Für die Winterabende

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Für die Winterabende
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aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 584
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Buchempfehlung: „Gefahrvolle Wege“ von Georg Hiltl
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[584] Für die Winterabende. Das Jahrhundert Ludwig’s des Vierzehnten von Frankreich, die classische Periode des Hoflebens mit seiner Pracht und seinen Intriguen, die Tage der glänzenden Cavaliere, der galanten Marquis und Marquisen, der Allonge und des Rococo mit den gepuderten Schäfern und Schäferinnen, die Zeit großer Feldherren, vornehmer Abenteurer und Verbrecher, bietet für den geschichtlichen Sitten- und Sensationsroman eine noch lange nicht ausgebeutete reiche Fundgrube. Wie die fesselndsten Romane des ältern Dumas: Königin Margot, die Musketiere der Königin u. a. m. die gestaltenreiche Zeit des „großen Königs“ zum Rahmen haben, so hat jetzt ein bekannter deutscher Schriftsteller, der den Lesern der Gartenlaube namentlich durch eine Reihe interessanter historischer Skizzen lieb geworden ist, Georg Hiltl, denselben merkwürdigen Abschnitt der französischen Geschichte zum Vorwurfe seines ersten größeren Romanes gewählt. „Gefahrvolle Wege. Historischer Roman aus der Zeit Ludwig’s des Vierzehnten“ heißt der Titel des nunmehr in seinen vier Bänden abgeschlossen daliegenden Buches, das wir zwar gewissermaßen als eine Nachahmung der Dumas’schen Muse bezeichnen müssen, das aber neben der Spannung, in welche uns der französische Schriftsteller in seinen Romanen zu versetzen pflegt, auch die Vorzüge des deutschen Gemüthes und deutscher Gründlichkeit zum Ausdruck bringt. Hiltl zeigt sich in seinen „Gefahrvollen Wegen“ als ein Kenner der französischen Memoirenliteratur, wie es in Deutschland wenige ihm ebenbürtige geben dürfte, und hat es verstanden, dies überwältigende Material zu einem abgerundeten, geschichtlich-romantischen Gemälde zu verarbeiten, und damit ein ungewöhnliches Gestaltungs- und Darstellungstalent bekundet.

Eine Menge von interessanten Figuren treten uns aus dem großen Bilde entgegen, als Haupt der Gruppe die berüchtigte Marquise von Brinvilliers, jene entsetzliche Giftmischerin, welche den Gipfelpunkt der Entsittlichung ihrer Epoche repräsentirt, daneben der verrufene Italiener Exili, die stolze Marquise von Montespan, Ludwig’s des Vierzehnten nachmalige Geliebte, der König selbst, der Chevalier von St. Croix und noch viele andere Herren und Damen des Hofes von Versailles – sammt und sonders lebensfrisch und lebenswahr, vollkommen ihrer Zeit und ihrem Charakter treu gezeichnet und nicht etwa nur in einzelnen Situationen und Episoden lose neben einander gereiht, sondern zu einem harmonischen Ganzen organisch mit einander verbunden und zusammengewachsen – mit Einem Worte, die farbenreiche Zeit lebt vor unsern Augen.

Es ist hier nicht der Ort für eine eingehendere oder referirende Kritik des Romanes, wir wollen blos bei dem nahenden Winter mit seinen der Lectüre so günstigen langen Abenden die Aufmerksamkeit auf ein Buch lenken, welches nicht verfehlen wird, manche Stunde nicht nur auf das Unterhaltendste, sondern selbst vielfach belehrend auszufüllen und den Freunden und Freundinnen der Gartenlaube die bewährte Feder Georg Hiltl’s von Neuem lieb und werth zu machen.