Eine Mohrin

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Textdaten
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Autor: Louis de Rouvroy
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Titel: Eine Mohrin.
Untertitel: Auch ein Geheimniß aus Ludwig XIV Regierung.
aus: Thalia - Dritter Band, Heft 10 (1790), S. 125–127
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Georg Joachim Göschen
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
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[125]

VI.

Eine Mohrin.

auch ein Geheimniß aus Ludwig XIV Regierung.

(aus den Memoires des Herzogs von S. Simon)




In Moret, einer kleinen Stadt, nahe bei Fontainebleau war ein kleines Kloster, wo eine unbekannte Mohrin eingekleidet wurde, die man niemanden sehn ließ. Bontemps, Gouverneur von Versailles, der alle geheimen Hausgeschäffte des Königs besorgte, hatte sie ganz jung dahin gebracht; die Mitgabe, die er bezahlte, war ansehnlich, und er fuhr fort ein starkes Kostgeld jährlich für sie zu erlegen. Auch trug er Sorge, daß ihr keine von den Annehmlichkeiten, die sie wünschen konnte, abgieng, und von alle dem, was man bey einer Nonne für Ueberfluß halten kann, wurde ihr nichts verweigert. Die Königinn, und nach ihr die Frau von Maintenon, besuchten das Kloster sehr oft, wenn sie in Fontainebleau waren, und ließen sich den Wohlstand desselben sehr angelegen seyn. Unmittelbar zwar richtete keine von beiden ihre Sorgfalt auf diese Mohrin. Oft sahen [126] sie, sie nicht einmal, wenn sie das Kloster besuchten, aber immer erkundigten sie sich mit Neugierde nach ihrer Gesundheit, ihrem Betragen, und nach dem der Aebtissinn gegen sie. Obgleich niemand von bekanntem Nahmen in diesem Kloster war, so besuchte es doch Monseigneur zuweilen, auch seine Kinder die Prinzen, und wer dahin kam, sah die Mohrin oder fragte nach ihr. Sie war in ihrem Kloster mehr geachtet als die übrigen, und wußte sich viel mit der Sorgfalt, die man für sie hatte, und dem Geheimniß das man daraus machte. Sie lebte sehr fromm, aber man merkte es wohl, daß sie diesem Rufe nicht ganz aus freiem Willen gefolgt war. Als sie einsmal Monseigneur in dem nahgelegenen Walde jagen hörte, so warf sie ganz nachläßig diese Worte hin: „Mein Bruder jagt.“

Man giebt vor, daß sie sich oft sehr hochmüthig zu betragen pflegte. Als eines Tages Frau von Maintenon auf eine Anklage der Aebtissinn zu ihr gekommen, um ihr Gesinnungen einzuflößen die der geistlichen Demuth mehr angemessen wären, und ihr unter andern zu verstehn gegeben, sie wäre das nicht, was sie zu seyn sich einbildete“ so soll sie dieser zur Antwort gegeben haben „Wäre ich es nicht, so würden sie sich nicht die Mühe geben, mir es zu sagen“ diese Nachrichten haben muthmaßen lassen, daß sie eine Tochter des Königs, und der Königinn wäre, daß man sie ihrer Farbe wegen verborgen gehalten, und die Nachricht ausgebreitet habe, die Königinn habe ein todes Kind gebohren.

[127] Mademoiselle erzählt, daß Marie Therese sich ganz von einer Spanischen Kammerfrau, mit Nahmen Molina habe leiten lassen; daß sie nichts gut fand als was diese zubereitet hatte: für eine andre Spaniern Philippa, habe sie viel Zärtlichkeit gehabt, diese habe man in dem Pallast ihres Vaters als ein Kind gefunden. Auch habe sie eine Zwergin, die fast so schwarz als eine Mohrin war, bey sich gehabt, die ihr sehr gefallen habe. Auf diesen bizarren Geschmack wurde nachher dieser Argwohn gegründet; dieser eigne Geschmack eine unformliche Mohrin, wie Mademoiselle sie nennt, immer vor Augen zu haben, läßt wenigstens muthmaßen, daß Maria Therese nicht delikat genug war, ihre Blicke von Gegenständen wegzuwenden, die sich eine Frau versagen sollte; daß sie diese Blicke vielleicht zu sehr auf die Neger gerichtet habe, die die Fortschritte des Seehandels anfiengen in Frankreich sehr gewöhnlich zu machen, und daß daher vielleicht die Farbe dieser Unglücklichen gekommen, die man in einem Kloster verbergen mußte.[1]


Anmerkungen:
  1. Die gedruckten Memoires von St. Simon erwähnen eines Bilds dieser Mohrin. Es könnte seyn daß es dasselbe ist, daß man in dem Cabinet von St. Genouefa in Paris sieht.