Die Roßmäßler’sche Conchyliensammlung und „Roßmäßler’s Ehre“

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Die Roßmäßler’sche Conchyliensammlung und „Roßmäßler’s Ehre“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 512
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Emil Adolf Roßmäßler und sein Nachlaß
Blätter und Blüthen
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[512] Die Roßmäßler’sche Conchyliensammlung und „Roßmäßler’s Ehre“. E. A. Roßmäßler, dessen Lebensbild mit trefflichem Portrait wir in einer der nächsten Nummern der Gartenlaube bringen, hatte als Specialität wissenschaftlicher Naturforschung sich die Land- und Süßwasser-Mollusken erwählt; sie sind der Gegenstand seines berühmtesten Werkes, der „Ikonographie“ derselben, und bilden den Inhalt einer großartigen Sammlung. Es kann wohl kaum eine glaubwürdigere Empfehlung derselben geben, als wie sie ein hervorragender Conchyliologe, Archidiakonus Adolph Schmidt in Aschersleben, in folgender brieflicher Zuschrift ausspricht:

„Es ist,“ schreibt er einem Leipziger Freunde, „eine schwierige Sache, auf Ihre gefälligen Anfragen über den Umfang und den Werth der Conchyliensammlung des sel. Roßmäßler mit ein paar Worten Auskunft zu geben, zumal Ihnen, der Sie kein Conchyliensammler sind. Doch so viel sagt sich wohl Jeder, der kein Fachmann ist, daß die Sammlung des Mannes, welcher über ein Vierteljahrhundert lang die erste Autorität für die europäischen Binnenconchylien gewesen, der durch seinen immensen Fleiß als Sammler und Forscher die Kenntniß dieses Gebiets angebahnt hat und der dann mit den von ihm Angeregten und weiter Fortgehenden stets gleichen Schritt gehalten hat, ich sage, daß die Sammlung dieses Mannes mit der eines noch so eifrigen Dilettanten gar nicht verglichen werden kann. Ja, es ist nicht die geringste Uebertreibung, wenn ich behaupte, daß diese Sammlung in der ganzen Welt einzig dasteht. In ihr finden sich in großer Fülle die zuverlässigsten Originalexemplare aus der Hand von Ziegler und andern Vorarbeitern; ja, sie enthält die Originalexemplare zu Roßmäßler’s Hauptwerke – das will doch gewiß am meisten besagen. Das Meiste, was er in seiner weltberühmten Ikonographie abgebildet und beschrieben hat, war sein Eigenthum. Ich weiß, daß kurz vor meiner ersten Bekanntschaft mit Roßmäßler die sächsische Regierung ihm eintausend Thaler für die Sammlung geboten hat und daß er sich mit Recht nicht entschließen konnte, sie für einen solchen Preis hinzugeben. Das war vor fast zwanzig Jahren. Wie ist diese Sammlung nun seitdem angewachsen! Welche herrlichen Schätze sind derselben, abgesehen von dem immer mächtiger wachsenden Tauschverkehr, ganz besonders durch Roßmäßler’s Reise nach Spanien einverleibt worden. Diese kenne ich ganz speciell, denn der selige Roßmäßler legte Werth darauf, daß ich das kolossale Material von lebend mitgebrachten Sachen vor der Publication der vielen neu aufgefundenen Arten anatomisch durcharbeitete. Für Manchen hat es daher vielleicht auch Interesse zu erfahren, daß diese herrliche Sammlung nebenbei die Originalexemplare zu mancher von mir veröffentlichten anatomischen Arbeit darbietet.

Das Wiener Museum legt mit Recht großen Werth auf den Besitz der Draparnaud’schen Sammlung – aber was ist diese im Vergleich mit der Roßmäßler’schen! Wie ich höre, reflectirt Jemand im Interesse einer nordamerikanischen Universität auf Ankauf der genannten Sammlung. Es wäre ein Jammer, wenn dies Juwel europäischer Wissenschaft über’s Meer wanderte. Können Sie dazu beitragen, daß es Deutschland oder einem deutsch redenden Volke erhalten bleibt, so thun Sie das ja; Sie würden sich dadurch ein großes Verdienst erwerben!“

Leider ist dazu wenig Aussicht, da von unseren Staatsanstalten wenige so dotirt sind, daß sie einige Tausende für eine Sammlung auf einmal aufwenden könnten, und Roßmäßler’s Hinterbliebene sind nicht im Stande, der deutschen Wissenschaft ein Opfer zu bringen. Er konnte seiner Wittwe nichts hinterlassen, als seinen Namen, seine Bücher und diese Sammlung. Die Wittwe erhält eine jährliche Pension von fünfundachtzig Thalern. Um nicht in Roßmäßler’s Namen das deutsche Volk anzubetteln, haben Freunde des Verewigten ein Schriftchen drucken lassen: „Roßmäßler’s Ehre“, welches die zu seiner Gedächtnißfeier in Leipzig vorgetragenen Reden von Prof. Wigard in Dresden und unserm Brehm (jetzt in Berlin) und Dichtungen von Eduard Burckhardt und Ludwig Würkert sammt einem Portrait des Gefeierten bietet. Mögen die Freunde und Verehrer, Gesinnungs- und Glaubensgenossen Roßmäßler’s dieses Schriftchens zum Besten der Wittwe sich annehmen! Die buchhändlerische Besorgung hat die Buchhandlung von Robert Friese in Leipzig übernommen; besondere Einsendungen richtet man an „das Roßmäßler-Comité in Leipzig“ oder dessen Vorsitzenden Dr. Friedrich Hofmann daselbst. – Die Opferansprüche unserer Zeit sind freilich groß, aber wo die Pflicht der Dankbarkeit gegen einen verdienten Mann die Herzen mahnt, hat man in Deutschland diese Mahnung noch niemals überhört.