Geschichte zur Warnung für den Handwerksstand

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Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Geschichte zur Warnung für den Handwerksstand
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 1, S. 197–199
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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VII.
Geschichte zur Warnung für den Handwerksstand.
(Aus einer gleichzeitigen Handschrift.)
Friedrich Kleinert, ein Drechsler, aus Partenstein in Preußen gebürtig, heyrathete in Nürnberg eine Drechslers-Wittwe Scholzin, welche bald (1671) starb. Er nährte sich gut mit seinem Handwerke, indem er verschiedene Waaren von Holz, und allerley Früchte, Birn, Äpfel etc. mit Farben ziemlich natürlich mahlte. Die Meister seines Handwerks haben ihm aber seine Arbeit bald nachgemacht. Er legte sich daher auf die Verfertigung von allerley künstlichen Docken (Puppen); welche ihm auch nachgemacht wurden. Hierauf verfertigte er runde Büchslein von Holz, deren Deckel ein zinnernes auf Holz gedrucktes Bildniß hatten. Etliche Meister machten ihm auch diese nach. Er ließ endlich noch eine größere Presse machen, und erhielt vom Rath die Erlaubniß, daß er Schaupfenninge von Gold und Silber auf seine Büchslein drucken durfte. Er verfertigte unter andern für die Republik| Venedig einen Schaupfenning, worauf alle Städte waren, welche die Republik den Türken in Morea abgenommen, und soll dafür eine goldene Kette mit einem Gnadenpfenning erhalten haben. Dadurch kam er in großes Ansehen, wurde Genannter des größern Raths, ließ sich von dem Kurfürsten in Mainz einen Adelsbrief ertheilen, und verlangte nun bey Leichen und Hochzeiten einen Vorrang. Der Rath schrieb an dem Kurfürsten: Ob es wegen des Adels richtig wäre? und erhielt zur Antwort: Sie hätten ja der papiernen Narren mehr in ihrer Stadt, so sollten sie diesen auch mit drunter laufen lassen.
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 Sein Haus war ihm nach dem Tode seiner ersten Frau zu klein; daher kaufte er das Eckhaus in der innern Laufergasse neben dem Storch. Da dieß aber vom Markt zu weit entfernt war, so kaufte er des Oeders Haus neben den grünen Kindern, ließ die daran gestandenen beyden Häuser einreißen und von Grund auf mit Steinen bauen. Mit seiner andern Frau erzeugte er eine Tochter. Nach dem Tode dieser Frau heyrathete er zum drittenmahl eine Augspurgerin. Übermuth und Stolz plagte ihn. Er ließ sich mit der Alchemie ein und wollte Gold| und Silber machen. Sein neues Haus war ihm wieder nicht gut genug. Er kaufte also das Ayrmännische Haus in der äussern Laufergasse um 9000 fl. im J. 1696. Dieser Pracht und große Aufwand dauerte nicht lange. Sein Principal in der Alchemie ging durch. Er fing an, auch dieses Haus zu bauen, konnte aber endlich die Bauleute nicht mehr bezahlen. Die Gläubiger brachen gegen ihn los, und er wurde in die Rathhausvogtey gesetzt. Das Haus mußte er wieder verkaufen, und sein Eidam Diac. Geo. Sebast. Krauß mußte bezahlen helfen. Darüber wurde Kleinert melancholisch, sprang den 27 März 1697 auf der Barfüsser Brücke in die Pegnitz, und schwamm auf dem Rücken bis an die Fleischbänke, wo ihn die Pürschner (vielleicht Kuttler) wieder heraus zogen. Er erhohlte sich wieder, fing wieder an zu arbeiten, kam nicht mehr unter die Leute und starb 1709.