsten Zusammenhange steht die Pfortader; sie ist es, welche das Blut (durch die Pforte) in die Leber hineinschafft, damit es daselbst gereinigt und verjüngt werde; sie ist es auch, die in den meisten Fällen das Ueble thut, was man [357] gewöhnlich der Leber schuldgibt, hauptsächlich die sogenannten Unterleibs- und Hämorrhoidalbeschwerden erzeugt (s. Gartenlaube Jahrgang 1854 Nr. 18). Denn der Blutlauf in dieser Ader, sowie in deren Zweigen, die von Milz, Magen und Darmkanale her das Blut in die Pfortader schaffen, unterliegt bei unserer jetzigen Lebensweise sehr leicht und oft einer Störung. Wie man dieselben heben und vermeiden kann, wurde früher schon angegeben.

[391] Kann denn der Arzt wirklich ganz sicher wissen, wenn die Leber krank ist? Nur wenn er durch genaues Befühlen und Beklopfen derjenigen Bauchgegend, in welcher die Leber liegt, eine krankhafte Veränderung dieses Organs wahrzunehmen im Stande ist, darf er mit Sicherheit von einer Leberkrankheit sprechen. Dagegen werden widernatürliche Empfindungen und Schmerzen in der Lebergegend oder Störungen in der Verdauung, so wie in Bildung und Ausfuhr der schon gebildeten Galle, einen wissenschaftlich gebildeten und gewissenhaften Arzt niemals veranlassen, mit Bestimmtheit eine Leberkrankheit anzunehmen, da alle diese Krankheitserscheinnngen von ganz andern als von Leberleiden herrühren können. Wenn also ein Arzt einem Patienten, ohne dessen Lebergegend genau befühlt und beklopft zu haben, ein Leberleiden schon an der Nasenspitze, an braunen Flecken u. s. w. ansieht oder gar brieflich erkennt, dann kann man gerechtes Mißtrauen entweder gegen das Wissen oder gegen die Gewissenhaftigkeit dieses Arztes fassen. Vom Unterzeichneten möge ein solcher Arzt hiermit die tiefste Verachtung und die Bezeichnung eines gewissenlosen Charlatan entgegennehmen.

Leider ist nun aber der größte Theil der Leber in der rechten Oberbauchgegend (im rechten Hypochondrium) so unter den Rippen der rechten Brusthälfte verborgen, und ihre Größe und Form bietet schon im ganz gesunden Zustande so bedeutende Verschiedenheiten dar, daß in gar nicht wenig Fällen auch die genaueste Untersuchung die gesunde oder kranke Beschaffenheit der Leber nicht gehörig zu ergründen vermag. Glücklicher Weise gehen aber die meisten und wichtigeren Leiden der Leber mit Veränderung der Größe und Consistenz derselben einher und diese ist dann durch das Befühlen und Beklopfen der Oberbauchgegend ziemlich sicher zu erkennen. Denn rings um die Leber lagern lufthaltige Organe (wie Lunge, Magen und Darm), welche beim Beklopfen einen vollen (hohlen) Ton von sich geben, während die dichte luftleere Leber natürlich einen matten (dumpfen, leeren) Ton gibt, dessen Gränze auch ziemlich genau den Umfang der Leber bezeichnet; wie man ja auch durch das Klopfen an ein halbgefülltes Faß die Gränze der Flüssigkeit anzugeben vermag. Trotz dem ist es bei Frauen für den Arzt oft sehr schwierig, von der durch das Beklopfen erkannten Größe und Gestalt der Leber einen richtigen Schluß auf die Beschaffenheit dieses Organs zu machen, denn bei diesen sind in der Regel durch den Druck der Unterrocksbänder und des Schnürleibchens solche Huckel und Buckel, Rinnen und Lücken, Verlängerungen und Verkrüppelungen an der Leber entstanden, daß diese einer Leber gar nicht mehr ähnlich sieht (s. Gartenlaube 1855. Nr. 16. u. 1853. Nr. 26.).

Betrachten wir die Leberleiden nun genauer, so dürften ihres Sitzes und ihrer Krankheitserscheinungen wegen eigentlich nur die Veränderungen des wirklichen Lebergewebes (nämlich der Leberzellen, der feinern Gallengänge und Blutgefäßchen, sowie des diese Theile verbindenden Zell- oder Bindegewebes) als solche bezeichnet werden, nicht aber die Krankheiten des Bauchfellüberzuges der Leber und die der größern Gallenwege. – Von den wenigen Krankheiten des Leberüberzuges, welcher als eine Portion des Bauchfelles ununterbrochen mit dem Ueberzuge der benachbarten Baucheingeweide zusammenhängt, tritt am häufigsten die Entzündung, und zwar am liebsten nach Schlag, Stoß und Druck (vom Schnürleib, Unterrocksbande, Leisten beim Schuhmacher u. s. w.) auf und diese ist also keine Leber-, sondern eine theilweise Bauchfell-Entzündung. Sie macht stechende Schmerzen in der Lebergegend, [392] die beim Druck, Tiefathmen, Niesen, Husten und Bauchpressen heftiger werden und sich auch ohne Arzt und Arzneimittel (auch ohne Blutegel), am schnellsten bei warmen Breiumschlägen verlieren. Daß gewöhnlich nach solcher Entzündung zeitlebens Verdickung des Leberüberzuges oder Verwachsung der Leber mit einem Nachbartheile zurückbleibt, hat gar nichts oder wenigstens nicht viel zu sagen, läßt sich übrigens auch nicht ändern, ja ist sogar in manchen Fällen von Vortheil. – Unter den Krankheiten der größern Gallenwege, die sich zum größten Theile gar nicht innerhalb der Leber befinden, sondern nur der untern Fläche dieser anliegen, werden diejenigen am störendsten und auffälligsten, welche mit einer Verengerung und Verstopfung dieser Gänge einhergehen (wie der Katarrh und die Gallensteine), weil dadurch die Ausfuhr der in der Leber bereiteten Galle teilweise oder gänzlich gehemmt ist und diese nun als solche in das Leberblut aufgenommen wird. Der Farbstoff dieser stockenden und in das Blut geschafften Galle färbt endlich alles Blut des Körpers gelb und erzeugt so die sogen. Gelbsucht (Icterus), welche übrigens fast stets eine Erscheinung gestörter Gallenausfuhr (also ein Zeichen von Hindernissen in oder an den größern Gallenwegen), nicht aber ein Symptom gehemmter Gallenbildung (also nicht einer wirklichen Leberkrankheit) ist. Was hierbei mit den übrigen Bestandtheilen der in das Blut getretenen Galle wird, ist noch nicht genau ermittelt. Bisweilen scheinen sich einzelne derselben so zu zersetzen (vielleicht das Glycin und Taurin der Glyco- und Taurocholsäure zu kohlensaurem Ammoniak?), daß eine, mit nervösen Erscheinungen einhergehende tödtliche Gallenvergiftung des Blutes zu Stande kommt. Auch bei diesen Uebeln macht die äußere und innere Anwendung der Wärme, neben milder und leicht verdaulicher Kost, jede Arznei entbehrlich.

Was nun die eigentlichen, wahren Leberkrankheiten betrifft, so ist der größte Theil derselben, wie früher schon gesagt wurde, erst die Folge einer andern wichtigern, und zwar entweder einer örtlichen (besonders einer organischen Herz- und Lungen-) oder einer allgemeinen (Blut-)Krankheit und dann ohne große Bedeutung und Beschwerden; alle sind aber von langwierigem Verlaufe. Hierher gehört: die Speckleber, eine Vergrößerung der Leber durch widernatürliche Anhäufung einer eiweißartigen Substanz in den Leberzellen und wahrscheinlich hervorgegangen aus Blutüberfüllung (Anschoppung) der Leberadern; die Fettleber, eine, oft sehr bedeutende, Vergrößerung der Leber durch widernatürliche Anhäufung von Fett in den Leberzellen, bei Säufern, Fettsüchtigen und Leberthran-Consumenten; der Leberkrebs, welcher in Gestalt runder Geschwülste von der verschiedensten Größe, gewöhnlich erst in dem höheren Lebensalter, ebenso mit wie ohne Vergrößerung der Leber auftritt, vielleicht manchmal eine rein örtliche, ein anderes Mal aber die Folge einer Blutkrankheit, übrigens unheilbar ist; die Blutanschoppung der Leber, eine mäßige Vergrößerung dieses Organes durch angehäuftes, mehr oder weniger stockendes Blut in den Leberadern, welches entweder in Folge mechanischen Hindernisses (meistens im Herzen oder in der Lunge) nicht gehörig aus der Leber nach der untern Hohlader hin abfließen kann, oder von der Pfortader aus nicht kräftig genug durch die Leber hindurchgeschoben wird. Die letztere Ursache, auch mit den Namen „Pfortaderstockung, Unterleibsbeschwerden, Abdominalplethora, Unterleibsanschoppung mit Hämorrhoidalbeschwerden“ belegt, die ist es, welche der armen Leber vorzugsweise ein schlechtes Renommee bei aller ihrer Unschuld verschafft hat und der Reinigung und Verjüngung des Blutes durch die Leber hinderlich ist. Wer sich hierüber genauer unterrichten und seine Unterleibsbeschwerden los sein will, der lese in Gartenlaube 1854. Nr. 18. meinen Aufsatz über Unterleibsbeschwerden und handele danach.

Welche Krankheiten bleiben denn nun schließlich der Leber ganz eigenthümlich? Außer dem Leberkrebse nur noch: die Leberentzündung (mit Absceß- oder Schwielenbildung im Gefolge), welche stets auf eine kleine Stelle der Leber beschränkt, eine der seltensten Krankheitsformen und fast nie mit Sicherheit zu erkennen ist, übrigens von selbst heilt, wenn sie überhaupt heilt; die unheilbare Schuhzweckenleber oder die körnige Verhärtung mit Verschrumpfung, welche wohl nur bei Säufern (besonders Schnapssäufern) vorkommt und Bauchwassersucht nach sich zieht; die Hülsenwurmblase (Echinococcussack), ein thierischer Parasit, in oder an der Leber, welcher aber auf die eigentliche Leberfunktion keinen nachtheiligen Einfluß ausübt, höchstens bei bedeutender Größe die Lebergegend sehr auftreibt und durch Druck auf den Gallenglanz und die Pfortader Gelbsucht mit Bauchwassersucht erzeugt.

Nach dieser Revue der Leberleiden wird es dem Leser vielleicht klar geworden sein, wie gering die Anzahl derjenigen Uebel ist, welche wirklich den Namen eines Leberleidens verdienen, wie so schwer es oft ist, dieselben mit Sicherheit zu ergründen und wie bequem es sich die Aerzte machen, welche in den meisten über Unterleibsbeschwerden Klagenden sofort Leberleidtragende finden wollen. Sie thun mir leid! Die Aerzte wie die Kranken.

Bock.